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THEMEN

Organisiertes Verbrechen: Mafia

Staatliche Abwehrmaßnahmen und regionale Verschiebungen

Gegen die gewaltige Machtkonzentration in den Händen der Mafiosi suchte der italienische Staat immer wieder vorzugehen - zumeist kaum erfolgreich. So bemühten sich die italienischen Behörden vor allem am Ende des 19. Jahrhunderts und zur Zeit des Faschismus, die mafiosen Strukturen zu zerschlagen. Daher ließ der italienische Faschist und Diktator Mussolini (1883-1945) die Mafia zwar besonders zwischen 1925 und 1927 unterdrücken, allerdings trat dadurch an die Stelle des Mafia-Terrors ein immer bedrückenderer staatlicher Terror.

Eine der früheren staatlichen Gegenaktionen setzte im Jahre 1892 ein. Sie hatte zur Folge, dass viele Mafiosi in die USA auswanderten, wo sie sich mit Kriminellen anderer Nationalitäten verbanden. Aus den Abwehrreaktionen des italienischen Staates resultierte somit auch eine direkte Verbindung zur Mafia in den USA, wo der Begriff der Mafia heute als Synonym die verschiedenen Formen des “organisierten Verbrechens“ umfasst. In Nordamerika gründeten sizilianische Emigranten städtische Gangstersyndikate, die als Cosa nostra bezeichnet wurden und die wie im Heimatland ebenfalls nach mafiosen Prinzipien organisiert waren. In Nordamerika integrierten die Mafiafamilien auch Kriminelle anderer Länder und wirkten vornehmlich als “Verbrechenssyndikate“. Diese erpressten Schutzzölle und besorgten illegale Güter und Dienstleistungen, nach denen eine starke Nachfrage bestand.

Eines der wichtigsten, aber auch brutal umkämpften Beispiele war der Schmuggel, die Herstellung, der Handel und der Ausschank von Alkohol in der Zeit des absoluten Alkoholverbots in den 1920er Jahren. Diese sogenannte Prohibition war vom Kongress gegen das Veto des Präsidenten Woodrow Wilson am 18. Oktober 1919 als 18. Verfassungszusatz (Amendment) verabschiedet worden. Trotz weiterer Verschärfungen (1921, 1929) konnte sie nicht verhindern, dass sich gerade kriminelle Elemente der Mafia mit der Herstellung und dem Vertrieb von Alkohol befassten und dass sie daher die unerträglichen Missstände förderte, die sie eigentlich verhindern wollte. So erlebte der Mafia einen enormen Auftrieb.

Zu einer Aufhebung des 18. Verfassungszusatzes kam es erst am 20. Februar 1933. Mit der Abschaffung der Prohibition, vor allem aber mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bekam das organisierte Verbrechen wiederum einen neuen Schub und einen enormen Machtzuwachs. So erzwang die Mafia mit einem eigens von ihr geplanten und fingierten Separatistenaufstand im Jahr 1946 einen Autonomiestatus für Sizilien. Der ökonomische Wiederaufbau in der Nachkriegszeit stellte enorme Finanzmittel bereit, die als groß angelegte Industrialisierungsprogramme in den Süden flossen. Bei der Vergabepraxis spielte die Mafia eine herausragende Rolle. Sie setzte sowohl Korruption als auch Erpressung ein und lenkte somit viele Gelder in ihre eigenen Kassen. Außerdem erweiterten sich schnell die korrupten und mafiosen Geschäftsbereiche, wobei die enge Verquickung von Staat und Gesellschaft mit der Mafia sehr hilfreich war. Denn als weitere Kapitalquellen erschloss sich die organisierte Kriminalität nicht nur Spielhöllen, Entführung, Schutzgelderpressung und Mord, sondern auch jede Form der Korruption und der organisierten Prostitution. Zusätzlich engagierte sich die Mafia im internationalen Drogen- und Waffengeschäft, das immer lukrativere Formen annahm.

Auch in den USA entwickelte sich die Mafia in der Nachkriegszeit nicht nur zu einem weit verzweigten System, sondern entfaltete zudem vor allem auch legale Aktivitäten in der Öffentlichkeit. Davon waren besonders die Bereiche der Politik, Verwaltung und Wirtschaft sowie der Gewerkschaften betroffen. In diesem Zuge haben sich auch mafiose Strukturen in anderen europäischen Ländern ausgebildet. Sie sind teilweise als Rückläufer der nach Amerika ausgewanderten bzw. verdrängten italienischen Mafia, teilweise durch die Ausdehnung der süditalienischen Machtbasis in das europäische Ausland entstanden. Beide Bestrebungen suchten auf dem europäischen Kontinent zusätzlich ihre Machtbasis zu verstärken, um auch dort ihre Gelder waschen und neu investieren zu können sowie nach neuen “Geschäftsfeldern“ bzw. Wirk- und Einnahmequellen Ausschau zu halten. Daher liegen Schwerpunkte des organisierten Verbrechens in Deutschland, aber auch im sonstigen Europa heute in der Rauschgiftkriminalität, in der Kraftfahrzeug-Verschiebung sowie in illegalem Handel mit Waffen und Sprengstoff.

  1. Einleitung
  2. Historische Entwicklung
  3. Staatliche Abwehrmaßnahmen und regionale Verschiebungen
  4. Die mafiose Struktur
  5. Prozesse gegen die Mafia
  6. Der Fall des Ministerpräsidenten Andreotti
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