Käthe Kollwitz
Lebenslauf
Käthe Kollwitz, geb. Schmidt wuchs in einem sozialliberalen Elternhaus auf, geprägt durch den Großvater mütterlicherseits Julius Rupp (1809 - 1884), der 1848 an der Märzrevolution beteiligt war und sogar Deputierter der Paulskirche wurde, und den Vater, Carl Schmidt, der seine juristische Laufbahn und Karriere als preußischer Beamter aufgab, um Maurermeister zu werden, da seine fortschrittliche Gesinnung für Preußen "gemeingefährlich" war. Ihr Bruder Konrad und sein Freund, ihr späterer Mann, Karl Kollwitz, waren bereits als Schüler Sozialdemokraten. Schon mit vierzehn Jahren erhielt Käthe Kollwitz Zeichenunterricht in Königsberg, um ihre Begabung zu fördern. 1885/86 ging sie zum Kunststudium nach Berlin, an die Künstlerinnenschule bei Stauffer-Bern. 1887 kehrte sie nach Königsberg zurück und setzte ihre Studien schließlich 1888 bei Ludwig Herterich in München fort.
1891 heiratete sie den Kassenarzt Karl Kollwitz und zog mit ihm nach Berlin. Hier lernte sie die Realität und Schwere des Arbeiterlebens kennen. Sie fertigte sie Radierungen und Steindrucke. Käthe Kollwitz war einfach und direkt, hasste alles Verschnörkelte und stand selbst Kultur und Bildung, die sie in hohem Maße genossen hatte, skeptisch gegenüber. All diese Eigenschaften zeigten sich auch in ihrem schlichten Äußeren.
Im Februar 1883 sah Käthe Kollwitz die Uraufführung der "Weber" von Gerhart Hauptmann, den sie schon während ihrer Jugendzeit auf einer Reise nach München kennen gelernt hatte. Das Thema inspirierte sie zu ihrer Arbeit "Ein Weberaufstand" in sechs Blättern. Sie gab damit dem Klasenkampf in der bildenden Kunst eine Gestalt, wie es Gerhart Hauptmann literarisch tat. Ihr "Ein Weberaufstand" wurde 1899 erstmals auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt und gilt bis heute als ihr volkstümlichstes Werk. Es machte sie berühmt, und sie wurde damit zur "sozialen Künstlerin".
In den Jahren 1893 - 1903 unterrichtete sie an der Berliner Künstlerinnenschule, wo sie zuvor studiert hatte. 1899 trat sie der Berliner Sezession bei, der sie bis zu deren Auseinanderbrechen Anfang der 1920er Jahre angehörte. Es gab ihr die Möglichkeit, ihre Exponate in dieser Gemeinschaft günstig auszustellen, obwohl ihr offizielle Aufgaben wie Sekretärin der Sezession (1913) oder Jurymitglied (1916) unangenehm waren. Aufforderungen, sich als prominente Künstlerin politisch für die Rechte der Frauen und gegen Ausbeutung und Unterdrückung einzusetzen, lehnte sie ab. Das Thema Aufstand beschäftigte sie weiter. In den Jahren 1903 - 1908, einer Zeit der Klassenkämpfe in Deutschland, arbeitete sie an dem Zyklus "Bauernkrieg", der angefüllt ist mit revolutionärem Hass und Vergeltenwollen. Damit wurde sie zur Künstlerin der Revolution.
1904 reiste sie nach Paris, um sich an der Académie Julian Grundlagen der Plastik anzueignen. Sie besuchte Auguste Rodin, suchte das Erfassen des Wesentlichen und die in sich ruhende Form. Eine Reise nach Italien, anlässlich der Verleihung des Villa-Romana-Preises zeigte in späten Werken eine starke Affinität zu Michelangelo, sowohl in Zeichnungen über Tod und Erlösung, als auch in ihren Skulpturen.
