Leichtathletik
Leichtathletik
Die Leichtathletik umfasst die "natürlichen Sportarten" des Laufens (einschließlich des Gehens), Springens und Werfens (beziehungsweise Stoßens). Man unterscheidet zwei Gruppen innerhalb der Leichtathletik, die Laufdisziplinen und die technischen Disziplinen. Beim Laufen geht es über unterschiedliche Distanzen. Unter den technischen Disziplinen finden wir das Werfen und Stoßen sowie Sprünge in den verschiedenen Formen. Die Mehrkämpfe - besonders der Siebenkampf der Frauen und der Zehnkampf der Männer - sind Kombinationen dieser leichtathletischen Disziplinen.
Geschichte der Leichtathletik

Seit Jahrhunderten sind leichtathletische Übungen und Wettkämpfe ein fester Bestandteil von Körperkultur und Sport. Die Leichtathletik ist seit jeher die wichtigste Sportart der Olympischen Spiele, was auch schon für die Olympischen Spiele der griechischen Antike galt. Die ersten Spiele fanden nachweislich 776 v.Chr. mit nur einer Disziplin, und zwar mit dem Stadionlauf über 192 m, statt. Die moderne Leichtathletik hat ihre Wurzeln im England des 19. Jahrhunderts, vor allem in den Public Schools sowie in den Universitäten Oxford und Cambridge. Als wichtigster Tag für den Beginn der "Track and Field Athletics" - so die englische Bezeichnung der Leichtathletik - gilt der 05.03.1864, als Mannschaften der Universitäten Oxford und Cambridge gegeneinander antraten. Ausgehend von diesem Wettkampf fanden 1866 die ersten nationalen englischen Meisterschaften in zwölf Wettbewerben statt. Die Leichtathletik breitete sich bis zu den ersten modernen Olympischen Spielen 1896 weltweit aus. Der Internationale Amateur-Leichtathletik-Verband (International Amateur Athletic Federation, IAAF) wurde 1912 gegründet und sorgte dafür, dass die Leichtathletik ihren Charakter als Amateursportart weitestgehend beibehielt. Mit dem ersten öffentlichen Wettkampf 1880 in Hamburg hielt der leichtathletische Wettkampfsport seinen Einzug in Deutschland. Die ersten deutschen Leichtathletikmeisterschaften wurden 1891 ausgetragen, seit 1906 für alle Einzeldisziplinen innerhalb einer Veranstaltung (Mannschafts- und Mehrkampfmeisterschaften gesondert). Es werden Europameisterschaften (seit 1934, alle 4 Jahre; ab 2012 alle 2 Jahre) und Weltmeisterschaften (seit 1983, erstmalig in Helsinki, seit 1993 alle 2 Jahre) sowie der Europapokal (jährlich) ausgetragen. 1977 wurde erstmalig ein Weltpokal durchgeführt, an dem jetzt alle vier Jahre jeweils acht Frauen- und Männerauswahlmannschaften (5 Kontinentalteams, die beiden ersten des Europapokals und die USA) teilnehmen. Seit 1998 werden die wichtigsten internationalen Sportfeste (Meetings) zu einer "Superliga" zusammengefasst.
Seit 2004 werden die Weltmeisterschaften in der Halle und im Freien nicht mehr in einem Jahr durchgeführt. Die Freiluft-WM wird wie früher in ungeraden Jahren ausgetragen, die Hallen-WM findet nur noch in geraden Jahren statt. Analog zur IAAF änderte der Europaverband (EAA) den Rhythmus der Hallen-Titelkämpfe. Seit Wien (1.-3. März 2002) finden sie in den ungeraden Jahren statt, der Vier-Jahres-Rhythmus im Freien blieb aber bestehen. Der Europaverband richtet seit 2003 zudem einen Indoor-Cup für die acht besten Nationalteams aus. Mitte April 2007 beschloss der Europaverband dann, dass die Freiluft-Europameisterschaften ab 2012 alle zwei statt wie bisher alle vier Jahre stattfinden werden.
