Spanien (España)
Altertum und frühes Mittelalter (bis 756)
Während der Jungsteinzeit wanderten die Iberer - wohl aus Nordafrika kommend - auf die Iberische Halbinsel ein. Angezogen von günstigen Küsten, Rohstoffen und Edelmetallen gründeten um 1100 v. Chr. die Phönikier Handels- und die Griechen ab 800 Siedlungskolonien an der Mittelmeerküste, von denen Cadiz die berühmteste war. Im Landesinnern entstanden kleinere Siedlungen, besonders im goldreichen Andalusien. Um 600 v. Chr. drangen über die Pyrenäen keltische Stämme ein, die sich mit den Iberern vermischten und als Keltiberer den größten Teil des Landesinnern besiedelten.
Größeres politisches Gewicht erhielt der spanische Süden durch die im 3. Jh. einsetzende karthagische Expansion, die die Iberische Halbinsel in die Auseinandersetzungen Karthagos mit dem Römischen Reich hineinzog. Aus dem Konflikt um Sagunt entwickelte sich der 2. Punische Krieg (218-201), der mit der Ablösung der karthagischen Herrschaft durch die römische endete. Ausgehend von den zunächst auf die Küstengebiete begrenzten Provinzen Hispania Citerior und Hispania Ulterior (197), drangen römische Legionen nach Norden vor und stießen auf heftigen Widerstand der Keltiberer, der in den Kämpfen um Numantia (bis 133) einen ersten Höhepunkt fand. Erst Augustus vollendete 17 v. Chr. die Eroberung der Iberischen Halbinsel, die nachfolgend - bis auf die Basken in den Pyrenäen - durchgreifend romanisiert wurde.
Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches 476 n. Chr. errichteten die Westgoten unter endgültiger Verdrängung der um 400 als römische Föderaten angesiedelten Wandalen, Sueben und Alanen eine unabhängige Territorialherrschaft. Der Übertritt König Rekkareds I. (586-601) zum Katholizismus 587 beendete das Eheverbot zwischen Westgoten und Romanen und steigerte den Einfluss romanischer Geistlicher auf die westgotische Kriegerkaste. Die Konfrontation zwischen Geistlichkeit und westgotischer Oberschicht mündete 710 in den Bürgerkrieg und Sturz von König Witiza (702 bis 710). Seine Söhne riefen gegen König Roderich (710/11) die islamisierten Mauren zu Hilfe, deren Heerführer Tarik seit 711 das geschwächte Westgotenreich bis auf einen schmalen Streifen im Nordwesten rasch eroberte.
Die muslimische Expansion stoppte der Westgote Pelayo 722 im Norden und begründete das kleine christliche Königreich Asturien. Nachdem die Omaijadenherrschaft in Damaskus 750 von den Abbasiden gestürzt worden waren, transformierte Abd ar-Rahman I. (756 bis 788) das maurische Spanien 756 zum Emirat von Córdoba (ab 929 Kalifat).
Die religiös tolerante Omaijadenherrschaft brachte Spanien eine drei Jahrhunderte währende Zeit wirtschaftlicher und kultureller Blüte.
Reconquista (756-1250)
Leitlinie der mittelalterlichen Geschichte Spaniens war die christliche Rückeroberung der muslimischen Territorien ("Reconquista"), die jedoch lange von den Machtkämpfen der christlichen Königreiche im Norden und Nordwesten behindert wurde.
Ausgangspunkt der christlichen Staatenbildung war neben Asturien (ab 924 nach der neuen Hauptstadt León benannt) die 795 von den Franken geschaffene Spanische Mark, die durch ein Burgensystem den Raum bis zum Ebro absicherte. Machtpolitisch folgte auf das zunächst dominierende Asturien im 10. Jh. das baskische Königreich Navarra als Hegemonialmacht, bis es nach dem Tod von Sancho III. (1000-1035) geteilt wurde. Die aus der Erbmasse entstandenen Königreiche Kastilien und Aragón stiegen zu den beherrschenden christlichen Mächten auf der Halbinsel auf, wobei Kastilien 1037 das Königreich León eingliederte. Navarra geriet zunehmend unter französischen Einfluss, das gleichfalls 1035 entstandene Königreich Barcelona spielte machtpolitisch ebenso wie im Nordwesten Galizien (910-914 und 1060-1071, danach kastilisch) eine untergeordnete Rolle.
