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THEMEN

Südafrika (Zuid-Afrika, South Africa)

Ackerbauern und Hirten (bis 1652)

Über die Geschichte des heutigen Südafrika vor der Landung der ersten Europäer im 17. Jh. ist wenig bekannt. Da keine schriftlichen Zeugnisse existieren, ist die Forschung auf die Auswertung archäologischer Funde und Spekulationen angewiesen. An der Südspitze des afrikanischen Kontinents lebten seit Jahrhunderten die Völker der San ("Buschmänner") in Jäger- und Sammlergemeinschaften und die Schaf- und Rinderzucht treibenden Khoikhoi ("Hottentotten"). Ihr Lebensraum lag im trockensten Teil Südafrikas, in der heutigen Kap-Provinz. Nach 500 n. Chr. wanderten vermutlich aus Zentralafrika zur Bantu-Sprachfamilie gehörende Ngumi- und Sotho-Stämme nach Transvaal, Natal und ins östliche Kapland ein.

Da keiner der zahlreichen arabischen, persischen oder chinesischen Reisenden die umfassende Informationen u. a. über den Sudan und Ostafrika lieferten, vor dem 16. Jh. bis ins südliche Afrika gelangte, sind die konkreten Lebensverhältnisse der Ngumi, Sotho, Khoikhoi und San, ihre Kulturen und sozialen Systeme weitgehend unbekannt. Als gesichert kann gelten, dass die am Kap siedelnden Völker im 16. Jh. Ackerbau und Viehzucht betrieben und mit der Eisenverarbeitung vertraut waren. Im Westen der Kapregion lebten Khoikhoi von der Rinderzucht und San als Sammler und Jäger.

1488 umsegelte der Portugiese Bartholomëu Diaz als erster Europäer das Kap der Guten Hoffnung, bevor Vasco da Gama 1498 auf diesem Seeweg erstmals nach Indien gelangte. Während des 16. Jhs. befuhren zwar zahlreiche portugiesische Schiffe auf ihrem Weg nach Asien die südafrikanischen Küstengewässer, doch kaum ein Seefahrer ging dort für längere Zeit an Land, mit Ausnahme der Überlebenden der vielen Schiffbrüche. Der Kontakt portugiesischer Seefahrer mit der Bevölkerung Südafrikas beschränkte sich weitgehend darauf, dass sie von den dort lebenden Stämmen Vieh für ihre Verpflegung eintauschten.

Landnahme durch die Buren (1652-1860)

Die europäische Besiedlung Südafrikas begann 1652 mit der Gründung von Kapstadt durch den Niederländer Jan van Riebeeck (*1619, 1677) als Proviantstation für die Schiffe der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) auf ihrer Fahrt nach Südostasien. Die Gruppe der ersten Siedler umfasste etwa 90 Männer, Frauen und Kinder. Da die Niederländer nicht beabsichtigten, Kapstadt zum Ausgangspunkt einer umfassenden Besiedlung und Kolonisierung zu machen, wuchs die Zahl der Weißen nur langsam, weniger durch Zuwanderung als durch natürliche Vermehrung. Die Zahl der "Freibürger" genannten Siedler stieg bis zum Ende des 18. Jhs. von 130 (1660) über 1256 (1701) auf 13 830 Personen (1793).

Ans Kap der Guten Hoffnung kamen vor allem Holländer und Deutsche sowie französische Hugenotten, die sich nach 1685 der religiösen Verfolgung in ihrer Heimat durch Auswanderung entzogen. Die Siedler entwickelten im 18. Jh. eine eigene Identität als "Afrikaner". Sie sprachen "Afrikaans", das zwar auf dem Niederländischen basierte, sich aber bald zu einer eigenständigen Sprache entwickelte. Die Bindungen zu den Herkunftsländern waren von Beginn an sehr locker.

