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THEMEN

Mailand

Im Überblick

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Der Mailänder Dom

Die lombardische Millionenmetropole bezeichnet sich gern als die „heimliche Hauptstadt“ Italiens. Unbestritten ist sie der wirtschaftliche Motor des Landes, ein moderner Industriestandort, bedeutender Finanzplatz und internationales Modemekka. Doch zu ihren Markenzeichen gehören nicht nur Pirelli oder Versace, weltweit bekannt ist auch ihr Opernhaus oder ihre beiden Fußballvereine. Das Wahrzeichen der Stadt ist jedoch der Dom, ein Meisterwerk gotischer Baukunst. Ein Glanzstück der Renaissancemalerei und UNESCO-Weltkulturerbe ist das „Abendmahl“ von Leonardo da Vinci, der lange Zeit in Mailand lebte und wirkte.

„Ort der Mitte“

Mailand (Milano) ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz und mit rund 1,3 Millionen Einwohnern nach Rom die zweitgrößte Stadt Italiens. In der Metropolregion leben 7,5 Millionen Menschen - damit ist „Grande Milano“ das größte Ballungsgebiet des Landes. Den Namen verdankt Mailand ihrer zentralen Lage im Herzen der Lombardei und inmitten der fruchtbaren Poebene am Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege.

Das Stadtgebiet (182 km2) wird von den Flüssen Olona im Westen und Lambro im Osten umflossen und ist über ein Netz von Kanälen (Navigli) mit den oberitalienischen Seen (Lago Maggiore und Comersee) und der Adria verbunden. Dorthin flüchten die Mailänder gern in den Sommermonaten, denn die sind in der Poebene drückend heiß, schwül und mit Mücken verseucht. Der Winter ist kalt und hüllt bisweilen die Stadt in eine dichte Nebeldecke.

Bewegte Vergangenheit

Das antike Mediolanum (Ort der Mitte), eine Gründung der keltischen Insubrer, wurde 222 v. Chr. von den Römern erobert. Im 4. Jahrhundert war es Hauptstadt des weströmischen Reiches und erlebte unter Bischof Ambrosius, der bis heute als Schutzpatron verehrt wird, eine kulturelle Blüte. In den Wirren der Völkerwanderung wurde Mailand mehrmals geplündert, 539 von den Goten zerstört und 569 von den Langobarden besetzt. Ihre Herrschaft endete 774 durch Karl den Großen; die Stadt fiel an das Frankenreich.

In der Folgezeit nahm Mailand als wichtigster Verkehrsknotenpunkt in Oberitalien einen starken wirtschaftlichen Aufschwung und erklärte sich 1045 zur autonomem Kommune. Um sich dem Herrschaftsanspruch Kaiser Friedrich I. Barbarossa besser erwehren zu können, stellte es sich an die Spitze des Lombardischen Städtebundes. Nach dem Sieg bei Legnano (1176) und dem Konstanzer Frieden (1183) erhielten die Stadtstaaten ihre Unabhängigkeit. Die städtische Autonomie Mailands währte allerdings nur kurz. Im 13. Jahrhundert begann die Ära der großen Adelsgeschlechter: Die Visconti gewannen 1277 die Stadtherrschaft, nahmen 1395 den Herzogstitel an und unterwarfen den größten Teil der Lombardei. Handel, vornehmlich mit Seide, und das Handwerk blühten und gediehen, Wohlstand und Reichtum nahmen zu. Unter der Dynastie der Sforza (1450-1535) wurde Mailand zu einer der führenden Städte der italienischen Renaissance ausbaut.

Mit Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Mailand zum Faustpfand in den Auseinandersetzungen zwischen den europäischen Großmächten. Sowohl Franzosen und Spanier als auch die Habsburger meldeten ihre jeweiligen Besitzansprüche an. 1796 eroberte Napoleon schließlich die Lombardei machte Mailand zur Hauptstadt der Cisalpinischen Republik. Im Wiener Kongress 1815 Österreich zugesprochen, fiel Mailand 1859 an das Haus Sardinien-Piemont unter Viktor Emanuel II. Zwei Jahre später wurde es Teil des Königreiches Italien.

Führende Wirtschaftsregion

Ende des 19. Jahrhunderts begann Mailands rasanter Aufstieg zur Wirtschaftsmetropole des vereinigten Italien. Neue Handelsunternehmen wurden gegründet und an der Peripherie der Stadt schossen Metall-, Textil- und Chemiefabriken (darunter Gummiwaren) aus dem Boden. Als Zentrum der Rüstungsindustrie wurde die Stadt während des Zweiten Weltkrieges stark zerstört. Doch seit den 1960er-Jahren entwickelte sie sich gemeinsam mit Turin und Genua zum „triangolo industriale“ (Industriedreieck) Italiens. Die alte Handelsmetropole ist aber auch ein internationales Finanz- und Geschäftszentrum mit Großbanken, Kapitalgesellschaften und nicht zuletzt Sitz der nationalen Börse. Rund die Hälfte aller in Italien ansässigen multinationalen Konzerne hat sich in und um Mailand angesiedelt. Die bedeutendsten Verlage und größten privaten Fernsehsender haben Mailand zur Medienmetropole gemacht. Hier arbeiten die meisten Kreativen des Landes - in Werbeagenturen, Designbüros und in der Modebranche. Gemeinsam erwirtschaften sie ein Pro-Kopf-Einkommen, das um rund 50 % über dem Landesdurchschnitt liegt.

