Reflexe
Was sind Reflexe?
Ein Reflex ist die Antwort eines Organismus auf verschiedene Reize. Man spricht von einem Reflex, wenn ein bestimmter Reiz ohne weitere Bedingungen eine bestimmte Reaktion hervorruft. Darunter versteht man eine Verhaltensweise, die durch eine besonders strenge Reiz-Reaktions-Beziehung gekennzeichnet ist.
Auf den Zuruf "Fang !" empfangen wir über die Ohren einen Reiz. Sofort erfolgt die Reizumwandlung und Leitung der Signale ins Gehirn. Die Information "Fang !" wird im Gehirn verstanden. Wir wissen aus Erfahrungen, was ein solcher Zuruf beim Ballspiel bedeutet. Wir reagieren sofort, die Befehle laufen blitzschnell zu den Arm- und Handmuskeln, der Ball wird ergriffen und festgehalten.
Alle Bewegungen, die wir ausführen wollen, nennt man willkürliche Reflexe. Diese Bewegungen werden vom Gehirn bewusst veranlasst. Reagieren wir noch ehe uns der Reiz bewusst wird, spricht man von einem unwillkürlichen Reflex. Ein unwillkürlicher Reflex wird ausgelöst, wenn wir zum Beispiel in eine Glasscherbe treten und unser Bein sofort zurückzuckt.
Die Signale für eine reflexartige Reaktion können wir über die Sinnesorgane wahrnehmen. Wir hören, riechen oder sehen einen Reiz und über die Nervenbahnen werden die durch die Reize ausgelösten Nervenimpulse an das Gehirn weitergegeben.
Wozu sind Reflexe gut?
Die Elemente, die an einem Reflex beteiligt sind, stehen immer in Funktionsbereitschaft. Selbst im Schlaf reagieren wir auf Reize wie Berührungen oder Geräusche. Reflexe dienen häufig dem Schutz des gesamten Organismus oder bestimmter Körperteile. Zu solchen Schutzreflexen zählen zum Beispiel der Nies-, Husten-, Brech- oder Lidschlussreflex. Kennzeichnend sind kurze Wege bei der Verschaltung, die eine rasche Reaktion hervorrufen. Lebenswichtige Reflexe wie beispielsweise der Schluckreflex sind bereits bei der Geburt funktionsfähig. Reflexe sind allerdings nicht vollständig genetisch vorgegeben, sondern müssen zum Teil während der Embryonalentwicklung erlernt worden sein. Die von Geburt an vorhandenen Reflexe sind unbedingte Reflexe. Reflexe, die im Laufe des Lebens erlernt werden müssen, nennt man bedingte Reflexe.
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Was versteht man unter einem willkürlichen Reflex ?
ein angeborener Reflex
eine Bewegung, die vom Gehirn bewusst veranlasst wird
eine Bewegung, die erfolgt, bevor der Reiz bewusst wird
Aufbau eines Reflexbogens
Wird zum Beispiel ein Schmerzrezeptor beim Berühren einer heißen Herdplatte gereizt, wird der Reiz über die Nervenbahnen abgeleitet und an Schaltzellen des Rückenmarks direkt auf motorische Bahnen zu Muskeln umgeschaltet. Noch bevor im Gehirn die Gefahr bewusst geworden ist, hat der Körper eine sinnvolle Reaktion durchgeführt, indem die gefährdete Körperpartie zurückgezogen wurde. Hier liegt eine typtische Reaktion vor, die über einen Reflexbogen abläuft.
Ein Reflexbogen umfasst einen Rezeptor, einen afferenten Schenkel, ein oder mehrere zentrale Neuronen, einen efferenten Schenkel und einen Effektor.
Ein afferenter Schenkel wird aus den Rezeptoren afferenter Fasern gebildet. Mit efferenten Schenkeln sind meist die Axone gemeint, die die Impulse weiterleiten. Als Effektor bezeichnet man die verschiedenen Erfolgsorgane des Reflexes, wie Muskulatur, Herz, Drüsen usw. Unter Reflexzeit versteht man die Zeit vom Beginn des Reizes bis zur Auflösung der Reflexaktion.
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Was versteht man unter Effektoren ?
verschiedene Erfolgsorgane (z.B.: Muskel, Drüse), die eine Reaktion auf einen Reiz zeigen
Fremdkörper, die den Hustenreflex auslösen
Umweltfaktoren, durch die der Körper gereizt wird
Kniesehnenreflex
Schlägt man einer Person, die mit frei hängendem Unterschenkel sitzt, auf die Kniesehne, so schnellt der Unterschenkel nach vorn. Durch den Schlag wird der Streckmuskel des Oberschenkels gedehnt und die Sehne nach innen gedrückt. Sogenannte Muskelspindeln bemerken die Muskelspannung. Diese Dehnungsrezeptoren bestehen aus mit Enden von Nervenfasern umwickelten Muskelfasern. Durch die Dehnung des Muskels werden die Spindeln gereizt. Über die Nervenfasern werden Impulse zum Rückenmark geleitet, wo Synapsen mit Motoneuronen gebildet werden. Diese veranlassen mittels der Axone den Oberschenkelstrecker zur Muskelkontraktion. Diese Reaktion bezeichnet man als monosynaptischen Reflex, bei dem nur eine zentrale Synapse beteiligt ist.