Seit einigen Jahren kämpft die Leichtathletik gegen zurückgehende Sponsoringgelder und schrumpfende Fernsehzeiten. Die Diamond League, die 2010 die bisherige Golden League ablöste, soll dem entgegenwirken und der Leichtathletik neuen Glanz bringen.
Laufdisziplinen
Die Laufwettbewerbe werden mit Ausnahme des Marathonlaufs auf einer genormten 400-m-Bahn ausgetragen. Kürzere Laufstrecken werden in Bahnen gelaufen. Die Läufer dürfen Startblöcke verwenden und Spikes tragen. Moderne Bahnen haben einen "Allwetter-Belag", der in der Regel aus einer speziellen Kunststoffzusammensetzung besteht. Diese haben die Leistungsentwicklung positiv beeinflusst, da sie bei schlechten Witterungsbedingungen ein Absinken der Leistung weitgehend verhindern. Nach den Befehlen "Auf die Plätze" und "Fertig" erfolgt der Startschuss durch den Starter. Dabei wird die Effektivität des Starts von der zweckmäßigen Gestaltung dieser Elemente bestimmt:
"Auf die Plätze": Einnehmen der Position; Konzentration auf den Start
"Fertig": Körper in eine für die anschließende Startbewegung optimale Stellung verlagern
Startschuss: Startaktion, d.h. möglichst explosiver Abdruck von den Startblöcken, um eine hohe horizontale Anfangsgeschwindigkeit zu erreichen
Die Rennen werden entgegen dem Uhrzeigersinn gelaufen. Hallenwettkämpfe werden normalerweise auf einer 200-m-Bahn ausgetragen. Bei den meisten Rennen ist die Startaufstellung wegen der unterschiedlichen Länge der inneren und äußeren Laufbahnen versetzt, damit die Läufer, die auf einer Außenbahn starten, nicht benachteiligt werden. Die Startposition ist elektronisch mit der Zielfoto-Anlage verbunden, die eine kontinuierliche Aufnahme der Ziellinie liefert und die Zeit auf 1/100 Sekunde genau misst.
Kurzstrecken- und Hürdenlauf
Zum Kurzstreckenlauf zählen alle Flach-, Hürden- und Staffelläufe, die über Wettkampfdistanzen bis zu 400 m ausgetragen werden. Diese werden - entsprechend ihrem spezifischen Anforderungscharakter - auch als Sprintdisziplinen bezeichnet. Zum olympischen Programm gehören die folgenden Sprintdisziplinen:
| Strecke | Männer seit | Frauen seit |
| 100 m | 1896 | 1928 |
| 200 m | 1900 | 1948 |
| 400 m | 1896 | 1964 |
| 4 x 100 m | 1912 | 1928 |
| 4 x 400 m | 1912 | 1972 |
| 80-/100-m-Hürden | - | 1932 |
| 110-m-Hürden | 1896 | - |
| 400-m-Hürden | 1900 | 1984 |
Sprintlauf
Offizielle Sprintdistanzen, die vom Start bis zum Ziel in Bahnen gelaufen werden, sind 100 m, 200 m und 400 m. Während der Start beim 200- und 400-m-Lauf mit Kurvenvorgabe erfolgt, werden die 100 m auf einem geraden Kurs von einer geraden Startlinie an gelaufen. Der Nachteil, auf einer Außenbahn starten zu müssen, besteht darin, dass der Läufer die Gegner auf den Innenbahnen nicht sehen kann. Dieser Nachteil wird allerdings dadurch kompensiert, dass innenstehende Läufer engere Kurven laufen müssen. Ein guter Start ist entscheidend, und die Läufer versuchen oft, den Startschuss zu antizipieren. Wenn dies geschieht, wird der Lauf durch den Starter mit einem zweiten Schuss unterbrochen, und es erfolgt ein Neustart. Ein Läufer, der mehr als einen Fehlstart verursacht, wird disqualifiziert. Der Kurzstreckenlauf nimmt innerhalb der Leichtathletik eine herausragende Stellung ein, da er die Leistung in anderen Disziplinen mitbestimmt (z.B. im Weitsprung) beziehungsweise beeinflusst (Mittelstreckenläufe). Die Leistungsfähigkeit im Kurzstreckenlauf ist vor allem von den Schnelligkeitsfähigkeiten abhängig; zudem sind für alle Sprintläufe hohe koordinativ-technische Voraussetzungen für einen rationellen Bewegungsablauf nötig. So werden kurze Sprintdisziplinen durch eine maximale Beschleunigungsfähigkeit und Schnelligkeit bestimmt, während mit zunehmender Streckenlänge die Schnelligkeitsausdauer an Gewicht gewinnt. Der 100-m-Lauf ist die Krone der Sprintwettbewerbe, und der Weltrekordinhaber gilt als schnellster Mensch der Welt. Es ist ein Lauf mit maximalem Einsatz vom Start bis zum Ziel, obwohl die Läufer ihre Höchstgeschwindigkeit nicht vor der 50-m-Marke erreichen und sie nur etwa 20 m halten können.
