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THEMEN

Mudéjar-Architektur in Teruel

Fakten in Kürze

Kulturdenkmal:Kathedrale (vormals Stiftskirche Santa María de Mediavilla), Kirche San Pedro, Kirche San Martín, Kirche El Salvador
Kontinent:Europa
Land:Spanien, Aragonien
Ort:Teruel am Río Turia, zwischen Zaragoza und Valencia, Beinamen "Teruel Mudéjar" und "Ciudad de los Amantes" ("Stadt der Liebenden")
Ernennung:1986
Bedeutung:charakteristische Mudéjar-Architektur des 12./13. Jh. bis 15. Jh., Anpassung der Strukturen und des Dekors der Almohaden-Minarette an die Funktion einer christlichen Kirche

Zur Geschichte

1171Eroberung Teruels durch Alfons II.
Beginn 13. Jh.Tod der "Liebenden von Teruel"
1257Turm der Kirche Santa María de Mediavilla
1277-1315Kirche El Salvador
1315/16Glockenturm der Kirche San Martín
1319-92Bau der Kirche San Pedro
1502Schließung der letzten Moschee
1555Entdeckung der Mumien der "Liebenden von Teruel" in der Kapelle San Cosme y San Damián
1587Santa María de Mediavilla zur Kathedrale erhoben
Winter 1937/38im Spanischen Bürgerkrieg "Schlacht um Teruel", 30 000 Tote in 70 Tagen

Schmuckstücke über Ziegeldächern

Für Marcelino Menéndez Pelayo, den großen spanischen Gelehrten, gab es Jahrhunderte später keinen Zweifel: "Der Mudéjarstil ist der einzige eigenständige spanische Baustil, der uns stolz macht." Der Stolz der spanischen Christen und der Schöpfergeist der maurischen Künstler und Handwerker vereinen sich seit dem Spätmittelalter auf dem Altstadthügel von Teruel, in der als Kirche Santa María de Mediavilla begründeten Kathedrale sowie den Wehrkirchen El Salvador, San Pedro und San Martín mit ihren im Mudéjarstil gestalteten Türmen.

Nach 123 Treppenstufen ist man noch ein wenig kurzatmig, doch alsbald schweift der Blick des Besuchers von der überdachten Plattform der Kirche El Salvador zwischen den Arkaden hindurch über das südaragonesische Ödland, die Hügel der Sierra de Camarena, die Ziegeldächer und die - im besten Sinne des Wortes - überragenden mudéjaren Schmuckstücke im überschaubaren Altstadtviertel. Als bedeutendes Zeugnis ihrer Kunst hinter Außenmauern haben die Mauren das reich dekorierte Deckengewölbe der Kathedrale hinterlassen.

Maurische Baumeister

Unter dem Zeichen des Kreuzes und den Einflüssen islamischer Traditionen verfeinerten namentlich unbekannte muslimische Baumeister nach der christlichen Rückeroberung von Teruel im 12. Jahrhundert ihre einzigartige Bau- und Dekorationskunst, den Mudéjarstil. Kunsthandwerker und Architekten, deren Namen im Staub der Geschichte verflogen sind, schufen Gotteshäuser aus solidem, goldgelbem Ziegelmauerwerk und schmückten sie, ähnlich wie ihre Moscheen und Paläste, mit hufeisenförmigen Fensterbögen und reichen Ornamenten. Die Anordnung der Ziegel in Ähren und Rhomben sowie ein Netzwerk sich wiederholender, gelappter und sich kreuzender Bögen sind wesentliche Elemente des ornamentalen Mudéjar-Dekors. Charakteristisch für die Kirchtürme ist ihre Fassadenpracht mit Einlegearbeiten aus schwarzen, grünen und silberweißen Keramikkacheln, deren Herkunft und Farbharmonie auf islamisch- cordobesische Vorläufer weisen. All die Ornamente und die phantasievollen Collagen aus Kachelschmuck befreien die Türme von ihrem klobigen Wehrcharakter und geben ihnen eine gewisse Leichtigkeit, eine geradezu spielerische Eleganz.

Die aragonesischen Sonderrechte waren es, die bis zum Ende des 15. Jahrhunderts den Verbleib der Mauren unter christlicher Herrschaft sicherten. So konnten die maurischen Baumeister - länger als andernorts - die Baukunst Teruels bereichern, deren Einflüsse sich über das selbständige aragonesische Königreich ausbreiteten. "Damit hat Teruel Aragonien mehr gegeben als Teruel von Aragonien bekommen hat", bemerkt der zeitgenössische Kunsthistoriker Gonzalo Borras Gualis. Das Kapitel der Mauren in Teruel endete 1493 mit der Schließung der großen Moschee und wenige Jahre darauf mit der Wahl jedes einzelnen zwischen Zwangstaufe und Auswanderung.

Die Liebenden von Teruel

Doch nicht allein mit maurischer Baukunst ist der Name Teruels verbunden, sondern auch mit einer rührenden Legende. Sie erzählt von dem tragischen Schicksal von Isabel de Segura und Juan Diego Martínez de Marcilla, den "Liebenden von Teruel". Die Familie der schönen Isabel hatte das Werben des armen Juan um die Gunst der Tochter abgewiesen und ihm fünf Jahre Zeit zum Erwerb von Reichtümern gegeben. Juan zog in den Krieg, kehrte anschließend begütert in die Heimat zurück und erfuhr, dass Isabel einen anderen geheiratet hatte. Diego, immer noch verliebt, drang in das Gemach von Isabel ein und bat sie um einen Kuss. Die Geliebte jedoch verweigerte sich ihm. Aus Schmerz und Liebeskummer starb der Jüngling. Bei der Totenmesse in der Kirche San Pedro erschien auch Isabel, küsste den Verstorbenen und sank tot nieder.

An die mehr als drei Jahrhunderte nach ihrem Tod in der Kapelle San Cosme y San Damián aufgefundenen "Liebenden von Teruel" erinnert das Mausoleum mit einem aus Alabaster geschaffenen Paar, das vergeblich versucht, sich die Hände zu reichen. Unter dem Bildhauerwerk ruhen zwei Mumien in gläsernen Särgen. Offen bleibt, ob es sich dabei wirklich um die unglücklichen Liebenden handelt, von denen es in einem spöttelnden Zweizeiler heißt: "Los amantes de Teruel/tonta ella, tonto él" ("die Liebenden von Teruel/dümmlich sie, dümmlich er").

Andreas Drouve
Dr. phil., Jg. 1964, Germanist, Tätigkeit als freier Autor und Journalist für Buch- und Zeitungsverlage in Deutschland und Spanien, Veröffentlichungen zu Spanien, Süd- und Mittelamerika sowie zur Karibik
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