Johannes Brahms - Einsam, aber frei
Zeit und Welt
Das 19. Jahrhundert ist gekennzeichnet von den im Fahrwasser der Aufklärung sich erneut regenden revolutionären Umtrieben, die sich in der Pariser Februarrevolution von 1848 sowie einen Monat später in Österreich und Deutschland Bahn brechen. Seit der Französischen Revolution von 1789 hatte sich die Welt grundlegend verändert. Durch die neu proklamierten Bürgerrechte versank die alte Adelsgesellschaft mit all ihren Privilegien und statt ihrer begann sich das Bürgertum als elementare Schicht der Gesellschaft zu etablieren.
Es ist die Zeit des Bildungsbürgertums und was früher der Adelige für den Künstler gewesen war, diese Rolle übernahm nun unter anderen Vorzeichen der Bürger. Er ist die treibende und erstmals auch honorierende Kraft aller Künste, so dass in diesem Umfeld erstmals auch ein Verlagswesen im heutigen Sinne mit Urheberrecht und entsprechender Vergütung für den Künstler entstehen kann. So schreiben Komponisten ihre Werke nicht länger für einen adeligen, sondern für einen bürgerlichen Auftraggeber, der dafür in barer Münze bezahlt.
Das 19. Jahrhundert ist auch die Zeit der literarischen Salons, in denen nicht nur aktuelle schriftstellerische Ergüsse vorgetragen und diskutiert werden, sondern auch eine neue Art von Musik, die so genannte "Salonmusik", zu hören ist. Die literarischen Strömungen umspannen in diesem Jahrhundert ein breites Spektrum, angefangen bei letzten Blüten der Klassik mit Goethes und Schillers letzten Meisterwerken - "Faust I und II", "Die Wahlverwandtschaften", "Westöstlicher Divan" oder "Marienbader Elegien" sowie "Wallenstein"-Trilogie, "Maria Stuart", "Die Jungfrau von Orleans" und einigen der bedeutendsten Balladen wie "Die Kraniche des Ibykus" oder "Das Lied von der Glocke" - über die dichterische Sprache der Romantik, die ein vollkommen anderes Lebensgefühl ausbreitet und ihre ersten Niederschläge in den Werken eines Novalis, in den Novellen Ludwig Tiecks, den Kunstmärchen E. T. A. Hoffmanns oder der Volksliedsammlung Clemens von Brentanos und Achim von Arnims findet, bis hin zu Werken des Realismus.
Brahms selbst hat eine umfangreiche Bibliothek besessen, die Klassiker ebenso enthielt wie Romantiker, und war ein typischer Vertreter dieses Bildungsbürgertums: "Ich lege all mein Geld in Büchern an, Bücher sind meine höchste Lust, ich habe von Kindesbeinen an so viel gelesen, wie ich nur konnte, und bin ohne alle Anleitung aus dem Schlechtesten zum Besten durchgedrungen."
- Zeit und Welt
- Herkunft
- Das pianistische Wunderkind
- Joseph Joachim: Eine Künstlerfreundschaft
- Robert und Clara Schumann
- Konzertierender Künstler
- Die Wiener Jahre
- Brahms und die Neudeutsche Schule
- Johannes Brahms und Clara Schumann
- Das letzte Jahrzehnt
- Auszeichnungen
- Werke
- Forschungs- und Gedenkstätten
Bibliografie:
- Margit L. MacCorkle: Johannes Brahms. Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis, München 1984
- Alfred von Ehrmann: Johannes Brahms. Weg, Werk und Welt; Vaduz 1991
- Heinz Gärtner: Johannes Brahms. Biografie eines Doppellebens (mit Dokumenten), München 2003
- Christiane Jacobsen (Hrsg.): Johannes Brahms. Leben und Werk, Wiesbaden 1983
- Christian M. Schmidt: Reclams Musikführer Johannes Brahms, Ph. Reclam Verlag, Ditzingen 1994
- Ders.: Johannes Brahms und seine Zeit, Laaber 1998
- Giselher Schubert u. a.: Johannes Brahms. Die Sinfonien. Einführung - Analyse - Kommentar, 1998







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