Staffellauf
Die Standard-Staffeldistanzen, die normalerweise am Ende von großen Meisterschaften gelaufen werden, sind die 4 x 100 m und die 4 x 400 m für Männer und Frauen. Die Läufe werden mit Kurvenvorgabe-Start durchgeführt. Während die 4 x 100 m vom Start bis zum Ziel in Bahnen gelaufen werden, dürfen die Läufer im 4 x 400-m-Lauf die Startbahnen verlassen, sobald der zweite Läufer die Gegengerade erreicht hat. Der Staffelstab muss innerhalb einer festgelegten 20-m-Zone übergeben werden. Da der den Stab annehmende Läufer bis zu 10 m vor diesem Wechselraum anlaufen darf, erfolgt die Übergabe "fliegend". Ein Staffelwechsel wird dabei natürlich umso effektiver sein, je höher die Laufgeschwindigkeit der Läufer im Wechselraum und insbesondere im Moment der Stabübergabe ist. Staffelläufe stellen Höhepunkte der leichtathletischen Wettkämpfe dar. Für den Zuschauer sind sie durch die hohe Brisanz des sportlichen Geschehens auf der Laufbahn interessant. Die Verantwortung des Einzelnen für die kollektive Leistung kann die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Sportler zusätzlich mobilisieren. So sind Staffelläufe für Trainer ein hervorragendes Mittel, um Aspekte wie Wahrnehmung gemeinsamer Verantwortung, "Mannschaftsgeist", aber auch Trainingbereitschaft und Einsatzfreude zu fördern.
Hürdenlauf
Die Standard-Hürdendistanzen sind 110-m-Hürden und 400-m-Hürden für Männer sowie 100-m-Hürden und 400-m-Hürden für Frauen. Während die kürzeren Distanzen auf einer Geraden gelaufen werden, werden die 400-m-Hürden von einem versetzten Start aus über eine Runde gelaufen. Bei allen Rennen stehen auf jeder Bahn zehn Hürden. Die Höhe der Hürden beträgt 106,7 cm (110-m-Hürden der Männer) und 91,4 cm (400-m-Hürden der Männer) sowie 83,8 cm (100-m-Hürden der Frauen) und 76,2 cm (400-m-Hürden der Frauen). Das Berühren und Umwerfen der Hürden mit den Beinen ist gestattet. Seit dem 1. Januar 2003 ist in den Hürdenläufen (und Sprints) bis 400 m nur noch ein einziger Frühstart zulässig. Danach wird ein Wettkämpfer sofort qualifiziert. Der Hürdenlauf gehört aufgrund des fortwährenden Wechsels zwischen zyklischen (Lauf) und azyklischen (Hürdenschritt) Bewegungen bei höchster Geschwindigkeit zu den koordinativ-technisch anspruchsvollsten leichtathletischen Disziplinen.
Mittel- und Langstreckenlauf / Gehen
Mittel- und Langstreckenläufe sowie das sportliche Gehen sind die Ausdauerdisziplinen der Leichtathletik. Dabei sind alle diese Lauf- und Gehdisziplinen Geschwindigkeitswettbewerbe. So sind Ausdauer und Schnelligkeit die wichtigsten leistungsbestimmenden Fähigkeiten für Läufer und Geher.
