Regisseure werden zu Neuerern des Musiktheaters
Die Avantgarde in Italien und Frankreich
Neue Akzente in der Opernregie wurden auch in Italien und Frankreich gesetzt. Luchino Visconti (1906-1976) kam vom neorealistischen Film 1954 mit Spontinis "Vestalin" zur Oper. Visconti überzeugte in seinen Inszenierungen mit einer in der Oper bis dahin nicht gekannten Präzision. Während er bisweilen mit avantgardistischen Bühnenbildnern wie etwa Ferdinando Scarfiotti arbeitete und sein Publikum daher gelegentlich durch ungewöhnliche optische Lösungen schockierte, huldigt sein vormaliger Assistent Franco Zeffirelli (*1923), der als Bühnenbildner begann, einem zutiefst romantischen, ästhetischen, eher undramatischen Schönheitsideal, das stets die Zustimmung des Publikums findet. Der dritte Große des italienischen Regietheaters ist Giorgio Strehler (*1921), der in den fünfziger und sechziger Jahren das italienische Sprech- und Musiktheater reformierte und Mailand zu einer Metropole eigenwilliger, dabei opulenter Regiekunst machte.
Den italienischen Regiestars nicht unähnlich, jedoch durch eine geradezu überschäumende Fantasie gekennzeichnet, war der Franzose Jean-Pierre Ponnelle (1932-1988), der wie Zeffirelli als Bühnenbildner zur Oper kam. Seit Mitte der sechziger Jahre inszenierte er fast ausschließlich Opern. Mit seinen starken Bildwirkungen belebte er insbesondere die großen Dramen Claudio Monteverdis, mit denen das Züricher Opernhaus in vielen Städten Europas gastierte und Maßstäbe setzte. Es gibt kaum eine Stilrichtung, die Ponnelle fremd blieb. Seine Karriere konzentrierte sich auf den deutschsprachigen Raum, London, die USA und Italien.
Der Franzose Patrice Chéreau (*1944) führte als Neunzehnjähriger erstmals Regie und leitete mit 22 Jahren schon ein eigenes Theater. Mit seiner Inszenierung des "Jahrhundertrings" (1976) sorgte er unter Wagnerfreunden für den größten Aufruhr seit Bestehen der Bayreuther Festspiele. Chéreaus Stärke ist die durchdachte Personenführung, die im ersten Akt der "Walküre" in einer Liebesszene gipfelte, wie sie die Opernbühne noch nicht erlebt hatte.
- Kurzeinführung
- Opera seria: Viel Dekoration, wenig Schauspiel
- Neue Formen erfordern mehr Gestaltung
- Richard Wagner erkennt Bedeutung der Inszenierung
- Dirigenten, die auch Regie führen
- Wieland Wagner setzt auf Licht und Farbe
- Deutschsprachige Regisseure als Vorreiter
- Die Avantgarde in Italien und Frankreich
- "Verfremdung" und "Psychologisierung" liegen im Trend









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