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THEMEN

Ottorino Respighi

Leben und Werk

Kindheit und Jugend

Ottorino Respighi wird am 9. Juli 1879 in Bologna als Sohn des Musikers Giuseppe Respighi und seiner Frau Ersilia geboren. Künstlerische Gene werden ihm von beiden Eltern gleichermaßen in die Wiege gelegt: Von seiner Mutter, in deren Familie Bildhauer und Maler zu finden sind, sowie von seinem Vater, der am heimischen Liceo Musicale unterrichtet. Ebenso wie Ottorino im Alter von acht Jahren von ihm seinen ersten Geigenunterricht und wenig später Klavierstunden erhält, wirkt die lebenslange Liebe seines Vaters zu den Werken Claude Debussys, Maurice Ravels und Richard Wagners prägend auf den jungen Knaben und sollte sich später hörbar in seinem kompositorischen Schaffen niederschlagen. Auf dem Klavier entwickelt Ottorino schon bald eher autodidaktisch außergewöhnliche Fähigkeiten, die den Vater erstmals auf die besondere Begabung seines Sohnes aufmerksam machen und eine profundere musikalische Ausbildung sinnvoll erscheinen lassen.

Student am Liceo Musicale in Bologna

Ab 1891 wird das Liceo Musicale auch zu Ottorinos musikalischer Heimat, wo er neben der Geige auch Komposition studiert und sich damit völlig neue Welten eröffnet. Neben dem blühenden kulturellen Leben Bolognas bedeutet vor allem die Zusammenarbeit mit seinem Lehrer Luigi Torchi eine wichtige Bereicherung, weckt er in ihm doch das Interesse an dem musikalischen Erbe Italiens, das sich später in zahlreichen Kompositionen niederschlagen sollte. Darüber hinaus wird Ottorino Respighis künstlerische Persönlichkeit wesentlich durch seinen Kompositionslehrer Giuseppe Martucci (1856-1909) sowie durch den Komponisten Giovanni Sgambati (1841-1914) geprägt, der Respighi für deutsche Musik anhand der Werke Beethovens, Schuberts, Brahms' oder Liszts sensibilisiert.

Bereits während seiner Studienzeit macht Ottorino Respighi erstmals öffentlich auf sich aufmerksam und zwar sowohl als Solist auf der Geige in einer von Reife zeugenden Kombination von virtuoser Technik, präzisem Rhythmus und musikalischem Ausdruck als auch als Komponist mit seinen für die Abschlussprüfung entstandenen Variazione sinfoniche, denen die Kritik Einfallsreichtum, Form und Instrumentationskunst bescheinigt.

Orchestermusiker

Das Jahr 1900 markiert nicht nur Ottorino Respighis erste ernst zu nehmende Würdigung als Komponisten, sondern auch seinen Eintritt in die Berufswelt als Geiger am Teatro Comunale in Bologna. Seine instrumentalen Fähigkeiten dringen schon bald über die Landesgrenzen hinaus und verschaffen ihm wenig später ein Engagement als Geiger und Bratschist für eine Stagione der "Opera italiana" am Kaiserlichen Theater von St. Petersburg. Als Ottorino sich auf die lange Reise gen Osten macht, ahnt er noch nicht, dass ihm dort eine der bedeutendsten Begegnungen in seiner jungen musikalischen Karriere bevorstehen wird. Ohne große Hoffnungen wagt er sich eines Tages in die "Höhle des Löwen" von Maestro Rimskij-Korsakow und legt ihm einige seiner Partituren zur Begutachtung vor. Der russische Komponist erkennt unmittelbar die große Begabung des jungen Italieners und betreut ihn in den folgenden fünf Monaten als Schüler. Diese Zusammenarbeit sollte sich vor allem auf Respighis Instrumentationskunst nachhaltig auswirken. Kompositorisches Zeugnis von den neu gewonnenen Fähigkeiten legt im folgenden Jahr das Orchesterwerk Preludio, Corale e Fuga ab, das ihm nicht nur ein Diplom im Fach Komposition einbringt, sondern ihn gleichzeitig dem Konservatoriumsniveau entwachsen und als angehenden Meister zeigt.

