Streichinstrumente
Geschichte
Mittelalter
Die bevorzugten Streichinstrumente des Mittelalters waren die Drehleier als erstes mechanisches Instrument sowie Fidel und Rebec, die vor allem zur Liedbegleitung eingesetzt wurden.
Die Drehleier ist eine mechanisierte Violine, deren Saiten durch die Drehung eines Rades zum Schwingen gebracht und mittels einer Tastatur gegriffen werden. Die meisten Exemplare haben eine oder mehrere Bordunsaiten, die ständig mitklingen.

Fideln wurden in vielen verschiedenen Größen und Formen hergestellt. Das Instrument wurde auch als Vielle, Fidula, Videl, Vedel oder Fithele bezeichnet. Die Fidel hatte im Unterschied zur Rebec einen flachen Rücken und vorn angebrachte Stimmwirbel, die Rebec hatte einen gewölbten Rücken und seitliche Stimmwirbel. Die Rebec entwickelte sich aus dem arabischen Rebab und hatte einen birnenförmigen Korpus.
Renaissance
In der Renaissance wurden die Instrumente erstmals nach ihrer unterschiedlichen Größe in Familien gruppiert, um eine einheitliche Klangfarbe zu erzielen. So entstand u.a. auch die Familie der Gamben oder Violen, die die unmittelbaren Vorfahren der heutigen Streichinstrumente bilden.
Die Gambe oder Viole unterscheidet sich von der Violine vor allem durch den charakteristischen Hals mit Bünden. Sie eignet sich mehr für Haus- und Kammermusik als für den Konzertsaal. Zur Familie der Violen gehörten:
- Diskantviole
- Altviole
- Tenorviole
- Bassviole
Alle Violen wurden auf bzw. zwischen den Knien des Spielers gehalten.

Aus diesen Vorläufern entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten die moderne Streicherfamilie mit Violine, Viola bzw. Bratsche, Violoncello und Kontrabass.
Bau der modernen Streichinstrumente

Der Korpus (Resonanzkasten) der modernen Violine besteht aus dem Boden, der Decke und den Zargen, die als Seitenwände (insgesamt sechs Einzelteile) die ersten beiden Teile verbinden. Alle diese Teile werden aus (verschiedenem) Holz gearbeitet. Am oberen Ende des Korpus ist der Hals angebracht, auf dem sich das Griffbrett befindet. Der Hals endet in einem Wirbelkasten mit den vier Stimmwirbeln und der Schnecke. In die Decke sind zwei f-förmige Schalllöcher eingearbeitet. Die vier Saiten werden über das Griffbrett gespannt und durch einen in der Mitte der Decke befindlichen Steg geführt, bevor sie im Saitenhalter verankert werden. War bis zum 18. Jahrhundert Darm als Material für die Saiten üblich, setzte sich danach zunehmend eine zusätzliche Verwendung von Metall durch (Silber, Aluminium oder Stahl), mit dem der Darm verstärkt wurde. Der Kinnhalter, auf dem der Kopf des Spielers (Violine und Viola) während des Musizierens ruht, wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts hinzugefügt.
Die Saiten der Streichinstrumente sind wie folgt gestimmt:
| Violine | g d1 a1 e2 |
| Viola | c g d1 a1 |
| Violoncello | C G d a |
| Kontrabass | E1 A1 D G |
Spielweise
Streichinstrumente werden mit einem Bogen gespielt. Dieser Bogen ist mit Pferdehaaren bespannt, die durch den so genannten Frosch mittels einer Stellschraube unterschiedlich fest gespannt werden können. Der Bogen wird über die Saiten gestrichen, wobei die jeweilige Tonhöhe durch die Lage der Finger auf dem Griffbrett verändert wird. Ein staccato- also „abgehacktes Spiel“ wird bei den Streichinstrumenten durch die pizzicato-Technik erreicht. Dabei werden die Saiten nicht mit dem Bogen gestrichen, sondern mit den Fingern gezupft.
Die Violine
Geschichte
Die Violine oder Geige ist wohl das bekannteste Instrument der westlichen Orchestermusik. Sie ist das kleinste Mitglied der Familie der Streichinstrumente und entstand um 1550 aus der mittelalterlichen Fidel, der Rebec und der Lira da braccio. Bereits im 16. Jahrhundert setzte in Italien der Geigenbau ein. Hier setzte die Familie Amati, insbesondere Nicola Amati (1596-1684) Maßstäbe. Unter Antonio Stradivari (1644?-1737) und durch die Geigenbaufamilie Guarneri, insbesondere Giuseppe Guarneri (1698-1744), erlebte der Geigenbau eine Blütezeit. Während des 18. Jahrhunderts erweiterten Virtuosen und Komponisten wie Antonio Vivaldi (1678-1761) und Giuseppe Tartini (1692-1779) den Bereich den Spieltechnik.


