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THEMEN

Mittelalter: der Bruch der römischen Kirche mit Byzanz

Das Photianische Schisma

Die Streitigkeiten zwischen der römischen und byzantinischen Kirche über kirchenpolitische und theologische Fragen entwickelten sich seit dem 4. Jahrhundert. 330 wurde Konstantinopel neue Hauptstadt des Römischen Reiches. Dadurch veränderten sich die kirchlichen Verhältnisse im Osten. Als auf dem Konzil von Chalkedon (411) Konstantinopel Rom als Patriarchatssitz gleichgestellt wurde, sahen die römischen Päpste ihren Anspruch auf die universale Leitungsgewalt gefährdet. Die Christen im Osten des Reiches waren überzeugt, das urchristliche Erbe in Glauben und Leben getreu zu bewahren und den rechten Lobpreis (ortho doxa) in Liturgie und religiösem Brauchtum zu verwirklichen. Vor diesem Hintergrund war der Ausbruch der ersten schweren Krise im 9. Jahrhundert fast unabwendbar.

Photios, ein vornehmer Laie, war 858 von Kaiser Michael III. zum Nachfolger des Patriarchen Ignatios ernannt worden. Die fehlenden Weihen waren in nur fünf Tagen unter Missachtung der kirchlichen Ordnungen nachgeholt worden. Eine kaiserliche Gesandtschaft war nach Rom gereist und hatte Papst Nikolaus I. in die Besetzungsfrage des Patriarchenamtes mit einbezogen. Zwei Jahre nach dessen Zustimmung, im Jahre 863, hatte eine römische Synode Photios abgesetzt und den Bann über ihn verhängt. Der byzantinische Kaiser hielt jedoch an Photios fest, und Photios seinerseits, gestützt auf die Patriarchen des Ostens, verhängte den Bann über den Papst, der aber noch vor Eintreffen der Nachricht verstarb. Die Kirchenspaltung schien perfekt. Da fand in Byzanz ein Staatsstreich statt. Der 866 zum Mitkaiser gekrönte Basileios I. ließ Michael III. 867 ermorden. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Alleinherrschers war die Wiedereinsetzung von Ignatios. Nun sollte eine ökumenische Synode die Einigkeit zwischen Ost- und Westkirche besiegeln. Diese wurde am 5. Oktober 869 unter Vorsitz des Ignatios und des Basileios feierlich in Konstantinopel eröffnet. Zunächst stritt man sich um das Verfahren. Die Legaten des neuen Papstes Hadrian verlangten die bedingungslose Zustimmung zum päpstlichen Bann, die griechischen Patriarchen wollten Photios und seine Anhänger selbst zu Wort kommen lassen und sich ein eigenes Urteil bilden. Nach einem heftigen Wortwechsel zwischen den Parteien und Photios musste dieser schließlich seine Verurteilung entgegennehmen.

Der Triumph Roms schien vollkommen, die Urteile der Päpste Nikolaus und Hadrian wurden bestätigt und die Akten der Synode vollständig verbrannt. Nicht eine Zeile sollte die Nachwelt an die tiefe Kirchenspaltung erinnern. Zudem beschloss die Synode, dass in Zukunft kein Laie mehr zum Patriarchen gewählt werden darf.

Doch Kaiser Basilieios blieb verstimmt. Sein Ziel, die Reichkirche zu festigen und Photios zu begnadigen, war verfehlt worden. Doch als der an seiner Stelle wieder eingesetzte Ignatios starb, kehrte Photios 879 auf den Patriarchensitz in Konstantinopel zurück, bis er 886 durch den Nachfolger Basileios', Leon VI., endgültig zum Rücktritt gezwungen wurde.

  1. Das Photianische Schisma
  2. Unterschiedliche Religiösität und der Streit um die Slawen
  3. Das Morgenländische Schisma

Bibliografie:

  • Isnard W. Frank: Kirchengeschichte des Mittelalters, Düsseldorf, 2002
  • Uwe Herrmann: Kirchengeschichte, Gütersloh, 2001
  • Wolf-Dieter Hauschild, Lehrbuch der Kirchengeschichte und Dogmengeschichte, Bd.1, Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloh, 2000
  • Bruno Steimer (Hrsg.): Lexikon der Kirchengeschichte, Freiburg, 2001
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