Mittel- und Langstreckenlauf
Die längste Bahndistanz ist der 10 000-m-Lauf (auf einer 400-m-Bahn über 25 Runden). Im 800-m-Lauf erfolgt der Start versetzt, und die Läufer laufen die ersten 100 m in Bahnen, bis zum Beginn der Gegengerade. An diesem Punkt angekommen, können die Läufer zur Innenbahn wechseln. Längere Rennen werden nicht in Bahnen gelaufen; der Start erfolgt versetzt von einer gekrümmten Linie. Die Standard-Mittel- und Langstreckendistanzen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sind 800 m, 1500 m, 5000 m und 10 000 m für Männer und Frauen. Offizielle Weltrekorde für Männer und Frauen werden auf den Strecken 800 m, 1000 m, 1500 m, 2000 m, 3000 m, 5000 m und 10 000 m sowie über die Meile (1609 m) geführt. Die Taktik und das Tempogefühl spielen in Mittel- und Langstreckenrennen, in denen die Läufer genügend Energie für einen maximalen Endspurt aufsparen müssen, eine wichtige Rolle. Der Marathonlauf ist das klassische Langstreckenrennen und findet bei allen großen Meisterschaften sowohl für Männer als auch für Frauen statt. Der Marathonlauf geht über 42,195 km, eine Distanz, die erstmalig bei den Olypischen Spielen 1908 festgelegt wurde. Der Start und der Zieleinlauf finden im Stadion statt. Dazwischen liegt ein Straßenkurs, der auch Steigungen beinhalten kann. Über die Strecke verteilte Wasserstationen helfen, den Flüssigkeitsverlust der Läufer auszugleichen. Andere Marathonläufe, vor allem in Großstädten, finden auf einer einmal zu durchlaufenden Straßenstrecke statt, und bei einigen von ihnen nehmen viele Tausend Läufer teil. Bei diesen "Volksmarathonläufen" laufen häufig Männer und Frauen mit separater Wertung in einem Rennen. Da die Marathonstrecken so unterschiedlich sind, gibt es keine offiziellen Weltrekorde, sondern nur Weltbestzeiten. Crossläufe werden vor allem im Herbst und Winter im freien Gelände, über Felder und durch Wälder, bei festgelegten Distanzen ausgetragen. Es wird eine eigene Weltmeisterschaft mit Einzel- und Mannschaftswertung durchgeführt. Männer laufen bei diesen Meisterschaften über 12 km (Junioren 8 km), Frauen über 6 km (Juniorinnen über 4 km). Der Orientierungslauf, der 1918 in Schweden erfunden wurde, ist ein Crosslauf über einen Kurs, bei dem die schnellste Route zu mehreren Kontrollpunkten mit Hilfe einer Karte und eines speziellen Kompasses gefunden werden muss. Der internationale Verband für Orientierungslauf (International Orienteering Federation) wurde 1961 gegründet; seit 1968 werden alle zwei Jahre Weltmeisterschaften für Männer und Frauen ausgetragen.
3000-m-Hindernislauf
Beim 3000-m-Hindernislauf sind siebeneinhalb Bahnrunden zurückzulegen. Hindernisläufer laufen über feststehende Hürden, von denen sich vier auf jeder Runde und der Wassergraben nach der ersten halben Runde befinden. Die Läufer dürfen beim Überqueren einen Fuß auf die 91,4 cm hohen Hürden setzen. Ein Sonderhindernis ist der Wassergraben, bei dem die Distanz vom Hindernis bis zur Kante des in die Bahn eingelassenen Wassergrabens 3,66 m beträgt. Beim 3000-m-Hindernislauf wird der Laufrhythmus insgesamt 35-mal unterbrochen, da die Hindernisse 28-mal und der Wassergraben 7-mal zu überwinden sind. Aus diesem Grund kommen höchste Leistungen nur bei einem optimalen Verhältnis zwischen einem hervorragenden Niveau der konditionellen Fähigkeiten und der motorisch-technischen Fertigkeiten zustande.
