Römische Religion: Götter
Götter und Göttinnen im Überblick
Die größten Götter und Göttinnen des römischen Pantheon sind den griechischen Gottheiten sehr ähnlich. Einige stammten direkt aus der griechischen Welt (etwa Aesculapius, der Gott der Heilkunst, der dem griechischen Asklepios entspricht und im Jahr 293 v. Chr. nach einer schweren Seuche durch einen Orakelspruch nach Rom gelangte).
Andere einheimische Gottheiten wurden, als Rom seine Beziehungen zu Griechenland ausbaute, neu interpretiert und griechischen Gottheiten angenähert (vgl. etwa Jupiter und Zeus, Venus und Aphrodite). Aus der griechischen Pallas Athene wurde bei den Etruskern (die nördlich des Tiber siedelten und ihre Blütezeit im 6. Jahrhundert v. Chr. erlebten) Minerva, die Göttin des Handwerks; später übernahmen die Römer diese Göttin von den Etruskern. Diana, eine italische Wald- und Naturgöttin, wurde der griechischen Artemis gleichgesetzt. Apollon, der griechische Gott des Lichtes und der Weisheit, gelangte ebenfalls über die Etrusker nach Rom, trat jedoch erst unter Kaiser Augustus (Anfang des 1. Jh. n. Chr.) in den Vordergrund.
Die Eigenschaften der Götter
Die Götter Roms besitzen auffallend wenig Individualität. Jupiter etwa hat in Vergils Aeneis nicht den tyrannischen Charakter und die Lüsternheit des Zeus; Venus nicht die Sinnlichkeit und Kaltblütigkeit der Aphrodite. Mars wurde im Unterschied zu seinem griechischen Pendant, dem Kriegsgott Ares, mit der Landwirtschart verknüpft - eine Umdeutung, die die Wertschätzung der Römer für bürgerliche Tugenden und Verantwortung für das Gemeinwohl zum Ausdruck bringt. Als Vater des Romulus, des ersten Königs von Rom, besitzt Mars auch patriotische Züge.
Besonders farblos waren die alten Schutzgottheiten von Haus, Herd und Familie, die Laren. Schreine zu Ehren der Laren, wie sie in vielen Häusern standen, waren oft mit Statuen oder Gemälden kleiner Gestalten geschmückt, die eine kurze, weite Tunika aus Hundefell trugen und ein Trinkhorn und eine Opferschale in Händen hielten. Diese Gottheiten spielen jedoch in der römischen Mythologie keine Rolle, ja sie besaßen nicht einmal eigene Namen. In ähnlicher Weise gab es auch keine Mythen über jene Götter, die Personifizierungen menschlicher Eigenschaften waren: Fides (Treue), Honos (Ehre), Spes (Hoffnung). Diese hatten eine rein emblematische Funktion und standen für die Eigenschaft, der sie ihren Namen verdankten.
Neben den Hausgöttern gab es kleinere Gottheiten, die mit menschlichen Tätigkeiten verbunden waren und dem Zweck der Veranschaulichung dienten. Für den heiligen Augustinus stellten sie besonders lohnende Objekte des Spotts dar: In seinem Angriff gegen das Heidentum zählt er eine ganze Schar jener trivialen Gottheiten auf, die die Hochzeitsnacht eines römischen Paares bewachen sollten: Domiducus (der "heimführende" Gott); Subigus (der "unterwerfende" Gott), Prema (die "niederhaltende" Göttin) usw. Solche Gottheiten wurden niemals in menschlicher Gestalt dargestellt noch waren sie jemals mythische Figuren.
Die Götter und das Reich
Nach römischem Glauben wurde das Römische Reich mit Hilfe der Götter errichtet, und die militärischen Siege waren der Lohn für die Verehrung der Götter. Neue Eroberungen brachten aber auch die Aufnahme neuer Götter - die Götter der eroberten Völker - mit sich. Anfänglich handelte es sich dabei häufig noch um Götter, die den bereits vorhandenen Stadtgottheiten ähnlich waren. Mit der weiteren Ausdehnung des Reiches begegneten die Römer jedoch fremdartigen Gottheiten, etwa der Großen Mutter , die sehr viel schwerer einzubinden waren.
Menschen werden Götter
Später erklärte der Senat zahlreiche verstorbene Kaiser zu Göttern, manchmal auch deren Frauen und Kinder. Kaiser Vespasian soll auf dem Totenbett gescherzt haben: "Du liebe Güte, jetzt werde ich ein Gott." Wie alle Unsterblichen waren diese vergöttlichten Kaiser Gegenstand der Verehrung, und man weihte ihnen Tempel und Kulte. Das Sockelrelief aus Rom stellt die Vergöttlichung des Kaisers Antoninus und seiner Frau Faustina dar.
- Götter und Göttinnen im Überblick
- Griechische und Römische Götter im Vergleich
- Die großen Götter A-C
- Die großen Götter D-I
- Die großen Götter L-O
- Die großen Götter P-Z
- Die kleinen Götter
- Geistergottheiten
Bibliografie:
- D. Coenen: Griechische und römische Mythologie, Freiburg/Br. u. a. 51990
- G. Fink: Who's who in der antiken Mythologie, München 1993
- Herder Lexikon Griechische und Römische Mythologie, Herder Verlag, Freiburg 7. Auflage 2003
- E. Peterich/P. Grimal: Götter und Helden, 2002









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