La forza del destino - Die Macht des Schicksals, Oper in vier Aufzügen von Giuseppe Verdi
Handlung

Libretto: Francesco Maria Piave / Antonio Ghislanzoni für die Änderungen der Zweitfassung
Ort und Zeit: Spanien und Italien in der Mitte des 18. Jahrhunderts
Uraufführung: 10. November 1862, Kaiserliche Oper St. Petersburg
Erstaufführung der Neufassung: 20. Februar 1869, Teatro alla Scala Mailand Spieldauer: 3 1/2 Stunden
Personen: Der Herr von Vargas, Marchese von Calatrava, Bass; Leonora, seine Tochter, Sopran; Carlos, sein Sohn, Bariton; Alvaro, ein Mestize, Tenor; Preziosilla, eine junge Zigeunerin, Mezzosopran; Pater Guardian, Prior eines Franziskanerklosters, Bass; Fra Melitone, Franziskanermönch, Bass; Curra, Leonoras Kammerzofe, Mezzosopran; ein Alkalde (spanischer Bürgermeister), Bass; Mastro Trabuco, Maultiertreiber und später Hausierer, Tenor; Ein Chirurgus (Militärarzt) im spanischen Heer, Tenor
Chöre: spanische und italienische Landleute und Marketenderinnen, spanische und italienische Soldaten und italienische Rekruten, Ordonanzen und Franziskanermönche, Maultiertreiber, Greise, Kinder und Bettler/innen
1. Aufzug
Im Palast des Marquese von Calatrava in Sevilla. Der Marquese gehört einer stolzen, alteingesessenen adeligen Familie an. Doch sein Stolz und seine Standesbezogenheit stürzen seine Tochter, die sich in den Mestizen Alvaro verliebt hat, in eine tiefe Krise. Einerseits will sie den über alles geliebten Vater nicht verletzen, andererseits will sie den Geliebten nicht verlieren - vor allem nicht durch ein mögliches Duell oder Kerkerhaft, wenn der Vater von der Beziehung erführe. Und so beschließt sie schweren Herzens, gemeinsam mit ihrer Zofe Curra und Alvaro zu fliehen.
Als Alvaro eintrifft, ist alles zur Flucht vorbereitet und Alvaro ist bereits von Vorfreude angesichts der bevorstehenden Trauung in einer kleinen Kapelle erfüllt. Doch in letzter Minute macht Leonora einen Rückzieher und erbittet sich noch einen Tag Aufschub, um ihren Vater noch ein letztes Mal zu sehen. Schweren Herzens willigt Alvaro ein. Während sie noch voneinander Abschied nehmen, nähert sich der Marquese dem Zimmer. Alvaro kann nicht mehr rechtzeitig fliehen und so müssen er und Leonora des Marquese wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen. In seiner Wut und Erregung verstößt der Vater seine Tochter. Alvaro versucht die Situation zu retten und nimmt alle Schuld auf sich, aber der Marquese bleibt hart. Er will Alvaro verhaften lassen, doch dieser setzt sich mit seiner Pistole zur Wehr. Er ist willig, den Tod aus den Händen des Marquese zu empfangen, doch dieser weigert sich, seine Hand mit Blut zu beschmutzen und will diese "Arbeit" lieber dem Henker überlassen. Da beschwört Alvaro noch einmal die Unschuld Leonoras und wirft zum Beweis derselben seine Waffe von sich, um sich so ganz in die Hände des Marquese auszuliefern. Aber was als edle Tat gedacht war, wird zum Fluch, denn durch den Aufprall löst sich ein Schuss aus der Pistole Alvaros, der den Marquese tödlich verletzt. Dessen letzte Worte gelten seiner Tochter, die er mit einem Fluch belegt.
2. Aufzug
1. Bild: In einem kleinen Gasthaus bei Hornachuelos, einem Dorf in der Nähe von Sevilla. Im Gasthof herrscht lebhaftes Treiben; die Bauern und Maultiertreiber genießen den Feierabend nach getaner Arbeit. Unter ihnen befinden sich auch der Alkalde und Carlos, der als Student verkleidete Bruder Leonoras, der auf der Suche nach seiner Schwester und ihrem Geliebten ist. Nach und nach begeben sich die meisten der Anwesenden zu Tisch, und so bemerkt Carlos nicht, dass seine Schwester den Kopf durch die Tür steckt. Diese zieht sich wiederum sofort zurück, als sie ihren Bruder unter den Gästen erblickt.
