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THEMEN

Renaissancearchitektur

Kunst der Renaissance

Der Begriff Renaissance (ital. rinascità: Wiedergeburt) bezieht sich auf die Wiederbelebung der Werte der Antike. Die Bewegung erfasste seit dem 15. Jahrhundert von Italien ausgehend ganz Europa und wirkte sich in allen Bereichen des geistigen Lebens aus, speziell in der bildenden Kunst. Besonders prägend war die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts in Florenz, das durch Handel und Geldgeschäfte reich geworden war.

Dies zeigt sich besonders in der Architektur: Die klassischen Bauwerke unterschieden sich deutlich von der gotischen Architektur des Spätmittelalters. Der Florentiner Filippo Brunelleschi (1377-1446) war der einflussreichste Baumeister der italienischen Renaissance und bahnbrechend besonders auf dem Gebiet des Kirchenbaus (kreuzförmige Zentralbauten).

Der Bildhauer Donatello (um 1386-1466) und der Maler Masaccio (1401-1428) spielten eine ähnlich bedeutende Rolle. Donatello arbeitete als erster Bildhauer im Geist der Antike, ohne einfach nur antike Motive zu übernehmen. Masaccio konnte sich nicht wie die Bildhauer an antiken Originalen orientieren, erreichte aber als erster Maler, der die Perspektive beherrschte, einen entscheidenden Fortschritt in der naturalistischen Malerei. Brunelleschi, Donatello und Masaccio schufen um 1425 jeweils die ersten Werke im Stil der Renaissance.

Florenz blieb das ganze 15. Jahrhundert über Zentrum der Renaissance-Kunst. Im 16. Jahrhundert machten Rom und Venedig Florenz Konkurrenz. Neue Ideen gelangten durch reisende Künstler nach und aus Italien. Seit dem 15. Jahrhundert fand durch Aufträge an ausländische Künstler und die Verbreitung von Stichen ein reger Austausch statt.

Bild
Raffael, eigentl. Raffaelo Santi (1483 - 1520)

Bezeichnet man die Zeit ab 1420 als Frührenaissance, so begann ab 1500 die Hochrenaissance, während der die Ideale der Renaissance in der Kunst ihren vollkommensten Ausdruck fanden. Drei Künstlerpersönlichkeiten standen in dieser Zeit im Vordergrund: Leonardo da Vinci (1452-1519), Michelangelo (1475-1564) und Raffael (1483-1520), die schon zu ihrer Zeit hochgeschätzt waren. Sie schufen die Vorstellung vom Künstler als inspiriertem Genie. Nachfolgende Generationen sahen in ihrer Kunst einen Höhepunkt an Harmonie und Anmut.

Die wichtigsten Werke der Hochrenaissance entstanden in Florenz und vor allem in Rom, besonders während des Pontifikates von Papst Julius II. (1503-1513). In der Architektur war Donato Bramante (1444-1514) der führende Baumeister und Julius II. beauftragte ihn mit dem Entwurf für die neue Peterskirche, Michelangelo mit der Deckenbemalung der Sixtinischen Kapelle und Raffael mit der Ausschmückung der Stanzen im Vatikan.

Neben Florenz und Rom wurde Venedig ein Zentrum der Hochrenaissance. Hier wirkten Künstler wie Giovanni Bellini (um 1430-1516), Giorgione (um 1478-1510) und Tizian (um 1477-1576). Die Hochrenaissance mündete Mitte des 16. Jahrhunderts in den Manierismus.

Der Stil der Renaissance setzte sich außerhalb Italiens erst nach 1500 langsam durch. Oft wirkten italienische Künstler an der Ausbildung des Stils mit, der dann gemäß den nationalen Stiltraditionen der jeweiligen Länder umgebildet wurde.

Geschichte und Formen der italienischen Renaissancearchitektur

Der Begriff Renaissance (ital. rinascità, Wiedergeburt) wurde vom Architekten und Kunstschriftsteller Giorgio Vasari (1511-1574) bereits im 16. Jahrhundert geprägt. Vasari hatte mit “rinascità“ die Wiedergeburt der Kunst gemeint, nicht das Kopieren der Antike, besonders der römischen Kunst.

Im 19. Jahrhundert wurde aus der französischen Übersetzung der Stilbegriff Renaissance, der zunächst nur die italienische Kunstentwicklung bezeichnete. Der Begriff erweiterte sich jedoch und umfasste schließlich die von der Antike inspirierte Erneuerung der gesamten europäischen Kunst und des geistigen Lebens, die den Beginn der Neuzeit markiert.

