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THEMEN

Max Bruch

Leben und Werk

Kindheit und Jugend

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Max Bruch, dt. Komponist und Dirigent (1838-1920)

Max Christian Friedrich Bruch wird am 6. Januar 1838 als Sohn des Polizeirats August Karl Friedrich Bruch und seiner Frau Wilhelmine in Köln geboren. Musikalische Gene werden dem Knaben in erster Linie von seiner Mutter, einer anerkannten und erfolgreichen Sopranistin, in die Wiege gelegt. Sie ist es auch, die ihre Kinder - Max und seine drei Jahre jüngere Schwester Mathilde - frühzeitig in die Welt der Musik einführt und ihnen den ersten Klavierunterricht erteilt. Im Alter von neun Jahren unternimmt Max auch zaghafte kompositorische Versuche, die zu einer ersten Flut von (kleinen) Werken führen, von denen sich jedoch nur wenige erhalten haben. Von da an ist nicht mehr zu übersehen und zu überhören, dass Max über eine überdurchschnittliche musikalische Begabung verfügt, und so bemühen sich seine Eltern um fachkundige Betreuung. Einen ersten Einblick in die Musiktheorie vermittelt ihm Heinrich Breidenstein (1796-1876), von elementarer Bedeutung für sein zukünftiges Schaffen und seine künstlerischen Überzeugungen sollte jedoch ab 1850 der Unterricht bei Ferdinand Hiller (1811-1885) werden, der sich seinem begabten Schüler schon bald mit besonderem Engagement widmet.

Max ist ein fleißiger und aufnahmefähiger Schüler und so wird 1852 eines seiner Streichquartette mit einem Stipendium der Frankfurter Mozart-Stiftung belohnt, das ihm von 1853-1857 kostenlose Studien bei seinem bisherigen Lehrer Hiller in Komposition sowie bei Carl Reinecke und Ferdinand Breunung im Fach Klavier beschert. Hillers lebendige Anteilnahme an dem künstlerischen Schicksal seines Schützlings führt nicht nur zu unterschiedlichsten kompositorischen Ergebnissen - die sich in Sonaten, Fugen und kleineren Klavierstücken ebenso niederschlagen wie in Kammermusiken, Chorwerken und einer (verschollenen) Symphonie -, sondern verhilft dem jungen Komponisten auch zu ersten Gehversuchen in der Öffentlichkeit, als 1855 ein Trio in einem Konzert des Musikvereins aufgeführt wird. 1857 veröffentlicht darüber hinaus der Leipziger Verleger Senff seine Oper Scherz, List und Rache nach Goethes gleichnamigem Singspiel als Opus 1, die ein Jahr später am 14. Januar im Kölner Stadttheater eine erfolgreiche Uraufführung erlebt.

Künstlerische Reifungsjahre

Auf Empfehlung seines Lehrers Hiller begibt sich Max Bruch 1858 erstmals von sicherem heimischen Boden auf unbekanntes Terrain und unternimmt eine Reise nach Leipzig, zu dieser Zeit nicht zuletzt dank der Bemühungen Felix Mendelssohn-Bartholdys eine der führenden europäischen Musikmetropolen. Dort begegnet der junge Komponist dem gefeierten Pianisten Ignaz Moscheles (1794-1870), dem er wenig später sein Capriccio op. 2 für zwei Klaviere widmet. Darüber hinaus wirkt das rege Musikleben der Stadt, in der Klassiker wie Schubert und Beethoven ebenso lebendig sind wie Mendelssohn und Schumann sowie der Kontakt zu verschiedensten Orchestermusikern - unter denen sich vier Streicher für die Uraufführung seines Streichquartetts op. 9 am 10. Februar 1859 im Gewandhaus zusammenfinden - anregend und stimulierend auf die aufnahmebereite Künstlerseele. Nicht zuletzt kann Bruch während dieses Aufenthaltes Beziehungen zu dem renommierten Verlagshaus Breitkopf & Härtel knüpfen, in dem in den nächsten Jahren Kompositionen wie die Chorwerke Jubilate op. 3 und Die Birken und die Erlen op. 8, Streichquartette, Lieder für Sopran und Alt sowie Werke für Klavier erscheinen.