Da erscheint die junge Zigeunerin Preziosilla im Gasthaus, die sich auf die Kunst des Wahrsagens versteht. Nun jedoch spricht sie von Krieg und fordert alle Männer auf, nach Italien zu ziehen und gegen die Deutschen zu kämpfen. Euphorisch stimmt Preziosilla ein kämpferisches, rhythmisches, patriotisches und euphorisches Kampflied an, von dem sich schließlich nicht nur die Männer, sondern alle Anwesenden mitreißen lassen. Während dieses Liedes wandert sie von einem zum andern und wahrsagt dabei jedem sein Schicksal aus der Hand. Für den als Studenten verkleideten Carlos sieht sie eine düstere Zukunft voraus, gleichzeitig entlarvt sie ihm gegenüber sein Inkognito.
Währenddessen hört man von ferne das allmählich eindringlicher werdende Gemurmel einer betenden Pilgerschar. Alle Anwesenden fallen in die Gebete mit ein, besonders die in einer Nische versteckte Leonora erbittet für sich: "Vor meinem Bruder rette mich, ach, hilf mir, rette mich, er bedroht mein Leben, errette mich, mein Gott und Herr!"
Doch schon bald stellt sich unter den Gästen wieder die ausgelassene und weinselige Stimmung ein. Carlos wendet sich nun dem alten Maultiertreiber Trabuco zu und horcht ihn argwöhnisch nach seinem Begleiter aus. Handelt es sich bei diesem tatsächlich um einen Mann? Doch Trabuco weiß sich jedes Mal mit einer geschickten Antwort aus der Affäre zu ziehen und verabschiedet sich schließlich missmutig, um schlafen zu gehen.
Nun konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf Carlos, der für die Anwesenden, insbesondere den Alkalden, ein ebenso unbeschriebenes Blatt ist wie Trabuco mit seiner Begleitung. Daraufhin erzählt Carlos durch die Brille eines Freundes namens Don Vargas, dessen Vater vom Liebhaber seiner Schwester ermordet worden ist und der nun Mörder und Schwester verfolgt, in einer Synthese aus Lüge und Wahrheit seine eigene Geschichte. Doch Preziosilla blickt auch diesmal tiefer als alle anderen und deckt dazu Widersprüche in Carlos' Bericht auf.
2. Bild: Das Kloster Madonna degli Angeli in den Bergen unweit von Hornachuelos. Leonora nähert sich in Männerkleidung dem Kloster. Sie ist tief verzweifelt, hat sich ihr Geliebter Alvaro doch in der Mordnacht auf einem Schiff nach Amerika abgesetzt und sie so in ihrem Unglück und Schmerz allein gelassen. Voller Schuldgefühle über den Tod des Vaters und gleichzeitig erfüllt von Bitterkeit über den Verrat des Geliebten sucht sie Zuflucht an dem einzigen Ort, der ihr einerseits Schutz vor ihren Verfolgern und andererseits eine seelische Oase zu bieten scheint: das Kloster.
Im Hintergrund nähern sich die Mönche mit einem feierlichen Choral. Leonora fühlt sich von diesen heiligen Gesängen, den Klängen der Orgel und dem Duft des Weihrauchs unmittelbar berührt: "sie geben mir, sie geben meiner Seele Glauben und Trost und Frieden." Dennoch zögert sie, zutiefst ihrer Schuld bewusst, am Tor des Klosters zu läuten und um Einlass zu bitten. Als sie schließlich die Glocke läutet, öffnet Bruder Melitone ein Fenster und fragt nach ihrem Begehren. Als Leonora den Prior persönlich zu sprechen wünscht, reagiert der Mönch zunächst abweisend und argwöhnisch, verschwindet dann jedoch, um dem Prior den Besucher zu melden.
Während dieser Minuten ist Leonora wieder mit all ihren Qualen und Schuldgefühlen allein. Als der Prior (Pater Guardian) schließlich erscheint, ist sie erleichtert, sich in ihrer Verzweiflung endlich jemandem anvertrauen zu können. Doch der Priester ist bereits durch den gemeinsamen Verbündeten Pater Cleto informiert, so dass Leonora die quälende Schilderung sämtlicher Details aus der Schicksalsnacht erspart bleibt.
