Pink Floyd
Kurzbiografie
Das 1965 in Cambridge (England) von vier Schulfreunden gegründete Quartett wurde wegweisend für die Entwicklung des elektronischen Rock. In der ersten Besetzung bestand Pink Floyd aus dem Sänger und Leadgitarristen Syd Barrett (*6.1.1946 Cambridge, †7.7.2006 Cambridge), dem Bassisten und Sänger Roger Waters (*6.9.1943 Great Bookham), dem Organisten und Pianisten Rick Wright (*28.7.1943 London, †15.9.2008 London) und dem Schlagzeuger Nick Mason (*27.1.1945 Birmingham). Im Jahr 1968 verließ Syd Barrett die Band. Der Gitarrist und Sänger David Gilmour (*6.3.1946 in Cambridge) übernahm seinen Part.
Musikalische Entwicklung einer Pop-Gruppe
Die frühen Jahre im Underground
Die Musik von Pink Floyd unterschied sich vor allem in den Anfangsjahren fundamental von derjenigen anderer Rockbands. Drei der vier Bandmitglieder hatten am Polytechnikum in London studiert. Pink Floyd konnte deshalb als erste Gruppe das gesamte elektronische Arsenal dieser Zeit für akustische und visuelle Spezialeffekte nutzen. Legendär wurden die Liveauftritte von Pink Floyd Ende der 60er Jahre im Londoner UFO-Club. Sie zelebrierten ihre Show mit einem bahnbrechenden quadrophonischen Lautsprechersystem und unterstützten diese damals verwirrende Wirkung mit einer phantastischen psychedelischen Lichtshow. Roger Waters bezeichnete seine Band zu diesem Zeitpunkt einmal als das Hausorchester der progressiven Bewegung. Auch aus Kreisen der ernsten Musik und in den internationalen Feuilletons fanden die jungen Rockrebellen Beachtung und Anerkennung.
Die Single "See Emily play" führte 1967 wochenlang die englischen Charts an. Das erste Pink Floyd-Album "The piper at the gates of dawn" wurde zur gleichen Zeit und sogar im selben Gebäude aufgenommen und produziert wie "Sgt. Pepper‘s lonely Hearts Club Band" von den Beatles. Fortschrittliche Stimmen hielten schon damals das Pink Floyd-Album für die richtungsweisendere Produktion. Es überraschte durch eine damals revolutionäre Mischung aus bizarrer Lyrik, eingängiger Pop-Melodik, breit angelegten Improvisationen und neuartigen Soundeffekten, die zum Markenzeichen von Pink Floyd werden sollten. Dank des großen Erfolgs traten Pink Floyd auch mehrmals in der Hitparaden-Show "Top of the Pops" im englischen Fernsehen auf. Als kreativer Kopf und charismatische Figur bei The Pink Floyd, wie sie sich damals noch nannten, galt lange Zeit der Gitarrist und Sänger Syd Barrett, der auch für die meisten Texte und Kompositionen verantwortlich war.
Syd Barrett, der zu jener Zeit höchstwahrscheinlich bereits durch seinen LSD-Konsum von psychischen Problemen geplagt war, wurde bald zum Problemfall der Gruppe. So weigerte er sich zum Beispiel, an Fernsehveranstaltungen teilzunehmen. Auch Termine hielt er selten ein. Auf der ersten Amerika-Tour von Pink Floyd weigerte sich Syd Barrett häufig, überhaupt auf die Bühne zu kommen. In Fernsehtalkshows ließ er die Fragen der Moderatoren unbeantwortet. Band-Kollege Roger Waters bezeichnete den Syd Barrett jener Periode als wahnsinniges Genie. Für Pink Floyd stellte sich die Frage nach der Zukunft der Truppe. Alle Bandmitglieder bis auf Syd Barrett wollten den Erfolg. Man beschloss, einen zusätzlichen Gitarristen zu engagieren, der bei Barretts Ausfällen dessen Platz übernehmen konnte: David Gilmour. Dieser war ein enger Freund Barretts aus Cambridge und hatte mit diesem zusammen den typischen Gitarrenstil entwickelt. Zunächst trat die Gruppe vorwiegend mit beiden Gitarristen auf. Aber Syd Barrett litt offensichtlich an einer ernsthaften psychischen Störung, die ihm ein kontinuierliches Auftreten unmöglich machte. Auch heute noch lebt er völlig zurückgezogen und offenbar ohne zu arbeiten in Cambridge. Die Gruppe trennte sich Anfang 1968 von ihm. Roger Waters übernahm von nun an das musikalische Kommando bei Pink Floyd. Syd Barrett verfolgte die Gruppe noch jahrelang bei ihren Auftritten, stellte sich als Zuhörer in die erste Reihe und starrte die Bandmitglieder an.
