Max Frisch
Biografie
Kindheit und Jugend
Max Frisch wird am 15. Mai 1911 im Züricher Vorort Hottingen als zweiter Sohn des Architekten Franz Bruno Frisch und seiner Frau Karolina Bettina, der Tochter des Malers Wildermuth geboren. Ab 1924 besucht Max das Kantonale Realgymnasium in Zürich, wo er 1930 die Reifeprüfung ablegt. Bereits als Schüler interessiert ihn die Schriftstellerei mehr als der Unterricht, wovon erste dramatische Versuche wie Stahl (Schauspiel, 1927) zeugen. Mit jugendlicher Selbstsicherheit schickt Max diese Entwürfe an den bekannten Theaterregisseur Max Reinhardt nach Berlin, dessen positive Beurteilung seiner Erstlingswerke ihn zu weiterem Schaffen ermutigt. Durch den frühen Tod seines Vaters im Jahr 1932 wird er gezwungen, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen und so beginnt er eine Tätigkeit als Journalist bei der "Neuen Züricher Zeitung". In dieser Zeit entsteht sein erster Roman Jürg Reinhart (1934).
Schriftsteller oder Architekt?
Selbstzweifel veranlassen Max Frisch in den nächsten Jahren, alle seine bisherigen schriftstellerischen Werke zu verbrennen. Auf der Suche nach einer anderen Lebensperspektive schreibt er sich 1936 an der Technischen Hochschule in Zürich für ein Architekturstudium ein, das er 1941 mit einem Diplom abschließt. Mit der Einrichtung eines eigenen Architekturbüros im Jahr 1943 bestimmen in den folgenden Jahren beide Berufe, die eine jeweils eigene schöpferische Kreativität in ihm aktivieren, seinen Lebensweg. Eine Bekanntschaft mit dem späteren Direktor des Züricher Schauspielhauses, Kurt Hirschfeld, regt Max Frisch an, mit Bühnenwerken neue literarische Wege zu beschreiten: Zwischen 1945 und 1953 verfasst er Dramen, die sich mit der aktuellen geschichtlichen Situation der Nachkriegszeit auseinander setzen:
- Nun singen sie wieder. Versuch eines Requiems (1946)
- Die Chinesische Mauer. Eine Farce (1947) über die Bedrohung der Welt durch die Atombombe
- Als der Krieg zu Ende war, Schauspiel (1949)
Reisen als schriftstellerische Stimulanz
Max Frisch ist Zeit seines Lebens viel gereist; seine Erlebnisse haben sich nicht nur in seinen Tagebüchern niedergeschlagen, sondern auch auf vielfältigste Art und Weise Eingang in sein dichterisches Werk gefunden. Im Jahr 1951 bricht er mit einem Literatur-Stipendium in der Tasche zu einem einjährigen Aufenthalt in die USA und nach Mexiko auf; der 1954 erschienene Roman Stiller ist die Quintessenz dieser Erlebnisse. Damit gelingt Frisch der schriftstellerische Durchbruch, so dass er sich fortan ganz dieser Tätigkeit widmet und sein Architekturbüro auflöst. In den folgenden Jahren entsteht eine Vielzahl neuer literarischer Werke, die alle eines gemeinsam haben: Frischs persönliche Betroffenheit über die Zeit und Welt, in der er lebt. Dabei experimentiert Frisch immer wieder mit neuen Formen und Gattungen:
- Herr Biedermann und die Brandstifter, Hörspiel (1955); als Bühnenstück 1958
- Homo faber. Ein Bericht (1957)
- Andorra. Stück in zwölf Bildern, ein Lehrstück ohne Lehre (1961)
- Mein Name sei Gantenbein, Roman (1964)
- Montauk, Erzählung (1975)
- Triptychon. Drei szenische Bilder, Schauspiel (1979)
- Der Mensch erscheint im Holozän, Erzählung (1982)
- Jonas und sein Veteran. Ein Palaver, Schauspiel (1989)
Krankheit und Tod
Vielfach geehrt (u. a. Georg-Büchner-Preis 1958, Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1976) und mit Ehrendoktoraten ausgezeichnet, stirbt Max Frisch nach mehreren Jahren qualvollen Leidens am 4. April 1991 in Zürich an Krebs. Max Frisch war zweimal verheiratet: in erster Ehe mit Gertrud Constanze von Meyenburg (1942-1959), die ihm einen Sohn und zwei Töchter gebar, und in zweiter Ehe mit Marianne Oellers (1968-1979). Von 1958-1962 unterhielt er darüber hinaus eine enge Beziehung zu der Schriftstellerkollegin Ingeborg Bachmann. In seinen letzten Lebensjahren wurde er von Karin Pilliod begleitet.
Bibliografie:
- Heinz L. Arnold (Hrsg.): Max Frisch, Edition Text & Kritik Nr. 47/48, München 31983
- Volker Hage: Max Frisch. rororo Monographie Nr. 616, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 32001
- Manfred Jurgensen: Max Frisch - Die Romane. Interpretationen, A. Francke Verlag , Tübingen und Stuttgart 1976
- Klaus Müller-Salget: Max Frisch. Reihe Literaturwissen für Schule und Studium, Reclam Verlag, Ditzingen 1996
- Jürgen H. Petersen: Max Frisch. Sammlung Metzler 173, J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 21989









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