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THEMEN

Mali

Gana - "Land des Goldes" (um 800-um 1250)

Die ältesten, zumeist arabischen Schriftzeugnisse über eine Besiedlung der Region stammen aus dem 4. Jh. n. Chr. Bis ins 19. Jh. erlebte dieses Gebiet zwischen den Flüssen Niger und Senegal den Aufstieg und Verfall mehrerer Reiche. Als das älteste gilt das Reich Gana, dessen Anfänge im 4. Jh. liegen. Gesicherte Zeugnisse über das sich nördlich der Flüsse Senegal und Niger erstreckende Reich gibt es seit dem 8. Jh., als es in der islamischen Welt als "Land des Goldes" bekannt wurde. Seit dem 11. Jh. zerfiel Gana unter den Angriffen von Berberstämmen und wurde Mitte des 13. Jhs. von Truppen des Königreichs Mali erobert.

Königreich Mali (um 1050-um 1480)

Die Anfänge Malis, einer Gründung des Stammes der Malinke, liegen im 11. Jh. Nach 1200 stieg es zur politischen und militärischen Vormacht im westlichen Afrika auf. Als erster König von Mali gilt Sundjata Keita (um 1230-1255), der 1235 den König des Nachbarvolkes Sosso besiegte und den westlichen Sudan zwischen den Flüssen Gambia, Fouta-Djalon und der Stadt Djenné am Niger seiner Herrschaft unterwarf. Auch Gana wurde in das Königreich Mali eingegliedert. Unterworfene Stämme band Sundjata in seinem Großreich durch Tributherrschaft an sich, die die innere Struktur der eroberten Reiche weitgehend unangetastet ließ. Er verlangte von den Herrschern ein Treuegelöbnis und bestand auf umfangreichen Tributzahlungen. Vermutlich trat bereits Sundjata zum Islam über und unternahm eine Pilgerfahrt nach Mekka.

Nach dem Tod seines Sohnes Mansa Wule (1255 bis 1270) erlebte das Mali-Reich vorübergehend eine tiefe Krise durch Streitigkeiten verschiedener Cliquen. 1285 riss Sakura (1285-1300), ein freigelassener Sklave der königlichen Familie, die Herrschaft an sich und stellte die innere Ordnung wieder her. Nach der Ermordung Sakuras 1300 fiel die Herrschaft über das gefestigte Reich Mali wieder an einen Spross der Königsfamilie.

Der Höhepunkt Malis fällt in die Regierungszeit von Kankan Musa (1312-1337), dessen Herrschaftsgebiet sich von Gao am Niger im Osten bis an die Mündung des Gambia im heutigen Senegal erstreckte. In dieser Zeit galt Mali als der größte Goldlieferant der Welt. 1324/25 erregte Kankan Musa großes Aufsehen durch eine aufwendige Pilgerfahrt nach Mekka, bei der er seinen Reichtum zur Schau stellte. Von seiner Reise brachte er u. a. mehrere islamische Lehrer und Architekten mit, die für die Hebung des Bildungsniveaus seiner Untertanen und den Ausbau der großen Städte, darunter Timbuktu und Gao, sorgen sollten.

Die Elite des Königreichs bekannte sich zum Islam, während die Masse der bäuerlichen Bevölkerung animistischen Religionen anhing. Das Reich war in mehrere Provinzen und Bezirke gegliedert. Der arabische Reisende Ibn Battuta, der während der Herrschaft Suleimans (1341-1360) das Königreich besuchte, hob in seinen Berichten den Wohlstand, die kulturellen Leistungen und die im Land herrschende Ordnung hervor. Nach Suleimans Tod verlor Mali allerdings an Bedeutung. Landwirtschaft und Handel bildeten die wirtschaftliche Basis. Die Herrscherfamilien bezogen ihren Reichtum in erster Linie aus dem Zehnten auf Ernteerträge und Vieh, aus Tributzahlungen, Zöllen und Kriegsbeute. Kaufleute aus Mali knüpften Handelsverbindungen durch die Sahara bis nach Libyen und Ägypten. Wichtige Handelsgüter waren Felle, Häute, Elfenbein, Kokosnüsse und Gold.

Königreich Songhai (um 1010-1591)

Im 15. Jh. büßte das Königreich Mali unter dem Ansturm benachbarter Stämme, insbesondere der Tuareg, Mossi und Songhai, seine Machtstellung endgültig ein und schrumpfte innerhalb weniger Jahrzehnte auf die Größe eines Kleinstaates zusammen. Neue Vormacht im Zentral-Sudan wurde das Königreich Songhai mit seiner Hauptstadt Gao am Nigerknie. Die Ursprünge des Songhai-Reichs liegen vermutlich im 9. Jh., als Berber-Stämme, die später zum Islam übertraten, die entlang des Niger siedelnden Fischer und Bauern unterwarfen.