Die Hegemonialstellung Aragóns und Kastiliens im christlichen Spanien, gepaart mit dem Zerfall des Kalifats von Córdoba in 23 Einzelreiche 1030/31, gab der Reconquista entscheidende Impulse. Durch den 1064 vom Papst gewährten Segen und Sündenablass für alle Kämpfer gegen die Mauren erhielt der Kampf gegen die Nachfolgestaaten des Kalifats zudem sakrosankten Kreuzzugscharakter. 1085 eroberte Alfons VI. von Kastilien (1072-1109) Toledo und nahm den Titel eines "Kaisers von Spanien" an. Die christliche Rückeroberung kam jedoch infolge der von den Mauren 1086 zu Hilfe gerufenen afrikanischen Almoraviden ins Stocken, die ihrerseits 1149 den Almohaden weichen mussten. Erst im 13. Jh. gelang mit Hilfe Portugals die Eroberung der islamischen Restreiche bis auf Granada, das sich unter der Nasriden-Dynastie bis 1492 behauptete.
Nationalstaatswerdung (1250-1479)
Innen- wie außenpolitisch entwickelten sich Aragón und Kastilien im 13. Jh. wegen der in ihrer Bedeutung nachlassenden Klammer der Reconquista stark auseinander. Aragón expandierte im Mittelmeerraum und stritt mit Frankreich um den Besitz Korsikas, Sardiniens und besonders Siziliens, das seit dem Niedergang der staufischen Herrschaft 1250 zum Machtvakuum herabsank. Die von Byzanz und Peter III. von Aragón (1276-1285) initiierte "Sizilianische Vesper", die 1282 die Anjou-Herrschaft auf der Insel blutig beendete, mündete in den Krieg mit Frankreich und hatte das Generalprivileg von Saragossa (1283) zur Folge, das die Cortes (Stände) gegenüber der Krone stärkte.
Demgegenüber behauptete sich im kontinental orientierten Kastilien ein starkes Königtum, das erst durch die Verwicklung in den Hundertjährigen Krieg (1337 bis 1453) geschwächt wurde, in dem sich Kastilien auf die Seite Frankreichs stellte. Heinrich II. von Trastamara (1369-1379) erhob sich mit englischer Hilfe 1365 gegen Peter I. (1360-1369) und begründete nach seinem Sturz 1369 die Trastamara-Dynastie. Seine Versuche, Aragón bzw. Portugal zu erobern, brachten Kastilien nun auch in Gegensatz zu England und isolierten es international. Der erste Höhepunkt der Judenpogrome 1391 und die folgende Fluchtwelle der finanzstarken jüdischen Händlerschicht leitete eine "Nationalisierung" der Wirtschaft ein, die 1492 mit der Vertreibung der Juden ihren Abschluss fand, schwächte jedoch zunächst Land und Krone ökonomisch.
In häufigen Bürgerkriegen gewannen die Stände im 15. Jh. nun auch in Kastilien größeren Einfluss. Den Höhepunkt dieser innen- und außenpolitischen Schwächeperiode bildete der Kastilische Erbfolgekrieg, der nach dem Tod Heinrichs IV. (1454-1474) ausbrach, dessen Tochter Johanna als illegitim galt. Portugal erhob Erbansprüche, musste aber 1479 im Vertrag von Alcáçovas Heinrichs Halbschwester Isabella I. (1474-1504) als kastilische Herrscherin anerkennen, die sich aufgrund ihrer 1469 geschlossenen Ehe mit dem aragonesischen Thronfolger Ferdinand (II.) militärisch durchsetzte. Die Krönung Ferdinands II. (1479-1516) begründete die dynastische Verbindung Kastiliens und Aragóns als Basis des spanischen Nationalstaates.
