Niger
Vordringen von Turaegstämmen (bis 16. Jh.)
Vor der Errichtung der französischen Kolonialherrschaft im 19. Jh. prägten große Wanderungsbewegungen von zahlreichen Stämmen und die Konflikte zwischen Neuankommenden und Alteingesessenen über weite Strecken die Geschichte des heutigen Staates Niger, für den archäologische Untersuchungen auf eine frühe Besiedlung hinweisen. Bereits römische und arabische Quellen berichten von Kontakten zur der Region am Südrand der Sahara. Im 11. Jh. n. Chr. drangen Tuareg, Angehörige eines nomadisierenden Berber-Hirtenvolks, aus der Sahara nach Süden ins Gebiet Aïr vor und unterwarfen die dort ansässigen Haussa, die ihren Lebensunterhalt zu jener Zeit überwiegend durch Akkerbau bestritten. Eine kleinere Gruppe der Haussa wurde nach Süden in Gebiete zwischen Tahua und Zinder verdrängt, wo sie ab dem 14. Jh. mehrere Stadtstaaten gründeten, in denen sich Handel und Handwerk stark entwickelten.
Die Tuaregstämme bildeten in ihrem Gebiet einen losen Zusammenschluss. Einer ihrer Anführer, Jussuf, gründete im 15. Jh. das Sultanat Agadès östlich des Flusses Niger, der dem Staat heute seinen Namen gibt. Die Gesellschaftsstruktur der Tuareg kennzeichnete ein ausgeprägtes Kastensystem mit einem Kriegeradel an der Spitze. Die Viehherden, Basis des adligen Reichtums, wurden von tributpflichtigen Vasallen geweidet, die selbst häufig über beachtlichen Besitz verfügten. Die Angehörigen der unteren Kasten in den Staatsgebilden der Tuareg waren im Unterschied zu den arabischen Oberschichten oft negroiden Ursprungs.









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