Der Weg zur "Supergroup"
Als sich die Bandmitglieder im Frühjahr 1967 entschlossen, ins Profilager zu wechseln, hielten sie diesen Schritt ins Musikbusiness noch für einen vorläufigen. Noch immer glaubten die Architektur-Studenten, sie würden bald zur Universität zurückkehren. Doch die Plattenfirma EMI bot der viel versprechenden Gruppe einen Vertrag für mehrere Alben. Man glaubte, dass ihre psychedelisch-elektronisch angehauchte Rock-Musik ihr Publikum finden könnte. Zu den Bands, die die Mitglieder von Pink Floyd am meisten schätzten und die sie als ihre Vorbilder nannten, gehörten The Who, Buffalo Springfield, The Band, die Rolling Stones und besonders Cream. Ihre eigenen Alben "A saucerful of secrets", "Atom heart mother" und "Ummagumma" klangen noch nach Avantgarde. Danach schien sich die Musik von Pink Floyd stärker am Massengeschmack zu orientieren. Deshalb waren die späteren Alben wohl auch wesentlich erfolgreicher als die frühen Werke; so auch das Album "Wish you were here", das einen Höhepunkt in der Beliebtheitsskala von Pink Floyd beim Publikum markierte.
The Wall
"We don‘t need no education, we don‘t need no thought control" ließen Pink Floyd 1979 auf dem gleichnamigen Song aus dem Rockspektakel "The Wall" einen Kinderchor singen. Das vor allem von Roger Waters verantwortete Werk versuchte, die Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit des Einzelnen in einer Massengesellschaft zu thematisieren. Die Single schoss auf Platz 1 der Charts, ebenso wie das Album, das seinen ersten Platz in den Longplay-Charts 15 Wochen lang behaupten konnte. Es verkaufte sich bis heute mehr als siebzehn Millionen Mal. Mit der Bühnenshow für The Wall erreichten Pink Floyd ein Ausmaß an Gigantomanie, das viele Kritiker bemängelten. Die Show konnte nur auf wenigen großen Bühnen gezeigt werden, so enorm war der Platzbedarf. Auch die Aufbauzeit lag weit über derjenigen vergleichbarer Events. Eine riesige Mauer musste jeweils errichtet werden, die auf dem Höhepunkt des Geschehens spektakulär in sich zusammenfiel. Auch an anderen Spezialeffekten wurde nicht gespart. Den Film The Wall, der von Alan Parker gedreht wurde, beurteilten Kritiker ebenfalls recht zwiespältig.
Pink Floyd fällt endgültig auseinander und entsteht neu
Seit etwa 1980 kriselte es in einer der erfolgreichsten Bands der Rockgeschichte. Bereits zuvor hatten sowohl David Gilmore als auch Rick Wright Soloalben veröffentlicht. Roger Waters fühlte sich seit Syd Barretts frühem Ausscheiden als musikalischer Kopf der Gruppe, was immer häufiger zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern von Pink Floyd führte. 1981, nach dem Erscheinen des letzten gemeinsamen Albums "A collection of great dance songs", verließ deshalb Rick Wright entnervt die Band. 1983 veröffentlichten die übrigen Bandmitglieder zwar noch das gemeinsame Album "The final cut", doch war dieses fast ausschließlich vom musikalischen Stil von Roger Waters bestimmt. Danach brach die Gruppe scheinbar endgültig auseinander; auch Roger Waters wandte sich seiner Solokarriere zu. 1987 fanden sich dann David Gilmore und Nick Mason wieder zu einer Pink Floyd-Formation zusammen - für eine gemeinsame Einspielung engagierten sie außerdem den alten Pink Floyd-Keyborder Rick Wright. Dieses Album verkaufte sich allein in den USA drei Millionen Mal. Roger Waters versuchte vergeblich, den restlichen Pink Floyd-Musikern die Verwendung des gemeinsamen Bandnamens zu verbieten - David Gilmore hatte das Heft fest in der Hand. Und so feierten die restlichen Pink Floyd-Musiker bei ihren Liveauftritten Besucherrekorde, von denen selbst die überaus erfolgreiche Urbesetzung nur hätte träumen können. 1989 wollten in Venedig 200000 Menschen ein Pink Floyd-Konzert erleben. Kritiker hielten der Musik vor, der Titel "A momentary lapse of reason" sei eine Untertreibung - die Vernunft sei bei Pink Floyd auf Dauer ausgefallen, ihre Musik voll selbstzufriedener Nichtigkeit. In Moskau hörten 1989 trotzdem 30000 Sowjetbürger ein Pink Floyd-Konzert - und waren begeistert.