Der Wunsch nach einem volleren und glänzenderen Ton führte im 18. und 19. Jahrhundert zu Verbesserungen, die sich bis heute erhalten haben. Dazu gehören die dünneren und stärker gespannten Saiten sowie die höhere Wölbung des Stegs, wodurch eine reine Bogenführung erleichtert wird.
Repertoire
| Instrument | Tonumfang (Durchschnittswert) | Repertoire (Auswahl) |
| Violine (Geige) | g - a4 | J. S. Bach: Sonaten für Violine solo; Violinkonzerte von A. Vivaldi, W. A. Mozart, L. van Beethoven, R. Kreutzer, L. Spohr, M. Bruch, P. I. Tschaikowsky, F. Mendelssohn-Bartholdy, R. Schumann, C. Saint-Saëns, H. Wieniawski, F. Busoni, E. Elgar, S. Prokofjew, J. Sibelius, A. Berg, A. Schönberg, P. Hindemith, B. Bartók, W. Walton, D. Milhaud, W. Egk, S. Barber, B. Britten; Violinsonaten von L. van Beethoven, J. Brahms; R. Vaughan-Williams: The Lark Ascending; Romanzen von L. van Beethoven, M. Reger; N. Paganini: Konzerte, Sonaten, Capricci |
Die Viola
Die Viola oder Bratsche ist die Altstimme der Streicherfamilie. Sie ist wie die Violine gebaut, nur etwas größer. Lange stand sie im Schatten der technisch ausgefeilteren Violine, bis im späten 18. Jahrhundert Komponisten ihre charakteristische weiche Klangfarbe zu schätzen begannen und ihr damit eine eigene Bedeutung zukommen ließen. Dies macht sich als erstes ganz deutlich in den Streichquartetten bei den Komponisten der Wiener Klassik bemerkbar. Später schrieben Komponisten auch Solowerke für Viola. Bekannte Instrumentenbauer waren auch hier die Familien Amati und Guarneri sowie Antonio Stradivari.

Die Körperlänge der Viola liegt zwischen 40 und 47 cm. Der gegenüber der Violine größere Korpus gibt ihr einen volleren Ton, ist andererseits aber beim Spielen unhandlicher.
| Instrument | Tonumfang (Durchschnittswert) | Repertoire (Auswahl) |
| Viola (Bratsche) | c - a3 | W. A. Mozart: Symphonie concertante für Violine und Viola, Kegelstatt-Trio; Konzerte von B. Bartók, D. Milhaud, B. Blacher, P. Hindemith (Der Schwanendreher), Z. Kodály, A. Benjamin, G. Jacob, W. Walton, E. Lutyens; R. Vaughan-Williams: Suite for Viola and Orchestra; J. Brahms: 2 Klarinetten- (Bratschen)-Sonaten; L. van Beethoven: 12 Variationen über „Ein Mädchen oder Weibchen“; J. Haydn: Sonaten für Violine und Viola |
Das Violoncello
Das Violoncello, kurz Cello genannt, ist das Tenor-Instrument der Streicherfamilie. Es wird mit einem kürzeren, dickeren Bogen als die Violine gespielt und trägt seit 1860 am Ende einen einziehbaren Stachel, mit dem es auf den Boden gestellt werden kann. Das Instrument wurde im 16. Jahrhundert entwickelt und zunächst fast 150 Jahre lang parallel neben der Tenorviola da gamba gespielt. Seit dem 18. Jahrhundert wurde es als Soloinstrument beliebt. In dieser Zeit wurden von Komponisten neben den üblichen viersaiten Celli auch Instrumente mit fünf und sechs Saiten für einige Werke verlangt.