Sportliches Gehen
Die Standard-Gehstrecken sind 20 und 50 km für Männer und zehn Kilometer für Frauen. Wie der Marathonlauf finden die Gehwettbewerbe auf der Straße mit Start und Ziel im Stadion statt. Im Unterschied zum Straßenlauf werden offizielle Weltrekorde anerkannt. Beim Gehen muss nach den Regeln zumindest ein Teil eines Fußes stets mit dem Boden Kontakt haben, und das vordere Bein muss im Moment des Fußaufsatzes zumindest einen Moment lang gestreckt sein. Verstöße gegen diese Regeln führen zu Verwarnungen oder zur Disqualifikation. Deshalb ist ein hohes und auch stabiles Niveau der motorisch-technischen Fertigkeiten in Verbindung mit konditionellen Fähigkeiten Voraussetzung für höchste Leistungen.
Technische Disziplinen
Viele der technischen Disziplinen, zu denen die Sprung- und Wurfdisziplinen gehören, werden auf speziellen Anlagen im Innenraum der Stadien durchgeführt. Im Weit- und Dreisprung sowie in den vier Wurfdisziplinen - Kugelstoß, Diskuswurf, Hammerwurf und Speerwurf - haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Anzahl von Versuchen (meistens: drei), um ihre beste Weite zu erzielen. Im Hochsprung und Stabhochsprung wird die Latte nach jedem Durchgang höher gelegt, und die Sportler setzen ihre Versuche fort, bis sie dreimal in Folge die Latte reißen. Der Springer mit dem höchsten Sprung ist der Sieger. Im Falle eines Gleichstandes ist der Sieger derjenige mit den wenigsten Fehlversuchen bei der letzten überquerten Höhe. Bei den Sprung- und Wurfdisziplinen sind perfekte Technik und explosive Kraftentfaltung die Voraussetzungen für ein gutes Wettkampfergebnis.
Sprung
Anlauf, Absprung sowie teilweise die Flugbewegungen beeinflussen maßgeblich die Leistungen in den leichtathletischen Sprungdisziplinen. Zu den leichtathletischen Sprungdisziplinen im olympischen Programm gehören:
| Sprungdisziplin | Männer seit | Frauen seit |
| Weitsprung | 1896 | 1948 |
| Hochsprung | 1896 | 1928 |
| Dreisprung | 1896 | 1996 |
| Stabhochsprung | 1896 | 2000 |
Dabei werden alle vier Disziplinen mit einem einbeinigen Absprung ausgeführt. Sichtbare Unterschiede bestehen zum einen in der Gestaltung des Anlaufs, zum anderen in der Höhe der Flugphasen. So werden die Disziplinen Weit- und Dreisprung als horizontale Sprünge, die Disziplinen Hoch- und Stabhochsprung als vertikale Sprünge bezeichnet.
Weitsprung
Beim Weitsprung erhalten die Sportler mindestens drei Versuche, bei wichtigeren Wettkämpfen sechs. Sie verwenden die Anlaufbahn, um Schnelligkeit zu entwickeln, bevor sie von einem Sprungbalken aus abspringen. Die der Sprunggrube am nächsten gelegene Kante des Sprungbalkens ist die Ansprunglinie. Unmittelbar hinter dieser Linie befindet sich ein Plastilinkontrollstreifen, der ein Übertreten anzeigt. Der Landebereich ist eine glatt geharkte Sandgrube, und die Sprungweite wird optisch als die Distanz von der Absprunglinie bis zum ersten Eindruck, den der Springer mit einem Körperteil im Sand hinterlassen hat, gemessen. Um eine optimale Weitsprungleistung zu erzielen, muss der Sportler folgende Knotenpunkte der Bewegung beherrschen:
- den Anlauf zum Erreichen einer möglichst hohen Anlaufgeschwindigkeit und dem genauen Treffen des Sprungbalkens;
- den explosiven Absprung aus einer hohen Geschwindigkeit;
- die Flugphase zur Erhaltung des Gleichgewichts und der Vorbereitung einer optimalen Landung
- sowie die Landung mit einem geringen Landeverlust (weiches Abfangen des Körpers).