Aufstieg und Fall der Weltmacht (1479-1659)
Innerhalb weniger Jahre stieg Spanien zur beherrschenden Kontinental- und Seemacht auf. 1486 gewann Christoph Kolumbus (*1451, †1506) das aragonesisch-kastilische Herrscherpaar als Auftraggeber für die Suche eines westlichen Seeweges nach Indien, der 1492 zur Entdeckung Amerikas und Expansion Spaniens in Übersee führte (neben dem Schwerpunkt Amerika auch in Südostasien und Afrika). Aus der Ehe zwischen Johanna (der Wahnsinnigen) und Philipp von Habsburg (1494) ging Karl I. (1516-1556) hervor, der erstmals in einer Person die Kronen Aragóns und Kastiliens vereinte und 1519 als Karl V. zum römisch-deutschen Kaiser gewählt wurde. Die Verbindung aus Spanien, Imperium, habsburgischem Hausbesitz und spanischem Kolonialreich etablierte den ersten Territorialverband von Weltgeltung, von dem Karl I. sagte, dass in ihm die Sonne nie untergehe.

Parallel zur äußeren Machtfülle wuchsen die Konflikte. Auf dem Kontinent sah sich Karl von Frankreich herausgefordert, dass die "habsburgische Umklammerung" zerbrechen wollte. Zudem zersplitterte die Auseinandersetzung mit den Osmanen in Südosteuropa die Machtfülle des Kaisers. Als dritter Konfliktherd etablierte sich die beginnende Auseinandersetzung mit der Reformation, die das Imperium seiner religiösen Klammer beraubte.

Auf Druck separatistischer, von der Reformation gestärkter Kräfte in Europa, die ein machtvolles Kaisertum nicht mehr akzeptieren wollten, musste Karl 1556 abdanken. Der spanisch-österreichische Machtkomplex zerbrach mit der Krönung Philipps II. in Spanien (1556-1598), der die westlichen und südlichen Habsburgerterritorien (spanische Niederlande und Italien) erbte, während Ferdinand I. die Habsburger Erblande, Tirol und Elsass behielt und Kaiser wurde. Der Freiheitskampf der Niederlande seit 1572 beschwor neben der Konfrontation mit Frankreich auch den Konflikt zwischen England und Spanien herauf, der die militärische Dominanz der spanischen Flotte und Armee in Europa endgültig beendete (Untergang der spanischen Armada 1588).
Daran konnte auch die Personalunion mit Portugal 1580-1640 nichts ändern, da sie lediglich einen weiteren Konfliktherd bildete. Die immensen Belastungen des Staatshaushaltes durch die ständigen Kriege lösten 1640 den Katalonischen Aufstand aus, der einerseits Portugals erneute Unabhängigkeit zur Folge hatte, andererseits Spanien im Innern so weit schwächte, dass es mit Frankreich 1659 den Pyrenäenfrieden schließen musste, der im Wesentlichen die heutige Grenze beider Staaten festlegte und Frankreich endgültig zur neuen Hegemonialmacht in Europa erhob.
Im Schatten Frankreichs (1659-1814)
Der Tod des kinderlosen Karls II. (1665-1700) löste den Spanischen Erbfolgekrieg aus, da Karl testamentarisch den französischen Bourbonen Philipp zum Nachfolger bestimmt hatte, die österreichen Habsburger jedoch Erbansprüche geltend machten. Frankreich unter Ludwig XIV. wollte eine erneute Vereinigung des habsburgischen Besitzes verhindern und strebte selbst nach einer Personalunion mit Spanien. Gegen die Gefahr einer französischen Hegemonie handelte Großbritannien 1701 die Große Haager Koalition mit den Niederlanden und Österreich aus. Nach langen Kampfhandlungen, die von Nordamerika über Spanien und Italien bis ins Deutsche Reich hineinreichten, endete der Krieg mit den Friedensschlüssen von Utrecht und Rastatt 1713/ 1714. Die Personalunion zwischen Frankreich und Spanien wurde verboten, auch wenn der Bourbone Philipp V. (1700-1746) als spanischer König anerkannt blieb. Er musste die Spanischen Niederlande, Sardinien und Mailand an Österreich sowie Gibraltar an Großbritannien abtreten.
