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THEMEN

Richard Wagner - ein Leben für das Gesamtkunstwerk

Einführung

Kein anderer Komponist hat die Struktur der Oper stärker verändert als Richard Wagner. Gleichaltrig mit Giuseppe Verdi, der wie er von der Grundform der romantischen Oper nach dem musikalischen Drama strebte, dieses Ziel jedoch auf anderen Wegen erreichte, leitete Wagner schon mit seinen frühen Werken eine Reform der Oper ein, wie sie zu Beginn des "romantischen" 19. Jahrhunderts noch undenkbar war.

Wagners Fernziel war von Anfang an das "Gesamtwerk", bei dem alle Sparten der Kunst unter dem Primat der Musik zusammenwirken sollten, um die ihm vorschwebende Vollkommenheit des Dramas zu erreichen. Auch seine Texte schrieb er daher grundsätzlich selbst.

Wagners musikalischer Beginn orientierte sich an den anerkannten Werken seiner Jugendzeit. Sind die ersten Versuche - "Die Feen" (1834) und "Das Liebesverbot" (1836) - noch von den französischen Vorbildern eines Auber oder Cherubini beeinflusst, und enthält "Rienzi" (1842) noch deutsche Züge Meyerbeers, so lassen sich von nun an keine fremden Einflüsse mehr erkennen. Mit dem "Fliegenden Holländer" (1843) stellt sich Wagners Bühnenschaffen als völlig eigenständige konsequente Weiterentwicklung der deutschen romantischen Oper Heinrich Marschners und Carl Maria von Webers in Richtung des angestrebten Musikdramas dar. Daran ändert nichts, dass Wagner seinen eminenten Sinn für Bühnenwirkung von Meyerbeer und die Aufwertung der Funktion des Orchesters von Berlioz herleitet. Er entwickelte, beginnend mit dem "Holländer", bis zu seinem letzten Bühnenwerk "Parsifal" (1882), in jedem seiner Dramen ein so unverkennbares Klangbild, dass selbst bei nur oberflächlichem Hinhören nicht nur "Wagner" als Komponist, sondern das betreffende Werk sofort zu identifizieren ist.

Insgesamt erhält das Orchester bei Wagner im Zuge der Ausbildung der Leitmotivtechnik eine dominierende Stellung: Es bildet in stets zunehmendem Maß nicht bloße Begleitung der Singstimmen, sondern für diese einen gleichwertigen Partner und charakterisiert die jeweilige Stimmung bzw. Situation (Meer, Wald usw.). Die Leitmotive sind keine Erfindung Wagners, sondern kommen - meist als so genannte Erinnerungsmotive - schon in Werken des 18. Jahrhunderts vor. Es handelt sich dabei um bestimmte Tonfolgen, die Personen, Gegenstände oder Gedanken symbolisieren und entweder gleichzeitig mit dem versinnbildlichten Objekt auftauchen, dieses ankündigen oder den Hörer dazu anleiten sollen, Gedankenverbindungen selbst herzustellen.

In der Musik Wagners entwickelt sich das Leitmotiv vom bloßen Erinnerungsmotiv bis hin zur kunstvollen Verflechtung einer Vielzahl feststehender musikalischer Floskeln, aus denen - wie etwa beim "Ring des Nibelungen" - schließlich der ganze Orchestersatz zusammengefügt wird. Diese Leitmotivtechnik trug durch ihre Prägnanz wesentlich zur Popularisierung von Wagners Werken bei.

Die überdimensionale Kompliziertheit der symphonisch ausgearbeiteten Partituren nahm Wagner erst bei "Parsifal" zurück. Der Klang des Orchesters erscheint in diesem Werk trotz Beibehaltung der Motivtechnik auf weite Strecken durchsichtiger und einfacher strukturiert. Während Verdi in seiner letzten Oper "Falstaff" in Abkehr von seinen Gewohnheiten zu einem komplizierten, am Schluss sogar zur reinsten Form der absoluten Musik, der Fuge, führenden Orchestersatz findet und sein Bühnenschaffen mit der komödiantischen Parole "Alles ist Spaß auf Erden" beschloss, beendete Wagner sein Opernwerk in sanfter Abgeklärtheit und christlicher Semantik.

  1. Einführung
  2. Verwurzelt im Denken seiner Zeit
  3. Neuntes Kind eines Juristen
  4. Erfolge in Dresden
  5. Steckbrief und Züricher Asyl
  6. Die "Ring"-Dichtung entsteht
  7. Wagners König: Ludwig II. von Bayern
  8. Die Festspielstadt
  9. Der Komponist seines Jahrhunderts
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