In der Architektur zeigte sich die Abwendung von der gotischen Kunst auch daran, dass nicht mehr ausschließlich die Kirche im Zentrum des baukünstlerischen Schaffens stand. Gleichberechtigte Aufgaben waren auch Palast, Villa, Rathaus und Wohnhaus des wohlhabenden Bürgers. Eine Änderung trat auch in der Person des Künstlers ein. Die Renaissance ist geprägt von individuellen, universalen Künstlerpersönlichkeiten, die in den Mittelpunkt der Kunst rückten und nicht wie im Mittelalter als anonyme Handwerker arbeiteten.

Renaissancebauten entstanden nach einem festgelegten Schema, sind harmonisch und ausgewogen in den Maßverhältnissen und weisen klare Gliederungen der Baukörper und Dekorationen aus. Bauglieder sind einfache geometrische Grundformen, Rundbogen, Gewölbe, Portale, kräftige horizontale Gesimse, Pilaster, Zentralbauten und die fünf Säulenordnungen: toskanisch, dorisch, ionisch, korinthisch und römische Kompositordnung.

Ausgangspunkt der Renaissancekunst war die 1421 begonnene doppelschalige Kuppel des Florentiner Doms von Filippo Brunelleschi (1377 - 1446), mit der heute der Beginn der Renaissance bezeichnet wird. Brunelleschi hatte in Rom die römischen Altertümer studiert. Danach wandte er die antiken Maßverhältnisse und Bauelemente in der Architektur an und passte sie den Erfordernissen seiner eigenen Zeit an, ohne jedoch den griechischen Gliederbau oder den römischen Massenbau zu kopieren. Die Formen wurden von anderen Architekten und Theoretikern, Leon Battista Alberti (1404 - 1472), Donato Bramante (1444 - 1514), Raffael (1483 - 1520) oder Michelangelo (1475 - 1564) aufgenommen und systematisch ausgebildet.

Dabei spielte auch die Theorie eine große Rolle. Anfang des 15. Jahrhunderts entdeckte man in Italien die nach 33. v. Chr. entstandenen "Zehn Bücher über die Baukunst" ("De architectura") des römischen Architekten Vitruv (geb. um 84 v. Chr.). Die Renaissancearchitekten setzten sich genau mit den von ihm beschriebenen Stilen, Techniken, Regeln und Maßverhältnissen auseinander. Daraus entwickelten sie die Säule als bestimmendes Element für die Maßverhältnisse des ganzen Baus. Die Proportionen richteten sich nach der menschlichen Gestalt.

Palazzi

Der Bautypus des Palazzo entwickelte sich aus mittelalterlichen Festungsanlagen.

Das aufkommende Bürgertum der Renaissance verlangte aber im Gegensatz zum mittelalterlichen Bollwerk einen repräsentativen Palazzo, der ein angenehmes Leben gestatten sollte. Einige Palazzi, die sich die reichen Bürger der italienischen Stadtstaaten errichten ließen, hatten auch Lager- und Geschäftsräume.

Der Palazzo ist in der Regel quadratisch und hat einen von schlanken Rundbogenarkaden umgebenen Innenhof. Die Straßenfront wirkt abweisend mit einem Rustika- oder Bossenmauerwerk (besteht aus sehr grob behauenen Steinquadern) und vergitterten Fenstern im Erdgeschosses, während die Fenster der oberen Geschosse reich dekoriert sind. In der Frührenaissance werden sie durch einen Rundbogen abgeschlossen, in der Hochrenaissance sind sie quadratisch und mit einem Dreiecks- oder Segmentgiebel dekoriert. Die gesamte Fassade ist durch Säulen, Pilaster, Risalite (ein in der ganzen Höhe eines Bauwerkes vorspringender Bauteil) und Vorhallen gegliedert.

Im 16. Jahrhundert taucht die so genannte Kolossalordnung auf, die sich über mehrere Stockwerke erstreckt. Die die Fenster rahmenden Säulen sind so hoch wie das Geschoss selbst, was den Eindruck der Harmonie, aber auch der strengen Ordnung verdeutlicht. Das Gesims gliedert die Fassade klar in horizontale Elemente; das oberste Geschoss wird oft in Form einer horizontalen Bogenhalle, einer Loggia, gestaltet.

Sakralbauten

Als Sakralbauten entstanden in der Frührenaissance Basiliken und Zentralbauten.

