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Meissner Porzellan

Meissner Porzellan

Laut königlichem Dekret wurde am 23.1.1710 durch Johann Friedrich Böttger die kursächsische Manufaktur in Dresden gegründet. Schon nach kurzer Zeit erwies sich der Standort auf der Venusbastei, für die fabrikmäßige Erzeugung des sog. roten Böttger-Steinzeugs als zu klein; ein erneutes königliches Dekret bestimmte die Verlegung der Fabrik in die Albrechtsburg bei Meißen.

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Johann Friedrich Böttger, 1682 1719

Böttger, der Erfinder des europäischen Hartporzellans, wurde als Administrator eingesetzt, obwohl er wegen eines Konfliktes mit dem preußischen König als Häftling von Kurfürst August dem Starken in Dresden zurückblieb. Die technische Leitung wurde Wilhelm Heinrich Nehmitz und Dr. Jacob Barthelmi übertragen.

In den ersten Jahren der Böttger-Periode (1710-1719) befasste man sich fast ausschließlich mit der Herstellung von rotem Steinzeug, das durch böhmische Glasschleifer geschliffen wurde. Das Warenangebot umfasste hauptsächlich Geschirre, Tee- und Kaffekannen, Flaschen und andere Gefäße. Das Dekor bestand höchstens aus plastisch aufgesetzten oder eingeschliffenen Pflanzenmotiven, sowie eingebrannten Gold-, Silber- und Farbmotiven. Unter Böttgers Leitung entstanden drei Typen von Steingut:

  • Abformungen von Gefäßen und Figuren (z. B. Buddhas) als Möglichkeit zur billigen Herstellung ostasiatischer Ware. Die Gefäße waren durch den Materialschwund beim Brennen deutlich kleiner und während das chinesische Steingut matt und körnig war, wurde das europäische glatt und leicht glänzend.
  • Steingut nach dem Vorbild von Silberarbeiten, hauptsächlich nach Vorlagen von J.J. Irminger. Die Arbeiten sind einfach, großflächig und weich; sie wirken harmonisch, edel und kostbar.
  • Plastische Erzeugnisse

Sie nahmen während der Böttgerperiode nur einen kleinen Teil der Produktion ein, da man von der europäischen Barockplastik nur schwer Abformungen herstellen konnte. Es wurden aber ein Modell des preußischen Königs als absolutistischer Herrscher und sechs Charaktere aus der italienischen Komödie, schon als Sammlerfiguren, konzipiert.

Ab 1713 wurde das wirkliche Porzellan hergestellt, dessen Scherbe durch Verwendung des eisenhaltigen Colditzer Tons (bis ca. 1717) gelblich und die Farben fahl waren. Nach Böttgers Tod (1719), unter dessen Leitung es bereits die erste finanzielle Krise gab, begann sein Nachfolger Johann Melchior Steinbrück den Betrieb zu reorganisieren. Der Aufstieg erfolgte besonders durch die Berufung des Wiener Malers Johann Gregor Höroldt, der als einer der größten Farbtechniker des 18. Jahrhunderts galt.

Schon bald nach seiner Ankunft in Meißen bemühte er sich um gute Kontakte zum sächsischen Hof. Der König übertrug ihm die Aufgabe, neben chinesischen auch europäische Szenen als Motive aufzunehmen und die Malereien nur locker über das Porzellan zu verteilen. Höroldt schuf Chinoiserien, Landschaften, Blumen, Kauffahrtsszenen und Bataillen, die er mit üppigen Goldrändern aus Laub- und Bandelwerk versah.

Als 1725 Farben wie Neapelgelb, Erbsengrün, Kobaltblau, Bordeauxrot und Schwarz technisch machbar waren, brachte Höroldt die Farben auf dem Böttgerschen weißen Porzellan zum Leuchten. Er entwickelte einen konturarmen Stil, fast ohne Linientrennung. Die Materialien wurden im Sinne des beginnenden Rokoko heiter, spielerisch und dekorativ gestaltet. In dieser Zeit fehlte aber eine Persönlichkeit, die den Charakter des plastischen Schaffens entscheidend bestimmte.

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Kolumbine und Pantalone (modelliert von J.J. Kändler)

Ab 1731 leitete ein Kammergremium unter dem Vorsitz von Kurfürst August dem Starken das Unternehmen. Nach dessen Tod 1733 übergab sein Nachfolger August III seinem Kabinettsminister, dem Grafen Brühl, die Stelle. Er beeinflusste das Unternehmen sowohl künstlerisch als auch kommerziell. 1731 wurde auch der Bildhauer Johann Joachim Kändler nach Meißen berufen. Durch ihn, der als Schöpfer der europäischen Porzellanplastik gilt, verlagerte sich das Hauptgewicht der Manufaktur auf die plastische Ausgestaltung des Porzellans; er bestimmte den plastischen Stil bis in die Gegenwart.

König August der Starke wollte ein Schloss bauen, das sog. "Japanische Palais", das nur eine einzigartige Porzellansammlung beherbergen sollte. Man begann mit der Schaffung der Porzellantiere, die Kändler durch expressive Bewegung und naturnahe Bemalung so echt wie möglich erscheinen ließ. 1733 wurde Kändler Leiter der plastischen Abteilung. Im selben Jahr starb August der Starke. Thronfolger war sein Sohn Friedrich August II. Die so genannte Höroldt-Kändler-Zeit (1731-1763) zeichnete sich durch höchste künstlerische Produktivität und wirtschaftlichen Erfolg aus; Meißen führte neben dem festlichen das vollständige, nach einheitlichem Plan gestaltete Tafelgeschirr ein, auch das bis heute berühmte unterglasurblaue Zwiebelmuster. Die Urfassung (Granatapfel und Mandarine) entstand nach chinesischen Vorbildern bereits um 1730; aber erst nach 1745 begann die Produktion in größeren Stückzahlen.

