Marlene Dietrich
Kurzbiografie
- Name: Marlene Dietrich
- geboren am: 27.12.1901
- geboren in: Berlin
- gestorben am: 6.5.1992
- gestorben in: Paris
- deutsch-amerikanische Schauspielerin.
"Die Dietrich" war zumeist festgelegt auf den Typ des geheimnisvollen Vamps. Durch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Josef von Sternberg stieg sie in den 1930er Jahren zum Weltstar auf.
Leben und Werk
Jugend und frühe Berufsjahre
Zwar sollte Marlene Dietrich später immer wieder beteuern, sie sei 1904 geboren worden, ein Registerauszug des Berliner Einwohnermeldeamtes datiert die Geburt allerdings auf das Jahr 1901. Als 11-Jährige musste das Mädchen einen Schicksalsschlag verkraften, als ihr Vater, ein Polizeioffizier, starb; ihr Stiefvater fiel im Ersten Weltkrieg. Nach dem Ende des Kriegs nahm Marlene ein Musikstudium in Weimar auf. Obwohl ihre Mutter sehr auf eine musikalische Karriere der Tochter hoffte, beendete diese die Ausbildung nicht, sondern widmete sich ihrer großen Leidenschaft, der Schauspielerei. In Berlin absolvierte sie die Schauspielschule von Max Reinhardt und erhielt mit 20 Jahren ihre ersten Engagements in der deutschen Reichshauptstadt. Auch die Filmindustrie wurde auf die junge Schönheit aufmerksam, Marlene Dietrich kam jedoch zunächst nicht über Kurzauftritte in zweitklassigen Produktionen hinaus. Auch privat hatte die Aktrice ihr Glück gefunden: Sie heiratete 1924 den späteren Farmer Rudolf Sieber, von dem sie sich jedoch auf der Höhe ihres Ruhms in den 1930er Jahren wieder trennte. Aus der Beziehung stammt Dietrichs einziges Kind, die Tochter Maria.
Erfolgsduo mit Sternberg
Auf Grund ihrer erotischen Ausstrahlung schien Dietrich prädestiniert für die Rolle der Femme fatale, die sie erstmals 1929 als Partnerin von Fritz Kortner in dem Kurt-Bernhardt-Film "Die Frau, nach der man sich sehnt" verkörperte. Bernhardts Regisseurkollegen Josef von Sternberg fiel sie jedoch weniger in diesem Streifen als viel mehr in einer Berliner Bühnenrevue auf. Der aus Österreich stammende und in den USA lebende Sternberg, der gerade die Besetzungsliste für seinen Film "Der blaue Engel" zusammenstellte, bot der 27-Jährigen den Part der Nachtclubsängerin Lola Lola an. Dietrich nutzte ihre Chance: Mit einer kräftigen Portion Erotik spielte sie ihre Rolle so überzeugend, dass ihr die Männerwelt von Berlin zu Füßen lag. Höhepunkt des Streifens war ihre Interpretation des Friedrich-Holländer-Chansons "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", das sich alsbald zum Gassenhauer entwickelte.
Die Kooperation zwischen Sternberg und Dietrich hatte sich so Erfolg versprechend angelassen, dass sich die Schauspielerin entschloss, dem Regisseur in die USA zu folgen. Bei ihrem Debütfilm in den Vereinigten Staaten, "Marokko" ("Morocco", 1930) mit Cary Grant profitierte Dietrich davon, dass zeitgleich der groß angekündigte "Blaue Engel" in den USA anlief. Auch die amerikanischen Kinogänger konnten sich der Ausstrahlung der deutschen Diva nicht entziehen, die bei der Filmgesellschaft Paramount einen hoch dotierten Vertrag (125000 Dollar pro Film) erhielt. In den folgenden fünf Jahren entstanden fünf weitere Filme mit Sternberg, beispielsweise "Die blonde Venus" ("Blonde Venus", 1932) und "Die scharlachrote Kaiserin" ("The Scarlet Empress", 1934), die Lebensgeschichte von Zarin Katharina II.
