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THEMEN

Klassizismus

Der Klassizismus

Der Klassizismus bezeichnet den Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in der europäischen Kunst und Architektur vorherrschenden Stil - die bewusste Wiederbelebung von Geist und Form der antiken Kunst Griechenlands und Roms. Zum Teil war er eine Reaktion auf das als oberflächlich geltende Rokoko, zum Teil eine Antwort auf die zunehmenden wissenschaftlichen Kenntnisse über die Antike, angeregt vor allem durch Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum, den 79 n. Chr. unter der Lava des Vesuvs versunkenen römischen Städten.
Bild
Johann Joachim Winckelmann

Den Begriff Klassizismus prägte der Kunstwissenschaftler Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) 1755 in seinem Buch: "Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst", in dem er die antike Kunst als Ideal propagierte und deren Nachahmung empfahl.

In der Frühzeit des Klassizismus war nur ein kleiner Teil der griechischen Kunst im Original bekannt, und Rom galt als Bildungsstätte des antiken Stils. Aus ganz Europa, und später auch Amerika, reisten Künstler an, um die Kunst zu studieren und viele ließen sich dort nieder. Ihre Werke waren sehr unterschiedlich gestaltet, da der Klassizismus zwar Ordnung und Klarheit anstrebte, jedoch verschiedene Einflüsse der Antike in sich aufnahm.

Hinter der äußeren Form stand ein Erziehungsideal. Die Künstler glaubten, dass sich die Menschheit durch das Studium der klassischen antiken Vorbilder und deren Nachahmung bessern würde. Die Künstler wurden zu gefragten Lehrern und gaben ihr Wissen an vielen neu entstehenden Akademien weiter.

In der Malerei wurden Themen aus der griechischen Antike dargestellt, die das Heldenhafte und Strenge in den Vordergrund stellten und den Vorrang der Staatsräson vor den persönlichen Belangen dokumentierten. Andere Maler beschäftigten sich mehr mit den dekorativen Aspekten der antiken Kunst.

In der Architektur orientierte man sich am klassischen römischen Tempel. Die Baumeister nahmen die antiken Säulenordnungen (dorisch, ionisch und korinthisch) wieder auf und errichteten im römischen und griechischen Stil Paläste, Parlamentsgebäude, Kirchen, Rathäuser etc.

Die Skulpturen entstanden nach strengen Gesetzmäßigkeiten vorwiegend in kühlem, glattem, weißem Marmor. Entgegen den leichten bewegten Spätbarock-/Rokokoformen suchten die klassizistischen Bildhauer nach strenger, klassischer Würde. Die Skulpturen sollten ähnlich wie ihre antiken Vorbilder für die Ewigkeit geschaffen werden.

Der Klassizismus wurde ab ca. 1830 vom Historismus abgelöst, der sich nicht nur auf antike Kunst bezog. Er griff auf alle Stilepochen zurück, die nachahmenswert erschienen.

Klassizistische Architektur

Klassizistische Architektur entstand ab Ende des 18. Jahrhunderts als Reaktion auf die überschwängliche Formensprache des Spätbarock oder Rokoko. Die Vorbilder waren griechische und römische Bauwerke, besonders der antike Tempel. Als vorbildlich wurden aber auch Renaissanceformen empfunden, die sich auf antike Kunst bezogen. Nach diesen Vorbildern entstanden monumentale, blockartige, schmucklose Baukörper mit glatten Wänden und klarer, kühler Linienführung. Die charakteristischen Architekturelemente waren Säulen, Kolonnaden, Dreiecksgiebel und der Säulenportikus, wobei die Wahrung der klassischen Proportionen des Außenbaus an erster Stelle stand. Der Innenbau wurde dem Außenbau angepasst. Neben den klassischen Proportionen mussten die Bauten rationalen, allgemein gültigen und verbindlichen Regeln folgen.

Klassizistische Formen wurden auf jede Art der Architektur übertragen, so dass auch öffentliche Gebäude und Zweckbauten, wie aufkommende Theater- und Museumsbauten, das Äußere eines antiken Tempels hatten. Daneben gab es im Bereich des Städtebaus neue Bauaufgaben.

Die klassizistische Architektur entwickelte sich in den einzelnen europäischen Ländern nicht einheitlich:

Deutschland

Im deutschsprachigen Raum entwickelte sich der Klassizismus im protestantischen Norden schneller als im katholischen Süden. Schon 1741-1743 entstand das Berliner Opernhaus von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) mit an den italienischen Baumeister Andrea Palladio erinnernden Bauformen. Es folgte 1769-1779 mit dem Museum Fridericianum in Kassel von Simon Louis Du Ry (1726-1799) der erste öffentliche Museumsbau. Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich klassizistische Bauformen in ganz Deutschland durchgesetzt.

