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THEMEN

Olympische Winterspiele 1968 in Grenoble

Daten

Dauer: 6. bis 18. Februar 1968
Teilnehmer: 1293 (1081 Männer, 212 Frauen)
Länder: 37
Sportarten: 7
Entscheidungen: 35
Eidsprecher: Leo Lacroix (alpiner Skisport)
Letzter Fackelläufer: Alain Calmat (Eiskunstlauf)

Der Austragungsort der X. Olympischen Winterspiele

Bild
Offizielles Plakat der Olympischen Winterspiele in Grenoble, 1968

Als im Januar 1964 die Winterspiele vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nach Grenoble vergeben wurden, war den Verantwortlichen vermutlich nicht bewusst, dass die Spiele im Grunde nicht dort, sondern in weit auseinanderliegenden Wettkampfstätten in und rund um Grenoble wie in Autrans, Saint-Nizier, Villard de Lans, dem 30 km entfernten Chamrousse und dem sogar 60 km von Grenoble entfernt gelegenen Alpe d'Huez stattfinden würden. Vor Ort war dies für den greisen IOC-Präsidenten Avery Brundage ein Anlass für heftige Kritik, und auch die Athleten haderten mit den Wettkampfstätten und den Wetterbedingungen: Ausgerechnet da, wo der Wind meist am heftigsten blies, nämlich in Saint-Nizier, wurde der Sprunglauf auf der Großschanze ausgetragen. Die Bobrennen wiederum fanden in dem von der Sonne verwöhnten Wintersportort Alpe d'Huez statt, was der Bahn naturgemäß gar nicht gut bekam. Auf der Piste in Chamrousse wurde der Slalom zur Nebelschlacht. Um möglichen Wetterunbilden zu entgehen, wurden einige Wettbewerbe schon früh morgens angesetzt.

Die Stars

Der unbestrittene Star der Winterspiele war der französische Skirennläufer Jean-Claude Killy, der - wie 1956 der Österreicher Toni Sailer - alle drei Wettbewerbe (Abfahrt, Slalom und Riesenslalom) gewann, bei seinem Sieg im Spezialslalom allerdings von einer umstrittenen Disqualifikation des Österreichers Karl Schranz profitierte. Killy beendete nach seinem Triumph seine Karriere und wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann. Auch bei den alpinen Damenkonkurrenzen setzten die Gastgeber durch Marielle Goitschel, Isabelle Mir und Annie Famose Akzente.

Die schwedische Langläuferin Toini Gustafsson war mit zweimal Gold und einmal Silber erfolgreichste Teilnehmerin. Dennoch mussten die Skandinavier in ihren bisherigen Domänen Langlauf und Skispringen einige unerwartete Schlappen einstecken. Für eine Sensation sorgte der Italiener Franco Nones mit seinem Sieg im Skilanglauf über 30 km, womit erstmals ein Südeuropäer einen derartigen Wettbewerb gewann.

Für die erfreulichsten Resultate aus bundesdeutscher Sicht sorgten Franz Keller (Nesselwang) mit seinem Sieg in der Nordischen Kombination und der Münchener Erhard Keller, der auf der 500 m-Distanz als erster Deutscher Eisschnelllauf-Gold gewann.

Erstmals trat die DDR mit einer eigenen Mannschaft an und hob sich auch durch ihren dunkelgrünen Dress von der dunkelblau gekleideten bundesdeutschen Mannschaft ab. Wegen der Flucht des DDR-Medaillenkandidaten Ralph Pöhland (Nordische Kombination) einen Monat vor Beginn der Spiele war das Klima zwischen Ost und West vergiftet, ein inoffizielles Sprechverbot für DDR-Olympioniken und -Reporter sorgte für ein eisiges Klima.

Mit je einmal Gold und Silber war Rodler Thomas Köhler der erfolgreichste DDR-Athlet. Bei den Rodlerinnen sorgten die angewärmten Kufen der Rennschlitten aus der DDR für einen Skandal: Zwar konnte bei der Untersuchung durch die Jury nicht geklärt werden, wem der Regelverstoß nun wirklich zuzuschreiben war, dennoch wurden die drei Rodlerinnen aus der DDR vom olympischen Wettbewerb ausgeschlossen.

Die Spiele in Grenoble waren zugleich die ersten Winterspiele mit Dopingtests (86 Proben, alle negativ) und Geschlechtskontrollen bei Frauen.

Alpiner Skisport - Herren

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
Abfahrt: Jean-Claude Killy FRA1:59,85Guy Périllat FRAJean-Daniel Dätwyler SUI
Slalom: Jean-Claude Killy FRA1:39,73Herbert Huber AUTAlfred Matt AUT
Riesenslalom: Jean-Claude Killy FRA3:29,28Willy Favre SUIHeinrich Messner AUT

Alpiner Skisport - Damen

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
Abfahrt: Olga Pall AUT1:40,87Isabelle Mir FRAChristl Haas AUT
Slalom: Marielle Goitschel FRA1:25,86Nancy Greene CANAnnie Famose FRA
Riesenslalom: Nancy Greene CAN1:51,97Annie Famose FRAFernande Bochatay SUI

Nordischer Skisport - Herren

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
15 km Langlauf:Harald Grönningen NOR47:54,2Eero Mäntyranta FINGunnar Larsson SWE
30 km Langlauf:Franco Nones ITA1:35:39,2Odd Martinsen NOREero Mäntyranta FIN
50 km Langlauf:Ole Ellefsaeter NOR2:28:45,8Wjatscheslaw Wedenin URSJosef Haas SUI
4 x 10 km: NOR2:08:33,5SWEFIN
Skispringen Normalschanze: Jiri Raska TCH216,5Reinhold Bachler AUTBaldur Preiml AUT
Skispringen Großschanze: Wladimir Belusow URS231,3Jiri Raska TCHLars Grini NOR
Nordische Kombination:Franz Keller FRG449,04Alois Kälin SUIAndreas Kunz GDR

