Leonard Bernstein
Biografie
Leonard Bernstein wird am 25. August 1918 als ältestes von drei Kindern in einem jüdischen Elternhaus geboren. Beide Elternteile sind russische Emigranten, die angesichts der zunehmenden Verfolgung der Juden in ihrer russischen Heimat Anfang des 20. Jahrhunderts auf abenteuerlichem Wege in die USA ausgewandert waren. Die Religion spielte im Leben der Familie Bernstein eine entscheidende Rolle - alle drei Kinder wurden in der jüdischen Tradition erzogen - und sollte Leonard Bernstein persönlich und vor allem musikalisch ein Leben lang prägen und ihre Spuren hinterlassen, sei es in der Verarbeitung jüdischer Melodik in seinen Kompositionen oder in seiner jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit dem Israel Philharmonic Orchestra.
Leonards musikalische Begabung kommt eher per Zufall ans Licht, als eine Tante bei der Familie ihr Klavier unterstellen will. Da ist Leonard bereits zehn Jahre alt und hat bis dahin eher wenig musikalische Ambitionen gezeigt. Doch dann bricht das musikalische Talent sich eruptiv Bahn. Leonard erhält zunächst Klavierunterricht bei Frieda Karp und Susan Williams. Von besonderer Bedeutung sollte jedoch ab 1932 die pianistische Ausbildung bei Helen Coates werden. Zu dieser Zeit machen sich auch bereits die beiden anderen Talente des jungen Musikers bemerkbar: Leonard erprobt sich als Dirigent einer Carmen-Aufführung und komponiert mit 16 Jahren sein erstes, von Igor Strawinsky inspiriertes Werk, eine Sonatine für Klavier.
Nach dem Schulabschluss studiert Leonard Bernstein von 1935-1939 an der Harvard University neben Musik die Fächer Philosophie, Ästhetik, Sprach- und Literaturwissenschaft. In dieser Zeit lernt er zwei für seinen weiteren musikalischen Lebensweg wichtige musikalische Persönlichkeiten kennen: den amerikanischen Komponisten Aaron Copland und den griechischen Dirigenten Dimitri Mitropoulos. Auf Empfehlung von Mitropoulos schließt Bernstein ab 1939 dirigentische Studien bei Fritz Reiner am Curtis Institute in Philadelphia an. Als er im Sommer 1940 an der Sommerakademie des Berkshire Music Centers in Tanglewood teilnimmt, trifft er dort auf den dritten bedeutenden Musiker, der ebenso wie Aaron Copland später zu seinen engsten Freunden zählen sollte: auf Serge Kussewitzky. Nach Abschluss seiner Studien am Curtis Institute ernennt Kussewitzky Bernstein 1942 zu seinem Stellvertreter in Tanglewood.
1943 wird zu Leonard Bernsteins Schicksalsjahr. Bereits die Ernennung zum stellvertretenden Dirigenten des New York Philharmonic Orchestra bedeutet einen wichtigen Karrieresprung. Als am 14. November 1943 unerwartet der Chefdirigent Bruno Walter erkrankt und der gerade 25-jährige Bernstein für ihn am Dirigentenpult bei einem Konzert in der Carnegie Hall einspringen muss, bietet sich damit unerwartet die Chance seines Lebens. Bernstein meistert die Herausforderung mit Bravour und wird nach einem gefeierten Dirigenten-Debüt über Nacht weltberühmt. Von da geht es mit seiner Karriere steil bergauf.
In den folgenden fast fünfzig Jahren führt Leonard Bernstein ein unermüdliches Leben mit der und für die Musik: er dirigiert, komponiert, spielt immer wieder auch Klavier und unterrichtet. Seine Begeisterung für die Musik ist dabei so elementar, dass sie immer auch unmittelbar auf seine Zuhörer, Orchestermusiker, Schüler oder auch die Leser seiner Schriften überspringt. Sein Engagement gründet sich dabei auf eine begnadete Mischung aus Geist, Herz und Seele, die in ihrer umfassenden Art den ganzen Menschen anspricht. Für dieses Engagement und diese offene und spontane Art ist Leonard Bernstein - von der ganzen Welt später nur noch liebevoll "Lenny" genannt - respektiert worden und davon zeugen auch die vielfältigen offiziellen Auszeichnungen, die der Künstler seit den 1960er Jahren erhalten hat.
1951 heiratet Leonard Bernstein die chilenische Schauspielerin Felicia Montealegre Cohn, die bereits 1978 verstirbt. Aus der Ehe stammen die drei Kinder Alexander, Jamie und Maria. Einer der letzten Höhepunkte in Leonard Bernsteins Leben ist das Konzert anlässlich der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 25. Dezember 1989 im Berliner Schauspielhaus, das ein Millionenpublikum via Bildschirm in 20 Staaten der Welt live miterleben kann und bei dem Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 9 mit der abschließenden "Ode an die Freude" insbesondere durch den aus aktuellem Anlass veränderten Text "Freiheit schöner Götterfunken" zu einem bewegenden musikalischen und menschlichen Erlebnis wird.
Bis zum Ende gehört der Musik seine ganze Energie und sein Leben. Als er zu Beginn des Jahres 1990 schwer erkrankt, hält ihn dies nicht davon zurück, im Juni für die Eröffnung des von ihm initiierten Pacific Music Festivals, dem japanischen Pendant zum deutschen Schleswig-Holstein Musik Festival, nach Sapporo zu fliegen. Wenige Monate später, am 14. Oktober 1990, stirbt Leonard Bernstein an den Folgen eines Lungenemphysems.
Teste dein Wissen
Wovon wurde Leonard Bernsteins Leben und Musik besonders beeinflusst?
von seinen Lehrern
vom jüdischen Glauben
von der amerikanischen Musik
Welche drei Musiker haben Leonard Bernsteins Karriere entscheidend beeinflusst?
George Gershwin
Aaron Copland
Dimitri Mitropoulos
Wolfgang A. Mozart
Igor Strawinsky
Serge Kussewitzky
Welches Jahr in Bernsteins Karriere war sein Schicksalsjahr?
1943
1940
1953
Welches Werk dirigierte Leonard Bernstein 1989 in Berlin anlässlich der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten?
Mahlers "Lied an die Erde"
Beethovens Symphonie Nr. 9
Mozarts Jupiter-Symphonie
Bibliografie:
- Humphrey Burton: Leonard Bernstein, A. Knaus Verlag, 1994
- Reinhold Dusella, Helmut Loos (Hrsg.): Leonard Bernstein. Der Komponist, Verlag Boosey & Hawkes, 1989
- Peter Gradenwitz: Leonard Bernstein: Eine Biographie, Atlantis Musikbuch-Verlag, 1990
- Joachim Kaiser (Hrsg.): Leonard Bernsteins Ruhm. Gedanken und Informationen über das Lebenswerk eines großen Künstlers, A. Knaus Verlag, 1988









0 Kommentare