Endgültige Abkehr von Deutschland
Als sich die Schauspielerin 1935 weigerte, nach einer Aufforderung Adolf Hitlers in ihre Heimat zurückzukehren, wurde die Aufführung ihrer Filme in Deutschland verboten. In den folgenden Jahren wechselten Erfolg und Misserfolg einander ab: Positiv wurde 1936 der Film "Sehnsucht" ("Desire") um eine Juwelendiebin und Hochstaplerin aufgenommen, das Melodram "Der Garten Allahs" ("The Garden of Allah") aus dem selben Jahr konnte die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Wohlwollender ging die Kritik erst wieder 1939 mit der Westernkomödie "Der große Bluff" ("Destry Rides Again") um. Im Jahr 1939, als in Europa der Zweiten Weltkrieg begann, nahm Dietrich die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Die Schauspielerin wollte ihren Beitrag zur Niederlage der nationalsozialistischen Aggressoren in ihrer alten Heimat leisten, trat ab 1943 regelmäßig vor amerikanischen Soldaten auf und engagierte sich zudem als Truppenbetreuerin.
Revuekarriere
Während ihre Filme in den frühen 40er Jahren zumeist wenig erfolgreich waren, sorgte sie 1948 in Billy Wilders Komödie "Eine auswärtige Affäre" ("A Foreign Affair") - wieder einmal als Nachtclubsängerin - für positive Schlagzeilen. Nichtsdestotrotz wandte sich Dietrich zunehmend vom Film ab und der Bühne zu. Die 51-Jährige feierte 1953 auf der Showbühne des Hotels "Sahara" einen großen Triumph, der sie dazu animierte, in den folgenden Jahren auf weltweite Showtournee zu gehen. Für Filme stand sie nur noch vereinzelt zur Verfügung; in diesen Spätwerken zeigte "die Dietrich" allerdings noch einmal ihr ganzes Können: 1957 stand sie zusammen mit Orson Welles in dessen Film "Im Zeichen des Bösen" ("Touch of Evil") vor der Kamera, ein Jahr später brillierte sie in Wilders Gerichtsdrama "Zeugin der Anklage" ("Witness for the Prosecution") an der Seite von Charles Laughton. Den Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens bildeten in den folgenden Jahren jedoch ihre Bühnenshows; mit unbändiger Disziplin trat Dietrich auch als über 70-Jährige noch regelmäßig auf.
Rückzug in die Einsamkeit
1975 war jedoch das endgültige Ende ihrer Bühnenkarriere gekommen, als sie sich über längere Zeit von einem Oberschenkelhalsbruch erholen musste. Drei Jahre später ließ sich Dietrich noch einmal zu einem Filmauftritt überreden - sie akzeptierte eine Nebenrolle in David Hemmings "Gigolo", danach war sie jedoch nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen. Sie verweigerte fortan fast jedes Interview und verließ ihre Pariser Wohnung kaum noch. Auch Versuche, das einstige Sexsymbol des Films noch einmal zu einem Besuch in ihrer inzwischen wieder vereinigten Heimatstadt Berlin zu überreden, scheiterten. In selbst gewählter Isolation starb Marlene Dietrich 1992 im Alter von 90 Jahren in Paris.
Würdigung
Als Femme fatale stieg Marlene Dietrich in den 30er Jahren zum internationalen Leinwandstar auf, nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte sie ihr Können in ihrer eigenen Bühnenshow. Mit erotischer Ausstrahlung, ihrer schauspielerischen Wandlungsfähigkeit und als Interpretin zahlreicher Chansons sicherte sie sich einen Platz unter den bedeutendsten Darstellerinnen des 20. Jahrhunderts.
Ehrungen und Preise
1990 wurde die gebürtige Deutsche zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion ernannt.
2002 wurde der Dietrich postum die Ehrenbürgerschaft von Berlin verliehen.
Am 12. Februar 2010 wurde zu Ehren Marlene Dietrichs der erste Stern auf dem zuvor neu angelegten "Boulevard der Stars" in Berlin präsentiert.
