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Satanismus

Satanismus

"Satan" ist die geläufigste Bezeichnung für den Teufel. Sie kommt aus dem Hebräischen und heißt so viel wie "Widersacher, Ankläger, Versucher".

Als Inbegriff des Bösen, Gegenspieler Gottes und Versucher zum Bösen tritt Satan erst im Neuen Testament auf. Die Zeit des Teufels schlechthin war das ausgehende Mittelalter, eine Zeit, in der alles im Umbruch begriffen war. Allgegenwärtig wurde er hier zum wirksamsten Helfer kirchlicher und weltlicher Gewalt: Angeklagt, mit dem Teufel im Bunde zu sein, wurden unzählige Menschen gefoltert und getötet.

Auch heute noch, im 20. Jahrhundert, ist Satan angesagt: Exorzisten versuchen, ihn auszutreiben, satanische Sekten zelebrieren in seinem Namen schwarze Messen. "Teufelsfilme" wie 'Der Exorzist' und 'Rosemary's Baby' hatten enormen Zulauf und extreme Zuschauerreaktionen zur Folge.

Der Mythos vom Teufel eignet sich wunderbar, die Ängste und dunklen Fantasien der Menschen aufzugreifen.

Die teuflische Geschichte

Die Legende von Satan als Gegner Gottes und als Herrn des im Menschen wirksamen "bösen Triebes" hat das Christentum vom Judentum übernommen.

Bild
Francisco Jose de Goya: Zwei Hexen fliegen zum Blocksberg. Radierung. 1796

Bestimmend für das gesellschaftliche Leben wurde die Vorstellung von der Existenz des Teufels im Mittelalter. Der mittelalterliche Christ fand eine Erklärung für alle Vorgänge und Ereignisse in seiner Welt im Kampf der beiden Mächte: der Teufel und der liebe Gott, die dunkle und die helle Macht, das Böse und das Gute. - Doch hatte dieses Weltbild auch schon Vertreter, die vor dem Mittelalter lebten, und ebenfalls hat es zeitgenössische Anhänger. - Der Seelenfänger der christlichen Volks- und Märchenvorstellungen war zuständig für die Fleischeslust, vor allem außerhalb der Ehe, für Wohlleben und Reichtum - eben für alles, was ein aufrichtiger Christ mißbilligte. Der Vorwurf, ein Anbeter des Teufels zu sein, führte zur Inquisition, also zur Verfolgung des Ketzers. Und dieser Vorwurf wurde sehr schnell gegen jeden erhoben, der von den herrschenden Lehren und Regeln abwich. Die Inquisition lebte in Deutschland besonders zur Zeit des Hexenwahns (1400 bis 1700) wieder auf. Hexen waren laut Volksglauben mit dem Teufel im Bunde. Zahllose Frauen wurden in dem religiösen Fanatismus jener Zeit, angeblich als Hexen überführt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Vater der heutigen Satansanhänger ist Aleister Crowley, der von 1875 bis 1947 lebte. Er nannte sich selbst "Antichrist", predigte das Gesetz der 'Starken': "Tu, was du willst!" - und befürwortete damit das 'Zertreten der Verdammten und Schwachen'. Crowley propagierte Sex als Mittel zum Erreichen der Unsterblichkeit und experimentierte mit Drogen. Sein Menschen verachtendes Weltbild erzeugt Fantasien vom Übermenschen und von schwarzer Magie als Machtmittel.

Hochkonjunktur bekam der Satanismus in den wilden Sechzigerjahren, in denen Jugendströmungen jede Autorität ablehnten. In jener Zeit entstanden viele Stücke in der Pop-Musik wie im Kino, die dem Teufel als Anti-Autorität schlechthin huldigten: so 'Sympathy for The Devil' (englisch; Sympathie für den Teufel) von den Rolling Stones oder '(I am the God of Hell) Fire' (englisch; Ich bin der Gott des Höllenfeuers) von Arthur Brown. 1968 wurde Polanskis 'Rosemary's Baby' gedreht.

Die Teufelsmode der Sechzigerjahre brachte viele Satanssekten hervor: 1966 die von A.S. La Vey, alias Howard Levy, in San Francisco gegründete "Church of Satan" (englisch; Satanskirche) oder 1967 die von Charles Manson gegründete "Final Church" (englisch; letzte Kirche), die Teufelskult mit Sexualmagie verband und ihre Mitglieder zu Blutritualen veranlasste.

In Deutschland beheimatete satanistische Organisationen heißen zum Beispiel "Temple of Seth" (englisch, Tempel des Untergangs) oder "First Church of Satan" (englisch; Erste Kirche Satans).

