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Sebastian Kneipp

Sebastian Kneipp - der Wasserdoktor

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Sebastian Kneipp (1821-1897)

Als Sohn eines armen Leinwandwebers wurde Sebastian Kneipp 1821 in Stefansried bei Ottobeuren geboren. Auf Grund der ärmlichen Verhältnisse in seinem Elternhaus konnte der wissensdurstige Kneipp erst mit 23 Jahren das Gymnasium besuchen. Als stark religiöser Mensch, der er Zeit seines Lebens und Wirkens bleibt, absolviert er anschließend das Jesuitenkolleg in Dillingen und später die theologische Hochschule in München.

Seine eigene Erkrankung führte Sebastian Kneipp zur Behandlung mit Wasser. Seine gesundheitlich schwache Konstitution und Überanstrengungen beim Lernen brachten dem jungen Kneipp ein schweres Lungenleiden ein: Lungentuberkulose mit heftigem Bluthusten und starker Erschöpfung. Nach Anleitung aus einem 1743 veröffentlichten Büchlein über die Heilkraft des Wassers, herausgegeben von den schlesischen Ärzten Johann Sigmund Hahn (Vater und Sohn mit gleichem Vornamen), verabreichte sich der junge Theologiestudent heimlich, da solche Radikalkuren als lebensgefährlich verboten worden wären, eiskalte Güsse mit der Gießkanne und stieg im Winter in einen eiskalten Fluss. Diese Kurmethode kurierte sein Leiden. Er fühlte sich nach eigenen Worten "aufgefrischt und gestärkt".

1855 wurde Kneipp als Beichtvater in das Dominikanerinnenkloster nach Wörishofen berufen. Dort setzte er zunächst in der Waschküche des Klosters seine Behandlungen, insbesondere seine kalten Wassergüsse aus der Gießkanne, fort. Immer intensiver beschäftigte sich Kneipp mit der Heilkraft des Wassers und der Kräuter. Bald kamen die ersten Erfolge in der Behandlung solch schwerer Erkrankungen wie Cholera und Tuberkulose. Schnell wurde der Theologe als "Wasserdoktor" oder "Cholera-Kaplan" bekannt.

Neider seiner Behandlungserfolge versuchten, ihn wegen Kurpfuscherei anzuzeigen. Der verhandelnde Richter ließ sich jedoch, statt ein gestrenges Urteil zu fällen, selbst Ratschläge zur Behandlung von Rheumatismus geben. Kneipp war klug genug, immer wieder die Ärzteschaft in seine Kurmethoden einzubeziehen, um weiteren Vorwürfen der Scharlatanerie entgegenzuwirken.

In Wörishofen, einem Dorf, das damals gerade 1030 Einwohner zählte, wurde 1880 eine eigene Badeanstalt eingerichtet, wo Kneipp in Zusammenarbeit mit Ärzten seine Sprechstunden abhielt. Hilfreich war ihm sicherlich neben seinen Heilmethoden auch seine besondere menschliche Ausstrahlung. Er zog seine Patienten schnell in seinen Bann. Ab 1890 erlebte das Kurwesen in Wörishofen bis heute einen enormen Aufschwung. Kurhäuser, Kliniken und Promenaden entstanden. 1920 wurde Wörishofen zum Bad ernannt. Mit heute über 300 Kurbetrieben und jährlich über 1,3 Millionen Übernachtungen zählt Bad Wörishofen heute zu den zehn größten Kurorten Deutschlands. Insgesamt gibt es in Deutschland heute mehr als 50 Kneipp-Heilbäder und über 100 000 Deutsche haben sich in mehr als 500 Kneipp-Vereinen zusammengeschlossen.

Die Kneipp-Kur oder Kneipptherapie, die für viele Menschen heute noch immer den Inbegriff der Naturheilkunde darstellt, beruht auf den Grundsätzen der Humoralpathologie, die davon ausgeht, dass Krankheitsstoffe aufgelöst und ausgeleitet werden müssen. Über Darm, Nieren und die Haut sollten die kranken Säfte aus dem Körper entfernt werden. Gefördert werden sollte diese Körperreinigung durch Wasser, Kräuter, Fasten, Schwitzen und "frische Luft". Kneipp erkannte recht schnell, dass sich die starken Reize, die das Wasser (z. B. bei Kälte- und Wärmebehandlungen) auf die Haut ausübt, auf den gesamten Organismus einwirken und gerade wechselwarme Behandlungen den Körper trainieren.

  1. Sebastian Kneipp - der Wasserdoktor
  2. Die Kneipp-Kur besteht letztlich aus einer Mischung von fünf Heilmethoden.
  3. Als Motto der Kneipp-Kuren gilt noch heute: Untätigkeit schwächt, Übung stärkt und Überlastung schadet

Bibliografie:

  • Christian Feldmann: Sebastian Kneipp. Sein Leben, seine Methoden, seine Erfolge, 1998
  • Sebastian Kneipp: Meine Wasserkur / So sollt ihr leben. Die weltberühmten Ratgeber in einem Band, 1997
  • Eberhard Schomburg: Sebastian Kneipp. Die Lebensgeschichte eines außergewöhnlichen Mannes, 1994
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