Kolonien und Kolonisation in der Antike
Die antiken Kolonien
Die von griechischen Städten gegründeten Kolonien (griech. apoikía) schieden aus dem Bürgerverband der Mutterstadt aus und wurden zu politisch selbstständigen Einheiten, die ihrerseits weitere Kolonien gründen konnten. Zur Mutterstadt bestanden lediglich religiöse und kultische Verbindungen, eine politische Nutzung der Kolonie zur Herrschaftserweiterung oder -sicherung der Mutterstadt war - in völligem Gegensatz zum neuzeitlichen Kolonialismus - weder beabsichtigt noch möglich. Eine Ausnahme bildeten die im 5. u. 4. Jh. v. Chr. von Athen gegründeten Siedlungen im Herrschaftsgebiet Athens (griech. kleruchía), deren Bewohner (klerúchoi) im athenischen Bürgerverband blieben und die neben der Versorgung der athenischen Bevölkerung mit Land auch die Herrschaft Athens sichern sollten.
Die von Alexander dem Großen auf dem Gebiet des ehemaligen Perserreiches gegründeten Kolonien (angeblich 70, jedoch kaum ein Drittel historisch nachweisbar) dienten der Veteranenversorgung und der Herrschaftssicherung; sie bleiben auch nach dem Verlust der östlichen Gebiete Zentren griechischen Lebens, ohne erheblich zur Hellenisierung der Regionen beizutragen. Dies gilt auch für die Gründungen der hellenistischen Nachfolger Alexanders, die als Militärsiedlungen oder Städte mit makedonisch-griechischer Bevölkerung vor allem als Verwaltungszentren und Mittel der königlichen Selbstdarstellung dienten.
Die Siedler der von Rom seit dem 5. Jh. v. Chr. in Verbindung mit latinischen Städten oder allein gegründeten Kolonien (Coloniae) blieben fest im römischen Bürgerverband. Die Kolonien, häufig in bereits bestehenden Orten des eroberten Territoriums, hatten in der Regel nur wenige Siedler (um 300). Sie dienten generell als vorgeschobene Posten des römischen Heeres der Herrschaftssicherung. Dies gilt besonders für die seit 335 v. Chr. im Verlauf der Eroberung Italiens in weiter entfernten Gebieten gegründeten Kolonien (z. B. Luceria, Venusia). Sie schieden jedoch aus dem römischen Bürgerverband aus, bildeten eigene Kleinstaaten mit eigenem, sog. latinischen Bürgerrecht und dienten als Bundesgenossen im römischen Heer, nicht aber in den Legionen. Seit dem 1. Jh. v. Chr. entstanden Kolonien zur Versorgung von Legionsveteranen in Italien, seit Cäsar und Augustus vermehrt auch in den Provinzen, vor allem in den wenig urbanisierten westlichen Provinzen (Gallien, Spanien) als städtische Zentren der Reichsverwaltung. Im 2. Jh. n. Chr. endete diese Form der Koloniengründung, doch wurde bestehenden Städten, ohne Zuzug neuer Siedler, weiterhin der Rang von Titular- bzw. Honorarkolonien verliehen.
- Die antiken Kolonien
- Die ersten Kolonisationswellen
- Dritte und vierte Kolonisationswelle
Bibliografie:
- Artikel Kolonisation. In : Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 6. Sp. 646-666. Stuttgart, Weimar. 1999
- Heinz Mickisch, Basiswissen Antike. Ditzingen 2006








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