Innenpolitisch wirkte sich die Bourbonenherrschaft positiv aus, da Philipp V. bis zu seinem Tod 1746 das effektive Modernisierungsmodell des französischen Absolutismus auf Spanien übertrug. Seine Nachfolger Ferdinand VI. (1746-1759) und besonders Karl III. (1759-1788) vollendeten den zentralistischen Einheitsstaat. Karl brach mit der Jesuitenausweisung 1767 den Einfluss der katholischen Kirche, gliederte die südamerikanischen Kolonien neu (Einrichtung des Vizekönigreichs Río de la Plata 1776) und stellte ihre Bewohner den in Spanien lebenden Untertanen gleich.
Außenpolitisch sank Spanien zu einer Art Klientelstaat des übermächtigen Frankreich herab, das es in seine zahlreichen, kostspieligen Kriege hineinzog. Der Status des bourbonischen Bündnisses wurde nach Niederlagen in Italien (bis 1720) erstmals im 1. Escorialvertrag von 1733 fixiert. Zwar gewann Spanien Parma-Piacenza (1731/1748) und Neapel-Sizilien (1734), verlor aber im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) Florida und Menorca kurzfristig an Großbritannien (bis 1783). Die Thronbesteigung Karls IV. (1788-1808, 1814-1833) markiert die Aufgabe jeder selbständigen Außenpolitik, da er seiner Frau Marie Luise Farnese von Parma und ihrem frankophilen Günstling Manuel de Godoy die Geschäftsführung weitgehend überließ.
Nach Ausbruch der Französischen Revolution 1789 trat Spanien nur kurzzeitig einer antifranzösischen Koalition bei (1793-1796), um anschließend erneut Anlehnung an das expandierende Frankreich zu suchen. 1800 trat es seine nordamerikanischen Territorien westlich des Mississippi an Napoleon Bonaparte ab, der sie seinerseits 1803 an die USA verkaufte. Ein offizielles Bündnis von 1804 zementierte die Gegnerschaft zu Großbritannien, das 1805 bei Trafalgar die spanisch-französische Flotte versenkte.
Die Niederlagen und die teure Kriegführung lösten 1808 einen Volksaufstand aus, der Karl IV. zugunsten seines frankophoben Sohnes Ferdinands VII. zur Abdankung zwang, jedoch unmittelbar die französische Besetzung nach sich zog. Gegen die Erhebung Joseph Bonapartes zum König (1808-1813) bildete sich eine bis dahin in Europa einmalige Widerstandsbewegung, die sich aus allen Gesellschaftskreisen rekrutierte und in der Junta Central unter José Monino y Redondo von Floridablanca eine Gegenregierung bildete. 1812 proklamierte sie in Cádiz eine liberale Verfassung für eine konstitutionelle Monarchie und befreite Spanien im Guerillakrieg mit Hilfe des britischen Expeditionskorps unter Arthur Wellesley Wellington bis 1813 von der französischen Besetzung. Der auf den Thron zurückgekehrte Ferdinand VII. hob 1814 entgegen seinem Versprechen die Verfassung auf und restaurierte den absolutistischen Staat.
Innere Krise (1814-1886)
Die Freiheitskämpfe, in denen erstmals der das gesamte 19. Jh. prägende Konflikt zwischen Absolutismus und Liberalismus ausbrach, hatten zugleich große Auswirkungen auf die süd- und mittelamerikanischen Kolonien. Die Schwäche Spaniens stärkte die Unabhängigkeitstendenzen der kreolischen Oberschicht, die sich zunächst vom französischen Regime, dann aber auch von der Restauration Ferdinands VII. lossagten. Die Auflösung begann im Vizekönigreich Neugranada mit den Unabhängigkeitserklärungen Kolumbiens (1810) und Venezuelas (1811) und dehnten sich bis 1821 (Peru) auf sämtliche Territorien aus. 1824/25 unterlagen die spanischen Truppen endgültig den Unabhängigkeitskämpfern, die von Simón Bolívar (*1783, †1830) schlagkräftig geführt wurden. 1819 verkaufte Spanien außerdem Florida an die USA.
