Julirevolution in Frankreich
Julirevolution bringt das Großbürgertum an die Macht
In Frankreich beginnt der Aufstand am 27.07.1830 in Paris gegen das reaktionäre bourbonische Königshaus, der am 7. August mit der Einsetzung von Louis Philippe von Orleans als König der Franzosen endet und revolutionäre Erhebungen auch in anderen europäischen Ländern inspiriert.

Mit dem "Bürgerkönig" Louis Philippe löst das Großbürgertum den Adel als staatstragende Schicht ab. Nach nur 18 Jahren wird jedoch auch dieses Regime durch eine Revolution hinweggefegt (24.02.1848).
Gegensätze eskalieren
Die politischen Gegensätze in Frankreich hatten sich seit dem 1824 vollzogenen Amtsantritt von Karl X. (1757-1836), der eine Restauration des Absolutismus anstrebte, erheblich verschärft.
Als der König im August 1829 Jules Auguste Armand Marie Fürst von Polignac mit der Regierung beauftragte, der offensiv eine Restauration des Absolutismus anstrebte, besaßen die Liberalen in der Abgeordnetenkammer die Mehrheit. Bei der Eröffnung der Sitzungsperiode am 18. März 1830 sagte die Opposition dem König den Kampf an: In einer "Adresse", die 221 von 430 Abgeordneten unterzeichnet hatten, verweigerte die Kammermehrheit dem König die Unterstützung. Sie bestritt sein Recht auf Ministerernennung. Karl X. reagierte auf den Konflikt am 16. Mai mit der Auflösung der Kammer, was der Forderung der immer radikaler auftretenden liberalen Presse nach dem Sturz des Königs Argumente lieferte.
Juli-Ordonnanzen und Revolution
Bei den Neuwahlen zeigte sich, dass die liberale Opposition noch stärker geworden war: Sie umfasste nun 274 Abgeordnete. Wiederum versuchte der König, durch starres Festhalten an seiner bisherigen rigiden Politik die Macht zu bewahren. Er ging am 25. Juli mit den so genannten Juli-Ordonnanzen, sogar in die Offensive: Sie schafften die Pressefreiheit ab, richteten eine Zensur ein, lösten die Kammer erneut auf und änderten das Wahlrecht zu Lasten des Bürgertums. Damit war das Signal für die Erhebung gegen das Adelsregime gegeben.
Nach zunächst verbalen Protesten gegen die Juli-Ordonannzen weitet sich der Widerstand gegen die restaurative Politik der Regierung bald zum Aufruhr in der Hauptstadt und der Provinz aus. In erbitterten Barrikadenkämpfen zwingen die Aufständischen, zumeist Arbeiter, Studenten und Kleinbürger, die königstreuen Truppen in Paris zum Rückzug.
Der neue König
Angesichts des wachsenden Einflusses republikanischer Kräfte in Paris sieht sich das Großbürgertum zu schnellem Handeln gezwungen: Es präsentiert Louis Philippe von Orleans (1773-1850) als neuen König, der in der Lage sei, die europäischen Mächte von einer drohenden Intervention abzuhalten, und der sich in der Französischen Revolution als Gegner des Absolutismus erwiesen habe. Er ist zudem ein Sohn des gleichnamigen Herzogs von Orleans, der als "Philippe Egalité" 1793 für den Tod von König Ludwig XVI. gestimm hatte. Nach der Abdankung Karls X. wählt die Abgeordnetenkammer am 9. August Louis Philippe zum König der Franzosen.
Fraktionen des Bürgertums
Mit dem Amtsantritt des wegen seiner betont schlichten Manieren "Bürgerkönig" genannten Monarchen übernimmt das Finanzbürgertum die Schlüsselstellungen in Frankreich. Ministerpräsident und Finanzminister wird der Großbankier Jacques Laffitte. 1831 löst ihn Casimir Pierre Périer ab, ebenfalls ein Bankier. Er bekleidet das Amt des Ministerpräsidenten und des Innenministers bis 1832.
Nach der Entmachtung des Adels zeigen sich die politischen Unterschiede innerhalb des Bürgertums deutlicher. Bürgerliche Großgrundbesitzer, Hochfinanz und Großindustrielle bemühen sich als so genannte Ordnungspartei nach der Julirevolution um den Erhalt des Status quo, während Teile der Beamtenschaft, der freien Berufe, der Offiziere und der mittelständischen Wirtschaft sich als "Bewegungspartei" für eine vorsichtige Erweiterung der Bürgerrechte im Rahmen der Julimonarchie einsetzen. Im scharfen Gegensatz zu beiden Gruppierungen steht die republikanisch-demokratische Opposition - Kleinbürger, Intellektuelle und Arbeiter -, die zunehmend sozialistische Forderungen stellen.
Innerhalb dieser Interessengegensätze versucht die Ordnungspartei als Gewinnerin der Revolution die Julimonarchie zu stabilisieren. Das Großbürgertum muss sich einerseits gegen die Adelspartei behaupten, die allerdings immer schwächer wird, andererseits seine Machtposition gegenüber dem Mittelstand und Kleinbürgertum vertreten. Diese Abgrenzung nach unten wird durch das Festhalten am Zensuswahlrecht bewerkstelligt.
Entgegen allen Hoffnungen des Bürgertums bleibt die große Masse der französischen Bevölkerung weiterhin vom politischen Leben ausgeschlossen. Zusätzlich versucht die Regierung, die republikanische Opposition per Gesetz mundtot zu machen. Einen Höhepunkt dieser Repressionsmaßnahmen bildet die Niederschlagung des Seidenweberaufstands in Lyon 1831.
- Julirevolution bringt das Großbürgertum an die Macht
- Pariser Ereignisse von Karl X. bis Louis Philippe
Bibliografie:
- Jill Harsin: Barricades: The War of the Streets in Revolutionary Paris, 1830-1848, 2002
- Heinz Haupt (Hrsg.): Sozialökonomische und politische Voraussetzungen der Julirevolution 1830, 1997
- Kurt Holzapfel: Julirevolution 1830 in Frankreich, 1990
- Manfred Kossek und Werner Loch (Hrsg.): Die französische Julirevolution von 1830 und Europa, 1985
- Herve Robert: La Monarchie de Juillet, 2000
- Jean Tulard: Frankreich im Zeitalter der Revolution 1789-1851, 4 Bde. 1989









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