Als Max Bruchs Vater 1861 unerwartet früh verstirbt, sieht es zunächst so aus, als ob der Sohn die weitere finanzielle Zukunft der Familie sichern muss, doch durch verwandtschaftliche Beziehungen zur Industriellenfamilie Krupp entspannt sich die Situation schon wenig später und Max kann in den nächsten Jahren in einer Art musikalischem Wanderleben - mit Aufenthalten in Leipzig, Berlin, Dresden, Wien und München - seinen kulturellen und musikalischen Horizont entscheidend erweitern.

Mannheim

Nach einer künstlerischen Durststrecke zeigt sich im Herbst 1862 wieder ein Lichtstrahl an Max Bruchs Musikhimmel. Nach zähem Ringen hatte er endlich die Genehmigung des Dichters Emanuel Geibel zur Aufführung der auf seinen Text vertonten Oper Die Loreley op. 16 erhalten und findet in Franz Lachners Bruders Vinzenz nun einen engagierten Kapellmeister, der das Werk mit Erfolg am 14. Juni 1863 in Mannheim zur Uraufführung bringt. Schon bald steht die Oper in zahlreichen anderen Opernhäusern auf dem Programm. Vinzenz Lachner sollte darüber hinaus in den nächsten Jahren einen prägenden Einfluss auf die weitere Entwicklung des Musikers Max Bruch nehmen, dem er mit wertvollen Tipps einen Schnellkurs in Instrumentation sowie in Dirigieren gibt. Er ist es nicht zuletzt auch, der den 25-Jährigen in neue kompositorische Bahnen lenkt, indem er Bruchs Interesse am Volkslied weckt - einer Quelle, die schon bald eine ganze Generation von Komponisten weltweit beflügeln und insbesondere die Entwicklung eigenständiger Nationalmusiken begünstigen sollte. Bei Max Bruch führt die Beschäftigung mit dem Volksliedgut kurzfristig zu den Zwölf Schottischen Volksliedern, langfristig sollte sein kompositorisches Schaffen dadurch dauerhaft beeinflusset und inspiriert werden. Schon in den Zehn Liedern op. 17 und in den Vier Gesängen op. 18 lässt sich Bruch in der Übertragung spanischer, italienischer und französischer Gedichte von dem Zauber fremder Kulturen anregen.

Erster Durchbruch

Mit der Uraufführung der Kantate Frithjof op. 23 am 20. November 1864 in Aachen unter der Leitung des Komponisten kann Max Bruch einen bedeutenden Erfolg für sich verbuchen, der sich nicht zuletzt darin äußert, dass die von ihm verehrte Pianistin Clara Schumann - Witwe des 1856 verstorbenen Komponisten Robert Schumann - ihr Einverständnis für eine Widmung des Werkes erteilt. Darüber hinaus findet im April 1865 eine von Musikern, Publikum und Presse gleichermaßen bejubelte Aufführung im Wiener Redoutensaal statt, die den Schöpfer des Werkes zu entscheidendem Ansehen verhilft. Aus dieser Zeit datiert auch der Beginn der engen Beziehung zu dem Geiger Joseph Joachim, der Bruch in den nächsten Jahren nicht nur zu seinem 1. Violinkonzert, sondern auch zu zahlreichen anderen Kompositionen für dieses Instrument inspirieren und ihm darüber hinaus einen privaten Kontakt zu dessen engstem Freund Johannes Brahms verschaffen sollte.