Im Herbst 1902 reist Ottorino Respighi ein zweites Mal als Orchestermusiker nach Russland, wo er diesmal nicht nur in St. Petersburg, sondern auch am Moskauer Bolschoi-Theater auftritt und vielfältige Eindrücke aus dem russischen Kulturleben in den Gattungen Oper und Ballett gewinnen kann. Darüber hinaus hält der inzwischen etablierte Komponist während seines neunmonatigen Aufenthaltes - nun als lebenslang Sprachbegabter mit fließenden Kenntnissen der russischen Sprache ausgestattet - Kurse in Harmonielehre und Komposition ab.

Sein eigenes Schaffen weist in diesen Jahren neben der Fantasia in sol minore (Fantasie in g-Moll) eine Reihe von Liedern (Liriche) auf, die wenig später im heimischen Verlagshaus Bongiovanni veröffentlicht werden. Ähnlich wie bei Franz Schubert gehören die Lieder zum intimsten in Respighis kompositorischem Schaffen und erzählen in autobiografischen Momentaufnahmen vom zumeist verschlossenen Seelenleben ihres Schöpfers.

Erste Erfolge

Als am 12. März 1905 die Oper Rè Enzio (König Enzio) am Teatro del Corso von Bologna uraufgeführt wird, ist dies die Geburtsstunde des Opernkomponisten Ottorino Respighi. Dennoch sollte diese Gattung in den nächsten drei Jahrzehnten nur einen Bruchteil seines breit gefächerten musikalischen Œuvres darstellen. Trotz gegenteiliger Ansicht seines Schöpfers wird das Werk von Publikum und Presse gleichermaßen gefeiert. In den nächsten Jahren verbreitet sich Respighis Ruf über ganz Italien und dringt schließlich über den "großen Teich" bis nach Amerika, wo am 6. Januar 1908 mit dem Notturno für Orchester erstmals eines seiner Werk auf dem Programm der symphonischen Konzerte in der New Yorker Metropolitan Opera steht. Parallel zu seiner kompositorischen Arbeit beschäftigt sich Ottorino Respighi in diesen Jahren intensiv mit Italiens musikalischem Erbe. Die Quintessenz dieses Studiums findet sich in der Bearbeitung verschiedener Violinsonaten von Veracini, Tartini, Locatelli, Valentini, Porpora und Vivaldi.

Im September 1908 reist der Komponist für mehrere Monate nach Berlin, wo er als Begleiter für die Gesangslehrerin Gerster arbeitet. Doch wie schon in St. Petersburg sollte auch dieses Berliner Engagement nur der Aufhänger für ein weit bedeutenderes künstlerisches Ereignis im Leben des aufstrebenden Komponisten sein. Hier realisiert der von Respighis Überarbeitung der Monteverdi-Oper "Lamento di Arianna" (Die Klage der Ariadne) überzeugte Dirigent Arthur Nikisch die Erstaufführung der neuen Version mit den Berliner Philharmonikern am 12. Oktober 1908. Das Verdienst des Arrangeurs Respighi liegt bei dieser Arbeit in der Fähigkeit, die historischen Klangfarben mit zeitgenössischen Mitteln zu neuem Leben zu erwecken. Die Aufführung wird zu einem weiteren Erfolg in der Karriere des Komponisten und leitet gleichzeitig eine Monteverdi-Renaissance ein, die bis heute anhält.

Kompositorische Meisterschaft

Zu Beginn des Jahres 1911 beschäftigt sich Ottorino Respighi mit der Vertonung der Dichtung Aretusa von Percy B. Shelley für Sopran und Orchester. Mit diesem Werk betritt der Komponist insbesondere in der Instrumentation noch einmal eine neue Ebene, auf der sich sein persönlicher Stil gefestigt hat. Respighi selbst schätzte lebenslang nicht nur dieses Werk vor allen anderen, sondern betrachtete es auch als den eigentlichen Beginn seiner kompositorischen Karriere. Die Besonderheit der Komposition bleibt auch dem Publikum nicht verborgen und rührt u.a. seinen Kollegen Ferruccio Busoni zu Tränen; gleichwohl findet das breite Publikum nur schwer Zugang zu diesem Werk.