Im Laufe des 17. Jhs. zogen immer mehr Weiße in die weitere Umgebung von Kapstadt, wo sie Pflanzungen anlegten und u. a. den Weinbau in Südafrika einführten. Für die Feldarbeit setzten sie zentralafrikanische und indonesische Sklaven ein. Als erste Siedlungen außerhalb Kapstadts wurden 1679 Stellenbosch und 1687 Drakenstein gegründet. Die ursprüngliche Verpflegungsstation entwickelte sich nunmehr zur niederländischen Kap-Kolonie.

In den trockenen westlichen Regionen des südlichen Afrika war auf Dauer nur Viehzucht möglich, wobei auch die Weißen klimabedingt während eines großen Teils des Jahres zu einer nomadischen Lebensweise gezwungen waren, was ihnen die Bezeichnung "Treck-Buren" einbrachte. Die Treck-Buren und sesshaften Siedler bildeten die Herrenschicht in einer Gesellschaft, zu der neben schwarzen Bediensteten auch zahlreiche Mischlinge zählten, die die Weißen mit schwarzen Frauen zeugten. Die Khoikhoi und San wurden von der weißen Bevölkerung gewaltsam in die wenig fruchtbaren Randgebiete der Kapregion abgedrängt.

Das Vordringen der Treck-Buren in das Siedlungsgebiet der Xhosa im Osten provozierte Konflikte um Weideland: 1779-1877 standen sich Xhosa und Weiße in insgesamt neun "Kaffernkriegen" gegenüber, in deren Verlauf die Xhosa aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten immer weiter nach Osten gedrängt wurden. Den Aufrufen religiöser Erwecker folgend, schlachteten 1856 die Xhosa am Groot Keirevier nahezu ihren gesamten Rinderbestand und zerstörten damit ihre Lebensgrundlage, weil den Verheißungen zufolge daraufhin der Himmel einstürzen würde und sie die weißen Feinde erschlagen könnten. Anschließende Hungersnöte zwangen die Xhosa zur Unterwerfung.

Die in Richtung Osten vorstoßenden "Voortrekker" gründeten seit 1838 in Natal, Transvaal und dem Oranjegebiet mehrere Republiken, von denen einige - so der Oranjefreistaat und die Südafrikanische Republik (Transvaal) - durch London offiziell anerkannt wurden. Beide mussten jedoch die britische Oberhoheit akzeptieren. Den Bedarf an Arbeitskräften in den eroberten Gebieten deckten die Weißen vor allem durch die Einfuhr von Sklaven.

Natal erhielt 1856 den Status einer britischen Kronkolonie. Da es die Zulu-Bevölkerung ablehnte, Lohnarbeit zu leisten, warben die Weißen seit 1860 indische Kontraktarbeiter für ihre ausgedehnten Zuckerrohrplantagen an.

Freiheitsdrang und Imperialismus (1795-1867)

1795 führte wachsender Unmut über die Steuerlast in Verbindung mit vagen Informationen über die Amerikanische (1776-1783) und die Französische Revolution (seit 1789) zu einer Erhebung der 20000 Weißen gegen die niederländische Kompanie. Inzwischen hatten in Europa französische Revolutionsheere die Niederlande besetzt. Die neugegründete Batavische Republik stand unter französischer Kontrolle. Die Briten bemächtigten sich in dieser Situation der Kap-Provinz, um einer befürchteten Eingliederung des Gebiets in das französische Kolonialreich zuvorzukommen. 1803 gab London Kapstadt vorübergehend an die Batavische Republik zurück, nahm es jedoch bereits 1806 mit Waffengewalt wieder in Besitz und erklärte die Region 1814 zur britischen Kronkolonie.

London warb in der Folgezeit britische Siedler für Südafrika. Trotz gewisser Autonomierechte, die die Regierung 1832 einräumte, empfanden die meisten Buren die Kolonialverwaltung als Fremdherrschaft. Zwei Jahre, nachdem die britische Regierung im Zuge der Sklavenemanzipation im Empire die Freilassung der etwa 40000 Sklaven verfügt hatte (1834), verließen über 14000 Weiße, rund 16% der weißen Bevölkerung, die Kronkolonie, um sich der britischen Herrschaft zu entziehen.