Der Dirigent Max Bruch

Für einen Musiker wie Max Bruch, der nur die Personalunion des Komponisten und Dirigenten als vollwertigen Künstler betrachtet, liegt die konsequente Fortsetzung seines Weges in der Annahme eines Dirigentenpostens. Nach mehreren erfolglosen Versuchen tritt er schließlich am 2. September 1865 seine erste Stelle als "Director des Königlichen Musik Instituts und der Koblenzer Abonnementskonzerte" an, in der er pro Saison für zehn Konzerte sowie einen Frauenchor verantwortlich ist. Auf den Programmen stehen neben neuen eigenen Werken wie der Ballade Schöne Ellen op. 24 (1867) Kompositionen geschätzter Meister wie Beethoven, Mozart, Mendelssohn, Schumann oder Schubert. Angeregt durch die Arbeit mit dem Orchester entstehen jedoch in den nächsten Jahren vor allem Orchesterwerke, zunächst das Violinkonzert Nr. 1 g-Moll op. 26, dessen Entstehung Joseph Joachim entscheidend begleiten und mitgestalten sollte. Die Komposition ist denn auch in Dankbarkeit dem Geiger Joachim gewidmet, der am 7. Januar 1868 den Solopart bei der Uraufführung der zweiten Fassung in Bremen übernimmt und damit den Siegeszug des Werkes durch die ganze Welt begründet.

Schon bald ist der dirigentische Anfänger Max Bruch den Kinderschuhen entwachsen und fühlt sich in Koblenz zunehmend künstlerisch unterfordert. So kommt ihm im März 1867 das Angebot für den Posten des Hofkapellmeisters in Sondershausen gerade recht. Neben befriedigenderen sowohl finanziellen als auch künstlerischen Bedingungen gewährt ihm die neue Stelle vor allem ausreichend Freiraum für seine kompositorische Arbeit und sollte so zu einer äußerst fruchtbaren Zeit werden. Neben der "Johannes Brahms in Freundschaft zugeeignet(en)" Symphonie Nr. 1 Es-Dur op. 28 und der Symphonie Nr. 2 f-Moll op. 36 entstehen verschiedenste Werke für Chor und Orchester:

  • Frithjof auf seines Vaters Grabhügel op. 27 für Bariton, Frauenchor und Orchester
  • Rorate Coeli op. 28 für gemischten Chor, Orgel und Orchester
  • Die Flucht nach Ägypten op. 31 Nr. 1 für Sopran, Frauenchor und Orchester
  • Normannenzug op. 32 für Bariton, Männerchor und Orchester
  • Römische Leichenfeier op. 34 für Chor und Orchester
  • Kyrie, Sanctus und Agnus Dei für zwei Soprane, Doppelchor, Orgel und Orchester

Ähnlich wie Gustav Mahler die Abgeschiedenheit verschiedenster "Komponierhäuschen" für seine schöpferische Arbeit suchte, zieht sich auch Max Bruch ab 1869 zum Komponieren zunehmend in die Stille der Natur zurück. In der sanften Hügellandschaft des Bergischen Landes findet er darüber hinaus auf dem Igeler Hof in Maria Zanders eine obwohl gleichaltrige, nach dem schmerzhaften Tod der Mutter im Jahr 1867 jedoch vor allem mütterliche Freundin und Seelenverwandte, die in den folgenden Jahrzehnten zur wichtigsten Bezugsperson für den Menschen und Künstler Max Bruch wird.

Eine neue fruchtbare Verbindung zum Berliner Verleger Fritz Simrock, bei dem in den folgenden 21 Jahren seine Werke erscheinen, macht Max Bruch zunehmend in der breiten Öffentlichkeit bekannt. Dieser Erfolg ermutigt ihn im Oktober 1870 zur Kündigung seines sicheren Postens in Sondershausen, um sich frei von Zeit raubenden organisatorischen und bürokratischen Pflichten ausschließlich seinem kompositorischen Schaffen widmen zu können.