Straßen und Bahnen

Obwohl die Stadt mehrmals in ihrer langen Geschichte zerstört wurde, lässt der Grundriss anhand des Straßenverlaufs noch die „Wachstumsringe“ erkennen. Das historische Zentrum wird zuinnerst vom Altstadtring der Navigli umgeben. Es folgen die Boulevards an Stelle der Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert, die bis 1859 das Wachstum begrenzten. Von hier führten sternförmig die Hauptverkehrsadern über die Außenbezirke bis zum dritten Stadtring, der Mailänder Ringstraße. Inzwischen ist auch der vierte Ring, der in den 1950er-Jahren auf stadtfernen Feldern angelegte Autobahnring, übersprungen.

Über das S-Bahn-Netz ist der Großraum Mailand mit der Innenstadt und dem 1964 eröffneten Metro-Netz verbunden. Das traditionsreichste Nahverkehrsmittel ist die elektrische Straßenbahn, die 1893 in Betrieb genommen wurde. Zentraler Knotenpunkt der Bahnen ist der Stazione Centrale, ein neoklassizistischer Monumentalbau aus den 1930er-Jahren. Vor dem Hauptbahnhof erhebt sich das Pirelli-Hochhaus (127,10 m) aus den 1950er-Jahren, einst Firmensitz des Reifenherstellers und heute Standort der lombardischen Landesregierung.

Plätze und Paläste

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Piazza del Duomo und Dom

Den Mittelpunkt des Geschäftszentrums bildet der Piazza del Duomo. Mittendrin in der Betriebsamkeit liegt der gotische Dom aus hellem Marmor, auf dessen Vierungsturm in 108 m Höhe die vergoldete Marienstatue La Madonnina über das Wohl der Stadt wacht. Begonnen wurde das riesige Bauwerk 1386, fertiggestellt erst 500 Jahre später. Zu den vielen Besonderheiten gehört das begehbare Dach mit den zahlreichen Strebpfeilern, Fialen und Statuen. Als weltlicher Gegenpol zum Dom entstand an dessen Südostseite der Palazzo Reale (Königspalast) aus dem 18. Jahrhundert, in dem u.a. das Dom-Museum untergebracht ist.

Am Randes des Domplatzes befindet sich der Eingang zu der kreuzförmigen Galleria Vittorio Emanuele II. Die überdachte Jugendstilpassage mit ihren exklusiven Geschäften, Cafés und Bars ist eine Reminiszenz an die Stahl- und Glasarchitektur des industriellen Zeitalters. Sie bildet auch den Durchgang zum Teatro alla Scala. Der Musiktempel aus dem 18. Jahrhundert gehört zu den renommiertesten Opernhäusern der Welt. Ebenfalls weltberühmt ist das nahe gelegene „goldene Viereck“, wo sich in eleganten Straßen die Schaufenster und Luxustempel der berühmtesten italienischen und ausländischen Modehäuser aneinanderreihen.

In Blickweite zum Domplatz ist mit der Piazza dei Mercanti noch ein Stück der mittelalterlichen Stadt erhalten geblieben. Am Ende der Prachtstraße Via Dante liegt das Castello Sforzesco mit dem Schlosspark. In Inneren des gewaltigen Renaissancepalastes befinden sich verschiedene Museen, wunderschöne Höfe und traumhafte Säle, die von Leonardo Da Vinci (*1452, 1519) entworfen und von Bramante (*1444, 1514) mit Fresken bemalt wurden. Leonardo da Vincis weltberühmtes Fresko vom Abendmahl befindet sich in der Kirche Santa Maria delle Grazie, einem Klosterbau aus dem 15. Jahrhundert.

Alte Viertel - neuer Charme

Nördlich des Doms liegt das Viertel Brera mit seinen Kunstgalerien und eleganten Einkaufsstraßen. Im Navigli-Viertel, wo einst Arbeiter und Handwerker lebten, säumen Künstlerateliers, Restaurants, Cafes und Trödelmärkte die Ufer der letzten verbliebenen Stadtkanäle. Auch im Bosia-Viertel hat sich das Straßenbild völlig verändert, seit Teile der Universität dorthin verlegt und das Teatro degli Arcimboldi eröffnet wurde.

Im Rahmen der Weltausstellung, die im Jahr 2015 in Mailand stattfinden wird, entsteht auf dem alten Gelände der Messe am nordwestlichen Stadtrand ein neuer Stadtteil für 15 000 Menschen mit Wohnungen, Büros, Geschäften, Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen. An dem Stadtentwicklungsprojekt „CityLife“ sind Stararchitekten wie Zaha Hadid, Daniel Libeskind und Arata Isozaki beteiligt.

Bibliografie:

  • Jenny John: Mailand. München 2010
  • Mailand & Oberitalienische Seen. 6. Auflage, München 2010
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