Selma Lagerlöf (1858-1940)
Leben
Selma Ottiliana Lovisa Lagerlöf wurde am 20. November 1858 im värmländischen Östra Ämtervik als viertes Kind des Leutnants Erik Gustav Lagerlöf und seiner Frau Luise Wallroth auf dem elterlichen Gut Mårbacka geboren. Angeblich sind ihr schon bei der Geburt u.a. lebenslange Krankheit, viele Reisen, viel Arbeit an Büchern und Ehelosigkeit vorausgesagt worden. Sie erlebte auf Grund einer angeborenen Missbildung des linken Beines und einer vorübergehenden Lähmung der Beine im Alter von dreieinhalb Jahren, die möglicherweise psychische Ursachen hatte, eine isolierte Kindheit und Jugend, in der sie viel den Geschichten aus ihrer von Sagen und Legenden reichen Heimat zuhören und lesen konnte.
Schon früh begann sie zu schreiben, es entstanden Tausende von Gelegenheitsgedichten, und als die Familie in den 1880er Jahren auf Grund des Alkoholismus des Vaters immer stärker in finanzielle Bedrängnis geriet, versuchte sie mit kleineren Arbeiten Geld zu verdienen. 1881 lernte Selma Lagerlöf die Frauenrechtlerin Eva Fryxell kennen, von der sie ermuntert wurde, ihr Schreibtalent in den Dienst der Frauenbewegung zu stellen. Trotz der Geldnöte durfte Selma Lagerlöf daraufhin ab 1882 am Kungliga höga lärarinnor seminariet in Stockholm eine Ausbildung zur Lehrerin an Mädchenschulen absolvieren, der 1885 eine Stelle an einem Mädchenpensionat in Landskrona folgte. Neben der Lehrtätigkeit schrieb Selma Lagerlöf im Dienst der großen Sache Vorträge, besuchte Diskussionsveranstaltungen, engagierte sich sozial und widmete sich ihrer schriftstellerischen Arbeit.
Als sie den Sommer 1890 bei ihrer jüngeren Schwester Gerda verbrachte, überredete diese die Ältere, bei einem Wettbewerb für Kurzgeschichten teilzunehmen. Selma Lagerlöf folgte dem Rat und bewarb sich mit fünf Kapiteln aus ihrem Manuskript einer Kavalierssaga von Värmland. Sie gewann den ersten Preis, und mit der Hilfe ihrer Gönnerin Baronin Sophie Lejonhuvfvud Adlersparre konnte das Werk bald fertig gestellt und 1991 veröffentlicht werden.
Trotz anfänglicher Missachtung seitens des Publikums und der Kritiker - es brauchte erst eine dänische Übersetzung und das Lob eines bekannten nachbarlichen Rezensenten - wurde der Roman "Gösta Berlings saga" ein Weltbestseller. In der Folge ermöglichten ein königliches Stipendium und die zusätzliche Unterstützung seitens der Schwedischen Akademie der Autorin die Beendigung des Schuldienstes und das Leben einer freien Schriftstellerin. Selma Lagerlöf bedankte sich für diese Hilfe nicht zuletzt mit großer Produktivität: bis zu ihrem Lebensende verging kaum ein Jahr, in dem nicht ein Werk von ihr den Weg ins Publikum fand, viele davon wurden durch Übersetzungen über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt.
1897 erreichte die Schriftstellerin über Valborg Olander, Professorin am Lehrerinnenseminar, der Vorschlag des Schuldirektors Alfred Dalin, ein Schulbuch zu schreiben, das den schwedischen Kindern ihre Heimat näher bringen sollte. Sie griff die Idee auf, und es entstand der Welterfolg "Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige" (1806/07). War Selma Lagerlöf bereits 1804 mit der Goldenen Medaille der Schwedischen Akademie und 1807 mit der Ehrendoktorwürde von Uppsala ausgezeichnet worden, so erhielt sie 1810 für "Nils Holgersson" als erste Frau den Nobelpreis für Literatur. Sie konnte sich dadurch einen Traum erfüllen: Das heruntergewirtschaftete Gut Mårbacka war nach dem Tod des Vaters im Jahr 1885 verkauft worden, nun konnte sie es zurückkaufen und wieder bewirtschaften. Die Nobelpreisträgerin, das erste weibliche Mitglied der schwedischen Akademie (seit 1914), die von Gästen aus aller Welt heimgesuchte Schriftstellerin wurde nun auch zur innovativen Bäuerin. Und sie engagierte sich, als Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg hereinbrachen: Sie half zum Beispiel deutschen Intellektuellen und Künstlern, die Exil in Schweden suchten - Nelly Sachs erhielt auf diese Weise ihr Visum - und vermachte ihre Nobelpreismedaille den von den Sowjets bedrängten Finnen.
Mitten in diesen Bemühungen starb Selma Lagerlöf in ihrem Geburtshaus Mårbacka am 16. März 1940 an einem Schlaganfall.
Zeittafel
- 1858 Am 20. November wird Selma Ottiliana Lovisa Lagerlöf als viertes Kind des Leutnant Erik Gustav Lagerlöf und seiner Frau Luise Wallroth auf dem Gut Mårbacka in der schwedischen Provinz Värmland geboren.