Hochsprung

Der Hochsprung wurde 1968 durch den amerikanischen Olympiasieger Dick Fosbury revolutioniert. Er holte sich den Titel mit einem neuen Sprungstil, bei dem er die Latte in Rückenlage mit dem Kopf zuerst überquerte und dann erst die Beine über die Latte nachzog. Diese Technik, der so genannte "Fosbury-Flop", wird mittlerweile von allen Spitzenspringern angewandt. Ziel der Lattenüberquerung beim "Fosbury-Flop" ist es, die Latte trotz möglichst geringer Körperentfernung ohne eine Berührung zu überqueren. Im Vergleich zum Wälzsprung (die Latte wird mit dem Gesicht und Bauch zur Latte überquert; Wälzbewegung) bietet der Flopsprung den Vorteil, dass die Körperteile stärker nacheinander und damit besser steuerbar über die Latte gebracht werden können. Die einzigen Regeln, die den Hochsprung einschränken, besagen, dass die Sohlen der Schuhe nicht dicker als 13 mm sein dürfen und dass der Absprung von einem Fuß erfolgen muss.
Dreisprung
Beim Dreisprung ist der erste Sprung ein "Hop", bei dem Absprungfuß (der Fuß, der zuletzt den Boden verlässt) und Landefuß identisch sind. Der zweite Sprung ist ein "Step", bei dem auf dem anderen Fuß gelandet wird, und beim dritten Sprung ("Jump") erfolgt die Landung in der Sprunggrube. Wie beim Weitsprung erhalten die Sportler mindestens drei Versuche. Dreisprungübungen sind wichtige Mittel im Sinne einer vielseitigen Ausbildung. Mit dem Kennenlernen dieser schwierigen leichtathletischen Disziplin werden in hohem Maße koordinative Fähigkeiten angesprochen, vor allem die Rhythmisierungs- und die Gleichgewichtsfähigkeit und das Sprunggefühl.
Stabhochsprung
Der Fortschritt im Stabhochsprung ist hauptsächlich auf technisch verbesserte Sprungstäbe zurückzuführen. Ein Stabhochspringer muss seine auf der Anlaufbahn entwickelte Horizontalgeschwindigkeit in eine Aufwärtsbewegung umsetzen, indem er den Stab in einen speziellen, im Boden unter der Latte eingelassenen Kasten einsticht und sich mit Hilfe der Katapultwirkung des Stabes nach oben schwingt. Moderne Fiberglas-Stabhochsprungstäbe sind robust und flexibel und erlauben bei den Männern Sprunghöhen um 6 m. Die Schwierigkeit beim Stabhochsprung liegt vor allem in der effektiven Einbeziehung und Ausnutzung des Sprungstabes begründet. So kommt es darauf an, die während des Anlaufs und Absprungs entwickelte kinetische Energie optimal auf den Stab zu übertragen und dessen elastische Eigenschaften zu nutzen.
Wurf und Stoß
Zu den olympischen Wettbewerben gehören vier Wurf- beziehungsweise Stoßdisziplinen:
| Disziplin | Männer seit | Frauen seit |
| Kugelstoß | 1896 | 1948 |
| Diskuswurf | 1896 | 1928 |
| Speerwurf | 1906 | 1932 |
| Hammerwurf | 1900 | 2000 |
Ziel bei den leichtathletischen Wurf- und Stoßdisziplinen ist es, das Wurfgerät so weit wie möglich zu werfen oder zu stoßen. Dieses erfordert sowohl spezielle Techniken als auch hohe Schnellkraftfähigkeiten in Armen und Beinen. Auch die Körperhöhe und ein optimales Körpergewicht sind wichtige Voraussetzungen für hohe Leistungen in den Wurf- und Stoßdisziplinen. Bei den meisten großen Wettkämpfen gibt es eine Qualifikationsrunde, bei der jeder Werfer 3 Versuche hat, und eine Endrunde, in der acht bis zwölf Werfer je 6 Würfe haben.