Anfang des 14. Jhs. bildete Songhai die Ostprovinz von Mali, erreichte jedoch bereits 1335 unter Sonni Ali seine Unabhängigkeit. Unter Sonni Ali II., auch Ali Ber (der Große) genannt (1468-1492), erweiterte Songhai durch Eroberungszüge seinen Machtbereich und stieg rasch zum führenden Staat zwischen Senegal und Niger auf. Sonni Ali II. veranlasste mehrere ehrgeizige Bauvorhaben, u. a. einen Kanal von Kabara bis in die Nähe von Timbuktu, dem Handelszentrum an der Südgrenze der Sahara, das Sonni Ali 1468 von den Tuareg eroberte. Nach seinem Tod bemächtigte sich Askia Mohammed I. (1493-1528), ein früherer hoher Beamter, des Throns. Unter seiner Regentschaft dehnte Songhai sein Herrschaftsgebiet nach Osten bis zum Haussa-Staat (im Norden des heutigen Nigeria) und nach Westen bis an die Grenzen von Tekrur aus. Es gelang seinen Truppen, mehrere Handelsplätze von den Tuareg zurückzuerobern.

Der Staatsaufbau Songhais war fester gegliedert als der des Mali-Königreiches. Die Verwaltungsgeschäfte lagen in den Händen einer Beamtenschicht, die in den einzelnen Provinzen u. a. für pünktliche Steuerzahlungen zu sorgen hatten. Der König unterhielt einen prunkvollen Hofstaat; bei seiner feierlichen Einsetzung wurden dem Herrscher als Insignien seiner Macht, Schwert und Siegel und ein Koran überreicht. Askia Mohammed II. (1531 bis 1537) stellte ein gut ausgerüstetes Berufsheer auf, das die Schlagkraft seiner Armee erhöhen und die Masse seiner Untertanen zum Nutzen von Landwirtschaft, Handwerk und Handel vom Waffendienst freistellen sollte. Um 1500 berichtete der Reisende Leo Africanus, ein spanischer Muslim, voller Bewunderung über Timbuktu, das kulturelle Zentrum des damaligen Songhai-Reiches. Wegen seiner Bildungseinrichtungen und der Gastfreundschaft der Bewohner genoss es in der ganzen islamischen Welt einen hervorragenden Ruf. Viele gebildete Araber reisten nach Timbuktu oder Djenné, um ihren Wissenshorizont zu erweitern. Die Gelehrten von Timbuktu und Djenné verfassten u. a. Geschichtswerke und Biographien, theologische Abhandlungen und juristische Schriften.

Niedergang Songhais und Bambara (1537-1860)

Thronfolgekämpfe nach dem Tod Askia Mohammeds I. schwächten das Songhai-Reich im 16. Jh. nachhaltig. 1591 wurde das königliche Heer bei Gao von Invasionstruppen des Sultans von Marokko vernichtend geschlagen. Songhai wurde in die Provinz Timbuktu eingegliedert, ohne dass Marokko eine effektive Besatzungsherrschaft über das zerfallene Reich errichtete. Viele marokkanische Offiziere nahmen sich einheimische Frauen. Die Söhne aus diesen Verbindungen bildeten eine Militärkaste, die das Gebiet rund 200 Jahre lang dominierte. Ende des 18. Jhs. war ihre Autorität jedoch so weit geschwächt, dass die Region in mehrere Kleinstaaten zerfiel. Nach 1660 entstand südlich des marokkanischen Einflussbereichs der Staat der Bambara mit der Stadt Ségou als Zentrum. Er erreichte seinen politischen und kulturellen Höhepunkt während der Regierungszeit von Biton Kulibali (1712-1755).

Französische Kolonie (1860-1960)

Anfang des 19. Jhs. breitete sich eine islamische Reformbewegung über weite Teile Afrikas aus, die die Gründung mehrerer Staaten nach sich zog. Auch das Gebiet der einst mächtigen Königreiche Mali und Songhai wurde von dieser Bewegung erfasst. 1818 eroberte Amadu Hammadi Bubu das Reich der Bambara und besetzte mit seinen Soldaten die Städte Timbuktu und Djenné. Um 1850 bemühte sich Omar Seydu Tall um die Gründung eines neuen islamischen Reiches in dieser Region. Obwohl er Ségou und Masina erobern konnte, scheiterte dieses Vorhaben zunächst, da es Omar nicht gelang, die Bambara und Fulbe zu unterwerfen.

Ein verstärktes Interesse Frankreichs an diesen Gebieten führte in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. zu schweren Konflikten mit dem Sohn und Nachfolger Omars, Ahmadu. 1883 eroberten französische Truppen Bamako, 1890 Ségou und legten damit den Grundstein für ihre Kolonialherrschaft am Niger. Im sog. Wanderkrieg leisteten die Afrikaner unter Führung von Samory Touré nach 1860 rund drei Jahrzehnte Widerstand gegen die französische Kolonisation, der jedoch an der waffentechnischen und zahlenmäßigen Überlegenheit der Kolonialtruppen scheiterte. Mit der Einnahme Timbuktus brachten die Franzosen 1894 die Eroberung des heutigen Mali zum Abschluss. 1904 legte Paris die in etwa noch heute gültigen Grenzen Malis fest, das als Soudan (Französisch-Sudan) in das Kolonialgebiet Französisch-Westafrika integrierten, zu dem außerdem Senegal, Elfenbeinküste, Guinea, Niger, Benin, Mauretanien und Obervolta gehörten.