Die Machtergreifung des Zulukönigs Shaka (1816 bis 1828) bestimmte in den folgenden Jahrzehnten die Entwicklung in den östlichen Gebieten am Kap: Durch militärische Neuerungen (Aufstellung eines stehenden Heeres von 40000 Mann; Kurzspeer als Nahkampfwaffe) verstärkte Shaka die Schlagkraft seiner Truppen, mit deren Hilfe er die Nachbarvölker seiner Herrschaft unterwarf. Ganze Völkerschaften flohen vor seinen Kriegern nach Norden. Sothosprachige Stämme gründeten auf ihrer Flucht vor den Zulus um 1830 in den Drakensbergen südlich des Hochplateaus mit Lesotho eine Sammelstätte, aus der sich später ein eigenständiger Staat entwickelte. 1828 tötete Shaks Halbbruder Dingan den Zulu-König und machte sich selbst zum Herrscher. Den Staatsaufbau und die bewährte Militärstruktur behielt Dingan weitgehend bei. Nach mehreren für beide Seiten verlustreichen Feldzügen besiegten die Briten 1879 die Zulu in der Schlacht bei Isandhlwana und bemächtigten sich ihres Landes. Die von Shaka begründete Dynastie genießt bei den Zulu bis heute hohes Ansehen.

Niederlage gegen Großbritannien (1867-1907)

1865 zeichnete sich in Südafrika ein machtpolitisches Gleichgewicht ab, das die Bewohner des Landes auf eine weitgehend friedliche Entwicklung hoffen ließ. Die schwarze Bevölkerung stand auf der Verliererseite. Nur wenige Kleinstaaten wie Lesotho und Swasiland oder die Pedi in Transvaal hatten ihre Unabhängigkeit bewahren können. Die meisten schwarzen Südafrikaner lebte unter Vorherrschaft der Weißen, die sich in zwei Gruppen spalteten: Auf der einen Seite standen die Buren, die sich in ihren Republiken Transvaal und Oranje-Freistaat der britischen Kolonialmacht entzogen hatten, auf der anderen Seite diejenigen Weißen, die als Untertanen der britischen Krone in der Kap-Kolonie geblieben waren. Die wirtschaftliche Basis Südafrikas bildete wie seit Jahrhunderten extensive Viehzucht, ergänzt durch intensivere Formen des Ackerbaus. Hinzu kamen Handelsbeziehungen mit dem übrigen Afrika und Europa.

Die Entdeckung reicher Diamantenvorkommen nördlich des Vaal (später entstand dort die Stadt Kimberley) 1867 war für Politik und Wirtschaft in Südafrika ein umwälzendes Ereignis. Großbritannien machte erfolgreich Besitzansprüche auf das Gebiet geltend, das 1880 ungeachtet der Proteste der Südafrikanischen Republik der Kap-Kolonie zugeschlagen wurde. Die Annexion der Burenrepublik Transvaal durch Großbritannien (1877) eskalierte den Konflikt: London musste nach einem Sieg der Buren am Majuba Hill 1881 die Unabhängigkeit erneut anerkennen. 1883 wurde Paulus Krüger Präsident von Transvaal (bis 1902).

Allerdings dachte die britische Regierung nicht daran, die Ausbeutung der reichen Edelsteinvorkommen den Buren zu überlassen, zumal 1886 größere Goldvorkommen am Witwatersrand (Transvaal) gefunden wurden. Eine Schlüsselrolle spielte dabei auf britischer Seite Cecil John Rhodes, der 1885 Botswana besetzen ließ und 1889 das nördlich des Limpopo-Flusses gelegene Siedlungsgebiet der Ndebele und Shona (das spätere Rhodesien) annektierte. Als Premierminister der Kap-Kolonie (1890-1896) unternahm Rhodes 1895 den Versuch, auch die Südafrikanische Republik nach einer Rebellion der dort lebenden Briten (sog. Jameson Raid) für Großbitannien zu annektieren, scheiterte jedoch am Widerstand der Buren.