In Berlin entstanden die reifsten klassizistischen Lösungen. Carl Gotthard Langhans d.Ä. (1732-1808) erbaute 1788-1791 das Brandenburger Tor, dessen Säulenstellung auf die Propyläen auf der Akropolis in Athen zurückging. Friedrich Gilly (1772-1800) war ein weiterer Hauptvertreter des Berliner Klassizismus. Sein Entwurf des Nationaldenkmals für Friedrich II. im Stil eines dorischen Peripteros (griechische Tempelform) wurde 1796 stilbestimmend. Gillys Schüler waren u.a. Leo von Klenze (1784-1864) und Karl Friedrich Schinkel (1781-1841). Schinkel wurde zum bedeutendsten deutschen klassizistischen Baumeister. Seine Neue Wache, 1817/18, das Schauspielhaus, 1818-1824 und das Alte Museum, 1822-1830, in Berlin prägten in entscheidendem Maße das Gesicht der Stadt.

In München entwickelte sich der klassizistische Baustil erst später. Friedrich von Gärtner (1792-1847) schuf mit den Gebäuden an der Ludwigstraße, die von der italienischen Frührenaissance beeinflusst waren, eine eigene Prägung, während Carl von Fischer (1782-1820) sich direkter an der griechischen und römischen Antike orientierte. Leo von Klenze wurde zum Hauptvertreter des Münchener Klassizismus. Herausragende Beispiele seiner Baukunst sind die 1816-1830 entstandene Glyptothek, die 1830-1842 ausgeführte Walhalla bei Regensburg und die 1846-1862 entstandenen Propyläen in München.

Frankreich

In Frankreich entwickelte sich der klassizistische Baustil seit Mitte des 18. Jahrhunderts. In Akademien wurde die griechische Kunst zum Ideal erhoben. 1754-1780 baute Jacques-Germain Soufflot (1713-1780) in Paris die Kirche Ste-Geneviève, die später säkularisiert und in Pantheon umbenannt wurde. Mit ihr entstand der erste frühklassizistische Sakralbau. Die äußere monumentale Wirkung entsteht durch den von Säulen umgebenen Kuppelbau, die von korinthischen Säulen getragene Tempelfront und den darüber liegenden großen Dreiecksgiebel.

Napoleon I. sah in den monumentalen Formen des Klassizismus die Verkörperung der eigenen Staatsidee und erklärte ihn zum Nationalstil. So entstanden u.a. ab 1806 in Paris der Arc de Triomphe, den Napoleon I. im Sinne der römischen Triumpfbögen zur Verherrlichung seines eigenen Ruhmes bauen ließ und 1807 die Kirche Ste-Madeleine, eine große christliche Kirche im Stil eines antiken heidnischen Ruhmestempels.

England

In England entwickelte sich eine besondere Ausprägung des Klassizismus, der sich an der Formensprache des italienischen Baumeisters Andrea Palladio (1508-1580) orientierte. Mit seinen oberitalienischen Villen hatte er in ihren Augen klassische Vorbilder geschaffen, die die Engländer nachahmten und variierten, statt direkt auf die Antike zurückzugreifen. Die großen Architekten dieser Stilepoche waren in England u.a. Robert Adam (1728-1792), der schon ab 1759 den Landsitz Keddleston Hall in Derbyhire entwarf, Sir John Soane (1752-1837), der 1788-1825 in London die Bank of England erbaute und Sir Robert Smirke (1781-1867), der 1823-1847 in London das British Museum baute.

Neben den Rückgriffen auf Palladio legten die Architekten großen Wert auf die Gestaltung von Parkanlagen, die die Gebäude umgeben sollten. Dies führte zu einer Steigerung städtebaulicher Planungen. Mehrere Wohneinheiten mit gleichen oder ähnlichen Fassaden wurden zu einem Gesamtkomplex nach bestimmten Schemata zusammengefasst. Es entstanden rechteckige (Square), halbmondförmige (Crescent) und kreisrunde (Circle) Plätze. Charakteristisch waren schlichte Ziegelfassaden, die durch Säulen, Pilaster und Dreiecksgiebel gegliedert wurden.