Tatsächlich findet Leonora bei dem Priester die erhoffte seelische Zuflucht: er heißt sie vor dem Kreuz niederknien und unmittelbar fühlt die Verzweifelte Ruhe in ihr Herz einkehren. Nun hat Leonora noch eine weitere Bitte an den Pater: sie möchte Aufnahme in das Kloster und damit seelischen Frieden finden. Doch der Prior äußert seine Bedenken gegen diesen Schritt: erstens ist Leonora jung und könnte diese Entscheidung schon bald bereuen und zweitens sei ein Frauenkloster als Zufluchtsort besser geeignet. Leonora fühlt sich jedoch an diesem Ort bereits so geborgen, dass sie eher Zuflucht im Wald und bei den Tieren als irgendwo anders suchen will. In ihrer Verzweiflung klammert sie sich an das Kreuz: "Hier will ich bleiben; wer will mich scheiden von meinem Gott?" Angesichts solch starker Überzeugung muss sich der Prior geschlagen geben und akzeptiert die Entscheidung als Gottes Wille.
Da sie im Mönchskloster jedoch nicht leben kann, bietet ihr der Priester eine kleine Höhle im Gebirge an, wo Leonora fast vollkommen auf sich allein gestellt sein und nur einmal in der Woche von dem Prior ihr Brot erhalten wird. Doch diese Wendung des Schicksals deutet Leonora als Zeichen, dass Gott ihr vergeben hat und daher will sie ihr neues Leben in Freuden auf sich nehmen. Bevor sie sich auf den Weg in ihre neue Behausung macht, wird sie mit einer Mönchskutte bekleidet feierlich dem Schutz der Klosterbrüder überantwortet. Gleichzeitig wird den Mönchen das Versprechen abgenommen, sich niemals der Einsiedelei zu nähern oder das Geheimnis des Einsiedlers zu lüften suchen. Leonora gibt der Prior ein Glöckchen mit, mit dem sie sich bei Gefahr bemerkbar machen kann.
3. Aufzug
Feldlager in der Nähe von Velletri in Italien. Einige Soldaten vertreiben sich die Zeit beim Kartenspiel. Alvaro, in der Uniform eines Hauptmanns, sinniert über die Tragik seines Schicksals: nicht nur, dass er in jener furchtbaren Nacht in Sevilla die Geliebte verloren hat, so leidet er auch seit seiner Geburt unter seiner Herkunft. Seine Mutter, die einem alten Königsgeschlecht der Inkas entstammte, wurde einem spanischen Eroberer vermählt, der sich an dem Freiheitskampf Südamerikas gegen die Spanier beteiligte und damit selbst Hoffnungen auf den Königsthron hegte. Doch beide endeten schließlich auf dem Schafott. Alvaro erblickte das Licht der Welt im Kerker, lebt seither in Verbannung und ist nur mit dem Leben davon gekommen, weil niemand von seiner königlichen Herkunft weiß. Doch nun ist sein größter Schmerz, dass seine Geliebte Leonora in der schicksalhaften Nacht den Tod gefunden haben soll.
Während er noch seinem verlorenen Glück nachtrauert, wird er unvermittelt durch Schreie in die Gegenwart zurückgeholt. Einige Soldaten haben sich beim Kartenspiel mit Carlos entzweit und bedrohen diesen nun mit dem Messer, doch Alvaros Auftauchen rettet dem Bedrohten in letzter Minute das Leben Im Gespräch stellt sich nun heraus, dass Carlos - der sich wiederum hinter einem falschen Namen, Don Felice de Bornos, versteckt - gerade erst als Adjutant des Herzogs zur Truppe gestoßen ist. Als Alvaro, der ruhmreiche Hauptmann der Grenadiere, sich mit dem ebenfalls falschen Namen des Don Federico Hereros vorstellt, fühlt sich Carlos hoch geehrt, denn dieser Mann ist nicht nur sein Vorbild, sondern der Stolz des gesamten Heeres. Carlos bittet den verehrten Helden um seine Freundschaft und da Alvaro einwilligt, besiegeln die beiden Männer den Bund mit einem Handschlag und schwören einander: "Zwei Freunde auf Tod und Leben, welch Schicksal uns auch droht!" Während dessen tobt im Hintergrund bereits die Schlacht und so brechen Beide zum Kampf auf.
