Roms Aufstieg zur Vormacht am Mittelmeer (295-146 v. Chr.)
Kriege von Karthago bis Kleinasien
Fast zwangsläufig stößt eine Macht, die sich auszudehnen beginnt, auf andere Mächte. So traf Rom auf Karthago, das bis dahin die unbestrittene Vormacht im Westen besessen hatte. Karthago war kein eigentlich aggressiver Staat, doch wich es auch dem sich abzeichnenden Konflikt nicht aus.
Wie so oft, begann der erste der so genannten Punischen Kriege (264-241 v. Chr.) auf einem Nebenschauplatz. Zwei sizilische Städte, Messana und Syrakus (lat.: Syracusae), waren verfeindet; Rom unterstützte Messana, Karthago die Syrakusaner, und so fand sich bald der Anlass zu einem Krieg, dessen Ursache darin lag, dass zwei Großmächte sich ihrer politischen und wirtschaftlichen Interessen wegen nicht gegenseitig dulden wollten.
Der Krieg verlief wechselvoll, und erst nach der Niederlage in der Seeschlacht bei den Ägatischen Inseln gab sich Karthago 241 v. Chr. besiegt. Es musste Sizilien räumen und eine hohe Kriegsentschädigung zahlen.
Mit Sizilien bekam Rom seine erste Provinz. Die Bewohner mussten ein Zehntel ihrer Einkünfte als Tribut abführen; Recht wurde von einem römischen Statthalter gesprochen. Damit war eine neue Form der Machtausübung eingeführt, die den Abhängigen den Nutzen der Ruhe und des Friedens brachte, sie aber auch Ausbeutern auslieferte. Weitere Provinzen Roms wurden im Laufe der nächsten Jahre: Sardinien, Korsika, Dalmatien, Oberitalien.

Der eigentliche Entscheidungskampf zwischen Rom und Karthago fand im Zweiten Punischen Krieg statt (218-201 v. Chr.). Drei große Feldherren und Politiker fochten auf karthagischer Seite: Hamilkar, sein Schwiegersohn Hasdrubal und Hannibal, der Sohn des Hamilkar. Diese drei Männer wussten genau, dass es in diesem Krieg um Sein oder Nichtsein ging, und rissen Karthago immer wieder in den Kampf gegen Rom. Besonders Hannibal war an Energie, Erfindungsreichtum und politischem Instinkt seinen römischen Gegenspielern gewachsen, ließ es freilich auch an Grausamkeit und Härte nicht fehlen. Im Jahre 218 v. Chr. begann er den Krieg mit der Zerstörung der spanischen Stadt Sagunt, die mit den Römern verbündet war, und überstieg dann in seinem berühmten Zug mit seinem Heer und den Kampfelefanten die Alpen, um Italien von Norden her aufzurollen. Er schlug die Römer mehrfach (am Ticinus, an der Trebia, am Trasimenischen See) und vernichtete allein bei Cannae 70 000 römische Soldaten in der berühmt gewordenen Umfassungsschlacht.
Als man ihn nach dem Kampfe aufforderte, sogleich gegen das wehrlose Rom zu ziehen, schlug er es aus, worauf ihm sein Unterfeldherr sagte: "Zu siegen verstehst du zwar, Hannibal, den Sieg aber auszunützen, verstehst du nicht!" Und in der Tat konnte Hannibal dieses Versäumnis nie mehr ausgleichen. Rom konnte den Krieg defensiv weiterführen, und der berühmte "Zauderer" Fabius Maximus Cunctator entwickelte eine sehr wirkungsvolle Ermattungsstrategie.

Langsam eroberten die Römer die abgefallenen Städte zurück, unter anderem Syrakus, das durch den genialen Mathematiker und Physiker Archimedes verteidigt wurde. Archimedes fiel bei der Einnahme der Stadt, als er, in ein geometrisches Problem vertieft, "seine Kreise nicht stören" lassen wollte (noli turbare circulos meos!).
Hannibals Heer hatte im Winterquartier in Capua merklich an Disziplin und Leistungsfähigkeit verloren, Hasdrubal wurde in Oberitalien mit einem Hilfsheer vernichtet.
Der große Gegenspieler Hannibals, Publius Cornelius Scipio, bedrohte in Afrika die Stadt Karthago, und so musste Hannibal Italien wieder verlassen. Die Schlacht bei Zama (202) brachte den Römern den Sieg und führte das Ende der Großmacht Karthago herbei. Rom war nach einem Kampf auf Leben und Tod die Herrin des westlichen Mittelmeers (201 v. Chr.).
Trotz der Erschöpfung durch den Zweiten Punischen Krieg wandte sich Rom sogleich gegen König Philipp von Makedonien, der sich auf die Seite Karthagos gestellt hatte. 197 wurde er besiegt und Griechenland 196 v. Chr. für "frei" erklärt - unter fester römischer "Schutzherrschaft".
Als dann noch König Antiochos von Syrien, der Roms Todfeind Hannibal Asyl gewährt hatte, bei Magnesia (in der Nähe des heutigen Smyrna) und der Sohn Philipps, König Perseus von Makedonien, bei Pydna 168 v. Chr. vernichtend geschlagen waren, beherrschte Rom auch das östliche Mittelmeer. Nach Aufständen wurde in einer blutigen Strafexpedition auch die griechische Stadt Korinth zerstört (146 v. Chr.) und all ihrer Kunstschätze beraubt: Sie wurden nach Rom verschleppt.
Auch Oberitalien und Spanien kamen endgültig unter Roms Herrschaft. Nur Karthago, der alte Feind, mit seinem riesigen Reichtum und seinen Handelsverbindungen, wäre vielleicht noch fähig gewesen, den neuen Herren des Mittelmeers entgegenzutreten. Das erkannte der ältere Cato, und er versuchte den Senat davon zu überzeugen, dass dieser Gegner vernichtet werden müsse, ehe er noch einmal richtig erstarkte. Mit einer Mischung aus politischem Weitblick und Starrsinn hetzte er offen zum Krieg und schloss jede seiner Reden vor dem Senat mit den Worten: "Übrigens stelle ich den Antrag, Karthago zu zerstören" (ceterum censeo Carthaginem esse delendam). Er erreichte sein Ziel. 149 v. Chr. nutzten die Römer Streitigkeiten zwischen dem mit ihnen verbündeten Numidierkönig Masinissa und Karthago und schlugen los. Zu spät merkten die Karthager, dass es um ihre Existenz ging, zu spät entschlossen sie sich zu einem letzten verzweifelten Widerstand. Die Stadt wurde erobert und zerstört. Die Bewohner verkaufte man in die Sklaverei. Karthagos Besitz wurde zur Provinz Africa erklärt.
- Kriege von Karthago bis Kleinasien
- Das Staatsgefüge ist erschüttert
Bibliografie:
- Nigel Bagnall: Rom und Karthago. Der Kampf ums Mittelmeer, Berlin 1995
- Hermann Bengtson: Römische Geschichte, München, 2001
- Herbert Heftner: Der Aufstieg Roms. Vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall von Karthago (280-146 v. Chr.), Regensburg 1997
- Werner Huss: Karthago, Darmstadt 1992
- Karl H. Schwarte: Der Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges, Stuttgart 1983
- Jakob Seibert: Hannibal, Darmstadt 1993









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