Ähnliche Verschaltungen wie beim Kniesehnenreflex finden wir auch bei anderen Skelettmuskeln. Beim Achillesehnenreflex beugt sich der Fuß, nachdem ein Schlag auf die Achillessehne ausgeübt wurde. Das Beugen des Daumens, ausgelöst durch Finger einhaken und ziehen, nennt man Wartenbergschen Reflex. Ebenso zählt der Greifreflex von Säuglingen dazu. Durch das Bestreichen der Handinnenfläche beugen sich die Finger zum Festhalten.
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Warum wird der Kniesehnenreflex als monosynaptischer Reflex bezeichnet ?
weil es sich um einen bedingten Reflex handelt
weil mehrere Synapsen beteiligt sind
weil nur eine zentrale Synapse beteiligt ist
Gekreuzter Streckreflex
Tritt man mit dem linken Fuß in einen spitzen Gegenstand, so wird dieses Bein sofort angehoben. Das rechte Bein hingegen wird gestreckt. Bei diesem gekreuzten Streckreflex lösen Schmerzempfindungen in einem Fuß die Kontraktion aller Beuger im gleichen Bein aus. Im anderen Bein wird gleichzeitig die Kontraktion aller Streckmuskeln ausgelöst.
Nahrungsaufnahmereflexe
Saugreflex
Vom Säuglingsalter an wird die Nahrungsaufnahme durch eine Vielzahl von Reflexen gesteuert. Der Saugreflex, ein polysynaptischer Reflex, koordiniert den Saug- und Schluckvorgang mit der normalen Atmung. Die Rezeptoren des Reflexbogens sind in diesem Fall die Rezeptoren der Lippen. Die Muskeln von Lippen, Zunge, Rachen, Brustkorb und Zwerchfell sind hierbei die Effektoren.
Speichelsekretion
Die Speichelsekretion wird durch unbedingte und bedingte Reflexe gesteuert. Mit der Nahrungsaufnahme in den Mund wird der unbedingte Reflex ausgelöst, und es erfolgt die Zunahme der Speichelsekretion. Der bedingte Reflex führt zur Zunahme der Speichelsekretion schon beim bloßen Gedanken an Nahrung.
Kauvorgang
Beim Kauvorgang wird die Koordination von Kaumuskulatur, Zunge, Wangenmuskulatur, Mundbodenmuskulatur und Gaumen durch Reflexe gesteuert.
Schluckvorgang
Der Schluckvorgang wird durch die Berührung des Gaumenbodens, des Zungengrundes oder der Rachenhinterwand durch Nahrung ausgelöst. Die Muskulatur der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfes befördern den Bissen in den Magen.
Hustenreflex
Der Hustenreflex wird ebenfalls durch einen Reiz ausgelöst. Befindet sich ein Fremdkörper in der Luftröhre, entsteht ein Hustenreiz. Dabei handelt es sich um einen Schutzreflex, durch den versucht wird, den Fremdkörper loszuwerden, damit man nicht erstickt.
Lidschlussreflex
Der Lidschlussreflex wird bei der plötzlichen Annäherung eines Fremdkörpers in der Höhe der Augen ausgelöst und dient ihrem Schutz. Es wird Lidschlag ausgelöst, der das Augen verschließt.
Haltereflex
Bei der Lageänderung des Kopfes im Verhältnis zum Körper oder zum Raum, sorgen bestimmte Reflexe für den Erhalt von Gleichgewicht und Körperhaltung. Die tonischen Halsreflexe regulieren das Verhältnis des Kopfes zum Körper, während die tonischen Labyrinthreflexe das Verhältnis des Kopfes zum Raum steuern. Durch jede neu eingenommene Kopfposition wird die Körpermuskulatur korrigierend aktiviert.
Stellreflex
Stellreflexe sorgen für das Aufrichten in die normale Körperstellung aus verschiedenen Lagen. Um die Grundstellung einnehmen zu können, werden entsprechende Muskeln aktiviert.
Viszero-viszeraler Reflex
Die Blutdruckregulation im Körper zählt zu den viszero-viszeralen Reflexen. In den großen Blutgefäßen befinden sich Dehnungsrezeptoren, die den arteriellen Blutdruck messen. Die Messinformation wird dann an vegetative Zentren im Hirnstamm weitergeleitet. Von dort wird die Herzfrequenz und der Gefäßtonus angepasst.
Cuti-viszeraler Reflex
Wenn man unter Bauchschmerzen leidet, verschafft eine Wärmflasche Linderung. Das kommt daher, dass die Zuführung von Wärme auf die Bauchhaut zu einer reflektorischen Entspannung der glatten Eingeweidemuskulatur führt. Durch die Wärmflasche werden die Temperatur-, Druck- und Schmerzrezeptoren der Haut gereizt und auf diese Weise auch die inneren Organe beeinflusst.
Bibliografie:
- Reiner Kleinert, Wolfgang Ruppert, Franz X. Stratil: Neurobiologie. Nerven, Sinne und Hormone, Mentor-Verlag, München 1999
- Rainer Klinke, Stefan Silbernagel: Lehrbuch der Physiologie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1994









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