Trotz seiner Größe ist das moderne Cello eines der vielseitigsten und ausdrucksvollsten Instrumente. Sein umfangreicher Korpus ermöglicht eine gute Resonanz. Daher eignet es sich gleichermaßen als Solo- wie als Begleitinstrument.
| Instrument | Tonumfang (Durchschnittswert) | Repertoire (Auswahl) |
| Violoncello (Cello) | C - b2 | Sonaten von A. Vivaldi, G. Tartini, L. Boccherini, L. van Beethoven, F. Mendelssohn-Bartholdy, J. Brahms, E. Grieg, P. Hindemith; Konzerte von J. Haydn, E. Lalo, F. Reinecke, A. Rubinstein, C. Saint-Saëns, A. Dvorák, C. Widor, E. Elgar, F. Delius, A. Roussel (Concertino), A. Bax, A. Katschaturjan, S. Barber, P. Hindemith; L. van Beethoven: Tripelkonzert für Violine, Violoncello und Klavier; J. Brahms: Doppelkonzert für Violine und Violoncello; E. Bloch: Rhapsody; G. Enesco: Concertante Symphony |
Der Kontrabass
Der Kontrabass wurde im 16. Jahrhundert als tiefstes Instrument der Streicherfamilie aus der Violone oder Kontrabassviole entwickelt.


Der moderne Kontrabass ist über 1,80 m hoch und verfügt meist über vier Saiten. Der Tonumfang kann jedoch nach unten durch die „C-Maschine“ erweitert werden. Das ist ein Druckhebelsystem, mit dem sich die tiefste Saite noch weiter herunterstimmen lässt.
Beim Kontrabass unterscheidet man zwei verschiedene Bauarten: Das Instrument mit abfallenden Schultern geht auf die Gestalt der älteren Viola da gamba zurück und wurde im 18. Jahrhundert in Deutschland entwickelt. Italienische Instrumentenbauer bevorzugten die Violinenform. Beide Typen sind auch heute noch gebräuchlich.
| Instrument | Tonumfang (Durchschnittswert) | Repertoire (Auswahl) |
| Kontrabass | E1- g1 | Konzerte von K. Dittersdorf, J. B. Vanhal, D. Dragonetti B. Romberg, G. Bottesini, S. Kussewitzky; Sonate von P. Hindemith |
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Fragen
1) Welche Streichinstrumente kennst du aus dem Mittelalter?
2) Welche Familie von Streichinstrumenten kennst du aus der Renaissance-Zeit?
3) Wie viele verschiedene Instrumente gab es und wie heißen sie?
4) Welche Geigenbauer beeinflussten im 16. Jahrhundert entscheidend den Geigenbau in Italien?
5) Welche beiden Komponisten stellten im 16. Jahrhundert durch ihre Kompositionen neue Herausforderungen an die Spieltechnik der Violine?
6) Wodurch entsteht bei den Streichinstrumenten der Ton?
7) Wie heißt die Spieltechnik bei Streichinstrumenten, die einen staccato-Vortrag ermöglicht?
8) Wie heißen die vier Instrumente der Streicherfamilie?
9) Ordne diese Instrumente folgenden Begriffen zu!
- Sopraninstrument
- Altinstrument
- Tenorinstrument
- Bassinstrument
10) Welche Besonderheit wurde beim Cello im Jahr 1860 eingeführt?
11) Wie viele verschiedene Formen des Kontrabasses gibt es und wodurch unterscheiden sie sich?
Antworten
1) Drehleier, Fidel und Rebec.
2) Die Familie der Gamben bzw. Violen.
3) Es gab vier verschiedene Instrumente: Diskantviole, Altviole, Tenorviole und Bassviole.
4) Nicola Amati, Antonio Stradivari und Giuseppe Guarneri.
5) Antonio Vivaldi und Giuseppe Tartini.
6) Durch das Streichen des Bogens über die Saiten.
7) Pizzicato.
8) Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass.
9)
- Sopraninstrument: Violine
- Altinstrument: Viola
- Tenorinstrument: Violoncello
- Bassinstrument: Kontrabass
10) Das Cello hat seit 1860 am unteren Ende des Instrumentes einen einziehbaren Stachel, mit dem es auf den Boden gestellt werden kann.
11) Es gibt zwei verschiedene Formen: ein Instrument mit abfallenden Schultern und ein Instrument in Violinenform.
Bibliografie:
- Wernfried Güth, Florian Danckwerth: Die Streichinstrumente. Physik - Musik - Mystik, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1997
- André Roussel: Grundlagen der Geige und des Geigenbaues. Lehr- undHandbuch von Bau und Funktion der Streichinstrumente und ihrer Teile, E. Bochinsky Verlag, Frankfurt 52000










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