Die Unruhen in den Kolonien schlugen 1820 ins Mutterland zurück, als in Cádiz Truppen vor ihrer Ausschiffung nach Südamerika meuterten und das 1. Pronunciamiento (Umsturz) auslösten. Die Revolution führte zunächst zur Anerkennung der Verfassung von 1812, mündete aber in einen Bürgerkrieg, als radikalliberale, antimonarchistische Kräfte nach der Macht griffen. Die Intervention französischer Truppen im Auftrag der Heiligen Allianz beendete die Auseinandersetzungen 1823.
Als Ferdinand VII. 1833 ohne männlichen Erben starb, kam es erneut zu einem Bürgerkrieg zwischen den Anhängern seiner Tochter Isabella II. und seinem Bruder Don Carlos (*1788, †1855), der den Thron für sich beanspruchte und in Kontinuität zum reaktinär-absolutistischen Ferdinand regieren wollte. Der 1. Karlistenkrieg endete 1839 zugunsten Isabellas, deren Vormund Maria Christiana bereits 1834 durch Abschaffung der Inquisition und Erlass der "Estatuto Real" (im Wesentlichen Anerkennung der Verfassung von 1812) liberale Zeichen gesetzt hatte, die 1837 in einer Verfassung (u. a. Einführung des Zweikammersystems, Abschaffung des Kirchenzehnten) modifiziert wurde. Nachdem Isabella II. 1843 mündig geworden war, schränkte sie per neuer Verfassung das Wahlrecht wesentlich ein (1845), schlug eine zweite Erhebung der ultrakonservativen Karlisten nieder (1847-1849) und versuchte, den Einfluss Spaniens in Lateinamerika zu erneuern (Intervention in Mexiko mit Großbritannien und Frankreich 1861/62).

Eine große Koalition aus Heer, Flotte und antimonarchistischen Liberalen erzwang 1868 die Flucht der Königin nach Frankreich. In einem kurzen Bürgerkrieg (2. Karlistenkrieg) setzten sich die gemäßigt monarchistischen Kräfte durch, erließen 1869 die bisher liberalste Verfassung Spaniens (u. a. allgemeines Männerwahlrecht) und boten 1870 dem Hohenzollern Leopold den Thron an (Auslöser des deutsch-französischen Krieges 1870/71), der verzichtete. Eine Entspannung zwischen Radikalliberalen, Konstitutionalisten und Ultramonarchisten gelang auch Amadeus I. von Savoyen (1870-1873) nicht, der angesichts des 3. Karlistenkrieges (1872 bis 1876) abdankte. Den Bürgerkrieg überlebte auch die 1. Republik (1873/74) nicht, so dass mit Alfons XII. (1874-1885) der älteste Sohn Isabellas II. Ende Dezember 1874 die Monarchie restaurierte. Alfons schlug die Karlisten und erließ 1876 eine restaurative Verfassung, die konservative und liberale Interessen verband. Obwohl sie u. a. das Wahlrecht per Zensus wieder auf 5 % der Bevölkerung beschränkte und nur der agrarischen und industriellen Elite die Teilhabe an der Macht ermöglichte, versöhnten sich Konstitutionalisten und große Teile der Liberalen mit der Monarchie.
Zerfall der Monarchie (1886-1931)
Die Vormundschaftsregierung Maria Christines von Österreich (1886-1902) für Alfons XIII. (1886 bis 1931) gefährdete die gerade gewonnene Konsolidierung. Einen Schock versetzte dem spanischen Selbstbewusstsein der Verlust Kubas, Puerto Ricos, der Philippinen und Guams im Krieg gegen die USA 1898. Im Innern erstarkten separatistische Strömungen (Basken, Katalonen), die Kirche intervenierte in der Politik, und eine radikale Arbeiterbewegung destabilisierte das labile Gleichgewicht zwischen Konservativen und Liberalen. Seit der Übernahme der Regierungsgeschäfte 1902 zeigte Alfons XIII. expansive Tendenzen, die sich in der Intervention in Marokko zeigten. Die Algeciras-Akte 1906 bestätigte zwar spanische Interessen in Marokko, institutionalisiert durch ein Protektorat über den Norden und Süden 1912, brachte dem Land aber eine Quelle ständiger Unruhe.