Das geheime Tun der Satanisten heute

Religionswissenschaftler unterscheiden zwei satanische Hauptrichtungen: einerseits die Minderheit der Anhänger, die das theologische Satansbild der Kirchen verehrt, wonach Satan der Widersacher Gottes und das Böse ist; andererseits die Satanisten, die sich ihr eigenes satanisches Weltbild geschaffen haben. Für sie ist Satan der Inbegriff von Lebensenergie und individualistischer Selbstwerdung: "Satanismus bedeutet für mich vor allem Betontheit der Lust, der sinnlichen Erlebniswelt." -"Ein richtiger Satanist ist, wer sich nicht unterkriegen lässt, siegreich aus allem hervorgeht, nicht um Kraft beten muss." Im letzten Zitat werden die Machtfantasien eines Teufelsanhängers besonders deutlich. Gewalt wird in diesen Kreisen verherrlicht, wenn zum Glück auch nur selten in seiner extremsten Form des Mordens ausgelebt. Aber auch für die Minderheit in der christlichen Tradition steht Satan für unverfälschte Lebenskraft, Kreativität und unverkrampftes Ausleben der Sexualität, doch lehnen sie Gewalt eindeutig ab.

Satansanhänger sind scheu, meiden die Öffentlichkeit. Neugier wird zunächst mit Misstrauen begegnet. Vorsichtsmaßnahmen gegenüber Fremden sind an der Tagesordnung: So wird ein neuer Teilnehmer meist mit verbundenen Augen zum Ort der Ritualsitzung geführt. Nicht selten werden Initiationshandlungen verlangt: Der Neue muss sich Satan weihen, zum Beispiel, indem er mit dem eigenen Blut eine entsprechende Erklärung unterschreibt, die anschließend verbrannt wird.

Rituale finden in Tempeln statt. Das kann ein abgedunkeltes Zimmer mit einem von Kerzen beleuchteten Altar sein, ein geheimer Ort im Wald oder auf dem Friedhof, an dem der Altar errichtet wird. Auf dem Altar aufgebaut sind satanistische Symbole wie Kreuze, Amulette, phallische Objekte und Pentagramme (Sterne mit fünf Zacken). Wird ein Liebeszauber oder ein Fluch geschworen, müssen auch persönliche Gegenstände des Beschworenen vorhanden sein: Haare, ein Kleidungsstück, ein Ring. Oft gehören Nacktheit und weiche Drogen mit zum Ritual.

Bei "Schwarzen Messen" wird die katholische Messfeier parodiert. Es werden möglichst alle Rituale der Kirchenmesse umgekehrt vollzogen und die heiligen Symbole so entweiht: Das Kreuz wird auf den Kopf gestellt, Hostien werden mit (Tier)Blut und/oder Exkrementen gereicht oder geopfert, heilige Texte rückwärts zitiert. Auch nackte Frauen auf dem Altar sind geläufig. Häufig wird auch von sexuellen Ausschweifungen berichtet. Menschenopfer (Mord und Selbstmord) werden von den meisten Satanisten abgelehnt.

Die Rituale, in denen Satan angerufen wird, sind in vielen Variationen denkbar. Woher stammen die Fantasien?

Heutzutage konsumieren viele Jugendliche jede Menge Gewalt- und Horrorvideos wie auch Horrorliteratur und Rockmusik mit zum Teil sehr rabiaten Texten: "Satan: Er ist Gott. Ich liebe es, meine Gegner abzustechen, ihnen die Kehle durchzuschneiden, den Schädel zu zerschmettern. Ich bin der Antichrist, ich bin der Wahnsinn" - so tönt es aus den Boxen. Einige Bands aus der 'Black Metal'-Ecke versprechen ihren Fans für Konzerte: "Wir zersägen Kreuze und blutige Köpfe auf der Bühne, erschießen Mönche und Jesus Christus."

Insbesondere psychisch labile Jugendliche fühlen sich zum Teufelskult hingezogen - schwarze Magie als Machtmittel?

Satanismus ist auch Zeitvertreib, ebenfalls für Erwachsene. Besondere Auswüchse zeigt der Teufelskult in der italienischen Industriestadt Turin. Klientel sind hier vor allem gelangweilte, wohlhabende Bürger, die mit Gruselspielen - wohlige Schauer eingeschlossen - aus ihrer tristen, verwalteten Realität flüchten wollen. Doch Vorsicht! Auch das Geschäft der Turiner Teufelsaustreiber floriert. Nicht selten entwickelt sich aus bloßer Neugier eine Gefangenschaft in Wahnvorstellungen.

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