Angesichts der aggressiven Kolonialpolitik Cecil Rhodes und britischer Ansprüche auf die Gold- und Diamantenvorkommen entschlossen sich die Buren zu bewaffneter Gegenwehr. Im Oktober 1899 griffen rund 40000 Soldaten aus Transvaal und dem Oranje-Freistaat die rund 15000 Mann starke britische Garnison an und eröffneten damit den Burenkrieg (bis 1902). Unkoordinierte Kriegführung der Buren gab Großbritannien die Möglichkeit, starke Truppenkontingente nach Südafrika einzuschiffen, wo die Buren immer mehr in die Defensive gerieten. Im Juni 1900 eroberten die Briten Pretoria. Den folgenden Guerillakrieg von rund 15000 bewaffneten Buren gegen die Briten, führten beide Seiten mit großer Brutalität und Rücksichtslosigkeit. Die Engländer brannten systematisch Siedlungen nieder und errichteten über 40 Konzentrationslager für Frauen und Kinder der Buren, in denen infolge der unmenschlichen Lebensbedingun- gen fast 28000 Menschen starben. Gegen die Methoden der britischen Kolonialtruppen erhob sich in der europäischen Öffentlichkeit, auch in England, scharfer Protest. Im Mai 1902 kapitulierten die Buren. Ihre Republiken wurden im Frieden von Vereeniging 1902 dem britischen Kolonialreich eingegliedert. Die Buren erhielten innere Autonomie (1907) und freie Hand gegenüber den Afrikanern.

Kampf um Unabhängigkeit (1907-1948)

Durch eine erfolgreiche Wiederaufbaupolitik erreichten die Briten innerhalb weniger Jahre eine Aussöhnung mit den meisten Buren. Damit war der Weg frei zu einem Zusammenschluss aller britischen Kolonien im südlichen Afrika. Am 31.5.1910 wurde die Südafrikanische Union gegründet, von deren 6 Mio. Einwohnern rund 22% Weiße waren, 67% Schwarze, 9% Farbige (Mischlinge) und 2% Asiaten. Zum ersten Premierminister der Union wurde der Burengeneral Louis Botha (1910-1919) gewählt.

Außer in den früheren Burenrepubliken genossen in der Südafrikanischen Union zunächst auch wohlhabende Schwarze und Farbige politische Mitspracherechte, die mit den Anfängen der Apartheidspolitik jedoch immer weiter eingeschränkt wurden. 1912 gründeten 100 schwarze Südafrikaner, überwiegend Intellektuelle und Stammesfürsten (Chiefs), den South African Native National Congress (1923 umbenannt in African National Congress; ANC), der sich in der Folgezeit von einem politischen Interessenverband zur militanten Kampforganisation gegen die Apartheid entwickelte.

1914 schlossen sich antibritische Weiße um den Burengeneral Jamis Barry Munnick Hertzog zur Nasionale Party (NP) zusammen, deren Hauptforderung die Loslösung von Großbritannien war. Nach dem Ersten Weltkrieg verschärften sich die sozialen Spannungen. Unter den weißen Arbeitern wuchs die Befürchtung, von billigen schwarzen Arbeitern verdrängt zu werden. 1922 mündete in Johannesburg ein Bergarbeiterstreik in einen bewaffneten Aufstand, den die Regierung von Premierminister Jan Smuts (1919-1924, 1939-1948) mit Panzern, Artillerie und Flugzeugen blutig niederschlagen ließ.

Aus den Parlamentswahlen von 1924 und 1929 gingen jeweils die NP unter Hertzog (Premierminister 1924-1939) und die probritische Arbeiterpartei (Labour Party) als Siegerinnen hervor. Afrikaans wurde neben Englisch zweite Amtssprache. Wie die anderen britischen Dominien erlangte die Südafrikanische Union 1931 mit dem Westminsterstatut die Unabhängigkeit.

Während der Weltwirtschaftskrise seit 1929 scheiterte ein Versuch der Südafrikanischen Union, sich in der Währungspolitik von Großbritannien unabhängig zu machen. Angesichts der Verschärfung der ökonomischen Probleme und innenpolitischer Unruhen schlossen sich die beiden großen Parteien des Landes und die Südafrikanische Partei (SAP) 1933 zusammen, um mit vereinten Kräften die Krise zu überwinden.