Die Innenräume der Basiliken wirken klar und weiträumig; sie wurden größtenteils flach gedeckt oder mit einem Tonnengewölbe ausgestattet. Alle horizontalen Glieder liefen in einem Fluchtpunkt zusammen. Hohe halbkreisförmige Rundbögen lassen die Säulen zierlich erscheinen. Die Fassaden haben einen schlichten Dreiecksgiebel, oft mit Voluten.

Im Zentralbau fand Bramante beim Tempietto in Rom mit der klassischen Halbkugel eine neue Form der Kuppel. Pilaster, Architrav (waagerechte, auf Säulen aufliegende Balken), Säule, Fries und Gesims sorgten für ein einfaches, ausgewogenes Gefüge, das einen Raum harmonisch erscheinen ließ.

Die Architektur der Hochrenaissance war dagegen monumentaler, durch eine verstärkte Massenwirkung. Die Wände waren nicht mehr flach, sondern durch vorgelegte Halbsäulen oder Ädikula-Formen (Umrahmung einer Nische mit einem Giebel) plastisch ausgebildet, was auch die Licht- und Schattenwirkung unterstrich.

Der Zentralbau mit Kuppel galt weiterhin als Ideal. Die Kuppel wurde weiterentwickelt bis hin zur monumentalen Kuppel des Petersdomes, einer Schöpfung Michelangelos. Die Kirchen wurden nicht mehr wie zur Zeit der Gotik aus einzelnen Jochen (Gewölbefeld, das in Richtung der Längsachse gezählt wird) entwickelt, sondern aus Raumkuben.

Renaissancearchitektur außerhalb Italiens

Die reine Renaissancearchitektur findet man nur in Italien und es bestehen auch heute noch Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die im übrigen Europa erst in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts einsetzende Stiländerung, der Renaissance oder dem Manierismus zugeordnet werden soll, bei dem die Gesetze der organischen Funktionen ihre Bedeutung verloren haben.

Lastendes hat kein Gewicht mehr und Stützendes trägt nicht mehr. Überlängung und Bewegung ohne Tiefe sind weitere Charakteristika.

In Spanien dominierte zunächst ein Stil mit überreicher Fassadengestaltung, Reliefschmuck und Schmuckornamenten weiter. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde er vom Desornamentado-Stil abgelöst, der, wie der Name besagt, eine strengere Schmucklosigkeit und reinere Formen aufwies.

Franz I. (1497 - 1547) holte im 16. Jahrhundert italienische Baumeister und Kunsthandwerker an den französischen Hof und ließ neben dem Beginn des Neubaus des Louvre einige Loire-Schlösser errichten, zu deren Eigenheiten die reichen Turmgliederung und die Vielzahl der Dächer mit Giebeln, Kaminen und Dacherkern gehört.

In England setzte die Renaissance erst im 17. Jahrhundert ein und mischte sich mit regionalen Ausprägungen der Gotik. Sie wurde nach den Regierungszeiten der Herrscher Elisabethan bzw. Jacobean Style genannt. Besondere Merkmale sind E- oder H-förmige Grundrisse, lange Galerien und kunstvolle Treppenaufgänge.

Die Niederländer übernahmen vor allem die Bürgerhäuser der Renaissance. Vom gotischen Giebelhaus ausgehend entwickelten sie Treppen- oder Staffelgiebel, die mit Renaissanceformen wie Voluten (spiral- oder schneckenförmiges Ornament) oder Obelisken verziert waren, und so den Giebel seitlich rahmten. Charakteristisch wurden im 16. Jahrhundert die repräsentativen Rathäuser mit fantasievollen Türmen.

Auch in Deutschland ging man vom gotischen Giebelhaus aus. Wie in den Niederlanden gab es reiche Verzierungen mit Voluten, Obelisken, Kartuschen (Emblem oder Inschrift in einem kunstvollen Rahmen) oder Schweifwerk. Eine reinere Form der Renaissancearchitektur findet sich am Rathaus in Augsburg und am Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses.

Die Künstler

Die Person des Künstlers hatte sich von der mittelalterlichen Gotik bis zur neuzeitlichen Renaissance gewandelt.

Der Künstler war war nicht mehr anomymer Handwerker, sondern Individuum mit besonderen Gaben. Man bewunderte ihn und er gewann nach und nach an Einfluss.

Filippo Brunelleschi

Filippo Brunelleschi, italienischer Architekt und Bildhauer, wurde 1377 in Florenz geboren. Nach einer Ausbildung als Goldschmied arbeitete er zunächst als Bildhauer und beteiligte sich 1401 an dem Wettbewerb um die zweite Tür für das Baptisterium in Florenz (Florenz, Bargello), unterlag aber gegen Lorenzo Ghiberti (1378 - 1455).