Professor in Rom

Im Jahr 1913 übernimmt Ottorino Respighi eine Professur für Komposition an der Accademia di Santa Cecilia in Rom, wo ihm von seinen zukünftigen Studenten/innen ein enthusiastischer Empfang bereitet wird. Doch Respighi zweifelt nicht nur an seiner Fähigkeit, jungen Menschen die seiner Ansicht nach zu einem nicht unwesentlichen Teil auf Begabung beruhende Kunst des Komponierens vermitteln zu können, sondern fühlt sich darüber hinaus in der großen Stadt mit ihrer hektischen Betriebsamkeit, grandiosen Vergangenheit und ständigem Lärm verloren und seiner bisherigen künstlerischen Wurzeln beraubt. Und doch sollten hier über die nächsten Jahre drei seiner bekanntesten Werke entstehen - die römische Trilogie Pini di Roma, Fontane di Roma und Feste romane -, die ihren Schöpfer bereits zu Lebzeiten weltbekannt machen und ihm Einladungen in der ganzen Welt bescheren.

Die Uraufführung der ersten symphonischen Dichtung "Fontane di Roma" am 11. März 1917 im Augusteo unter der Leitung von Antonio Guarnieri wird allerdings zunächst ein veritabler Misserfolg, nach dem von der Kritik einzig die Instrumentation lobende Worte erhält. Weniger als ein Jahr später erlebt das Werk am 11. Februar 1918 bei einer Aufführung unter dem Stab Arturo Toscaninis in Mailand jedoch eine grandiose "Wiedergeburt". Seither ist es  - wie die beiden anderen Werke der Trilogie - nicht nur fester Bestandteil des internationalen Konzertrepertoires, sondern hat seinem Schöpfer noch zu Lebzeiten sowohl zu internationalem Ruhm als auch finanziellem Wohlstand verholfen, nicht zuletzt durch eine umgehende Veröffentlichung des Werkes durch das renommierte Verlagshaus Ricordi. 1930 ermöglichen die zunehmend fließenden Einnahmen dem Komponisten den Erwerb des Landsitzes "I Pini" in der Nähe von Rom, wo er dem Lärm und der Hektik der ungeliebten Stadt in den letzten Jahren seines Lebens entfliehen kann.

Auch in Rom macht der Komponist zunehmend öffentlich auf sich aufmerksam und erhält bei Aufführungen seines Orchesterliedes "Aretusa" am 25. Januar und 6. Februar 1914 mit der Sopranistin Chiarina Fino-Savio, der er auch persönlich nahe steht, begeisterten Applaus. Auf dem Programm stehen darüber hinaus die Suite all'antica per archi e organo (Suite im alten Stil für Streicher und Orgel) sowie die Orchesterlieder Notte (Nacht), Pioggia (Regen) und Nebbie (Nebel). Aus der Zusammenarbeit mit der Fino-Savio entstehen noch im selben Jahr weitere Vokalwerke: La Sensitiva auf ein Gedicht Shelleys sowie Il Tramonto (Der Sonnenuntergang) für Sopran und Streichorchester sowie der Liederzyklus Deità silvane (Waldgeister). Parallel dazu arbeitet Respighi an einem größeren Orchesterwerk mit dem Titel Sinfonia drammatica (Dramatische Symphonie).

Die römischen Jahre sollten für Ottorino Respighi in privater Hinsicht von Wolken überschattet sein. Trotz aller Bemühungen wird er in der pulsierenden Metropole nie heimisch werden und sich insgeheim zurück in die Beschaulichkeit des heimischen Bologna - wohin er in diesen Jahr mehr als einmal flüchtet - zurücksehnen. Ein schwerer Schicksalsschlag trifft ihn am 29. März 1916, als seine über alles geliebte Mutter unerwartet an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt. Auch mit des Komponisten eigener Gesundheit steht es diesen Jahren oft nicht zum Besten, denn die Unzufriedenheit mit seinem derzeitigen Leben und die anschließende Trauer um seine Mutter schnüren ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Kehle zusammen, so dass er phasenweise tagelang keine Nahrung zu sich nehmen kann.