Der Apartheidsstaat (1948-1994)

Eine Gruppe radikal-nationalistischer Politiker um Daniel François Malan spaltete sich von dem Bündnis ab und bildete 1940 die Wiedervereinigte Nationale Partei, die für eine konsequentere Rassentrennung eintrat. Nach ihrem Wahlsieg 1948 löste die NP die gemäßigten Unionisten in der Regierung ab und bestimmten die folgenden vier Jahrzehnte die Geschicke des Landes. Premierminister Malan (1948-1954) verschärfte die Apartheidspolitik; die Schwarzen wurden politisch und wirtschaftlich weiter entrechtet. Grundsatz der Apartheid war eine "getrennte Entwicklung" der Rassen in Südafrika. Während die Weißen als eine einheitliche Nation galten, wurden die schwarzen Südafrikaner nach ihrer Sprache und Tradition in neun verschiedene Bantunationen (Homelands) eingeteilt. Mischlinge und Asiaten bildeten eine weitere Nation ohne eigenes Siedlungsgebiet. Den Schwarzen war jede politische Tätigkeit, wie die Gründung von Parteien und Gewerkschaften, untersagt. Von einer aktiven Teilnahme am Wirtschaftsleben blieben sie weitgehend ausgeschlossen. In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Universitäten, Theatern und Schwimmbädern sowie Bussen und Bahnen herrschte strikte Rassentrennung. Ehen zwischen Angehörigen verschiedener Rassen waren nicht erlaubt. Zwar traten die Vereinigte Partei und die Progressive Partei der Weißen für eine Milderung der Rassentrennung ein, unterlagen bei Parlamentswahlen jedoch stets der NP.

Bis 1959 leistete der ANC gegen die Apartheid gewaltlosen Widerstand, den die Regierung jedoch mit immer härteren Repressionen beantwortete. Mitglieder der 1950 verbotenen Kommunistischen Partei Südafrikas, darunter auch Weiße, verstärkten in den 50er-Jahren ihren Einfluss auf den ANC, was 1959 zur Abspaltung des militanten Panafrikanischen Kongresses (PAC) führte, der - anders als der pluralistische ANC - keine Gleichberechtigung der Rassen, sondern eine Vorherrschaft der Schwarzen forderte. 1960 eskalierten die Rassenkonflikte bei einer Demonstration des PAC gegen die Passgesetze zum "Massaker von Sharpeville", bei dem die Polizei 69 Demonstranten erschoss. Die folgenden Streiks und Demonstrationen beantwortete die Regierung mit dem Verbot von ANC und PAC. Beide Gruppen führten seitdem, z. T. von den schwarzen Nachbarstaaten aus, einen bewaffneten Untergrundkampf gegen die weiße Herrschaft in Südafrika. 1963 wurden ANC und PAC von der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) offiziell als Befreiungsbewegungen anerkannt; 1972 erhielten sie bei der UNO einen Beobachterstatus.

Außenpolitisch geriet Südafrika nach 1960 zunehmend in die Isolation. 1961 trat es aus dem britischen Commonwealth aus und erklärte sich zur Republik. Der UNO-Sicherheitsrat verhängte 1963 zwar ein Waffenembargo gegen Südafrika (1977 verschärft); westliche Regierungen und Unternehmen lehnten jedoch aus ökonomischen Gründen jahrelang umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Pretoria ab. Mitte der 70er-Jahre entließ die Regierung Balthazar Vorsters (1966-1978) zwei Bantu-Homelands, die Transkei und Bophutatswana, formal in die Unabhängigkeit, die jedoch international nicht anerkannt wurde.

Unter den Schwarzen machten sich Wut und Verbitterung über die Apartheid immer energischer Luft. 1973 kam es in mehreren Städten zu Massenstreiks schwarzer Arbeiter, mit denen sie höhere Löhne und die Erlaubnis zur Wiedergründung von Gewerkschaften durchsetzten. Bei Schülerunruhen im Schwarzenvorort Soweto bei Johannesburg kamen im Juni 1976 über 220 Menschen, zumeist Jugendliche, ums Leben.

