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THEMEN

Probiotika

Einleitung

Das Produktsegment probiotischer Lebensmittel zeigt stetig steigende Umsatzahlen. Probiotische Erzeugnisse, in der Regel handelt es sich um Milchprodukte, zählen zu den funktionellen Lebensmitteln ("Functional foods", "Nutraceuticals"), die bestimmte gesundheitsrelevante Eigenschaften aufweisen sollen. Dementsprechend viel versprechend sind auch die Werbeaussagen für Probiotika, wobei die diskutierten gesundheitlichen Wirkungen in vielen Fällen wissenschaftlich leider noch nicht ausreichend geklärt sind.

Geschichte

Die Bezeichnung "pro bios" kommt aus dem griechischen und heißt übersetzt etwa "für das Leben". Ein probiotischer Effekt von Mikroorganismen wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts am Pariser Pasteur-Institut beschrieben. In der Mast von Nutztieren werden schon seit einigen Jahrzehnten Futtermittel mit probiotischen Zusätzen mit mehr oder weniger großem Erfolg eingesetzt. Etwa Mitte der Neunzigerjahre erschienen in Japan und in den USA die ersten Lebensmittel-Probiotika am Markt, mittlerweile hat auch bei uns die Lebensmittelindustrie ihr Sortiment um diese Produktgattung erweitert.

Lebensmittel mit probiotischen Eigenschaften am Markt

In den allermeisten Fällen handelt es sich bei Probiotika um aus Kuhmilch hergestellte Milchprodukte, in denen Milchsäurebakterien (Lactobacillen) eine Fermentation der Inhaltsstoffe bewirken. Probiotische Milchprodukte am europäischen Markt sind beispielsweise Acidophilusmilch, Acidophilus-Hefe-Milch, probiotische Buttermilch und zahlreiche probiotische Joghurtsorten (z.B. Biogarde, Bioghurt). Weitere Produkte werden unter der Bezeichnung Yakult, Cultura und Gefilac (Pfirsich-Aprikose-Getränk auf Molkebasis) vertrieben. Seit geraumer Zeit sind auch probiotische Rohwürste im Handel, denen bei der natürlichen Fleischreifung lebende Milchsäurebakterien zugesetzt werden.

Die Unterscheidung zwischen echten probiotischen und herkömmlichen milchsauren Gärungsprodukten - Sauerkraut ist ein uraltes Milchsäuregärungsprodukt ! - ist nicht ganz einfach. Sie gelingt am ehesten so: probiotische Milchsäurebakterien werden nicht ausschließlich zur Herstellung und aus geschmacklichen Gründen eingesetzt, ihr Zusatz soll vielmehr die Zahl lebender Milchsäurebakterien im Produkt erhöhen.

Verwandte Produkte

- Praebiotika sind meist unverdauliche Nahrungsbestandteile, die einem Produkt zugesetzt werden, um beim Verzehr die Stoffwechseltätigkeit erwünschter Mikroorganismenstämme im Darm anzuregen. Hierzu gehören beispielsweise die ballaststoffangereicherten Lebensmittel

- Synbiotika sind Mischungen aus Probiotika und Praebiotika. Sie sollen zum einen dem Wirtsorgansimus gesundheitsfördernde Mikroorganismen zuführen, zum anderen reguläre Darmbesiedler durch die unverdaubaren Bestandteile zur Erzielung positiver Stoffwechseleffekte aktivieren.

Probiotische Organismen

Milchsäurebakterien oder Lactobacillen sind natürlicher Bestandteil jeder menschlichen Darmflora. Einige Stämme der Milchsäurebakterien, es handelt sich insbesondere um Lactobacillus acidophilus 1 (LA 1-Typ) und Lactobacillus casei Goldin und Gorbach (LGG-Typ) sind sehr viel widerstandsfähiger gegen Magen- und Gallensäuren, so dass sie nach Verzehr den Magen und oberen Dünndarm unbeschadet passieren und schließlich zur Besiedlung des Dickdarms wesentlich beitragen. Unter den Hefen konnte bislang bei Saccharomyces boulardii in klinischen Studien eine probiotische Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Wirkungen im Verdauungstrakt

Im Verdauungstrakt beruht die eigentliche probiotische Wirkung auf der Wiederherstellung und Erhaltung eines ausgewogenen Gleichgewichtszustandes zwischen der Darmflora und dem Wirtsorganismus. Hierbei kommen zunächst die lebenden Mikroorganismen selbst, oder aber deren im Darm freigesetzten Stoffwechselprodukte in Betracht. Neben der bereits erwähnten hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber Magen- und Gallensäuren müssen die probiotischen Keime vor allem

- ein hohes Anheftungsvermögen an die Darmzellen besitzen

- eine ausgeprägte Dominanz in der Darmbesiedlung und damit Abwehrwirkung gegenüber konkurrierende pathogene Keime aufweisen

- im probiotischen Produnkt in hohen Stückzahlen vorhanden sein.

Wissenschaftlich nachgewiesene und postulierte Gesundheitswirkungen

Als gesichert gilt, dass die probiotischen Keime die Milchzuckerverwertung bei Laktoseunverträglichkeit verbessern. Sie beschleunigen den Aufbau einer normalen, ausgewogenen Darmflora nach Antibiotikaeinnahme und vermindern das Risiko von Durchfallserkrankungen infolge gestörter Darmbakterienbesiedlung. Die Steigerung der Phagozytose (Fresszellen, die Fremdkörper, Gewebstrümmer usw. verdauen) am Menschen wird als Indiz für eine Stärkung des allgemeinen Immunsystems interpretiert. Als gesichert gilt schließlich auch, dass die Schadwirkung einiger Bakerienenzyme mit krebsfördernden Eigenschaften vermindert wird. In neueren kontrollierten klinischen Studien wird auch über die Senkung des Blutcholesterinspiegels durch Probiotika berichtet. Die hier diskutierten Wirkmechanismen deuten darauf, dass Lactobacillen in Gegenwart von Gallenflüssigkeit Cholesterin abzubauen vermögen.

Kennzeichnung und Lebensmittelrecht

Rechtlich sind die probiotischen Lebensmittel zunächst einmal Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs und unterliegen somit auch den normalen lebensmittelrechtlichen Vorschriften. Nur wenn für die Herstellung ausgewählte probiotische Lactobacillen eingesetzt werden, darf das Produkt als "probiotisch" gekennzeichnet werden. Anderenfalls läge eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten vor. Eine Auslobung als diätetisches Lebensmittel scheidet aus , da die Probiotika keinem besonderen diätetischen Ernährungszweck dienen.

Was sagt die Wissenschaft?

Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind leider viele der Werbeaussagen über probiotische Wirkungen wissenschaftlich noch nicht hinreichend untermauert. Allgemein aber gilt, dass Milchsäurebakterien nur im lebenden Zustand im Darm positive Wirkung zeigen können. Auch weiß man, dass von den vielen Lactobacillenstämmen einige besonders gut für die Darmbesiedlung geeignet sind. Empfehlenswert ist nach Ansicht der DGE auf jeden Fall der Verzehr fermentierter Milchprodukte, auch solcher, die nicht unbedingt mit dem Attribut "probiotisch" versehen sind. Eine ballaststoffreiche Mischkost hilft dabei, das Darmmilieu ausgewogen zu gestalten.

Bibliografie:

  • Michael Hamm: Biostoffe für den Darm: Pre- und Probiotika Die Darmtätigkeit anregen. Unerwünschte Bakterien bekämpfen. Abwehrkräfte stärken, Mosaik Verlag, München 2000
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