Klassizistische Skulptur

Aus der Antike waren zur Zeit des Klassizismus viele bildhauerische Werke durch archäologische Ausgrabungen überliefert. Zahlreiche Werke befanden sich seit der Renaissance in fürstlichen und päpstlichen Sammlungen.

Nach den sehr bewegten Formen und Figuren des Spätbarock oder Rokoko suchten die Bildhauer ab Mitte des 18. Jahrhunderts nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Diese fanden sie wie die Architekten und Maler in den antiken Vorbildern. Als klassizistisches Ideal sah man edle weiße Marmorbildwerke an, die Würde ausstrahlten und streng in Komposition und Aufbau waren. Die Bildhauer wollten wie ihre antiken Künstlerkollegen Skulpturen für die Ewigkeit schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiteten die jungen Bildhauer in Akademien. Sie zeichneten und skizzierten nach Gipsabgüssen, die nach antiken Vorbildern gefertigt waren.

Gleichzeitig änderten sich auch der Stoff der künstlerischen Darstellung der Skulpturen. Religiöse Themen traten in den Hintergrund, dafür wurden neben Königen, Fürsten und Generälen auch Geistesgrößen in antiker Manier dargestellt. Denkmal, Büste, Standbild und Grabmal wurden bevorzugte Objekte.

Deutschland

In Deutschland zählen zahlreiche bedeutende Bildhauer zum Klassizismus. Zum Teil hatten sie bereits zur Zeit des Spätbarock oder Rokoko ihre Ausbildung erhalten, so dass ihre Figuren trotz des strengen klassizistischen Aufbaus anmutige Züge aufwiesen.

Johann Heinrich Dannecker (1758-1841) schuf von 1794 bis 1810 verschiedene Fassungen einer Büste von Friedrich von Schiller, der auf dem Gebiet der Literatur und des deutschen Idealismus die führende Persönlichkeit der Epoche war.

Johann Gottfried Schadow (1764-1850) wurde in Berlin zum Hauptmeister des deutschen Klassizismus. Sein Werk ist gekennzeichnet von Lebendigkeit und Naturnähe. Er schuf u.a. 1788-1791 das Grabmal des Grafen von der Mark (Berlin, Staatliche Museen, Nationalgalerie), 1794 die Quadriga auf dem Brandenburger Tor und 1795-1997 das fast lebensgroße Marmorstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen (Berlin, Staatliche Museen, Nationalgalerie).

Christian Daniel Rauch (1777-1857) war ein Schüler Schadows. In seinen Werken suchte er nach mehr Monumentalität und zeitloser vergeistigter Schönheit. Beispiele dafür sind das Marmorstandbild der Adelheid von Humboldt als Psyche von 1810 und der Sarkophag der Königin Luise von 1815. Das Denkmal für Friedrich den Großen, 1839-1851, das allgemein als Hauptwerk Rauchs gilt, weist in seiner Ausführung bereits auf den Historismus.

Frankreich

In Frankreich wurde Edmé Bouchardon (1698-1762) schon vor der Mitte des 18. Jahrhunderts zum Wegbereiter des Klassizismus. Sein bereits klassizistisch anmutender Amor von 1739-1750 (Paris, Louvre) wurde nur kurz in Versailles aufgestellt, da der französische Hof noch ganz vom Rokoko geprägt war.

Mit dem Aufkommen der klassizistischen Architektur mussten Giebelfelder und Triumphbögen mit plastischen Reliefs gefüllt werden. Als Motiv wurde häufig die antike Apotheose (Verherrlichung) gewählt oder ähnliche allegorische Monumentalreliefs. 1833-1836 schuf der Bildhauer Francois Rude (1784-1855) am Arc de Triomphe mit La Marseillaise eine überlebensgroße Figurengruppe voll nationalem Pathos. Dargestellt sind heldenhafter Vorfahren der französischen Geschichte, die begeistert dem Ruf einer geflügelten Siegesgöttin folgen.

Auch der Bildhauer Jean-Antoine Houdon (1741-1828) orientierte sich bewusst an antiken Plastiken. Er wurde bekannt durch seine Büsten und Statuen von bedeutenden Franzosen, die er ohne pathetische Posen schuf. Als Hauptwerk Houdons gilt die Sitzfigur des Schriftstellers und Philosophen Voltaire von 1778, das sich heute in der Comédie Francaise befindet. Voltaire ist nach antikem Vorbild als Gelehrter dargestellt. Er sitzt entspannt in einem Sessel und sein Gesicht wirkt ungezwungen und natürlich.