Das folgende Kampfgeschehen wird von einigen spanischen Offizieren und dem Feldarzt aus der Beobachtung heraus geschildert: Hereros (Alvaro) wird im Kampf verwundet, die Schlacht scheint schon verloren, doch da übernimmt Felice de Bornos (Carlos) das Kommando und schlägt die Feinde in die Flucht.
Der verletzte Hauptmann wird ins Lager gebracht. Die Verletzung ist schwer, denn eine Kugel hat Alvaro in die Brust getroffen und der Hauptmann fühlt bereits sein Leben schwinden. Doch Carlos will ihm mit allen Mitteln Mut machen und verspricht ihm den Orden von Calatrava für seine Heldentaten. Alvaro erschrickt jedoch bei der Nennung dieses Namens bis ins Mark und will daher für seinen eventuellen Tod Maßnahmen ergreifen, um Leonoras Briefe für immer zu vernichten. Und so nimmt er Carlos das Versprechen ab, die von ihm in seinem Felleisen (= Rucksack) aufbewahrten und versiegelten Briefe im Falle seines Todes ungeöffnet dem Feuer zu übergeben.
Während Alvaro operiert wird, sinnt Carlos in einer langen Arie diesem seltsamen Erlebnis nach. Vor allem die unerwartete Reaktion Alvaros auf den Namen Calatrava irritiert ihn und lässt in ihm allmählich den Verdacht aufkeimen, Don Federico Hereros könne mit Alvaro identisch sein. Er ringt, vor allem auch eingedenk der Tatsache, dass Don Federico ihm das Leben gerettet hat, mit sich, sein Versprechen zu brechen. Schließlich siegt sein Gefühl für Ehre und Treue und er legt die Briefe ungeöffnet zurück in den Rucksack. Dabei fällt sein Blick auf ein kleines, unverschlossenes Etui, und als er dieses öffnet, blickt ihm das Bildnis Leonoras entgegen. Damit sind nicht nur alle Zweifel geklärt, sondern ist auch das Schicksal Alvaros besiegelt. Und als der Arzt Carlos von der geglückten Operation berichtet, jubiliert dieser ob der Aussicht, nun den Mörder seines Vaters fordern zu können.
Einige Zeit später. Nach einer ruhigen Nacht, in der eine Patrouille über das Lager gewacht hat, erwacht Alvaro früh am Morgen. Er ist des ewigen Kampfes müde und will nur noch im Jenseits, wo er Leonora bereits wähnt, mit seiner Geliebten wieder vereint sein. Als Carlos sich Alvaro nähert, spricht dieser dem Freund seinen tief empfundenen Dank ob der vergangenen Fürsorge und Pflege aus. Doch Carlos will nun endlich klare Verhältnisse schaffen und lüftet ihrer beider Inkognito.
In dem nun folgenden Wortgefecht zwischen den beiden kommt endlich Stück für Stück die ganze Wahrheit der schicksalhaften Nacht zu Tage. Alvaro wurde auf der Flucht verletzt und musste untertauchen, um sich behandeln zu lassen. Dabei verlor er Leonora aus den Augen. Nachdem er sie anschließend ein ganzes Jahr lang ohne Erfolg gesucht hatte, teilten ihm mehrere Leute mit, dass Leonora tot sei. Carlos weiß jedoch, dass sie bei einer Freundin Unterschlupf finden konnte, von dort jedoch bereits wieder geflohen war, als er selbst bei ihr auftauchte.
Alvaro ist nun, da er weiß, dass Leonora doch noch lebt, überglücklich und in diesem Überschwang der Gefühle bittet er Carlos, die beiden Liebenden für immer miteinander zu verbinden, schließlich sei auch er aus königlichem Blut und damit Leonoras ebenbürtig. Doch Carlos' Brust ist nur von Rachegedanken erfüllt: er will nicht nur Alvaro töten, sondern auch seine Schwester, die für ihn mitschuldig am Tod des Vaters ist. Erbittert kämpfen nun die beiden Kontrahenten mit den Degen gegeneinander, doch bevor es zu einer Entscheidung kommen kann, treten einige Wachen dazwischen und trennen sie. Carlos wird von den Wachen abgeführt, Alvaro hingegen fühlt sich wieder hilflos seinem Schicksal ausgeliefert und will endgültig Vergessen in der Einsamkeit eines Klosters suchen.