1404 arbeitete er erstmals als Berater der Dombauhütte. Darüber hinaus beschäftigte er sich bis 1420 hauptsächlich mit architektonischen Studien, die er teilweise an römischen Altertümern in Rom durchführte. Dabei arbeitete er auch an scheinbar unlösbaren Kuppellösungen. Daneben führte er mathematische Studien durch, die ihn zusammen mit dem Mathematiker und Philosophen Manetti (1423 - 1497) zum Erfinder der wissenschaftlichen Zentralperspektive machten. In dieser Zeit arbeitete Brunelleschi bereits ohne Auftrag an Zeichnungen und einem Modell für die Florentiner Domkuppel. 1420 erhielt er den Auftrag für den Bau. Die doppelschalige Ziegelsteinkuppel gilt heute als erste Renaissancekonstruktion - als erste Rekonstruktion eines antiken Zentralbaus. Der Bau wurde 1436 geweiht, die Laterne entstand 1446 - 1467 nach Entwürfen Brunelleschis.

Während der langen Bauzeit arbeitete Brunelleschi parallel an anderen Projekten, die sich durch harmonischen Grundriss, Randgliederungen, Unterordnung der ornamentalen Details und tragende und stützende Bauglieder auszeichnen. Die Säulenordnungen verwandte er als tragende Glieder in Verbindung mit dreischiffigen Systemen im Sakral-, aber auch im Profanbau. Im Palastbau waren der Bogen über der Säule und die Symmetrie des Palazzo die wichtigsten Faktoren. Vor diesem Hintergrund entstand 1419 - 1424 die Loggia des Findelhauses in Florenz, die durch klare Proportionen und Leichtigkeit beeindruckt. Das gesamte Findelhaus war 1445 nach den Plänen Brunelleschis vollendet. Es folgten die Kirchen S. Lorenzo (beg. 1421) und S. Spirito (beg. 1444), beide als Basilika konzipiert. Die Alte Sakristei von S. Lorenzo (1421 - 1428) und die Pazzikapelle bei S. Croce (um 1430 - 1444) weisen in Richtung Zentralbau, obwohl sie von ihren Maßen her keine Zentralbauten sind.

Die siebenachsige Fassade des Palazzo Pitti steht in der Tradition des Florentiner Palastbaus, während Brunelleschi für den Palazzo della Parte Guelfa, an dem er seit 1419 arbeitete, eine kolossale Pilasterordnung und einen zweigeschossigen Saal entwarf. Zu Lebzeiten war Brunelleschi vor allen Dingen auf Grund seiner technischen Meisterleistungen bekannt, die er nicht nur durch die Domkuppel erreichte, sondern auch als Festungsbaumeister. Filippo Brunelleschi starb am 115.4.1446 in Florenz.

Leon Battista Alberti

Leon Battista Alberti, italienischer Architekt, Künstler und Wissenschaftler, wurde am 18.2.1404 in Genua geboren. Er erhielt eine umfassende Ausbildung, studierte Jura in Bologna, in Rom die antiken Denkmäler und setzte sich mit allen Bereichen der humanistischen Kultur schöpferisch auseinander. So entsprach er am ehesten dem Uomo universale, dem Ideal der italienischen Renaissance. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Alberti als Berater an Fürstenhöfen, wo er mehr als Architekturtheoretiker denn als Baumeister in Erscheinung trat; die Ausführung überließ er anderen.

1446 - 1451 entstand in Florenz nach den Plänen Albertis der Palazzo Rucellai, benannt nach der Familie der Auftraggeber, bei dem zum ersten Mal eine Pilasterordnung im Sinne des Colosseums in Rom verwand wurde. Zur gleichen Zeit arbeitete Alberti am Umbau der Fassade und der Seitenwände von San Francesco in Rimini, bei dem er auf das römische Motiv des Triumphbogens zurückgriff. Der Umbau wurde 1446 - 1450 begonnen, aber nicht vollendet. Für den Umbau der Fassade von S. Maria Novella (1456 - 1470) in Florenz, ebenfalls eine Stiftung der Rucellais, wählte Alberti einen symmetrischen Entwurf mit Mittelportal, Ornamentfriesen, Pilastern und zum ersten Mal in der Renaissance mit Voluten. Die ganze Fassade ist mit farbigen Marmorinkrustrationen versehen.

