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Kolonien und Kolonisation in der Antike

Die antiken Kolonien

Kolonie ist die moderne Bezeichnung für antike Gemeinden, die von meist kleinen Siedlergruppen (100200 Kolonisten) unter Mitwirkung der Heimatgemeinde (Mutterstadt, griech. metrópolis) als wirtschaftlich und z. T. auch politisch autonome Einheiten auf fremdem oder erobertem Territorium auf Dauer gegründet wurden. Ursache und Zweck der Gründung sowie die Beziehung zur Mutterstadt waren dabei sehr unterschiedlich, es handelte sich aber regelmäßig um Einzelsiedlungen mit relativ kleinem Umland, so dass die neuzeitliche Bedeutung von Kolonie im Sinne ausgedehnter überseeischer Territorien unter einheitlichen Herrschaft einer Kolonialmacht auf antike Kolonien nicht zutrifft. Im besten Falle können die römischen Provinzen als ausgedehnte, steuer- und abgabenpflichtige Gebiete unter direkter Herrschaft als vergleichbar mit dem Status z. B. britischer oder spanischer Kolonien der Neuzeit gelten.

Die von griechischen Städten gegründeten Kolonien (griech. apoikía) schieden aus dem Bürgerverband der Mutterstadt aus und wurden zu politisch selbstständigen Einheiten, die ihrerseits weitere Kolonien gründen konnten. Zur Mutterstadt bestanden lediglich religiöse und kultische Verbindungen, eine politische Nutzung der Kolonie zur Herrschaftserweiterung oder -sicherung der Mutterstadt war in völligem Gegensatz zum neuzeitlichen Kolonialismus weder beabsichtigt noch möglich. Eine Ausnahme bildeten die im 5. u. 4. Jh. v. Chr. von Athen gegründeten Siedlungen im Herrschaftsgebiet Athens (griech. kleruchía), deren Bewohner (klerúchoi) im athenischen Bürgerverband blieben und die neben der Versorgung der athenischen Bevölkerung mit Land auch die Herrschaft Athens sichern sollten.

Die von Alexander dem Großen auf dem Gebiet des ehemaligen Perserreiches gegründeten Kolonien (angeblich 70, jedoch kaum ein Drittel historisch nachweisbar) dienten der Veteranenversorgung und der Herrschaftssicherung; sie bleiben auch nach dem Verlust der östlichen Gebiete Zentren griechischen Lebens, ohne erheblich zur Hellenisierung der Regionen beizutragen. Dies gilt auch für die Gründungen der hellenistischen Nachfolger Alexanders, die als Militärsiedlungen oder Städte mit makedonisch-griechischer Bevölkerung vor allem als Verwaltungszentren und Mittel der königlichen Selbstdarstellung dienten.

Die Siedler der von Rom seit dem 5. Jh. v. Chr. in Verbindung mit latinischen Städten oder allein gegründeten Kolonien (Coloniae) blieben fest im römischen Bürgerverband. Die Kolonien, häufig in bereits bestehenden Orten des eroberten Territoriums, hatten in der Regel nur wenige Siedler (um 300). Sie dienten generell als vorgeschobene Posten des römischen Heeres der Herrschaftssicherung. Dies gilt besonders für die seit 335 v. Chr. im Verlauf der Eroberung Italiens in weiter entfernten Gebieten gegründeten Kolonien (z. B. Luceria, Venusia). Sie schieden jedoch aus dem römischen Bürgerverband aus, bildeten eigene Kleinstaaten mit eigenem, sog. latinischen Bürgerrecht und dienten als Bundesgenossen im römischen Heer, nicht aber in den Legionen. Seit dem 1. Jh. v. Chr. entstanden Kolonien zur Versorgung von Legionsveteranen in Italien, seit Cäsar und Augustus vermehrt auch in den Provinzen, vor allem in den wenig urbanisierten westlichen Provinzen (Gallien, Spanien) als städtische Zentren der Reichsverwaltung. Im 2. Jh. n. Chr. endete diese Form der Koloniengründung, doch wurde bestehenden Städten, ohne Zuzug neuer Siedler, weiterhin der Rang von Titular- bzw. Honorarkolonien verliehen.

  1. Die antiken Kolonien
  2. Die ersten Kolonisationswellen
  3. Dritte und vierte Kolonisationswelle

Bibliografie:

  • Artikel Kolonisation. In : Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 6. Sp. 646666. Stuttgart, Weimar. 1999
  • Heinz Mickisch, Basiswissen Antike. Ditzingen 2006
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