Total votes: 11
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
THEMEN

Paul Lincke

Biografie

Bild
Paul Lincke

Als Sohn eines Berliner Magistratsbeamten, der nebenbei auch als Orchestergeiger tätig war, wurde Paul Lincke am 7. November 1866 in Berlin geboren und dann in Wittenberge an der Elbe in der dortigen Stadtmusikkapelle im Instrumentenspiel ausgebildet. Er wollte Militärmusiker werden, ging aber als Korrepetitor und Dirigent zum Theater, wirkte an verschiedenen populären Berliner Bühnen und begann als Komponist mit Einlagen, Liedern und Couplets für die damals sehr beliebten Berliner Possen. Ab 1893 war er Erster Kapellmeister des Berliner "Apollo-Varietees", in dessen Programmen auch seine ersten Operetten-Einakter erfolgreich aufgeführt wurden, zunächst 1897 die Revue-Operette Venus auf Erden. Für zwei Winterspielzeiten wurde Paul Lincke danach als Chefdirigent an das weltberühmte Pariser Varietee- und Revuetheater "Folies-Bergère" verpflichtet. 1899 wurde sein bekanntestes Werk, die Operette Frau Luna, das die Ära der dann von Walter Kollo und Jean Gilbert fortgesetzten Berliner Operetten einleitete, an dem sich mehr und mehr zur führenden Berliner Bühne der Revue-Operette entwickelnden Apollo-Theater uraufgeführt. Mit einem großen Operettenensemble machte Paul Lincke dann die Operette Frau Luna auf einer Tournee durch Deutschland und die Niederlande über Berlin hinaus populär und blieb künftig der Reichshauptstadt als Komponist vieler volkstümlicher Operetten und als Dirigent seiner Werke durch alle politischen Wirren verbunden.

Paul Linckes Musik traf genau den Berliner Volkston, und seine inzwischen zum Volksgut gewordenen Lieder und Orchesterstücke wie Das macht die Berliner Luft, Schlösser, die im Monde liegen, O Theophil; Lasst den Kopf nicht hängen, Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe, Hinterm Ofen sitzt 'ne Maus, Auf dem Hängeboden, Bis früh um fünfe, Heimlich, still und leise, Nimm mich mit in dein Kämmerlein, Lose, muntre Lieder, Wenn die Blätter leise rauschen, Die Gigerlkönigin, Wenn auch die Jahre enteilen, Glühwürmchen-Idyll, Grigri-Walzer, Verschmähte Liebe, Folies-Bergère, Siamesische Wachtparade und viele andere bezeugen seinen ungewöhnlichen Einfallsreichtum und sein vorbildliches Können, der Volksmentalität zu entsprechen, ohne deshalb an musikalischem Niveau zu verlieren.

Bild
“Auf dem Metropoltheater-Ball in Berlin. Nach der Natur gezeichnet von Knut Hansen„- Bild aus der “Berliner Illustrierten Zeitung„ (1902).

Seine Wirkungsstätten waren vor allem das Apollo-Theater und, später, das Metropol-Theater. Bis 1909 kam fast jedes Jahr eine neue Operette, Gesangsposse oder Revue heraus, u. a. Im Reiche des Indra (Silvester 1899), Fräulein Loreley (1901), Lysistrata (1902), Die Liebesinsel (1903), Berliner Luft (1904), Bis früh um fünfe (1905) und Immer obenauf (1907). Die beiden Metropol-Revuen Donnerwetter, tadellos! (1908) und Hallo, die große Revue! (1909) bezeichneten den Höhepunkt seiner Popularität. Alle folgenden Operetten wurden außerhalb Berlins uraufgeführt und hatten keinen dem seiner Werke aus den Jahren um die Jahrhundertwende vergleichbaren Erfolg, so u.a. die Operette Grigri (Uraufführung: Köln 1911) und die Operette Casanova (Uraufführung: Chemnitz 1913). Mit einer einzigen Ausnahme, der 1940 in Hamburg uraufgeführten Operette Ein Liebestraum, komponierte Paul Lincke nach dem Ersten Weltkrieg keine Bühnenwerke mehr. In den 30er Jahren wurden einige von ihm zunächst für die Bedürfnisse des Berliner Varietee- und Revuetheaters vor 1914 geschaffene Operetten-Einakter unter Verwendung seiner beliebtesten Melodien zu abendfüllenden Bühnenwerken umgearbeitet. So entstand auch die erweiterte zweiaktige Fassung der Operette Frau Luna, die der heutigen Bühnenpraxis zugrunde liegt.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs verlor Paul Lincke Heimat und Vermögen, ging 1946 nach Hahnenklee im Harz und starb kurz vor seinem 80. Geburtstag am 3. September 1946 in Clausthal-Zellerfeld. Hahnenklee, wo Paul Lincke beigesetzt und ein Paul-Lincke-Museum eingerichtet wurde, ist der Sitz der Paul-Lincke-Gesellschaft, von der seit 1955 alle zwei Jahre der Paul-Lincke-Ring an hervorragende Komponisten der Unterhaltungsmusik verliehen wird. Diese Stiftung gilt zugleich der Erinnerung an den Begründer und Meister der Berliner Volksoperette, der nicht nur in die Musikgeschichte eingegangen, sondern bis heute mit zahlreichen Liedern, Walzern, Märschen, Ouvertüren und Charakterstücken volkstümlich und lebendig geblieben ist.

  1. Biografie
  2. Frau Luna
Total votes: 11
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.