Die Meißener Standarddessins waren eine Mischung aus zeitlos eleganter Einfarbigkeit und barockisierender Form, die den Servicen zu dauerhafter Akzeptanz und Popularität verhalfen, auch in der "Moderne". Die Manufaktur Meißen wurde führend in Europa. Kändlers Konzept - die Schaffung einmaliger Kunstwerke in Porzellan - passte zur Idee des Absolutismus. Könige sahen darin ein weiteres Mittel zur Prachtentfaltung. Das Schwanenservice (1737-1741) für den Grafen von Brühl wurde zum Inbegriff des Rokoko. Mit den über 2000 Teilen des Tafelaufsatzes gelang Kändler eine gelungene Synthese von Gefäßgestalt und Kleinplastik, von Zweckerfüllung und ästhetischer Wirkung. Daneben entstanden kleine Haustiere, Harlekine, Damen mit Reifrock und Kavalieren, Volkstypen, die Berufe, Bettler, Liebespaare und Serien der Sinne und Erdteile, alles in lebendigem, heiteren Rokokostil. Konkurrenzunternehmen, der Zweite Schlesische und der Siebenjährige Krieg führten aber zu Einbußen; es wurde mit einem Bilanzdefizit gearbeitet.

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Manufakturzeichen Meißen

1763 begann die so genannte Punktzeit (bis 1774); die Kurschwerter, das Signum des Meissner Porzellans, tragen zu dieser Zeit einen Punkt zwischen den Parierstangen. Zur wieder notwendig gewordenen Reorganisation gehörte die Errichtung einer Kunstschule an der Manufaktur und die Berufung des französischen Bildhauers Michael Victor Acier, dem altwerdenden Kändler gleichgestellt, der sich nur mühsam an die kühlen, glatteren Formen des aufkommenden Klassizismus gewöhnen konnte. Dies führte wohl auch zum Ausscheiden Kändlers 1765. Acier suchte Anschluss an den modischen Louis-Seize-Stil und den Klassizismus. Ab 1774 übernahm Graf Camillo Marcolini die Oberleitung der Manufaktur; kurzfristig besserte sich die Gesamtlage. Als Acier 1780 die künstlerische Leitung abgab, war der Niedergang nicht mehr aufzuhalten. Marcolini bat 1799 um seine Entlassung, sie wurde ihm aber erst 1814 gewährt. Die Marcoliniperiode (1774-1814) wurde durch einen sechsstrahligen Stern zwischen den Parierstangen der Kurschwerter signiert.

In der Zeit von 1814-1833 machten sich die Napoleonischen Kriege bemerkbar. Dem wirtschaftlichen Niedergang folgte der Verlust der künstlerischen Selbständigkeit; aus dieser Zeit stammen Nachahmungen von Sèvres-, Wien- und Wedgwoodarbeiten, sowie Skulpturen durch Abgüsse von gepressten Glasarbeiten. 1817 entwickelte Heinrich Gottlob Kühn, der die Manufaktur von 1833-1870 leitete, eine zweite Unterglasurfarbe, das Chromoxidgrün; es wird beim heute noch geschätzten Weinkranzmuster verwendet. 1827 erfand Kühn seine Glanzvergoldung. Kühn war es auch, der die Manufaktur in einem jahrelang konsequent durchgehaltenen Prozess zu einem leistungsfähigen, rationell geführten Industriebetrieb umwandelte, der 1864 aus der Albrechtsburg in einen großzügig angelegten Neubau übersiedelte.

1870-1894, unter der Direktion Raithels, erlebte das unterglasurblau bemalte Geschirr eine Renaissance; ab 1878 exportierte man mit wachsendem Erfolg in die USA. 1895-1901 leitete Brunnemann die Manufaktur. Meißen übernahm nur sehr zögernd den Geschmack der Jahrhundertwende; daher sind Stücke aus dem Jugendstil und der neuen Sachlichkeit selten. Die Modernisierung erfolgte nur schrittweise: 1902 entwarf Henry van der Velde ein Teeservice, 1906 Richard Riemerschmid Gebrauchsporzellane und Vasen im Stil des Funktionalismus.

Paul Boerner, seit 1910 in Meißen, nahm die Anregungen auf und arbeitete weiter daran. 1921 begann er mit der Herstellung von Monumentalporzellan als künstlerischem Schmuck, z. B. für die Nikolaikirche. Paul Scheurich und Max Esser belebten die Porzellanfiguren neu und Künstler wie Ernst Barlach, August Gaul und Gerhard Marcks stellten Modelle zur Verfügung, die von geschulten Modelleuren in Porzellan umgesetzt wurden. Die Porzellanmanufaktur besteht heute noch und firmiert seit Herbst 1990 als Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen GmbH. Einziger Gesellschafter ist der Freistaat Sachsen.

  1. Meissner Porzellan

Bibliografie:

  • Reimo Gareis: Meissner Porzellan. Eine Begegnung, Dieter Krone Verlag, 2004
  • Bettina Schuster: Meissen. Orbis Verlag, München 1996
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