1946-1957 war Mali Teil der Union Française. 1946 gründeten afrikanische Politiker in Bamako mit Unterstützung der Kommunistischen Partei Frankreichs die Demokratische Afrikanische Sammlungsbewegung (Rassemblement Démocratique Africain; RDA), mit Landesverbänden in den einzelnen Ländern der Union Française. Ihre Hauptforderungen waren die staatliche Unabhängigkeit und die Errichtung von sozialistischen Gesellschaftsordnungen in den jeweiligen Ländern. Die ebenfalls 1946 von Provinzfürsten und religiösen Führern gegründete Fortschrittspartei des Sudan gegründet wurde 1959 von der Volkspartei Union Soudanaise (US-RDA) unter Modibo Keita aufgesogen wurde. Die US-RDA wurde somit zur Einheitspartei Malis. 1959 schloss sich Französisch-Sudan mit dem Nachbarland Senegal zur Föderation Mali zusammen, welche von Paris am 20.6.1960 die Unabhängigkeit erhielt. Aufgrund innerer Streitigkeiten brach das Staatengebilde jedoch bereits im August 1960 auseinander.

Unabhängigkeit und Sozialismus (1960-1968)

Am 22.9.1960 erklärte sich Französisch-Sudan zur unabhängigen Republik Mali. Erster Staatspräsident wurde Mobido Keita (1960-1968). Die regierende US-RDA orientierte sich an marxistischen Leitlinien und begann mit dem Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft. Wichtigste Ziele waren die Kollektivierung der Landwirtschaft ("Kollektivfelder") und der Aufbau einer Industrie auf der Basis von Staatsbetrieben. Zunächst suchte Mali die enge Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten Ghana und Guinea, deren Präsidenten Kwame Nkrumah und Sékou Touré ähnliche politische Ziele verfolgten. Außenpolitisch lehnte sich Mali stark an die Staaten des Ostblocks und Asiens an, hielt jedoch auch die Kontakte zu Westeuropa aufrecht, u. a. im Rahmen eines Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage veranlasste die Regierung 1966, wieder eine engere Kooperation mit der früheren Kolonialmacht Frankreich zu suchen. Auf innere Unruhen reagierte Modibo Keita Anfang 1968 mit der Auflösung der Nationalversammlung und Entlassung des Politbüros der Einheitspartei. Damit machte sich Keita zum unumschränkten Herrscher über Mali.

Ringen um Stabilität (seit 1968)

Am 19.11.1968 wurde Modibo Keita von einer Gruppe junger Offiziere gestürzt. Nach Richtungsstreitigkeiten im "Militärkomitee der Nationalen Befreiung" setzte sich Leutnant Moussa Traoré (1968-1991) als Führer durch. Die neue Regierung leitete angesichts der Wirtschaftskrise eine Abkehr vom Sozialismus ein (u.a. Abschaffung der Kollektivfelder). Trotz Demokratisieurngsversprechen hielt Traoré an der autokratischen Regierungsform fest, sagte jedoch zu, bald eine Zivilregierung einzusetzen. Er intensivierte die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Frankreich und führte Mali in die Franc-Zone zurück. Die Dürrekatastrophe in der Sahelzone Mitte der 70er-Jahre verhinderte eine wirtschaftliche Erholung. Zudem brachen Ende 1985 Grenzstreitigkeiten mit Burkina Faso wieder auf, die durch einen Teilungsvorschlag für den umstrittenen Grenzstreifen durch den Internationalen Gerichtshof Ende 1987 vorläufig beigelegt werden konnten.

Nach dem Sturz Traorés 1991 durch einen Militärputsch begründete eine neue Verfassung den demokratischen Rechtsstaat Anfang 1992 fanden in Mali erste freie Wahlen zur Nationalversammlung statt, aus denen die Alliance pour la Démocratie au Mali (ADEMA) und die Parti Africain pour la Solidarité et la Justice (PASJ) als Siegerinnen hervorgingen. Staatsoberhaupt wurde Alpha Oumar Konaré (ADEMA). 1993 scheiterte ein Umsturzversuch von Anhängern des früheren Diktators Traoré. Mit den Tuareg, die und z. T. mit Waffengewalt mehr Rechte für ihre Volksgruppe fordern, scheiterte 1994 eine Übereinkunft, weil die Regierung ihre Zusagen zur Wirtschaftsförderung nicht einhielt. Bei den Präsidentschaftswahlen 1997 gab die Bevölkerung Konaré das Mandat für eine zweite Amtszeit. Er legte den blutigen Konflikt mit den aufständischen Tuareg bei und versuchte, die wirtschaftlichen Rahmendaten des Landes zu verbessern. Mali wurde im Jahre 2001 im Rahmen der Initiative zur Unterstützung hoch verschuldeter armer Länder ein Schuldenerlass von rund 870 Mio. US-$ gewährt. Die Präsidentschaftswahlen 2002 gewann A. T. Touré, der bereits nach dem Putsch von 1991 das Amt des Staatschefs ausgeübt hatte.

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