Freischaffender Komponist und reisender Künstler

Im Zentrum seiner kompositorischen Arbeit, für die er in den folgenden drei Jahren Berlin als Standquartier wählt, steht in den nächsten Monaten die Oper Hermione op. 40 (1872), deren mangelhaftes Libretto von Emil Hopffer nach Shakespeares "Wintermärchen" dem Werk jedoch für eine weite Verbreitung entscheidend im Wege steht. Darüber hinaus ist auch die Komposition des Werkes nicht überzeugend, so dass mit diesem Werk bezeichnenderweise Max Bruchs Karriere als Bühnenkomponist endet. Umso bedeutender ist in diesem Kontext die erfolgreiche Uraufführung seines ersten weltlichen Oratoriums Odysseus op. 41 für gemischten Chor, Soli und Orchester am 8. Februar 1873 in Barmen bei Wuppertal, das nicht nur einen wichtigen Punkt in der Geschichte des Oratoriums markiert, sondern sich von dort aus schon bald in Europa und bis hin nach Amerika verbreitet.

Die Sehnsucht nach der landschaftlichen Umgebung des Rheinlandes sowie der Misserfolg seiner jüngsten Oper "Hermione" lassen Max Bruch 1873 der preußischen Hauptstadt den Rücken kehren und seine Zelte für die nächsten fünf Jahre in Bonn aufschlagen. In dem folgenden Jahrzehnt von 1873-1883 sollte es zwar stiller um den Komponisten werden, dafür entfaltet der Künstler eine zunehmende Aktivität als Dirigent, die ihn zum besten Anwalt seines Werkes macht und ihm wachsende Anerkennung in der ganzen Welt beschert. In seiner neuen Tätigkeit als Dirigent findet Max Bruch nun zunehmend eine zweite Bestimmung ("ich will dirigieren"). Trotz seiner Ressentiments gegen die preußische Hauptstadt kehrt Max Bruch im Sommer 1878 dorthin zurück, zu verlockend und ehrenvoll ist das Angebot, die Leitung des renommierten Stern'schen Gesangvereins zu übernehmen, insbesondere da er in seiner rheinischen Heimat weiterhin vergeblich auf eine feste Anstellung gehofft hatte.

Kompositorische Höhepunkte dieses Jahrzehnts sind vor allem Bruchs zweites weltliches Oratorium Arminius op. 43, das von den patriotischen Idealen von Freiheit und Vaterland beseelt ist und am 4. Dezember 1875 unter der Leitung des Komponisten in Barmen uraufgeführt wird; 13 Monate später findet die Premiere einer stark überarbeiteten Fassung am 21. Januar 1877 in Zürich statt. Darüber hinaus entstehen mit der Romanze für Violine und Orchester op. 42, der von Volksmelodien inspirierten und dem Geiger Pablo de Sarasate gewidmeten Schottischen Fantasie op. 46, wiederum für Violine und Orchester und dem Kol Nidrei op. 47 nach hebräischen Melodien für Violoncello und Orchester - mit dem drei Jahrzehnte später der spanische Cellist Pablo Casals triumphale Erfolge feiern sollte - weitere bedeutende Werke für Streichinstrumente.

Intermezzo in Liverpool

Während seiner drei Englandreisen (siehe unten: Bruch als Dirigent seiner Werke im Ausland) hatte Max Bruch wertvolle künstlerische Kontakte geknüpft. 1880 erhält er nun das Angebot, die Nachfolge von Sir Julius Benedict als Direktor der Liverpool Philharmonic Society anzutreten. In dieser Position wird Max Bruch in den nächsten Monaten neben eigenen Werken überraschend immer wieder auch Kompositionen des von ihm ansonsten verdammten Richard Wagner aufführen sowie sich für einheimische Komponisten einsetzen.