Kugelstoß
Beim Kugelstoß wird eine Metallkugel (Männer 7,257 kg, Frauen 4 kg) aus einem Kreis von 2,135 m Durchmesser heraus über eine möglichst weite Entfernung gestoßen. Dabei muss die Kugel mit einer Hand und von der Schulter aus gestoßen werden; der Sportler hat sie, sobald er seine Ausgangsstellung im Kreis eingenommen hat, in der Nähe des Kinns zu halten. Die Stoßleistung wird von der dem Abstoßbalken am nächsten liegenden Aufschlagstelle bis zur Innenkante des Abstoßbalkens gemessen. Der amerikanische Leichtathlet Parry O'Brien löste 1952 mit seiner Technik ("O'Brien-Technik") eine neue Entwicklung im Kugelstoßen aus. Als Erster nahm er die Ausgangsstellung mit dem Rücken zur Stoßrichtung ein, beugte den Oberkörper dann kurz vor dem Angleiten tief ab und ging in die Angleitbewegung mit einer leichten Drehung in die Stoßrichtung hinein. Dadurch wird der Weg der Kugel bis zum Abstoß verlängert und durch die Streckung aus der tiefen Beuge heraus die früher übliche Konterbewegung vermieden. Diese Technik führte zu großen Leistungssteigerungen im Kugelstoßen.
Diskuswurf
Beim Diskuswurf wird eine Holzscheibe mit Metallkern im Schleuderwurf aus einem Wurfkreis heraus geworfen. Der Wurfkreis von 2,5 m Durchmesser ist mit einem Schutzgitter umgeben, weil die Geräte manchmal von dem sich drehenden Werfer in für andere Athleten oder Zuschauer gefährlichen Winkeln abgeworfen werden. Das Schutzgitter lässt vorne 6 m zum Wurffeld hin frei. Die erzielte Wurfweite wird von der dem Wurfkreis nächsten Auftreffstelle des Diskus bis zur Innenkante des Wurfkreisringes gemessen. Der Diskus besitzt wegen seiner Form aerodynamische Eigenschaften. So ist er das einzige leichtathletische Sportgerät, das vom Gegenwind profitiert und die Luft als tragendes Element zu größeren Weiten nutzen kann. Der Diskuswurf gehört zu den leichtathletischen Rotationswürfen. Bedingt durch Form und Gewicht des Diskus sowie den infolge der Umdrehung relativ langen Beschleunigungsweg ist die Erzeugung hoher Geschwindigkeiten möglich.
Speerwurf
Beim Speerwurf wird ein Speer, der aus Holz oder Metall gefertigt sein kann, mit Anlauf geworfen. Der Speer muss etwa an seinem Mittelpunkt mit einer Schnur umwickelt sein (Griffstelle). Von Beginn der Vorbereitungen zum Speerwurf bis zum vollendeten Wurf darf der Sportler sich nicht drehen und mit dem Rücken zum Abwurfbalken zeigen. Ein Abwurf aus einer Drehbewegung heraus ist nicht gestattet. Die Speerwurfweite wird von der Abwurflinie, die das Ende der Anlaufbahn markiert, bis zu dem Punkt, in dem die Speerspitze zuerst den Boden berührt hat, gemessen. Trifft der Speer nicht mit der Spitze zuerst den Boden, so ist der Wurf ungültig. Der Speerwurf ist die wesentlichste Wettkampfdisziplin aus der Gruppe der Schlagwürfe, zu der neben dem Speerwurf auch der Schlagballwurf gehört. Diese Disziplinen werden durch die Schlagbewegung des Armes im Abwurf gekennzeichnet. In der Abwurfphase erfolgt die Hauptbeschleunigung des Speeres: circa 2/3 der Abfluggeschwindigkeit werden in dieser Phase erzeugt. Bedingt durch das leichte Gerät (800 g Herren, 600 g Frauen) sowie die Länge des Anlaufs (nicht mehr als 36,5 m und nicht weniger als 30 m) werden sehr hohe Abfluggeschwindigkeiten erzielt. Diese hohen Geschwindigkeiten und die kurze Zeitdauer der Kraftübertragung auf das Gerät heben neben den erforderlichen Schnellkraftqualitäten die Bedeutung der Technik als wesentlichen leistungsbestimmenden Faktor hervor.