Nach dem Ersten Weltkrieg - in dem Spanien neutral blieb - eskalierten die sozialen Spannungen in zahlreichen Erhebungen der Landbevölkerung und rechter wie anarchistischer Gruppen. Alfons XIII. unterstützte den Militärputsch von General Miguel Primo de Rivera gegen die Regierung, der 1923 bis 1930 eine Diktatur unter Aufhebung der Verfassung von 1876 errichtete. Er beendete den Aufstand in Marokko (Sieg über Abd el-Krim 1926), konnte aber die ökonomische Krise nicht meistern und musste nach mehrfachen Revolten von Militärs und Studenten 1930 zurücktreten. 1931 dankte auch Alfons XIII. ab und ermöglichte dem Liberalkonservativen Niceto Alcalá Zamora y Torres (1931 bis 1936) die Proklamation der 2. Republik.
Republik und Bürgerkrieg (1931-1939)
Auch der Republik gelang es nicht, die tiefe gesellschaftliche Kluft in der spanischen Gesellschaft zu überwinden, die auf der rechten Seite von faschistischen Falangisten über Monarchisten bis zu Konservativliberalen und im linken Lager von Linksliberalen über Sozialisten und Kommunisten bis zu Anarcho-Syndikalisten reichte. Die starken Gegensätze mündeten 1936 in den Spanischen Bürgerkrieg, als sich gegen die gewählte Volksfront-Regierung die Garnisonen in Spanisch-Marokko erhoben (bis 1939). Die Führung der Nationalfront übernahm Francisco Franco y Bahamonde (*1892, †1975), der 1937 die Falangisten mit den katholischen Traditionalisten, den ehemaligen Karlisten, vereinte. Die Auseinandersetzung zeichnete die Konfrontation zwischen dem Rechtstotalitarismus und demokratischen Regierungen im Zweiten Weltkrieg vor. Franco siegte 1939 mit militärischer Unterstützung der faschistischen "Bruderstaaten" Italien und Deutschland (Bombardierung Guernicas 1937) über die von der UdSSR und Mexiko favorisierte Volksfront, die zudem in "Internationalen Brigaden" von Republikanern, Sozialisten und Kommunisten aus aller Welt Hilfe erhielten.
Franco-Dikatatur (1939-1975)
Nach seinem Sieg etablierte Franco einen autoritären Staat, dessen Verfassung auf ihn als "Caudillo" (Führer) zugeschnitten war. Die Falange-Bewegung diente ihm als Einheitspartei zur innenpolitischen Absicherung. Außenpolitisch verzichtete Franco trotz Avancen von Seiten Adolf Hitlers auf ein Kriegsbündnis mit Deutschland im Zweiten Weltkrieg und stellte ab 1941 lediglich die sog. Blaue Division als "Freiwilligenverband" für den Feldzug gegen die UdSSR zur Verfügung. Nach 1945 blieb das Franco-Regime außenpolitisch zunächst isoliert (Verweigerung der UNO-Aufnahme). Franco verschleierte daraufhin seine Diktatur, indem er Spanien 1947 zur (bis zu seinem Tode königslosen) katholischen Monarchie erklärte. Im Kalten Krieg konnte Franco die Isolierung Spaniens schließlich 1950 durchbrechen, als die USA das strategisch wichtige Land mit materiellen Hilfeleistungen versorgten. 1953 folgte ein offizieller Bündnisvertrag (Flotten- und Luftstützpunkte für die USA) und 1955 die Aufnahme in die UNO. Innenpolitisch unterdrückte die Falange jede Opposition, konnte aber den militanten Separatismus im Baskenland und in Katalonien nicht niederhalten. Die sozialen Spannungen versuchte Franco durch Industrialisierung, Landverteilung und die Entsendung von Gastarbeitern (besonders nach Deutschland) abzubauen. Zudem trieb er die Dekolonialisierung voran (Spanisch-Guinea 1968, Ifni 1969, Spanisch-Sahara 1976).
