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THEMEN

Louis Armstrong - der King of Jazz

Ich möchte die Menschen glücklich machen mit meiner Trompete! ... Es ist das Leben selbst, das ich ausdrücken möchte, das Leben und die einfachen schönen Dinge des Lebens. (Louis Armstrong)

Zeit und Welt

Trotz der offiziellen Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1865, die durch einen blutigen Bürgerkrieg erkauft worden war, hatte sich an der Situation und Stellung der schwarzen Bevölkerung in den folgenden Jahrzehnten nichts wesentlich verändert. Da sie aus einem Status der Besitzlosigkeit in die neue Freiheit entlassen worden waren, konnten sie mit derselben nur wenig anfangen. Darüber hinaus verfügten sie über keine schulische Bildung, die es ihnen ermöglicht hätte, andere Arbeit als in der Landwirtschaft zu suchen. Und so blieb ihnen nichts weiter übrig, als weiterhin auf den Plantagen des Süden um Arbeit zu bitten. Ein Ventil für diese erniedrigende und entwürdigende Situation fanden die Menschen in der Musik.

Musikalische Wurzeln

Im Spiritual (= geistliches Lied) verbinden sich europäische und afrikanische Elemente zu einer eigenständigen Einheit. Im Laufe der Jahre wird diese Musik zum Ausdrucks-, Identifikations- und später auch Verständigungsmittel der unterdrückten schwarzen Sklaven. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Rhythmus, der v.a. durch die so genannte "Off-Beat-Phrasierung" (geringfügige Abweichung der melodischen Betonung gegenüber dem als "beat" bezeichneten Grundimpuls) gekennzeichnet ist.

Die elementarste Form des Spiritual ist der Worksong (= Arbeitslied). Auf dem zentralen Stilmittel des "Call and Response" (Ruf und Antwort) aufgebaut, findet ein Wechselgesang zwischen Vorarbeiter und Arbeitern statt. Die Lieder thematisieren die konkrete Arbeitssituation nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch, indem beispielsweise die dafür benutzten Werkzeuge als Schlaginstrumente eingesetzt werden und damit dem Arbeitsvorgang einen gleichmäßigen Rhythmus geben.

Das Spektrum der Spirituals ist weit gestreut und vereint unterschiedlichste Einflüsse. Da Improvisation ein wesentliches Kennzeichen der Spirituals ist, gibt es im Prinzip keine feststehenden schriftlichen Fixierungen der Lieder. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts widmen sich auch Komponisten und Arrangeure erstmals der Bearbeitung von Spirituals in kunstvollen Arrangements, die afrikanische und europäische Klänge miteinander verschmelzen (new way of singing). Neben diesen schriftlich notierten Fassungen existieren jedoch auch weiterhin davon abweichende, improvisierte Formen, die zum Teil das gedruckte 'Original' nur noch erahnen lassen. Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals auch Schallplattenaufnahmen von Spirituals produziert.

In den 1930er Jahren erfahren die Spirituals eine Veränderung durch Elemente des Blues und Jazz. Sind diese Stile aus kirchlicher Sicht verpönt und gelten allgemein auch gesellschaftlich zunächst als sündig und tabu, so lassen sie doch vor allem der Improvisation und dem ekstatischen Erleben - das sich ursprünglich aus den Erweckungsbewegungen herleitet, ebenso jedoch in der afrikanischen Musik seine Wurzeln hat - großen Freiraum.

New Orleans

Von besonderer Bedeutung für das Leben Louis Armstrongs und vieler anderer Musiker sollte auch das kulturelle Klima in New Orleans zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden. Dieses New Orleans mit seinem bunten kulturellen und sozialen Gemisch aus unterschiedlichsten Hautfarben und Musikstilen bildet den reichhaltigen Humus, auf dem sich das Talent des jungen Armstrong entfalten kann. Musik gehört quasi zum Alltag in dieser Stadt und ein interessierter Junge wie Louis Armstrong saugt sie von klein auf wie Muttermilch auf.

Einen wesentlichen Träger der Musikkultur stellen zu dieser Zeit u.a. die Mississippi-Schaufelraddampfer dar, die als Vergnügungsschiffe erstklassige Unterhaltungsmusik bieten. Arbeit finden auf diesen Dampfern während der Sommermonate daher auch nur erstklassige Musiker. Einer von ihnen sollte in nicht allzu ferner Zukunft Louis Armstrong sein.

  1. Zeit und Welt
  2. Biografie
  3. Stationen einer Weltkarriere
  4. Filmkarriere
  5. Diskografische Highlights
  6. Würdigung
  7. Jazz-Lexikon

Bibliografie:

  • Louis Armstrong: My Life in New Orleans, 1952
  • Louis Armstrong: Swing That Music, 1936
  • Laurence Bergreen: Louis Armstrong. Ein extravagantes Leben, Haffmanns Verlag, Zürich 2000
  • James L. Collier: Louis Armstrong, Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1987
  • Abbi Hübner: Louis Armstrong. Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten, OREOS Verlag, Waakirchen 1994
  • Arrigo Polillo: Jazz. Die neue Enzyklopädie, Mainz 2007
  • Stephan Schulz: What a Wonderful World - Als Louis Armstrong durch den Osten tourte, Berlin 2010
  • Ilse Storb: Louis Armstrong (rororo monographie Nr. 443), Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1989
Louis Armstrong: The Complete Hot Five & Hot Seven Recordings, 4 CDs, Columbia/Sony, September 2000; erhältlich bei Directmedia Schweiz
Hello Louis. 2 CDs, Universal 1992
Let's Do It. 2 CDs, Verve/Universal 1995
The Very Best of Louis Armstrong. 2 CDs, MCA/Universal 1998
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