Mit S. Andrea in Mantua schuf Alberti ab 1470 in Anlehnung an römische Thermen und die Konstantinsbasilika einen neuen Kirchentypus. Er entwarf eine tonnengewölbte Saalkirche mit drei ebenfalls tonnengewölbten Seitenkapellen, gleichartigen Querarmen, einem Chorrechteck und einer Tambourkuppel über der Vierung. Alberti starb 1472 in Rom.

Zu seinem umfangreichen Nachlass gehören Traktate zur Malerei und Bildhauerei und die Zehn Bücher über die Baukunst (1451 - 1452), die er Papst Nikolaus V. (Pontifikat 1447 - 1455) widmete.

Donato Bramante

Donato Bramante, italienischer Architekt und Maler, wurde 1444 wahrscheinlich in Fermignano geboren. Zunächst wurde er als Maler ausgebildet und erlernte die Kunst des Bauens wohl erst ab 1568 in Urbino. Während eines Aufenthaltes in Mailand entstand die Kirche S. Maria presso S. Satiro, ab 1479 mit der ersten nach-römischen Kassetten-Kuppel, und der Chor und die sechsseitige Kuppel von S. Maria delle Grazie, als reifes Zeugnis der Mailänder Frührenaissance. 1499, nach dem Einfall der Franzosen in Mailand, ging Bramante nach Rom, wo er 1502 mit dem Tempietto im Klosterhof von S. Pietro in Montorio einen der wenigen ausgeführten Zentralbauten der Hochrenaissance schuf. Für die Kirche S. Maria della Pace entwarf er 1504 einen eleganten Kreuzgang und wurde im gleichen Jahr in die Dienste von Papst Julius II. berufen. Ab 1506 wurde Bramante leitender Baumeister am Petersdom. Er plante in der langen Baugeschichte des Petersdoms zum ersten Mal einen dreischiffigen Zentralbau mit einer Kuppel. Als er am 11.3.1514 in Rom starb standen nur die Pfeiler für die Kuppel, die auch bei späteren Bauänderungen erhalten blieben.

Heute gilt Bramante als zentraler Architekt der Renaissance. Er benutzte Proportionen, Stil und Technik antiker Bauten und verzichtete auf große Dekorationen.

Raffael

Raffael, eigentlich Raffaello Santi, italienischer Maler und Architekt, wurde am 6.4.1483 in Urbino geboren. Es wird vermutet, dass er seine Ausbildung zunächst bei seinem Vater, später bei Pietro Perugino (1445/1448 - 1523) in Perugia erhielt. In dieser Frühphase entstanden neben großen Altartafeln hauptsächlich halbfigurige Madonnenbildnisse. Ein Ortswechsel nach Florenz brachte ihn ab 1504 mit Werken von Michelangelo (1475 - 1564) und Leonardo da Vinci (1452 - 1519) und dem Stil der Hochrenaissance in Kontakt. Hauptthema seiner Kunst bildeten weiterhin Madonnendarstellungen, besonders die Maria mit Kind. Dabei stand neben der Mutter-Kind-Beziehung die klare symmetrische Komposition im Vordergrund.

Die reifsten Werke Raffaels entstanden ab 1508 in Rom. Papst Julius II. hatte ihn an den Vatikanischen Hof gerufen, um seine privaten Gemächer (die Stanzen) im Vatikanischen Palast auszustatten. Daneben erfüllte er auch private Aufträge. Es entstanden Meisterwerke wie z.B. um 1513 die Sixtinische Madonna und 1514 - 1519 die Dekoration der Loggien im Vatikan.

Ab 1510 übernahm Raffael auch architektonische Aufgaben, die überwiegend in Entwürfen überliefert sind. 1514 - 1520 war er Bauleiter am Petersdom. 1516 entwickelte er ein Konzept für die Villa Madama in Rom. Raffael starb am 6.4.1520 in Rom.

Er zählt zusammen mit Michelangelo und Leonardo da Vinci zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten der Hochrenaissance. Sein überwiegend religiöses, bildnerisches Werk, das geprägt ist von Klarheit, Harmonie und idealer Schönheit, hatte großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Kunst.

Michelangelo

Seine Zeitgenossen nannten Michelangelo Buonarroti den "Göttlichen". In der Kunst ist er die zentrale Künstlerpersönlichkeit der Renaissance und bedeutender Wegbereiter des Manierismus, der schon auf den Barock wies.