Nordischer Skisport - Damen

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
5 km Langlauf:Toini Gustafsson SWE16:45,2Galina Kulakowa URSAlewtina Koltschina URS
10 km Langlauf:Toini Gustafsson SWE36:46,5Berit Mördre NORInger Aufles NOR
3 x 5 km: NOR57:30,0SWEURS

Biathlon

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
20 km: Magnar Solberg NOR1:13:45,9Alexander Tichonow URSWladimir Gundarzew URS
4 x 7,5 km: URS2:13:02,4NORSWE

Eiskunstlauf

Disziplin Goldmedaille Silbermedaille Bronzemedaille
Herren: Wolfgang Schwarz AUTTimothy Wood USAPatrick Péra FRA
Damen: Peggy Fleming USAGabriele Seyfert GDRHana Masková TCH
Paare: Ljudmila Beloussowa/
Oleg Protopopow URS
Tatjana Shuk/
Alexander Gorelik URS
Margot Glockshuber/
Wolfgang Danne FRG

Eisschnelllauf - Herren

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
500 m: Erhard Keller FRG40,3Magne Thomassen NOR
Richard McDermott USA
nicht vergeben
1500 m: Kees Verkerk NED2:03,4Ard Schenk NED
Ivar Eriksen NOR
nicht vergeben
5000 m Fred Anton Maier NOR7:22,4Kees Verkerk NEDPetrus Nottet NED
10 000 m: Johnny Höglin SWE25:23,6Fred Anton Maier NORÖrjan Sandler SWE

Eisschnelllauf - Damen

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
500 m: Ljudmila Titowa URS46,1Mary Meyers USA
Dianne Holum USA
Jennifer Fish USA
nicht vergeben
1000 m: Carry Geijssen NED1:32,6Ljudmila Titowa URSDiane Holum USA
1500 m: Kaija Mustonen FIN2:22,4Carry Geijssen NEDChristina Kaiser NED
3000 m: Ans Schut NED4:56,2Kaija Mustonen FINChristina Kaiser NED

Bobsport

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
Zweierbob: ITA
(Monti/De Paolis)
4:41,54FRG
(Floth/Bader)
ROM
(Panturu/Neagoe)
Viererbob: ITA
(Pilot: Eugenio Monti)
2:17,39AUT
(Pilot: Erwin Thaler)
SUI
(Pilot: Jean Wicki)

Rodeln - Herren

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
Einer: Manfred Schmid AUT2:52,48Thomas Köhler GDRKlaus Michael Bonsack GDR
Doppelsitzer: Bonsack/
Köhler GDR
1:35,85Schmid/
Walch AUT
Winkler/
Nachmann FRG

Rodeln - Damen

Disziplin Goldmedaille Leistung Silbermedaille Bronzemedaille
Einer: Erika Lechner ITA2:28,66Christa Schmuck FRGAngelika Dünhaupt FRG

Eishockey

Goldmedaille Silbermedaille Bronzemedaille
URSTCHCAN

Medaillenspiegel Grenoble 1968

Rang Land Gold Silber Bronze
1. Norwegen662
2. UdSSR553
3. Frankreich432
4. Italien4--
5. Österreich344
6. Niederlande333
7. Schweden323
8. BR Deutschland223
9. USA151
10. DDR
Finnland
1
1
2
2
2
2

Länderabkürzungen

AUS Australien
AUT Österreich
BLR Weißrussland
BUL Bulgarien
CAN Kanada
CHN China
ESP Spanien
FIN Finnland
FRA Frankreich
FRG Bundesrepublik Deutschland (1949-1990; 1956-1964: GER = Gesamtdeutsche Mannschaft; ab 1990: GER)
GBR Großbritannien
GDR Deutsche Demokratische Republik (1949-1990; 1956-1964: GER = Gesamtdeutsche Mannschaft; ab 1990: GER
GER Deutschland (bis 1949; ab 1990)
GUS Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
HUN Ungarn
ITA Italien
JPN Japan
KAZ Kasachstan
KOR Südkorea
LIE Liechtenstein
LUX Luxemburg
NED Niederlande
NOR Norwegen
NZL Neuseeland
POL Polen
PRK Nordkorea
ROM Rumänien
RUS Russland (bis 1919; ab 1994)
SLO Slowenien (ab 1992)
SUI Schweiz
SWE Schweden
TCH Tschechoslowakei (bis 1992)
UKR Ukraine
URS Sowjetunion (bis 1992)
USA Vereinigte Staaten von Amerika
UZB Usbekistan
YUG Jugoslawien (bis 1992)

Bibliografie:

  • Rupert Kaiser: Olympia Almanach. 90 Jahre Olympische Winterspiele. Geschichten, Zahlen, Bilder, Kassel 1998
  • Volker Kluge: Olympische Winterspiele. Die Chronik. Chamonix 1924 - Nagano 1998, Berlin 1999
  • Olympische Winterspiele Grenoble 1968, Berlin 1968
  • Karl A. Scherer: Hundert Jahre Olympische Spiele, Dortmund 1995

Institution(en):

  • Internationales Olympisches Komitee (IOC)
    Chateau de Vidy, C.P. 356
    CH-1007 Lausanne
    +41/21/6216111
    +41/21/6216216
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