In diese Zeit fällt auch eine entscheidende Wende in Max Bruchs privatem Leben. In der 16 Jahre jüngeren Clara Tuczek findet er endlich nach vielen Irrungen und Wirrungen seine private Erfüllung. Am 3. Januar 1881 findet ihre Hochzeit in Marburg statt, bevor der frisch gebackene Musikdirektor mit Gattin zurück ins englische Liverpool kehrt. Dort macht schon bald nicht nur der dirigierende Komponist, sondern auch seine begabte Ehefrau auf sich aufmerksam, die sich - entgegen den dominanten Wünschen ihres Gemahls - auch weiterhin mit Erfolg ihrer sängerischen Karriere als Altistin widmet. Clara ist es auch, die ihren Mann in den nächsten Jahren verstärkt zur Komposition von Liedern und Chorwerken anregen wird - zunächst 1882 zu den Liedern und Gesängen op. 49 sowie den Vier Männerchören op. 48. Schon bald vergrößert sich der Haushalt, als am 29. August 1882 die Tochter Margarethe zur Welt kommt; in den nächsten Jahren folgen die drei Söhne Max Felix (*31.05.1884), Hans (*18.03.1887) und Ewald (19.05.1890).

Auch diesmal sollte Max Bruchs Euphorie über die neu angetretene Stelle nicht lange vorhalten, zu dominierend erweist sich zunehmend der Einfluss des philharmonischen Komitees auf die Programmgestaltung, so dass der Dirigent Ende 1882 die Gelegenheit ergreift und ein neues Angebot aus Breslau akzeptiert, wo sich die Familie im September 1883 niederlässt.

Kapellmeister in Breslau

Nach den unbefriedigenden Querelen mit dem Liverpooler Komitee kann Max Bruch in seinem neuen Wirkungsbereich spürbar aufatmen. Er verfügt nun über alle künstlerischen Freiheiten und kann seine musikalischen Ideale verwirklichen. Er bietet seinem aufnahmebereiten Publikum ein breites Spektrum an Werken, von der Vorklassik über die Romantik bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen, von denen viele erstmals vor Breslauer Ohren erklingen. Nicht selten verpflichtet Bruch für diese Aufführungen auch die Komponisten selbst und neben Johannes Brahms und Edvard Grieg reist vor allem auch der französische Komponist Camille Saint-Saëns an, mit dem Bruch inzwischen eine enge Freundschaft verbindet. Darüber hinaus finden sich unter den Solisten glanzvolle Namen wie Joseph Joachim, Pablo Sarasate, Hans von Bülow und immer wieder auch seine Frau. Ein Höhepunkt für den Komponisten Max Bruch wird 1886 eine umjubelte Aufführung seines jüngsten Oratoriums Achilleus op. 50. Dennoch wird er sieben Jahre später auch dieser neuen Wirkungsstätte den Rücken kehren - diesmal weniger aufgrund unüberbrückbarer künstlerischer Differenzen als aus politischen Gründen, die den Bismarck treuen Dirigenten nach dem von Kaiser Wilhelm II. erzwungenen Rücktritt des Reichskanzlers isolieren und Bruch im Dezember 1890 zum Rücktritt zwingen.

Bruch als Dirigent eigener Werke im Ausland

JahrEreignis
Oktober 18771. Englandreise gemeinsam mit dem Geiger Pablo Sarasate, der dort sein Violinkonzert aufführt; Konzerte in London (wo am 4. November das Violinkonzert Nr. 2 d-Moll op. 44 uraufgeführt wird) und Liverpool
Mai 18782. Englandreise
Sommer 18793. Englandreise anlässlich des Birmingham Triennial Festivals, für das die Auftragskomposition Das Lied von der Glocke, eine Kantate auf Schillers gleichnamige Ballade, entsteht (Aufführung am 26. August)
April-Juli 1883Konzertreise in die USA, wo Max Bruch - wie so viele andere vor und nach ihm - begeistert gefeiert wird und er u.a. seine von Walter Damrosch für die New Yorker Symphony Society in Auftrag gegebene Symphonie Nr. 3 E-Dur op. 51 dirigiert (UA am 17.12.1882)
Dezember 1883Konzert mit Sarasate in Moskau und St. Petersburg
November 1890Reise ins estnische Tallinn (früher Reval)
12. Dezember 1892Reise nach Cambridge zur Annahme der Ehrendoktorwürde
Oktober 1893Uraufführung des vom Wiener Männergesangverein in Auftrag gegebenen Oratoriums Leonidas op. 66 in Anwesenheit des Komponisten