Marketenderinnen, Soldaten und die Wahrsagerin Preziosilla beherrschen die Szene im Lager. Wo sich noch vor kurzer Zeit Gewalt und Leidenschaft in einer dramatischen Szene entladen hatten, herrschen jetzt Ausgelassenheit und Unbekümmertheit. Der einfache Soldat hat wenig Ansprüche an das Leben: er marschiert zum Rhythmus der Trommel und Klang der Pfeifen und verkennt dadurch den Ernst der Lage: "Immer lustig lebt der Soldat." Und so vertreiben sich die Soldaten zwischen den Kämpfen die Zeit mit Wahrsagerei durch die Zigeunerin und einen Tropfen Wein aus den Flaschen der Marketenderinnen, mit dem sie auf das Wohl von Don Federico Hereros und Don Felice de Bornos anstoßen - nicht ahnend, dass die Freundschaft zwischen den beiden bereits Geschichte ist, dass ersterer sein Leben hinter Klostermauern beschließen will und letzterer von einem krankhaften Wahn nach Rache getrieben wird. Aus einer der Buden tritt der Trödler Trabuco zu den Soldaten und versucht, mit ihnen Geschäfte zu machen. Doch die Soldaten lassen sich nicht übervorteilen und handeln um einen fairen Preis.
In den folgenden mosaikartigen Szenen werden schlaglichtartig die Schattenseiten des Krieges beleuchtet und damit unterschwellig und doch eindringlich Kritik an demselben geübt. Zunächst sieht man ein paar Bettler mit Kindern, die als Opfer des Krieges obdachlos geworden sind und nun um ein Stück Brot bitten. Dann verschaffen sich mehrere junge Rekruten Gehör, die gewaltsam aus dem Kreis ihrer Familien und von ihren Bräuten fortgerissen worden sind; sie haben nur einen Wunsch: "Wir wollen nach Hause zurück!" Doch die Marketenderinnen trösten sie und versprechen ihnen kokett, in jeglicher Hinsicht für Ersatz und Beistand zu sorgen. Preziosilla gar schilt die jungen Männer ob ihres unmännlichen Verhaltens. Und wieder ermuntert sie die Soldaten: "Krieg ist Krieg! Drum sei'n wir lustig! Nur wer lustig, passt ins Feld!"
Da erscheint Bruder Melitone, der dem frivolen und sündhaften Treiben ein Ende zu bereiten gedenkt und der versammelte Menge den Spiegel vorhält: "Ist das ein Lager von Christen?" Anstatt reuig Buße zu tun, ist jeder Einzelne in Sünde gefallen und dadurch befindet sich die ganze Welt im Chaos ("Die ganze Welt ist worden ein Klaghaus"). Die Soldaten versuchen vergeblich, Bruder Melitone zum Schweigen zu bringen, doch die Anklagen des Mönchs werden stattdessen immer direkter und schwerwiegender. Als er den Soldaten schließlich als Bestrafung für ihre Vergehen die Hölle droht, jagen sie ihn aus dem Lager. Um die Soldaten an einer Verfolgung des Mönchs zu hindern, greift Preziosilla zur Trommel und beginnt einen marschartigen Rhythmus zu trommeln, dem sich einige Trommler des Regiments anschließen und mit einem zackigen Kriegslied motiviert sie Soldaten aufs Neue zum Kampf.
4. Akt
1. Bild: Kloster Madonna degli Angeli bei Hornachuelos. Im Hof steht eine Gruppe von Bettlern, die um Nahrung bitten. Ein wenig mürrisch und mit den ironischen Worten "Ist denn hier ein Wirtshaus?" trägt Fra Melitone mit einem weiteren Mönch einen großen Suppenkessel herbei und teilt seinen Inhalt an die Bettler aus. Doch statt Dankbarkeit erntet er nur Unzufriedenheit, da jeder mehr als der Letzte haben will. Und so nimmt es nicht Wunder, dass Bruder Melitone ungehalten reagiert, doch der Prior weist ihn jedes Mal zurecht und die Bettler erinnern sich sehnsüchtig an die Zeiten, da der barmherzige und milde Pater Raphael ihnen das Essen austeilte.