Wichtige Filme Marlene Dietrichs im Überblick
1929 - "Die Frau, nach der man sich sehnt", Regie Kurt Bernhardt
In dem Film nach dem gleichnamigen Roman von Max Brod spielt Marlene Dietrich eine geheimnisvolle Fremde, die einen Industriellen auf dessen Hochzeitsreise als Beschützer erwählt. Er verfällt ihr, verlässt seine Braut und reist der Unbekannten nach.
1929 - "Der blaue Engel", Regie Josef von Sternberg
Der pedantische Gymnasialprofessor Rath (Emil Jannings) verfällt der Nachtclubsängerin Lola Lola (Dietrich), die den weit älteren Mann demütigt, ihn lächerlich macht und letztendlich zu Grunde richtet. Der Film lehnt sich an Heinrich Manns Roman "Professor Unrat" an.
1930 - "Marokko" ("Morocco"), Regie Josef von Sternberg
Dietrich verkörpert erneut eine Nachtclubsängerin, die sich gegen eine gesicherte Existenz an der Seite eines reichen Gentlemans entscheidet, um mit einem Fremdenlegionär durch die Welt zu ziehen.
1932 - "Die blonde Venus" ("Blonde Venus"), Regie Josef von Sternberg
Um das Geld für die Pflege ihres kranken Mannes aufbringen zu können, lässt sich eine Frau (Dietrich) auf eine Liaison mit einem reichen Bonvivant ein. Als der Gatte wieder gesund ist, verstößt er seine Frau. Sie verdingt sich als Prostituierte, um ihrem Kind eine Perspektive zu bieten, macht als Revuetänzerin Karriere und kehrt zu ihrem Mann zurück.
1934 - "Die scharlachrote Kaiserin" ("The Scarlett Empress"), Regie Josef von Sternberg
Zarin Katharina II. alias Marlene Dietrich setzt all ihre erotischen Fähigkeiten ein, um sich im Machtpoker am russischen Hof behaupten zu können.
1936 - "Sehnsucht" ("Desire"), Regie Frank Borzage
In dieser Komödie spielt Dietrich eine Juwelendiebin und charmante Hochstaplerin, die die Zuneigung eines jungen Mannes ausnutzt, um eine gestohlene Perlenkette außer Landes zu bringen.
1948 - "Eine auswärtige Affäre" ("A Foreign Affair"), Regie Billy Wilder
In dieser Komödie um Moral und Unmoral spielt Marlene Dietrich eine Berliner Nachtclubsängerin zwischen zwei Männern - einem amerikanischen Besatzungsoffizier und einem US-Politiker.
1957 - "Im Zeichen des Bösen" ("Touch of Evil"), Regie Orson Welles
In Welles' Meisterwerk kommt es in einer US-Kleinstadt an der mexikanischen Grenze zum Konflikt zwischen einem alternden, korrupten Polizisten und einem jungen mexikanischen Drogenfahnder. Neben Marlene Dietrich, die dem tödlichen Duell mit Bangen entgegen sieht, standen auch Welles selbst und Charlton Heston vor der Kamera.
1958 - "Zeugin der Anklage" ("Witness for the Prosecution"), Regie Billy Wilder
Dietrich verkörpert in der Verfilmung eines Agatha-Christie-Krimis eine Ehefrau, die ihren Mann mit einer raffinierten Falschaussage in einem Mordprozess vor dem drohenden Schuldspruch bewahrt. Als sich der Mann nach dem Freispruch von seiner Frau abwendet, ermordet sie ihn noch im Gerichtssaal.
Bibliografie:
- David Bret: Meine Freundin Marlene Dietrich, 2002
- Marlene Dietrich: Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin. Memoiren, 1998
- Maria Riva u. a. : Marlene Dietrich. Zum 100. Geburtstag, 2001
- Linde Salber, Marlene Dietrich, 2001
- Werner Sudendorf: Marlene Dietrich, 2001
- Nachtgedanken (Autobiografie). C. Bertelsmann Verlag, München 2005









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