Heirat

Und doch sollte gerade Rom die Weichen für viele Jahre erfüllten Lebens stellen, begegnet er doch dort im Herbst 1915 erstmals einer neuen Studentin namens Elsa Olivieri-Sangiacomo, die er zunächst als begabte Nachwuchskomponistin schätzen lernt. Unmerklich wird aus dieser Lehrer-Schüler-Beziehung in den nächsten Jahren Liebe, die sich im Sommer 1918 durch eine Verlobung festigt und am 13. Januar 1919 am Traualtar von San Sebastionella vor Gott besiegelt wird.

Diese Veränderung in Ottorino Respighis Privatleben erweist sich nicht nur als lebensrettend für den körperlich und seelisch erschöpften Menschen, sondern auch für den einsam schaffenden Komponisten, denn mit Elsa steht ihm nicht nur eine künstlerisch gleichwertige Partnerin zur Seite, die sein kompositorisches Schaffen mit Interesse verfolgt, kommentiert und inspiriert, sondern auch eine praktisch-veranlagte Frau, die schon bald zum unentbehrlichen, viel zitierten guten Geist für den im Alltag oft lebensunfähigen Komponisten wird. Dafür gibt Elsa Respighi schließlich auch - ähnlich wie Clara Wieck für Robert Schumann - ihre eigene viel versprechende Kompositionstätigkeit auf und wird sich auch nach seinem Tod im Jahr 1936 über sechs Jahrzehnte hinweg der Verbreitung seines Werkes widmen. Dennoch sollte sich ihr als ausübende Künstlerin - wiederum in verblüffender Analogie zur Vita Clara Schumanns - ein Weg eröffnen, weiterhin musikalisch tätig zu sein. Gemeinsam mit ihrem Ehemann wird sie als ausgebildete Sängerin in den nächsten Jahren viele seiner Lieder nicht nur in ihrer Entstehung kritisch begleiten, sondern vor allem immer wieder in den Konzertsälen der Welt zum Leben erwecken. Beispielhaft dafür sind nicht zuletzt die im Sommer 1919 entstandenen Lieder Un Sogno (Ein Traum), La Najade (Die Najade), La Sera (Der Abend) oder Sopra un'aria antica (Über eine alte Arie) auf Texte Gabriele d'Annunzios, die sich der uneingeschränkten Bewunderung des Dichters gewiss sein dürfen.

Neogregorianik und Neoklassizismus

Elsa Respighi ist es auch, die ihren Ehemann im Frühjahr 1919 auf die Schönheiten des Gregorianischen Chorals aufmerksam macht. Schon bald ist er zu einem regelrechten Experten auf diesem Gebiet avanciert und beginnt, die Erfahrungen auch kompositorisch zu verarbeiten, so in den Tre preludi sopra melodie gregoriane (Drei Präludien über gregorianische Melodien), die im Herbst desselben Jahres entstehen und sechs Jahre später um ein viertes Präludium erweitert unter dem Titel Vetrate di chiesa (Kirchenfenster) für Orchester instrumentiert werden.

Einen fortgeschritteneren Umgang mit diesem historischen Material zeigt zwei Jahre später das Concerto gregoriano für Violine und Orchester, das bei der Uraufführung durch den Solisten Mario Corti am 5. Februar 1922 in Rom jedoch - nicht zuletzt auf Grund einer unzulänglichen Interpretation - nicht die Zustimmung des Publikums findet, was den Komponisten allerdings nicht hindert, dieses Werk unter seine bedeutendsten und künstlerisch wertvollsten Schöpfungen einzureihen. Drei Jahre später entsteht mit dem Concerto (in modo) misolidio (Mixolydischen Konzert) für Klavier und Orchester eine weitere Solokomposition, die Themen aus dem "Graduale romano" verarbeitet.

Neben der kompositorischen Verarbeitung gregorianischer Melodien sollte auch die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts einen zentralen Stellenwert in Respighis Schaffen einnehmen. Zeugnis vom fantasievollen Umgang mit diesem musikalischen Material legen Werke wie die Antiche arie e danze italiane nach alten Lautentabulaturen oder auch das Ballett Gli uccelli (Die Vögel) ab.