England

In England entwickelte sich der Klassizismus in der Bildhauerei abweichend vom Kontinent. Statt großem Pathos legten die Engländer Wert auf vornehme Zurückhaltung. Dadurch fielen auch die öffentlichen Denkmäler dieser Zeit bescheidener aus. Neben großen Denkmälern entstanden kleinere Ehrenmonumente großer Persönlichkeiten, die z.T. in den englischen Kathedralen aufgestellt wurden.

Der Hauptvertreter des englischen Klassizismus war der Bildhauer John Flaxman (1755-1826). Nach Studienreisen in Italien erlangte er schon am Ende des 18. Jahrhunderts Bedeutung mit Entwürfen für die englische Steinzeugmanufaktur Wedgwood, für die er u.a. Porträtmedaillons schuf. Auf blauem, oft ovalem Grund sind große Persönlichkeiten der englischen Geschichte als weiße Reliefs in klarer, vereinfachter Form dargestellt. In seinen Großplastiken, z.B. dem Grabmal für Lord Mansfield, nach 1805 (London, Westminster Abbey), wiederholen sich die klaren Formen und Konturen. Die ausgewogenen Proportionen unterstreichen den harmonischen Gesamteindruck.

Italien

In Italien, wo der klassizistische Stil in der Architektur keine entscheidende Rolle spielte, wurde Antonio Canova (1757-1822) zum bedeutensten Vertreter der klassizistischen Bildhauerei. 1787-1792 schuf er mit dem Grabmal für Papst Clemens XIII. im Petersdom ein strenges Gegenstück zu den anderen hochbarocken, bewegten Papstgrabmälern. Canova behandelte überwiegend mythologische Themen: "Amor und Psyche" 1786-1793, Paris, Louvre; "Drei Grazien" um 1816, St. Petersburg; "Eremitage und Venus" 1812, Florenz, Palazzo Pitti. Der kühle, glatte Klassizismus Canovas wurde stilbestimmend für das ganze 19. Jahrhundert. Napoleon I. gab einige Skulpturen bei Canova in Auftrag, so sein eigenes Standbild, das 1811 entstand (Mailand, Pinacoteca di Brera) und Paolina Borghese-Bonaparte als ruhende Venus von 1804-1808 (Rom, Galleria Borghese).

Dänemark

In Dänemark entstanden einige bedeutende architektonische Zeugnisse, die einem barocken Klassizismus zuzuordnen sind. Den größten Ruhm erlangte im Klassizismus aber der Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1768-1844) mit seinen Skulpturen. Thorvaldsen ging früh nach Rom, wo er schnell zum Mittelpunkt einer Gruppe ausländischer Künstler wurde. Sein Vorbild war die klassische griechische Antike, sein Ideal der seelisch und körperlich reine Mensch. Besondere Charakteristika seiner Plastiken sind neben der kühlen Glätte die Vorliebe für Vorderansichten, betonte Umrisslinien und eine fast reliefhafte Auffassung der Skulptur. Thorvaldsens Plastiken entstanden nach Naturstudien, die er dann im Stil der antiken Bildhauerkunst veränderte. Seine berühmtesten Werke sind "Amor und Psyche", 1804, die marmorne "Hebe", 1806, der pyramidenartig angelegte "Ganymed mit dem Adler", 1817, der "Christus" von 1820/21 in der Kopenhagener Frauenkirche und das Grabmal für Papst Pius VII., 1824-1831, im Petersdom in Rom.

Viele seiner Werke sind heute in Kopenhagen, im 1839-1848 errichteten Thorvaldsen-Museum zu sehen, dem Thorvaldsen auch seinen künstlerischen Besitz vermachte.

Klassizistische Malerei

Die Malerei des Klassizismus folgte wie die Architektur und die Bildhauerei antiken Themen, aber auch der Renaissance. Eine besondere Betonung der zeichnerischen und plastischen Werte ließ den Menschen als ernstes und würdevolles Wesen erscheinen. Grundprinzipien der klassizistischen Malerei waren weiterhin ein einfacher, übersichtlicher Bildaufbau, der oft auf geometrische Grundformen wie Dreieck, Pyramide oder Kubus zurückging, monumentale Flächen und Figuren und kühle Farben. Es entstanden hauptsächlich Historienbilder, Porträts und Ideallandschaften. Ein klassizistisches Bild wollte vorbildlich und Träger einer Idee sein. In den Augen der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts sollte die Kunst Bildung vermitteln, und damit der Gesellschaft im positiven Sinne dienen. Damit eignete sie sich besonders für propagandistische und politische Zwecke.