Als die Bettler gegangen sind, unterhalten sich Pater Guardian und Melitone über Pater Raphael. Melitone berichtet von einem seltsamen Erlebnis des Vortages, als er Raphael scherzend mit einem Mulatten verglich. Dieser geriet daraufhin außer sich. Guardian und Melitone erinnern sich nun daran, dass einstmals der Teufel im Gewand eines Mönchs im Kloster gehaust habe. Melitone mutmaßt, dass Raphael mit dieser Gestalt verwandt sein könnte, doch Guardian ist mit seinen Schlussfolgerungen etwas vorsichtiger. Beide sind sich jedoch darüber einig, dass die unablässigen und intensiven Bußübungen und Gebete den Geist Raphaels verwirrt haben müssen.
Unerwartet erscheint ein neuer Gast an der Pforte. Es ist Carlos, der Bruder Melitone nach Pater Raphael fragt. Rastlos und unerbittlich hat er Alvaro fünf Jahre lang verfolgt, bis er ihn hinter diesen Klostermauern entdeckte. Als sich die beiden Männer gegenüberstehen, zieht Carlos zwei Degen unter seinem Mantel hervor und fordert Pater Raphael alias Alvaro zum Duell. Doch dieser lehnt ab, er habe der Welt abgesagt und sühne nun in strenger Buße seine Schuld. Aber Carlos will davon nichts wissen, beleidigt Alvaro als Feigling, doch an diesem perlen alle Worte wie Wasser ab. Carlos fährt jedoch so lange fort, den Gegner zu beleidigen und herauszufordern, bis Alvaro sich von seiner Leidenschaft übermannen lässt und den Degen gegen Carlos zieht. Eine Sekunde später besinnt er sich schon wieder und wirft den Degen von sich. Schließlich jedoch provoziert ihn Carlos so weit, dass er keinen anderen Ausweg als den Kampf sieht.
2. Bild: Höhle der Leonora in den Bergen. In einer langen Arie bittet Leonara den Heiland um Frieden für ihr immer noch von den Schmerzen der verlorenen Liebe gequältes Herz. Sie kann Alvaro nicht vergessen und da sie nicht mit ihm vereint sein kann, erbittet sie nur noch den Tod. Da nähert sich ein Fremder der Höhle. Leonara versteckt sich in ihrer Behausung, während unweit von ihr der Zweikampf zwischen ihrem Bruder und ihrem Geliebten vor sich geht. Zum Ende des Duells sind die beiden Kontrahenten unmittelbar vor dem Höhleneingang angelangt. Alvaro hat Carlos tödlich verletzt und bittet den in der Einsiedelei vermuteten Mönch um den letzten Trost. Doch Leonora fürchtet sich und schickt die Fremden fort. Plötzlich jedoch erkennen Alvaro und Leonora einander gegenseitig an der Stimme. Sie können ihr Glück kaum fassen, doch auch diesmal soll die Hand des Schicksals sie wieder voneinander trennen, nun jedoch für immer. Denn Leonora, die verzweifelt auf den sterbenden Bruder zustürzt, ahnt nichts von dessen ungestillten Rachegelüsten und liefert sich ihm so ahnungslos aus. Bereits mit dem Tode ringend, stößt Carlos seiner eigenen Schwester den Dolch ins Herz und fühlt über der Tatsache, dass er zumindest die Hälfte seiner Rache ausgeführt hat, eine letzte Genugtuung. Alvaro fällt daraufhin in noch tiefere Verzweiflung als vorher, doch Pater Guardian und die sterbende Leonora versuchen sein aufgewühltes Herz zu besänftigen und bitten Gott um Gnade für den Verzweifelten. Schließlich nimmt Alvaro sein Schicksal an und fühlt sich dadurch geläutert und endlich von aller Schuld erlöst. Und er weiß, dass er Leonora im Himmel wieder sehen wird.
In der Urfassung der Oper wird Alvaro jedoch nicht seiner Verzweiflung Herr und stürzt sich nach Leonoras Tod von einem Felsen in den Abgrund.
Bibliografie:
- Kurt Pahlen (Hrsg.): Giuseppe Verdi: Die Macht des Schicksals/La forza del destino. Textbuch (Ital./Dt.), Einführung und Kommentar, Mainz 1989
- Giuseppe Verdi: Die Macht des Schicksals, Stuttgart 1989









0 Kommentare