Aber auch die Zeichnungen über das Leben in der Großstadt wirken nicht heiter und leicht, sondern schwermütig, dunkel, voller Leidenschaft und Gespanntheit. Ihr Leben und Werk ist ein einziges Ringen mit dem Dunkeln, mit dem Tod. In den Jahren 1907-1909 arbeitete sie für die berühmte Zeitschrift "Simplicissimus". Auch hier zeichnete sie Bilder des Elends.
1914 bei Kriegsausbruch meldete sich ihr zweiter Sohn freiwillig und fiel im gleichen Jahr in Flandern. Dies war "der" Einschnitt in ihrem Leben. Käthe Kollwitz war in den Nachkriegsjahren hin- und hergerissen zwischen Sehnsucht und Einsicht. Noch 1914 fasste sie den Entschluss, ein Denkmal für den gefallenen Sohn zu errichten. Die Arbeiten nahmen mit Unterbrechungen mehrere Jahre in Anspruch. 1932 war das Gefallenendenkmal "Die Eltern" ("Der Vater" und "Die Mutter") fertig und wurde in der Vorhalle der Nationalgalerie ausgestellt. Die beiden Figuren wurden schließlich kurz vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am Sterbeort des Sohnes in Roggevelde bei Dixmuiden in Flandern aufgestellt. Trotzdem blieb es ein privates Monument - ihre Art, sich mit den Dingen auseinander zu setzen.
Während des Ersten Weltkrieges begann sie aber auch die leidenschaftliche und pathetische Holzschnittfolge "Der Krieg" (1922/23). Für die neue Technik gab Ernst Barlach den Anstoß. Sie schien ihr besonders geeignet, die unruhige, konfuse und apokalyptische Stimmung der Zeit auszudrücken. Das zweite Blatt in dieser Technik war das "Gedenkblatt an Karl Liebknecht", der 1919 ermordet wurde. Nach diesem Blatt, das zunächst in kleiner Auflage signiert und später in Massenauflage auf den Markt kam, fertigte Käthe Kollwitz viele Plakate für humanistische und politische Zwecke.
Im gleichen Jahr wurde sie als erste Frau in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen und erhielt den Professorentitel. Holzschnitt, aber auch Steindruck blieben für sie wichtige Techniken, der Holzschnitt klagt an, der Steindruck fordert zur Tat auf.
Ihre Werke wurden 1927 in der Sowjetunion, in Moskau und Kasan ausgestellt, wohin sie selbst mit ihrem Mann reiste. 1932 unterzeichnete Käthe Kollwitz zusammen mit Albert Einstein, Heinrich Mann und Arnold Zweig einen Aufruf zur Einigung der Linksparteien. Kurz nachdem Hitler zum Reichskanzler berufen worden war, erging ein zweiter Appell, worauf sie aus der Preußischen Akademie der Künste austreten musste. Sie zog sich zurück und arbeitete abgeschieden in ihrem Berliner Atelier. Hier setzte sie hauptsächlich ihre plastische Arbeit fort und man ließ sie unbehelligt.
Freie plastische Versuche der Künstlerin sind fast alle zerstört oder nur aus alten Aufnahmen bekannt. Ihre siebzehn erhaltenen Plastiken sind nur schwer zu datieren. Eine besondere Stellung nimmt dabei "Die Zwillingsmutter" ein, der einzige Akt, den die Künstlerin schuf. In späteren Plastiken wandte sie sich mehr dem Ausdruck zu, da die Form gefunden war. Sie kam auch zu christlichen Themen zurück, z.B. in einer Rundplastik 1937/38, die zu einer Pieta wurde. In ihr wird das Streben nach dem Einssein zweier Menschen deutlich, ob im Leben oder Tod. 1943 erfolgte die Evakuierung aus Berlin nach Nordhausen, danach, 1944, ging sie nach Moritzburg bei Dresden und starb dort am 22. April 1945.









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