Rogers Waters auf Solopfaden
Die Soloprojekte von Roger Waters dagegen konnten nicht an die großen Erfolge der Pink Floyd-Alben anknüpfen. Nach dem Fall der Berliner Mauer führte Roger Waters im Juli 1990 sein Spektakel "The Wall" auf dem Potsdamer Platz in Berlin noch einmal auf. Die Produktionskosten für das Mammutprojekt lagen bei 15 Millionen Dollar. Ein Superstar-Aufgebot - bestehend aus The Band, Marianne Faithfull, Cyndi Lauper, Snowy White, Thomas Dolby, Sinead O’Connor, Joni Mitchell, Bryan Adams, Ute Lemper und den Scorpions - war mit von der Partie. 200000 Zuschauer waren bei dem Erlebnis live dabei; viele konnten aber fast nichts sehen, da die Riesenbühne zu weit entfernt war. Auch die Organisation des Spektakels war etwas chaotisch. Millionen Zuschauer konnten den Event allerdings weltweit per Liveübertragung auf dem heimischen Fernsehbildschirm verfolgen. Der Erlös aus dem Konzert ging an einen Katastrophenfond. Kritiker beurteilten Idee, Konzept, Dramaturgie und Musik des Rockspektakels The Wall als "grauenhaft schlecht". Trotzdem schoss das Originalalbum in Großbritannien und in den USA noch einmal in die Longplay-Charts. Ob es für Roger Waters ein persönlicher Erfolg war, bleibt dahingestellt.
Spätere Pink Floyd-Erfolge - Die 90er Jahre
1994 erschien ein weiteres Album der restlichen Pink Floyd-Mitglieder unter dem Titel "The Division Bell", das weltweit sofort die Nummer 1 der Longplay-Charts erreichte. In den USA besuchten mehr als drei Millionen Fans die 59 Konzerte der Division-Bell-Tour im selben Jahr. Das dabei aufgenommene Livealbum "Pulse" verkaufte sich allein in den USA innerhalb von sechs Wochen zwei Millionen Mal. Bei der renommierten New York Times allerdings fand sich kein Musikredakteur bereit, das von Kennern als belanglos beurteilte Werk zu besprechen. Für die Europatour organisierte man bei Pink Floyd eine Kooperation mit dem Volkswagenwerk. Der Automobilhersteller lieferte ein Pink Floyd-Sondermodell des VW-Golf als Limousine und als Cabrio. Bei der Bühnenshow dieser Tour knüpfte Pink Floyd wieder an die Gigantomanie der "mittleren" Jahre an. 48 Sattelschlepper karrten 700 Tonnen Stahl und 300 Lautsprecherboxen sowie eine riesige Licht- und Laseranlage für die Bühnendekoration heran. Die Tournee war überaus gut besucht. Trotz dieser Erfolge aber waren die Spätwerke sowohl von Pink Floyd als auch von Roger Waters bei Kritikern umstritten, da ihr Retrostil nicht mehr zeitgemäß schien.
Zuletzt stand die Band beim "Live 8"-Konzert Anfang Juli 2005 im Londoner Hyde Park auf der Bühne. Es war das erste Mal seit 1981, dass David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters und Rick Wright wieder gemeinsam performten.
Auswahl Diskografie
- "Dark side of the moon" (1973) verkaufte sich etwa 25 Millionen Mal und war 740 Wochen lang in den amerikanischen Billboard-Charts vertreten
- "The wall" (1979) verkaufte sich etwa 17 Millionen Mal
- "Wish you were here" (1975) verkaufte sich etwa 10 Millionen Mal
- "Animals" (1977) verkaufte sich etwa 6 Millionen Mal
- "A momentary lapse of reason" (1987) verkaufte sich etwa 6 Millionen Mal
- "Discovery-Box" (2011) enthält als Remasters-Serie alle 14 Studienalben und ein Buch
Bibliografie:
- Andy Mabbett: Pink Floyd. Story und Songs kompakt, Berlin 2005
- Nick Mason: Inside Out. Mein persönliches Porträt von Pink Floyd, Schlüchtern 2007
- Nicholas Schaffner: Pink Floyd. Vom Underground zur Rock-Ikone, Planegg 2004









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