Formal wurden Körper und Linie betont, die Farben waren kühl, die Komposition streng, einfach und flächenhaft.

Deutschland

Im deutschsprachigen Raum gilt Anton Raphael Mengs (1728-1779) mit dem Deckengemälde "Der Parnaß" von1761 in der Villa Albani in Rom als Begründer der klassizistischen Malerei. Er hatte eingehend die italienische Malerei studiert und unterstützte die Theorien seines Freundes Johann Joachim Winckelmann (1717-1768). Danach entwickelte er den Apoll im Zentrum des Deckengemäldes in Anlehnung an den antiken Apoll vom Belvedere; er wählte einen pyramidenförmigen Aufbau und schuf zahlreiche andere Figuren nach dem Vorbild der Renaissancemalerei. Weitere Künstler des Frühklassizismus waren Angelika Kauffmann (1741-1807) mit ihren Porträts und Heinrich Friedrich Füger (1751-1818), der mythologische Themen darstellte. Jacob Philipp Hackert (1737-1807), der wie die vorgenannten Maler in Rom ausgebildet wurde, schuf hauptsächlich Ideallandschaften. Joseph Anton Koch (1768-1839) wurde um die Jahrhundertwende durch seine streng gegliederten heroischen Landschaften zum Hauptvertreter dieses Genres.

Im deutschsprachigen Gebiet setzten sich die klassizistischen Tendenzen nicht so konsequent kühl und monumental durch wie z.B. in Frankreich; unterschwellig gab es immer romantische Züge.

Frankreich

In Frankreich wurden die Prinzipien der klassizistischen Malerei am konsequentesten umgesetzt. Frankreich war auch das Ursprungsland des neuen revolutionären Stils. So schuf Jacques Louis David (1748-1825) bereits 1784, kurz vor der französischen Revolution, mit dem Bild "Schwur der Horatier" das Programmbild der französischen klassizistischen Malerei. Kennzeichen sind ein strenger, antiker, klarer Aufbau und kühle Farben. David begann als Künstler mit heiteren Genreszenen. Er lernte die römische Antike während eines Romaufenthaltes kennen und setzte die dort gewonnen Erfahrungen nach seiner Rückkehr nach Paris um. Hier wurde er zum begeisterten Anhänger der Revolution und Napoleons, dessen Hofmaler er war. Seine Bilder, so auch der "Tod des Marat" von 1793, hatten vielfach politische Aussagen. Klassizistische Porträts schuf der David-Schüler Francois Gerard (1770-1837), so z. B. 1802 das ganzfigurige Bildnis der "Madame Récamier".

Zum Hauptmeister der klassizistischen Malerei wurde Jean Auguste Dominique Ingres (1780-1867), ebenfalls ein David-Schüler. Seine Bilder galten lange Zeit, trotz seiner Tendenzen zu Mischstilen, als akademisches Vorbild. Porträts wie Mademoiselle Rivière von 1804/05 oder mythologisch orientierte Bilder wie "Tu Marcellus eris" von 1819, die "Apotheose Homers" von 1827 entstanden ohne ideologische Konzeption. Berühmt sind seine weiblichen Akte "Die Odaliske", 1858 oder "Das Türkische Bad", 1859-1862, die weniger den Gesetzmäßigkeiten der Klassizisten unterworfen und auch von der Farbgebung freier und leuchtender waren.

Der französische Klassizismus stellte Klarheit, Vernunft und repräsentative Größe in den Mittelpunkt seines Schaffens.

England

In England war John Flaxman (1755-1826) der führende Vertreter des Klassizismus auf dem Gebiet der Zeichenkunst. Seine Illustrationen zu Homers "Ilias" und "Odyssee" entwickelte er nach den klassizistischen Theorien Johann Joachim Winckelmanns (1717-1768) als strenge Umrisszeichnungen im Stil der griechischen Vasenmalerei.

Bibliografie:

  • Fritz Fischer u.a.: Kunst des Klassizismus, 1997
  • Gisold Lammel: Deutsche Malerei des Klassizismus, 1986
  • Bärbeln Stephan: Skulpturensammlung Dresden. Die Werke des Klassizismus, 1993
  • R. Toman: Klassizismus und Romantik. Architektur-Skulptur-Malerei-Zeichnung. Könemann im Tandem-Verlag, 2006
  • Ohne Autor: Belser Stilgeschichte, 1999
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