- 1861 Lähmungserscheinungen, die sich mit Ausnahme einer angeborenen Gehbehinderung nach einem Badeaufenthalt in Strömstad wieder verlieren.
- 1867 Aufenthalt in Stockholm zur Behandlung in einem gymnastischen Institut.
- 1873 Weiterer Aufenthalt in Stockholm zur Behandlung am gymnastisch-orthopädischen Institut von Hermann Sätherberg. Unglückliche Liebe zu einem Studenten.
- 1880 Um diese Zeit wird die finanzielle Lage der Familie Lagerlöf kritisch, der Vater ist seit einer schweren Lungenentzündung Alkoholiker. Selma Lagerlöf schreibt kleinere Arbeiten, um Geld zu verdienen.
- 1881 Auf einer Reise nach Gårdsjö lernt Selma Lagerlöf die Frauenrechtlerin Eva Fryxell kennen, die sie ermuntert ihr Schreibtalent in den Dienst der Frauenbewegung zu stellen. Vorbereitungsjahr im Lyzeum von Sjöberg.
- 1882 Eintritt in das Kungliga höga lärarinnor seminariet in Stockholm, wo Selma Lagerlöf eine Ausbildung zur Lehrerin an Mädchenschulen absolviert.
- 1885 Lehrerin in einem Mädchenpensionat in Landskrona. Tod des Vaters.
- 1890 Selma Lagerlöf sendet bei einem Wettbewerb für Kurzgeschichten fünf Kapitel aus dem Manuskript von "Gösta Berling" ein und erhält den ersten Preis.
- 1891 "Gösta Berlings saga"; der Erfolg des Romans sowie ein königliches Stipendium, das von der Schwedischen Akademie noch aufgestockt wird, ermöglicht der Autorin ein Leben als freie Schriftstellerin.
- 1894 Die Novellensammlung "Osynliga länkar" (dt. "Unsichtbare Bande") erscheint.
- 1895 Reise nach Italien.
- 1897 "Antikrists mirakler" (dt. "Die Wunder des Antichrist"). Umzug nach Falun; Zusammenarbeit mit Valborg Olander durch die sie Alfred Dalin kennen lernt, der ihr den Auftrag zu einem Schulbuch, dem späteren "Nils Holgersson", gibt.
- 1898 "En herrgardssägen" (dt. "Eine Herrenhofsage").
- 1899 Studienreise nach Ägypten und Palästina.
- 1901/02 Das zweibändige Werk "Jerusalem" erscheint.
- 1904 Verleihung der Goldenen Medaille der Schwedischen Akademie.
- 1906 Der erste Teil von "Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige" wird fertig gestellt.
- 1907 Der zweite Teil von "Nils Holgersson" wird fertig gestellt. Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala.
- 1909 Verleihung des Nobelpreises.
- 1910 Rückkauf von Mårbacka; Selma Lagerlöf wohnt bis zum Lebensende auf dem Gut.
- 1914 Als erste Frau Mitglied der Schwedischen Akademie. "Kejsarn av Portugallien" (dt. "Jans Heimweh" bzw. "Der Kaiser von Portugal").
- 1918 "Bannlyst" (dt. "Das heilige Leben").
- 1922 Jugenderinnerungen "Mårbacka".
- 1925-28 Die Trilogie über die Familie Löwensköld (1925 "Löwensköldas ringen", 1925 "Charlotte Löwensköld", 1928 "Anna Swärd").
- 1928 Die Gesammelten Schriften, "Samlade skrifter" (teilweise schon 1925), erscheinen.
- 1930 Memoiren "Ett barns memoarer".
- 1932 Tagebuch "Dagbok för S.O.L."
- 1940 Am 16. März stirbt Selma Lagerlöf in ihrem Geburtshaus an einem Schlaganfall.


- Leben
- Werk
Bibliografie:
- Jensen Christian: Selma Lagerlöf. Die Gutsherrin von Mårbacka, München [u.a.] (o.J.)
- Vivi Edstöm: Selma Lagerlöf, Boston 1984
- Claudia Eberhard-Metzger: Ich bin eine Zuhörerin, eine Wiedererzählerin; in Charlotte Kerner (Hrsg): Madame Curie und ihre Schwestern - Frauen, die den Nobelpreis bekamen. Weinheim und Basel 1997
- Selma Lagerlöf seen from abroad. Ett symposium i Vitterhetsakademien den 11 och 12 september 1991, Red.: Louise Vinge, Stockholm 1998
- Sibylle Schweitzer: Selma Lagerlöf. Eine Biografie, mit einem Essay von Gerd Wolfgang Weber, hrsg. von Gunilla Rising Hintz, Marburg 1990
- Jennifer Watson, Swedish Novelist Selma Lagerlöf, 1858-1940, and Germany at the Turn of the Century: O du Stern ob meinem Garten - Lewiston 2004
Institution(en):
- MårbackastiftelsenBox 306S-68626 Sunne+46 (0)565 31027+ 46 (0)565 31029info@marbacka.com









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