Nicht zuletzt unter dem wachsenden Druck des Westens und der UNO sah sich die weiße Minderheitsregierung in den folgenden Jahren zu einer schrittweisen Lockerung der Apartheid genötigt. Eine Verfassungsreform billigte 1983 Mischlingen und Indern eine eigene Parlamentskammer mit allerdings beschränkten Kompetenzen zu. 1986 verhängten die USA und die EG-Staaten umfassende Wirtschaftssanktionen. Der im September 1989 als Nachfolger von Pieter Willem Botha (1978-1989) gewählte Präsident Frederik Willem de Klerk (1989-1994) leitete eine Liberalisierung ein, an deren Ende die vollständige Abschaffung der Apartheid stand.

Nach der Apartheid (seit 1994)

Wichtige Etappen auf dem Weg der Demokratisierung waren die Aufhebung des ANC-Verbots, die Freilassung ihres Führers Nelson Mandela nach fast 20-jähriger Haft (1990) sowie die Abschaffung der zentralen Apartheidgesetze (1991). 1992 stimmten 68% der Weißen für eine Fortführung der Reformpolitik. 1993 wurde ein Mehrparteienforum unter Beteiligung schwarzer und farbiger Politiker gebildet, das eine Übergangsverfassung ausarbeitete, die 1994 in Kraft trat. Sie schaffte die Apartheid ab und arbeitete Ziele des Umbaus und der gesellschaftlichen Entwicklung Südafrikas heraus. Aus den ersten freien und gleichen Wahlen ging der ANC 1994 als Sieger hervor. Sein Vorsitzender Mandela wurde im Mai 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. Eine Regierung der nationalen Einheit, an der sich neben dem ANC die Nationalpartei und die Inkatha-Freiheitspartei beteiligten, bildete die Exekutive. Die Homelands wurden aufgelöst und in neun neu geschaffene Provinzen integriert. S. wurde Mitglied der OAU und trat auch wieder dem Commonwealth bei. 1996 verabschiedete die seit 1994 arbeitende verfassunggebende Versammlung die neue südafrikanische Verfassung. Die Nationalpartei verließ im gleichen Jahr die Regierung der nationalen Einheit. Bei den Parlamentswahlen 1999 verfehlte der ANC die Zweidrittelmehrheit nur um 1 Mandat. Er gewann 266 von 400 Mandaten. Am 14. Juni 1999 wählte das Parlament Thabo Mbeki (ANC) zum Nachfolger Mandelas als Staatspräsident. Mbekis von ANC und Inkatha gebildete Regierung bemühte sich um die Verbesserung der Sozialstruktur, eine gerechtere Landverteilung und die Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen während des Apartheidregimes. Hierzu legte die 1995 eingesetzte Wahrheits- und Versöhnungskommission 2003 einen Abschlussbericht vor. Kritik erntete Mbeki vor allem wegen der Vernachlässigung der Aids-Bekämpfung. Nach außen hin strebte Südafrika insbesondere auf dem Gebiet der Konfliktregulierung nach einer führenden Rolle in der afrikanischen Politik. Bei den Parlamentswahlen 2004 konnte der ANC erstmals eine Zweidrittelmehrheit erringen. Mbeki wurde erneut zum Präsidenten gewählt. 2003 legte eine Wahrheits- u.und Versöhnungskommission den Abschlussbericht über das Unrecht der Apartheidzeit vor. Bei den Parlamentswahlen 2004 konnte der ANC erstmals eine Zweidrittelmehrheit erringen. Mbeki wurde im Präsidentenamt bestätigt. Nach einem Machtkampf im ANC trat Mbeki 2008 als Staatspräsident zurück, zu seinem Nachfolger wurde Kgalema Motlanthe, der stellvertretende Vorsitzende der Regierungspartei ANC. Im April 2009 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen der ANC wieder zur stärksten politischen Kraft wurde, die Zweidrittelmehrheit aber knapp verfehlte. Das Parlament wählte den ANC-Vorsitzenden J. Zuma zum neuen Staatspräsidenten.

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