Respighi und das Ballett

Gleichzeitig beginnt sich nun der Ruf des Komponisten zunehmend auch im Ausland zu verbreiten. So steht der Sommer 1919 ganz im Zeichen der Londoner Erfolge, wo zunächst im Juni die "Fontane di Roma" unter der Leitung von Sir Thomas Beecham aufgeführt werden und wenig später am 5. Juli die Uraufführung des für den Impresario Serge Diaghilew komponierten Balletts La Boutique fantasque (Der Zauberladen), eine fantasievolle Bearbeitung von Rossinischer Musik, in der Choreographie des visionären Leonide Massine einen überwältigenden Erfolg verbuchen kann. Diese erste Arbeit für das Tanztheater sollte später noch weitere Früchte in Werken wie Belkis, Regina de Saba (Belkis, Königin von Saba) oder Gli Uccelli (Die Vögel) tragen.

Komponist auf Reisen

Die 1920er und 1930er Jahre sind Ottorino Respighis fruchtbarste kompositorische Zeit, in der unterschiedlichsteWerke wie die Ballata delle gnomidi (Die Ballade der Gnomiden), das Adagio con Variazioni für Cello und Orchester oder das Trittico Botticelliano für Kammerorchester entstehen und eigenständige, üppig instrumentierte Opern wie Belfagor - die sich nach ihrer Premiere im April 1923 an der Mailänder Scala in den nächsten Jahren auch in Europa verbreitet -, La campana sommersa, La Fiamma, oder La Bella addormentata (dormente) nel bosco für Marionettentheater das Licht der Musikwelt erblicken. Ferner geht der Komponist auch zunehmend als Anwalt der eigenen Musik auf Reisen:

JahrEreignis
1921Erste Konzerttournee durch Italien; Konzerte in Prag, Brünn und Wien
Januar/Februar 1922Konzerte in Neapel und Sizilien; Tournee durch die Tschechoslowakei
März 1925Erfolgreiche deutsche Erstaufführung der Oper "Belfagor" in Hamburg in Anwesenheit des Komponisten
Dezember 1925 - Februar 19261. Konzertreise nach Amerika
Ende Februar 1926Respighi-Festival in Amsterdam
März 1926Konzerttournee durch Holland
November/Dezember 1926Konzerttournee durch Deutschland und Italien
Dezember 1926 - Februar 19272. Amerikatournee
Mai 1927Brasilientournee
18.11.1927Uraufführung der Oper "Campana sommersa" (Die versunkene Glocke) in Hamburg in Anwesenheit des Komponisten
August + September 1929Tournee durch Argentinien
März 1931Respighi-Festival in Belgien
Oktober 1933Konzertreise durch Finnland, wo Respighi mit seinem Kollegen Jean Sibelius zusammentrifft
April 19342. Argentinien-Tournee

Respighi auf dem amerikanischen Kontinent

Im Dezember 1925 reist das Ehepaar Respighi erstmals nach Amerika, wo in der New Yorker Carnegie Hall am Silvesterabend des Komponisten jüngste Schöpfung, das Concerto misolidio für Klavier und Orchester, vom New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Willem Mengelberg uraufgeführt wird. Anschließend folgt eine Konzerttournee mit Aufführungen Respighischer Werke unter der Leitung des Komponisten in Philadelphia, Washington, Cleveland, Baltimore und Cincinatti. Ein Jahr später kann Respighi an diesen ersten grandiosen Erfolg mit einer zweiten, weitaus umfangreicheren Tournee anknüpfen. Aus Dankbarkeit für die großzügige Unterstützung der Mäzenatin Elizabeth Sprague Coolidge entsteht nach seiner Rückkehr im Februar 1927 das Trittico botticelliano (Botticelli Triptychon), das von drei Bildern des weltberühmten Malers inspiriert ist.