Hammerwurf
Beim Hammerwurf wird ein Wurfhammer (Metallkugel an einem Drahtseil mit Handgriff; Gesamtgewicht: 7,257 kg) aus einem Wurfkreis von 2,134 m Durchmesser (7 englische Fuß) geschleudert. Dabei erfolgt die Beschleunigung ausschließlich in Drehbewegungen (des Gesamtsystems Werfer/Hammer), das heißt, der Hammerwurf ist ein typischer Rotationswurf. Den betonbefestigten Wurfkreis umgibt ein halbkreisförmig angeordnetes Schutzgitter, das zum Wurffeld hin geöffnet ist. Dieses Schutzgitter ist notwendig, weil das Sportgerät von dem sich drehenden Werfer in für andere Athleten oder Zuschauer gefährlichen Winkeln abgeworfen werden könnte. Die Wurfweite wird von der Innenkante des Wurfkreises bis zur ersten Aufschlagstelle des Wurfhammers gemessen. Durch die schnellen Körperdrehungen beträgt die verstärkte Fliehkraft des Hammerkopfes bis zu 250 kp. Der Werfer muss diesem rotierenden Hammerkopf, der bei möglichst großem Umlaufradius die maximale Beschleunigung erhalten soll, mittels zweckmäßiger Körperhaltung entsprechend mehr Haltekraft entgegensetzen.
Mehrkampf
Der leichtathletische Mehrkampf vereint in sich Lauf-, Sprung- und Wurfwettbewerbe, ausgetragen in einer festgelegten Reihenfolge. Die Athleten erhalten für die von ihnen erreichten Zeiten, Höhen und Weiten Punkte nach einer Tabelle. Das Zusammenführen verschiedener Disziplinen zu einem Wettbewerb ergibt eine Vielseitigkeitsprüfung, die eine umfassende technisch-koordinative und konditionelle Ausbildung der Sportler erfordert. Seit 1912 ist der Zehnkampf der Männer, seit 1964 der Fünfkampf der Frauen Bestandteil des olympischen Programms. Der Fünfkampf der Frauen wurde 1981 durch den Siebenkampf abgelöst.
Zehnkampf
Der Zehnkampf der Männer besteht aus folgenden Disziplinen: 100-m-Lauf, Weitsprung, Kugelstoß, Hochsprung, 400-m-Lauf (erster Tag); 110-m-Hürden, Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf, 1500-m-Lauf (zweiter Tag).
Siebenkampf
Die Siebenkampf der Frauen besteht aus folgenden Disziplinen: 100-m-Hürden, Hochsprung, Kugelstoß, 200-m-Lauf (erster Tag); Weitsprung, Speerwurf, 800-m-Lauf (zweiter Tag).
Hallenleichtathletik
Bestimmte Disziplinen werden, hauptsächlich außerhalb der Saison, auch in der Halle ausgetragen, und es gibt verschiedene Meisterschaften. Die federnden Holzbahnen, deren Kurven überhöht sind, sind oval und in der Regel 200 m lang; die auf einer Geraden ausgetragenen Sprint- und Hürdendistanzen betragen 50 beziehungsweise 60 m. Alle Sprungdisziplinen sowie der Kugelstoß - als einzige Wurfdisziplin - werden auch in der Halle ausgetragen.
Bibliografie:
- Jörg Huppers, Michael Draksal: Mentales Training in der Leichtathletik. Praxisbuch für Trainer & Athleten, Leipzig 2006
- Christian Simon, Ralf Kramer: Leichtathletik, Schorndorf 2004
- Sven Simon: Berlin 2009 - Leichtathletik-Weltmeisterschaften, München 2009









1 Kommentar