Die letzte Station - noch einmal Berlin

Max Bruch zieht mit seiner inzwischen fünfköpfigen Familie im September 1890 ohne ein neues festes Engagement zurück nach Berlin. Indes arbeitet er intensiv an seinem neuen Violinkonzert Nr. 3 d-Moll op. 58, das am 31. Mai 1891 eine glanzvolle Premiere in Düsseldorf mit dem Solisten Joseph Joachim erlebt und sich innerhalb kürzester Zeit in den Konzertsälen der Welt uneingeschränkter Beliebtheit erfreut. Doch die finanzielle Situation der Familie ist äußerst bedenklich und so ist es ein ausgesprochener Glücksfall, dass Max Bruch im November 1891 die vakant gewordene Stelle des Direktors der Meisterschule für Komposition angeboten bekommt. Als er seinen neuen Posten am 1. April 1892 offiziell antritt, bedeutet dies die so lange angestrebte finanzielle Unabhängigkeit, in der spontan eine Flut neuer Kompositionen entsteht. Einen Schwerpunkt nehmen dabei zunächst wieder die vokalen Werke ein, die von dem weihnachtlichen Gruß an die heilige Nacht op. 62 überstrahlt werden, der Clara Bruch gewidmet ist. Daneben entsteht mit dem Adagio In Memoriam op. 65 wieder ein Werk für Violine und Orchester. Einen Meilenstein in der Geschichte des Oratoriums stellt noch einmal Moses op. 67 dar, zu dem Ludwig Spitta auf Texte aus dem Alten Testament ein Libretto verfasst und das Bruchs persönliches Glaubensbekenntnis darstellt.

Auch wenn dieses Werk einen Höhepunkt in seinem kompositorischen Schaffen darstellt, isoliert sich der Künstler doch zunehmend von der zeitgenössischen musikalischen Szene, in der Komponisten wie Richard Strauss, Hugo Wolf, Max Reger, Gustav Mahler, Hans Pfitzner oder auch Claude Debussy eine neue Sprache sprechen - ganz zu schweigen von den nicht mehr fernen atonalen und Zwölftonexperimenten der Schönbergschule. Nichts desto trotz erfährt der Komponist in den nächsten Jahren zunehmend offizielle Ehrungen im In- und Ausland.

1898 beendet er sein letztes Oratorium Gustav Adolf op. 73 über den schwedischen König, das nach Aussage des Komponisten "ein weithin leuchtendes Erkennungszeichen für Alle (sein soll), die nicht römisch denken und Gustav Adolf lieben". Die Uraufführung des Werkes am 22. Mai 1868 unter der Leitung des Komponisten in Barmen wird zu einem glanzvollen Erfolg, der der Komposition über Jahre hinaus einen festen Platz im Oratorienrepertoire sichert.

Max Bruchs letzten zwanzig Lebensjahre sind drei künstlerischen Betätigungen gewidmet: der Lehrtätigkeit an der Berliner Hochschule, der Komposition neuer Werke und vor allem seinen dirigentischen Aktivitäten, die zunehmend Raum beanspruchen. Gleichzeitig zwingen ihn von nun an immer öfter gesundheitliche Probleme zum Einhalten. Und immer häufiger geht dies auch mit Einschränkungen nicht nur seiner physischen Mobilität, sondern auch seiner geistigen Kreativität einher. Vorübergehende Besserung bringt im Winter 1903/04 ein sechsmonatiger Aufenthalt im milderen Klima Italiens, so dass Max Bruch seine alltäglichen Verpflichtungen wieder aufnehmen kann.