Mehr und mehr wird Amerika in den nächsten Jahren zur eigentlichen künstlerischen Heimat Ottorino Respighis, wo man seinem kompositorischen Werk mit uneingeschränkter Bewunderung begegnet. So wird die Aufführung der jüngsten Oper "Campana sommersa" am 25. November 1928 zu einem seiner größten Triumphe und wenig später erlebt das dritte römische Tongemälde Feste romane (Römische Feste) am 21. Februar 1929 unter der Leitung Arturo Toscaninis eine umjubelte Uraufführung.

Für Amerika entstehen in den nächsten Jahren auch verschiedene Auftragswerke wie die Zwölf Metamorphosen (Metamorphoseon modi XII) für Sergej Kussewitzky zum 50. Bestehen der Bostoner Philharmoniker oder die Orchestrierung von Bachs Passacaglia in c-Moll auf Wunsch Toscaninis. 1932 ist wiederum Amerika und nicht Europa Schauplatz für die Uraufführung von Respighis neuester Oper: Am 16. März erblickt Maria Egiziaca mit Erfolg an der New Yorker Met unter der Leitung des Komponisten das Licht der Bühnenwelt.

Im Mai 1927 reist der Komponist erstmals auch nach Südamerika, wo er eine künstlerisch anstrengende, aber erfolgreiche Tournee durch Brasilien absolviert. Respighi, dessen musikalische Sensoren immer für Volksmusik aller Art empfänglich waren, macht begeisterte Notizen über die brasilianische Folklore, die er wenig später zu seinen Impressione brasiliane (Brasilianischen Impressionen) verarbeitet. Im Sommer 1929 folgt eine noch triumphalere Tournee durch Argentinien, wo der Oper "Campana sommersa" wiederum ein stürmischer Empfang bereitet wird.

Letzte Jahre

Ein völlig anders gestaltetes Werk schafft der immer nach neuen Ausdrucksformen suchende Komponist 1930 mit der Kantate Lauda per la Natività del Signore (Lob auf die Geburt des Herrn), die am 22. November uraufgeführt wird. Parallel dazu arbeitet er an zwei weiteren Opern Maria Egiziaca und La Fiamma (Die Flamme) und beschäftigt sich nach mehreren Jahren wieder mit dem Werk Claudio Monteverdis, dessen Oper "Orfeo" er im Auftrag der Mailänder Scala ähnlich effektvoll wie vorher "Lamento d'Arianna" umarbeitet.

Während einer Reise nach Budapest zur Erstaufführung seiner Oper "Fiamma" im April 1935 klagt der Komponist über Halsschmerzen, die als Entzündung des Kehlkopfdeckels diagnostiert werden. Zwar kann eine medikamentöse Behandlung zunächst die Beschwerden lindern, doch zeigt sich wenige Tage später eine Gehörstörung, durch die er auf beiden Ohren vorübergehend unterschiedliche Tonhöhen wahrnimmt. Auch nach der Rückkehr ins heimische Italien bleibt Respighi geschwächt und klagt zunehmend über Kopfschmerzen. Dennoch beginnt er - wiederum in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Claudio Quastalla - die Arbeit an einer neuen Oper Lucrezia, zu der er noch die Komposition, nicht mehr aber die Instrumentation vollenden kann. Ottorino Respighi stirbt am 18. April 1936 an einer Herzklappenentzündung. Ein Jahr nach seinem Tod werden seine sterblichen Überreste in seine Heimatstadt Bologna überführt, wo man ihm in der Kartause ein würdiges Denkmal errichtet.

Respighis künstlerisches Vermächtnis, seine letzte Oper Lucrezia, wird von seiner Frau Elsa nach den vorhandenen Skizzen vollendet und erlebt am 24. Februar 1937 in der Mailänder Scala eine gefeierte Uraufführung. Elsa Respighi wird darüber hinaus in den ihr verbleibenden sechs Lebensjahrzehnten nach dem Tod ihres Mannes zur besten Anwältin seines Werkes werden und entscheidend zur Verbreitung desselben sowie zur Gründung der Respighi Society beitragen, bevor sie 1996 im Alter von 101 Jahren stirbt.

  1. Leben und Werk

Bibliografie:

  • Elsa Respighi: Ottorino Respighi. Biographie, Ricordi Verlag, Mailand 1962

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