Ludwig Mies van der Rohe
Die Anfänge: 1886 bis 1918
Kindheit und Jugend in Aachen
Ludwig Mies (er ergänzte seinen Namen vermutlich 1921) kam am 27.3.1886 in Aachen als fünftes Kind von Michael und Amalie Mies, geborene Rohe, zur Welt. Neben dem Schulbesuch arbeitete Ludwig Mies im väterlichen Steinmetzbetrieb, wo er die Eigenschaften und Möglichkeiten des Materials Stein kennen lernte. Nach der Schule war er als Maurerlehrling tätig und trat dann mit 15 Jahren in eine Firma für Innendekoration ein, wo er sein zeichnerisches Talent entwickelte. Auf Anregung eines Architekten entschloss er sich 1905, nach Berlin zu gehen.
Ausbildungszeit in Berlin
Ende 1905 nahm Mies für etwa zwei Jahre eine Stelle bei dem Architekten und Designer Bruno Paul (1874-1968) an, der sich besonders mit dem Werkstoff Holz beschäftigte. 1907 erhielt Mies seinen ersten unabhängigen Auftrag als Architekt: das Wohnhaus für den Philosophieprofessor Riehl in Potsdam. Der eher traditionelle Bau mit Satteldach nutzte die Hanglage des Grundstücks geschickt aus, und in den Details verriet sich schon hier Mies' Interesse an einheitlichen Proportionen.
1908 schließlich trat Mies, der sich für eine selbstständige Karriere noch nicht reif genug fühlte, in das Büro von Peter Behrens (1868-1940) ein, einem der einflussreichsten und vielseitigsten Architekten seiner Zeit. Als künstlerischer Berater der AEG und verantwortlich für die gesamte visuelle Selbstdarstellung der Firma schuf Behrens bedeutende Industriebauten in Berlin, arbeitete für die Firma aber auch als Produkt- und Grafikdesigner.
Während seiner Zeit bei Behrens bis Anfang 1912 lernte Mies die Arbeiten des Klassizisten Karl Friedrich Schinkel kennen, der z. B. bei der Bauakademie (1831-1835) die Konstruktion und räumliche Organisation des Gebäude nach außen hin sichtbar machte. Außerdem wurde Mies sowohl mit Walter Gropius (1883-1969) als auch Le Corbusier bekannt, die ebenfalls beide bei Behrens arbeiteten. 1910 wurde er auf Arbeiten von Frank Lloyd Wright aufmerksam, die in Berlin ausgestellt wurden: Die Verbindung von innen und außen und das Ineinanderfließen der Räume - charakteristisch für Mies' Bauten nach dem Ersten Weltkrieg - sind von Wrights Landhäusern inspiriert.
Begegnung mit Berlage
Anfang 1912 nahm Mies den Auftrag der niederländischen Mäzenin Helene Kröller für ein Wohnhaus mit Galerie an, nachdem diese einen entsprechenden Entwurf von Behrens abgelehnt hatte, und arbeitete mehrere Monate lang in Den Haag. Auch Mies' Projekt wurde abgelehnt, doch viel entscheidender war für ihn die Beschäftigung mit dem Werk des niederländischen Architekten Hendrik Petrus Berlage (1856-1934). Dessen Streben nach dem "ehrlichen" Ausdruck von Struktur und Material beeinflusste Mies ebenso stark wie Behrens' Betonung der Form.
Selbständigkeit
Nach seiner Rückkehr aus den Niederlanden eröffnete Mies ein eigenes Büro in Berlin und heiratete Ada Bruhn (1885-1951). Die Ehe, aus der drei Töchter hervorgingen, war jedoch nicht glücklich, und Ada beschloss 1921 die Trennung. 1915 bis 1918 war Mies Soldat, u. a. 1917/18 in einem Baukorps auf dem Balkan.
- Die Anfänge: 1886 bis 1918
- Berlin 1919 bis 1937
- Chicago 1938 bis 1969
- Das Hochhaus
- Der Pavillon
Bibliografie:
- Werner Blaser: Mies van der Rohe, Basel u. a. 2000
- Peter Carter: Mies van der Rohe bei der Arbeit. London 2005
- Jean-Louis Cohen: Ludwig Mies van der Rohe, Basel 2007
- Dirk Hensen: Weniger ist mehr. Zur Idee der Abstraktion in der modernen Architektur. Berlin 2005
- Philip C. Johnson: Ludwig Mies van der Rohe. Ausstellungskatalog, Berlin 1968
- Ulrich Müller: Raum, Bewegung und Zeit im Werk von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe. Berlin 2004
- Fritz Neumeyer: Mies van der Rohe. Das kunstlose Wort, Berlin 1986
- Helmut Reuter, Birgit Schulte (Hrsg.): Mies und das neue Wohnen. Räume, Möbel, Fotografie. Ostfildern 2008
- Franz Schulze: Mies van der Rohe. Leben und Werk, Berlin 1986
- Wolf Tegethoff: Mies van der Rohe. Die Villen und Landhausprojekte, Essen/Krefeld 1981
- Claire Zimmerman: Mies van der Rohe 1886-1969, Die Struktur des Raumes, Köln 2006









0 Kommentare