Aufbau der Demokratie und Übergang ins 21. Jahrhundert (seit 1975)
Um sein Erbe zu sichern, designierte Franco 1969 Juan Carlos de Borbón y Borbón, Enkel Alfons’ XIII., als König, der nach seinem Tod 1975 als Juan Carlos I. den Thron bestieg. Obwohl Franco die Erziehung des jungen Mannes seit den 50er-Jahren bestimmt hatte, wendete sich Juan Carlos entschieden gegen eine Fortsetzung des autoritären Regimes. Er entließ die politischen Gefangenen, ließ politische Parteien und Gewerkschaften zu und dehnte die Pressefreiheit aus. Der von ihm ernannte Ministerpräsident Adolfo Suárez Gonzáles (1976-1981), der Führer der Union des Demokratischen Zentrums (UCD), wurde 1977 in ersten freien Wahlen bestätigt, die von den Parteien ausgearbeitete parlamentarisch-monarchistische Verfassung 1978 per Volksabstimmung angenommen.
Nach dem Rücktritt von Suárez 1981 gefährdeten Putschversuche der Militärs und der zunehmende Druck der baskischen Extremisten - trotz der 1978 gewährten inneren Autonomie - die junge Demokratie. Erst der Sozialist Felipe González Márquez, der das Franco-Regime aus dem Untergrund bekämpft hatte, leitete als Ministerpräsident seit 1982 die endgültige Konsolidierung ein, die in der NATO- und EG-Aufnahme (1982/86) außenpolitische Anerkennung erfuhr. Aus vorgezogenen Neuwahlen im März 1996 ging die »Volkspartei« (PP) unter Führung von J. M. Aznar als Siegerin hervor. Aznar bildete eine von den regionalistischen Parteien gestützte Minderheitsregierung. Bei den Parlamentswahlen im März 2000 konnte die PP die absolute Mehrheit der Parlamentssitze erringen. Mord- und Terroranschläge der baskischen Untergrundorganisation ETA belasteten das innenpolitische Klima. 2002 kam es wegen der Mittelmeer-Insel Perejil zu außenpolitischen Spannungen mit Marokko. Im Irak-Konflikt 2003 unterstützte Spanien den Kurs der USA. Am 11. 3. 2004 forderten terroristische Anschläge auf Pendlerzüge in Madrid fast 200 Tote. Die von dieser Katastrophe beeinflussten Parlamentswahlen am 14. 3. 2004 gewannen die Sozialisten mit ihrem Spitzenkandidaten J. L. Rodríguez Zapatero, der neuer Ministerpräsident wurde. Die von ihm gebildete Minderheitsregierung leitete einen Strategiewechsel in der Außenpolitik ein und zog die spanischen Truppen aus dem Irak ab. Nach der Festnahme mehrerer ETA-Führer verkündete die Separatistenorganisation 2006 eine Waffenruhe. Im selben Jahr sprach sich die Bevölkerung Kataloniens in einem Referendum für ein neues Autonomiestatut aus, das die politischen und wirtschaftlichen Rechte der Region weiter stärkte. 2007 kündigte die ETA den Waffenstillstand, den sie bereits 2006 durch einen neuerlichen Anschlag gebrochen hatte, wieder auf. Die Regierung Zapatero konnte Erfolge mit gesellschafts- und sozialpolitischen Reformen (u. a. Gleichstellungsgesetz, Erhöhung des Mindestlohns) verzeichnen, sah sich aber seit 2007 mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage konfrontiert. Die baskischen und katalonischen Autonomiebestrebungen belasteten weiterhin das innenpolitische Klima. Die Sozialisten wurden bei den Parlamentswahlen 2008 wieder stärkste Partei. Auch die Volkspartei konnte Gewinne erzielen, während separatistische Gruppierungen Verluste hinnehmen mussten.









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