Joseph Lanner
Zeit und Welt
Die Kindheit und Jugend Joseph Lanners ist gekennzeichnet von politisch und gesellschaftlich gleichermaßen unruhigen Zeiten. Blutige Spuren hinterlassen vor allem Napoleon Bonaparte und seine Soldaten unter ihrem Anführer Joachim Murat. Lanners Vater Martin sollte ein lebenslanges "Souvenir" an diese Zeit mitnehmen, denn während der Kämpfe im Jahr 1805 verlor er durch eine Verwundung sein rechtes Bein.
Trotz militärischer Verluste kann Kaiser Franz I. Anfang des 19. Jahrhunderts - vor allem durch die diplomatisch-geschickte Politik seines Außenministers und späteren Staatskanzlers Fürst Klemens von Metternichs - jedoch Österreichs Position festigen, so dass das Kaiserreich zur dominierenden Festlandsmacht neben Russland aufsteigt. Unter Kaiser Franz Joseph II. blüht das Reich zur österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie auf und Wien erhält den Status einer Weltstadt.
In den Wiener Vorstädten vollzieht sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine für das spätere Leben und Wirken Joseph Lanners eine weitaus wichtigere Entwicklung. Tu Felix Austria tanze! Dieses Lebensmotto der Wiener, das sich bis in die Zeit der Minnesänger zurückverfolgen lässt, führt im ausgehenden 18. Jahrhundert zur Entwicklung einer eigenen, speziell wienerischen Tanztradition. In einer krisengeschüttelten Zeit bilden die neu entstehenden Tanzsäle eine Oase der Zuflucht für die Bevölkerung. Joachim Kronschnabel wird zum Begründer dieser neuen Tradition, indem er das Gasthaus "Zum Mondschein" in das Tanzlokal "Mondscheinsaal" umbauen lässt; 1806 wird als zweites Etablissement der Tanzsaal "Zur neuen Welt" eröffnet. Nachdem die neuen Einrichtungen von den Wienern mit Begeisterung angenommen worden sind, wird im Jahr 1807 von Georg Scherzer mit dem "Sperl" das für die nächsten Jahrzehnte renommierteste Wiener Tanzlokal eröffnet, das zur musikalischen Heimat der Komponisten Joseph Lanner und Johann Strauß Vater werden und für Gäste aus dem In- und Ausland eine touristische Attraktion darstellen sollte. Die verschwenderische Ausstattung des Saales und die temperamentvolle Musik der Herren Lanner und Strauß sollten schon bald allabendlich ein volles Haus sichern: "Ein Abend und eine Nacht beim Sperl, wenn die Gärten in Üppigkeit blühen, ist der Schlüssel zum Wiener sinnlichen Leben", beschreibt Heinrich Laube seine Eindrücke.
In Konkurrenz dazu wird im gleichen Jahr der "Apollosaal" eröffnet, in dem die Gäste in eine Szenerie aus Tausendundeiner Nacht entführt werden. In den nächsten Jahrzehnten werden mit dem "Dianasaal" und dem "Elysium" noch zwei weitere renommierte Tanzsäle eröffnet. Die Tanzbesessenheit der Wiener kennt nun keine Grenzen mehr; zeitweise werden bis zu 50 000 Besucher pro Abend gezählt, was einem Viertel der damaligen Bevölkerung entspricht.
- Zeit und Welt
- Im Schatten Johann Strauß'
- Biografie
- Stationen einer Musikerkarriere
- Ehrungen und Auszeichungen
- Lanner und Strauß
- Werk
Bibliografie:
- Otto Brusatti: Wer war Joseph L.? Ein Genie, ein fabulöser Geiger, der Miterfinder der U-Musik, ein großer Alkoholiker?, , Wien 2001
- Herbert Krenn: Lenz-Blüthen. Joseph Lanner. Sein Leben - sein Werk, Wien u.a. 1994
- Ulrike Messer-Krol (Hrsg.): Der Wiener Opernball. Vom Mythos des Walzertanzens, Wien 1995









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