Noch einmal wird der Künstler in seinen letzten Jahren beruflich enttäuscht, als er nach dem Tode Joseph Joachims auf die vakant gewordene Stelle des Direktors an der Berliner Musikhochschule hofft. Wieder einmal um seine Hoffnungen betrogen, gleitet er noch weiter in die künstlerische Isolation hinab, so dass er schließlich 1911 auf eigenen Wunsch in den Ruhestand verabschiedet wird. Einen Lichtblick bedeuten in dieser Zeit die zahlreichen Festveranstaltungen anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 1908.

Sein letztes Lebensjahrzehnt ist jedoch zunehmend von gesundheitlichen Problemen überschattet. Einen Schicksalsschlag bedeutet der unerwartete Tod seines Sohnes Hans, der am 4. Juni 1913 an einer Blutvergiftung stirbt. Von dieser Tragödie sollte sich vor allem die seit Jahren gesundheitlich angeschlagene Clara Bruch nicht mehr erholen. Ein Jahr später gibt es mit dem Tod von Bruchs Schwester Mathilde einen weiteren Todesfall in der Familie. Darüber hinaus verändert der am 1. August 1914 beginnende Erste Weltkrieg auch das Leben der Familie Bruch entscheidend. Sohn Ewald wird eingezogen und angesichts der zunehmenden weltpolitischen Isolierung versiegen die Tantiemen aus seinen Werken schon bald. In dieser Situation bedeutet der Auftrag des amerikanischen Pianisten-Duos Ottilie und Rose Sutro für die Komposition eines Doppelkonzerts für zwei Klaviere (op. 88a) eine willkommene und dringend benötigte finanzielle Unterstützung. Max Bruchs letzte Kompositionen wie Heldenleben op. 89 oder Die Stimme der Mutter Erde op. 91 für Chor sind unüberhörbar von der Kriegszeit geprägt.

Zunächst noch stark genug, um die Ehrungen und Festveranstaltungen zu seinem 80. Geburtstag bewusst erleben und genießen zu können, verschlechtert sich Max Bruchs Gesundheitszustand im Sommer 1918 nicht zuletzt auch durch die entbehrungsreichen Kriegsjahre wieder. Als seine Frau Clara am 27. August 1919 den jahrelangen Kampf gegen ihre gesundheitlichen Probleme verliert, ist auch Max Bruchs Lebensmut gebrochen. Zunehmend körperlich geschwächt und dennoch bis zuletzt Anteil am Schicksal seines kompositorischen Werkes nehmend stirbt er am 2. Oktober 1920. Er wird wenige Tage später unter großer Anteilnahme von Kollegen, Weggefährten und Bewunderern auf dem St. Matthäi-Friedhof in Berlin neben seiner Gattin bestattet.

  1. Leben und Werk
  2. Künstlerische Würdigung
  3. Weiterführende Artikel

Bibliografie:

  • Mathias Falke: Die Symphonie zwischen Schumann und Brahms, Kuhn Verlag, Berlin 2006
  • Karl Gustav Fellerer: Max Bruch. Heft 103 in der Reihe "Beiträge zur Rheinischen Musikgeschichte", hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte, Arno Volk Verlag, Köln 1974
  • Christopher Fifield: Max Bruch. Biographie eines Komponisten, Schweizer Verlagshaus, Zürich 1990

Institution(en):

  • Max-Bruch-Archiv
    Musikwissenschaftliches Institut
    der Universität zu Köln
    Albertus-Magnus-Platz
    50923 Köln
    0221/470-2249
    0221/470-4964
    w.steinbeck@uni-koeln.de
    muwi.helpdesk@uni-koeln.de
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