Mittelalterliche Glasmalerei
Definition
Die Schöpfer früher mittelalterlicher Glasfenster waren Glasmacher, Glaser und Maler in einer Person. Ein vitrearius oder fenestrator beherrschte sowohl die Glasherstellung und die Kunst des Einfärbens der Glasmasse mit Metalloxiden als auch die Auswahl, die Zurichtung und die Komposition der farbigen Gläser unter Berücksichtigung ihrer Symbolwerte und der Wirkung des durchscheinenden Tageslichts. Die starken Umrisskonturen entstanden durch die Zusammenfassung der einzelnen Glasscheiben mit Bleiruten. "Gemalt", bzw. gezeichnet wurden zunächst nur die Binnenkonturen mit einer einzigen Emailfarbe, dem Schwarzlot, auf das gefärbte Glas - ein eher grafisches Verfahren. Erst seit der Mitte des 16. Jahrhunderts malen die Glasmaler mit aufschmelzbaren Glasfarben Bilder auf dem Glas - bis dahin "malten" sie mit farbig zusammengesetzten Glasstücken. Glas"malerei" ist also - im eigentlichen Sinne - ein irreführender Begriff.
Bibliografie:
- Rüdiger Becksmann (Hrsg.): Deutsche Glasmalerei des Mittelalters, Stuttgart 1995
- Hans-Rainer Bernhardt und Guido Andelfinger: Mit farbigem Glas arbeiten. Ein Handbuch für Kunstglaserei und Glasmalerei, Weingarten 2000
- Susanne Fischer, Cornelia Andrea Harrer: Die Glasfenster der Münchner Frauenkirche, Regensburg 1998
- Eva Frodl-Kraft: Das Corpus Vitrearum Medii Aevi - Ein Rückblick. In: Hartmut Scholz, Ivo Rauch, Daniel Hess (Hrsg.): Glas, Malerei, Forschung. Internationale Studien, Berlin 2004
- Lawrence Lee u. a.: Die Welt der Glasfenster. 12 Jahrhunderte abendländischer Glasmalerei, München 1992









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