Michelangelo, italienischer Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter wurde am 6.3.1475 in Caprese in der Toskana geboren. Seine Jugend verbrachte er in Florenz, wo er 1488 Schüler von Domenico Ghirlandaio (1449 - 1494) war. Entscheidende Anregungen erhielt er an der Kunstschule im Giardino mediceo von S. Marco und beim Studium der antiken Skulpturen. Zusätzlich orientierte er sich an den Werken Giottos und Massacios. 1490 - 1492 nahm Lorenzo de Medici (Il Magnifico) ihn als Gast in seinem Hause auf und ließ ihn studieren. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Werke ("Madonna an der Treppe" und "Kentaurenschlacht", beide Florenz, Casa Buonarroti).

1496 - 1501 war Michelangelo zum ersten Mal in Rom. Hier entstanden 1497 der "Trunkene Bacchus" (Florenz, Bargello) und 1498 - 1501 die "Pietà" (Rom, Petersdom), beide im Stil der Hochrenaissance.

1501 erhielt Michelangelo aus Florenz den Auftrag für den "David", der 1504 auch im klassischen Stil vollendet war. In der Florentiner Zeit entstanden u.a. 1503 die "Brügger Madonna" (Brügge, Kirche Notre-Dame) und 1504 das Tondo der "Madonna Doni" (Florenz, Uffizien), das einzige Tafelbild Michelangelos. Dem Bild kommt in der Kunst des 16. Jahrhunderts eine entscheidende Bedeutung zu. Die bewegten Figuren bilden den Ausgangspunkt für das im Manierismus weiterentwickelte Prinzip der "Figura Serpentinata", der gewundenen Figur.

Die nächsten großen Aufträge erhielt Michelangelo ab 1505 in Rom durch Papst Julius II., der ihn zunächst beauftragte, ein Grabmal für sich zu schaffen. Die Arbeiten dauerten nach vielen Veränderungen und Unterbrechungen bis 1545 und es wurde nur ein Teil des umfangreichen Figurenprogramms ausgeführt. Bereits 1508 folgte der zweite Auftrag des Papstes, die Ausmalung der Decke in der Sixtinischen Kapelle. Das monumentale Werk war 1512 beendet.

Die nächsten Aufträge führten Michelangelo im Auftrag des Medici-Papstes Leo X. wieder nach Florenz. Ab 1517 arbeitete Michelangelo dort an der Grabkapelle der Medici in S. Lorenzo, es folgten 1524 - 1534 der Entwurf und der Bau der Biblioteca Laurenziana (vollendet war sie erst nach Michelangelos Tod).

1534 verließ Michelangelo Florenz für immer und zog nach Rom. Hier entstanden u.a. 1536 - 1541 das "Jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kapelle, 1542 - 1550 die "Kreuzigung Petri" für die Cappella Paolina und ab 1555 die "Pietà Rondanini". Gleichzeitig war Michelangelo leitender Baumeister am Petersdom und schuf architektonische Entwürfe für den Palazzo Farnese und das Kapitol in Rom. Michelangelo starb am 18.2.1564 in Rom.

Sein Werk entzieht sich einer stilgeschichtlichen Einordnung. Das frühe plastische Werk steht ganz im Zeichen der Hochrenaissance, während er in seinem architektonischen Werk zum Wegbereiter des Manierismus und des Barock wurde. Als Bildhauer legte er allen Werken, auch seinen Gemälden, die Konzeption der Skulptur zu Grunde. Mit dem Individualismus seiner Werke, die gleichzeitig auch persönliche Bekenntnisse sind, wurde Michelangelo zu einem neuen Typ von Künstler.

Bibliografie:

  • Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, Frankfurt/M. 2003
  • Peter Burke: Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien, München 2005
  • Flavio von Conti: Wie erkenne ich Renaissance-Kunst: Architektur - Skulptur - Malerei, Augsburg 2000
  • Max Dvorák: Geschichte der italienischen Kunst im Zeitalter der Renaissance, Wien 2001
  • Ernst H. Gombrich: Zur Kunst der Renaissance, Stuttgart 1987
  • Alexander Markschies: Ikonen der Renaissance-Architektur, München u.a. 2003
  • Gunter Schweikhart: Die Kunst der Renaissance, Köln 2001
  • Volker Reinhardt: Die Renaissance in Italien. Geschichte und Kultur. Beck, München 2002
  • Rolf Toman: Die Kunst der italienischen Renaissance. Architektur-Skulptur- Malerei-Zeichnung, 1994
  • Manfred Wundram: Renaissance. Reclam, Stuttgart 2004
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