Sonatenhauptsatzform
Begriff
Mit "Sonatenhauptsatzform", "Sonatensatzform", "Sonatenform" oder "Sonatensatz" wird eine musikalische Form bezeichnet, die sich in der Epoche der Klassik zum wesentlichen Gestaltungselement entwickelt. Die wichtigsten Komponisten dieser Epoche waren Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Nach dieser Form ist der erste Satz von
- Sonaten
- Symphonien
- Konzerten
- kammermusikalischen Werken
aufgebaut.
Die wesentlichen Bestandteile des Sonatensatzes sind:
- drei strukturelle Teile: Exposition, Durchführung, Reprise; manchmal wird die Form um einen vierten Teil, die Coda, erweitert; teilweise findet man auch eine als Introduktion bezeichnete Einleitung
- zwei einander gegenüber gestellte, voneinander unabhängige Themen
Exposition
Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort "expositio" = Aufstellung ab. In der Musik wird damit die Vorstellung der zwei Themen bezeichnet:
- 1. Thema = Hauptthema oder Hauptsatz; dieses Thema steht harmonisch in der Tonika (auf der 1. Stufe; Dreiklänge und Kadenzen)
- 2. Thema = Seitenthema oder Seitensatz; dieses Thema unterscheidet sich von dem ersten nicht nur melodisch, sondern auch harmonisch, indem es in der Dominante (auf der 5. Stufe; → Dreiklänge und Kadenzen) erscheint; steht das erste Thema nicht in einer Dur- sondern in einer Moll-Tonart Tonleitern, dann erscheint das zweite Thema in der Moll-Parallele (→ Dreiklänge und Kadenzen)
Durchführung
Das musikalische Material, das in der Exposition vorgestellt worden ist - also die zwei Themen - wird in diesem Teil "durchgeführt", d.h. verarbeitet bzw. variiert (verändert). Für diese Arbeit stehen dem Komponisten verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Themenausschnitt: einzelne Teile eines Themas werden verwandt, verarbeitet bzw. variiert
- Modulation: harmonische Veränderung durch Verarbeitung in einer anderen Tonart
- Sequenz: die Wiederholung eines Motivs (oder eines Ausschnittes daraus) in einer anderen Tonhöhe
- Vergrößerung oder Augmentation: die Veränderung eines Motivs (oder eines Ausschnittes daraus) durch Vergrößerung der Notenwerte
- Verkleinerung oder Diminution: die Veränderung eines Motivs (oder eines Ausschnittes daraus) durch Verkleinerung der Notenwerte
- Umkehrung oder Spiegelung: die Veränderung eines Motivs durch Verwendung der umgekehrten Intervalle (= Tonabstände)
- Krebs: das Motiv wird melodisch von hinten nach vorne aufgebaut
Reprise
Der Begriff leitet sich sowohl aus dem Französischen ab (reprise = Wiederholung, Wiederaufnahme) als auch von dem italienischen Wort "ripresa" = Fortsetzung, Wiederaufnahme her. In diesem Teil werden die Themen aus der Exposition wieder aufgenommen, wobei das 2. Thema (Seitenthema) zumeist nicht mehr in der Dominante, sondern ebenfalls in der Tonika erscheint. Darüber hinaus gibt es viele weitere Möglichkeiten, durch die sich die Reprise von der Exposition musikalisch absetzen kann:
- Thema 2 kann vor Thema 1 erscheinen
- Thema 2 kann komplett wegfallen
- Thema 2 wird durch ein neues Thema (Thema 3) ausgetauscht
- Verwendung von Material aus der Durchführung
- Hinzufügen einer weiteren Durchführung





Bibliografie:
- Stefan Kunze: Mozart - Sinfonie g-Moll, KV 550, W. Fink Verlag, München 1968
- Wolfgang A. Mozart: Sinfonie g-Moll (KV 550), Studienpartitur, Schott Verlag, Mainz o. J.
- L. K. Weber: Das ABC der Formenlehre, Zimmermann Verlag, Frankfurt a. M. 4. Auflage 1983









1 Kommentar