Papst Benedikt XVI.
Biografie
Kindheit und Jugend
Joseph Alois Ratzinger wurde am 16. April 1927 als Sohn eines Beamten im oberbayerischen Marktl am Inn geboren. Seine Geschwister sind Maria (1991 gestorben) und Georg Ratzinger. Joseph Ratzinger wuchs in einer tief religiösen Familie auf. Zwei Jahre nach seiner Geburt zog die Familie nach Tittmoning an der Salzach und 1932 nach Aschau am Inn. In seiner Autobiografie "Aus meinem Leben" (1998) berichtet Kardinal Ratzinger von den häufigen Umzügen der Familie: Es ist gar nicht so "leicht zu sagen, wo ich eigentlich zu Hause bin. Mein Vater wurde als Gendarm wiederholt versetzt, so dass wir viel auf Wanderschaft waren, bis wir 1937, als er mit sechzig Jahren in Pension ging, das Haus in Hufschlag bei Traunstein beziehen konnten, das dann unsere eigentliche Heimat geworden ist".
Joseph Ratzinger besuchte - wie auch seine Geschwister - ein Internat. Mit 14 Jahren wurde er Angehöriger der Hitlerjugend, wie es das "Gesetz über die Hitlerjugend" vom Dezember 1936 verlangte. Mit 16 wurde er dann als Flakhelfer außerhalb Münchens eingesetzt, 1944 zur Grundausbildung eingezogen. Nach eigenen Angaben desertierte er in den letzten Kriegstagen. 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Sein Abitur machte Joseph Ratzinger auf dem Chiemgau-Gymnasium in Traunstein.
Studium
Von 1946 bis 1951 studierte Ratzinger an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising sowie an der Universität München Katholische Theologie und Philosophie. 1951 empfing er zusammen mit seinem Bruder das Sakrament der Priesterweihe. Im Jahre 1953 promovierte er zum Doktor der Theologie und mit nur 30 Jahren habilitierte er an der Universität München im Fach Fundamentaltheologie.
Professor, Erzbischof, Kardinal
Ratzinger wurde Dogmatik-Professor an der Freisinger Hochschule, später lehrte er in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. Im März 1977 berief Papst Paul II. ihn als Nachfolger von Julius Döpfner zum Erzbischof von München und Freising und erhob ihn kurze Zeit später zum Kardinal. Damit wurde Ratzinger im Alter von 50 Jahren zu einem der jüngsten Kardinäle in der jüngeren Kirchengeschichte. Seit Ende November 1981 war er Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Ab 1998 war er Subdekan des Kardinalskollegiums, im Jahre 2002 wurde er zum Dekan des Kardinalskollegiums und damit zum Titularbischof von Ostia gewählt. Damit war Joseph Ratzinger einer der bedeutendsten Kardinäle. Theologisch und kirchenpolitisch galt Ratzinger als rechte Hand Papst Johannes Paul II. Unter den zahlreichen Büchern und Aufsätzen Ratzingers gilt seine "Einführung in das Christentum" (1968) bis heute als wegweisend. Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Bayerischen Maximiliansorden für Kunst und Wissenschaft (1996). Über den Privatmann Ratzinger ist indes nur wenig bekannt.
Papst
Seit Januar 2005 wurde Joseph Ratzinger in der Presse zunehmend als möglicher Nachfolger von Papst Johannes Paul II. gehandelt. Im Zusammenhang mit dessen Tod fiel ihm eine Schlüsselrolle zu. So leitete er die Begräbnisfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II., rief in seiner Funktion als Kardinalsdekan die Kardinäle zum Konklave zusammen und leitete die Papstwahl. Die Wahl des Nachfolgers von Johannes Paul II. gehört zu den kürzesten Konklaven der Kirchengeschichte. Nach nur rund 26 Stunden endete die Papstwahl am Nachmittag des 19. April 2005: Joseph Ratzinger wurde zum 265. Papst in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche gewählt. Er gab sich den Namen Benedikt XVI. Mit Joseph Ratzinger hat das Konklave zum ersten Mal seit 482 Jahren einen Deutschen an die Spitze der katholischen Kirche gewählt. Am 24. April 2005 wurde Papst Benedikt XVI. in Rom offiziell in sein Petrusamt eingeführt.
Bibliografie:
- Benedikt XVI.: Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald, Freiburg 2010
- Mario Galgano: 100 Irrtümer über Papst Benedikt XVI., Leipzig 2008
- Josef Gelmi: Die Päpste in Kurzbiographien. Von Petrus bis Benedikt XVI., Ostfildern 2005
- Roberto Monge: Das große Buch der Päpste. Von Petrus bis Benedikt XVI., München 2007
- Joseph Ratzinger: Aus meinem Leben. Erinnerungen 1927-1977, München 2009
- Helge Sobik: Päpste. Seit Anbeginn der Fotografie, Düsseldorf 2010









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