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THEMEN

Technikgeschichte: Die Verschmelzung von Forschung und Technik 1900 bis 1940

Gegenseitige Befruchtung von Wissenschaft und Technik

Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts bahnte sich eine gegenseitige Befruchtung von Naturwissenschaften und Technik an. Die Keimpunkte lagen keineswegs in der Industrie, die ihr Entstehen nicht den Physikern und Chemikern, sondern eher den Mechanikern und Technikern verdankt; sie lagen in den Universitäten. Hier kam es in immer stärkerem Maße zur Zusammenarbeit von forschenden Wissenschaftlern mit technischen Hilfskräften. Hatten die experimentierenden Physiker und Chemiker bisher ihre einfachen Laborgeräte selbst gebastelt, so überforderten die steigenden Ansprüche an Präzision schließlich ihre handwerklichen Fähigkeiten, und auch zeitlich waren sie nicht mehr in der Lage, Hilfs- oder gar Messapparaturen anzufertigen. An den Univrsitäten etablierten sich wissenschaftliche Gerätebauer mit ihren Werkstätten. Aus ihrer praktischen Erfahrung heraus konnten sie den forschenden Wissenschaftlern manchen guten Hinweis auf das technisch Mögliche geben.

Die gegenseitige Befruchtung von Naturwissenschaften, Technik und Industrie intensivierte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ungemein. Dies lässt sich gut am Beispiel der Spezialisierung veranschaulichen. Oft wird behauptet, im 20. Jahrhundert habe eine zunehmende Spezialisierung infolge der Diversifikation der Naturwissenschaften eingesetzt und die Industrie sei der große Integrator all dieser immer weiter aufgeschlüsselten und dabei immer schmaler werdenen Wissensbereiche. Das Gegenteil trifft eher zu. Die industrielle Fertigung, die Praxis also, erfordert die Spezialisierung viel eher als die theoretische Wissenschaft. Im 19. Jahrhundert war das noch umgekehrt, hier teilten sich die Naturwissenschaften in mehr und mehr Fachbereiche auf. Die Grundlagenforschung wurde vielseitiger.

Die Industrie hingegen verlangte für ihre Fertigungsanlagen kaum mehr als das Grundwissen von Allround-Konstrukteuren. Aber gerade die zunehmende Fülle wissenschaftlicher Detailkenntnisse ließ die theoretischen Wissenschaftler immer wieder nach globalen Zusammenhängen suchen, zumal sich solche in einigen universellen Naturgesetzen etwa dem Gesetz der Erhaltung der Energie oder etwa den Maxwellschen Gleichungen für die Verbindung variabler elektrischer und magnetischer Felder schon angekündigt hatten. Während in den Naturwissenschaften die Suche nach übergreifenden Theorien verstärkt wurde, was schon in den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zur neuen Atomlehre, der Quantentheorie und der Quantenmechanik führte, spezialisierte sich jetzt die Technik rapide.

Dass dies wiederum zur Gründung zahlreicher neuer Zweige der angewandten Wissenschaften führte, die es bisher nur in Ansätzen gegeben hatte, macht noch einmal den Einfluss der industriellen Fertigung auf die wissenschaftliche Spezialisierung deutlich. Die typischen Ingenieurwissenschaften, außerhalb des klassischen Elfenbeinturms der reinen Grundlagenforschung stehend, bildeten sich heraus: Die Hochfrequenz- und die Nachrichtentechnik, die Aerodynamik, die Werkstoffkunde, die Vakuumtechnik, der Maschinenbau mit Teilbereichen wie Maschinenelementen, Elektromaschinen, Verbrennungskraftmaschinen usw., die Tief- und Hochtemperaturtechnik, Verkehrstechnik und unzählige andere Gebiete mehr. Ähnliches gilt für die Chemie. Diese anwendungsorientierten Forschungsbereiche entstanden z. T. zuerst in Industrielabors.

Die rasch fortschreitende Spezialisierung in den Ingenieurwissenschaften wirkte bald auf die reinen Wissenschaften zurück, denn sie machte den Bau zunehmend komplexer Mess- und Analysegeräte und großer Forschungsanlagen möglich, mit dem die Grundlagenforscher ihre Probleme experimentell behandeln konnten. Das wiederum führte zur Spezialisierung auch in den klassischen Wissenschaften. Die bald außerordentlich komplex werdenden Einzelexperimente konnte der Optiker, Elektrotechniker, Atomphysiker, analytische Chemiker usw. als Generalist nicht mehr oder zumindest nicht mehr allein durchführen. Die Wissenschaft selbst wurde technisiert.

  1. Gegenseitige Befruchtung von Wissenschaft und Technik
  2. Atome und Quanten die »neue« Physik
  3. Neue Erkenntnisse in der klassichen Physik
  4. Wissenschaftliche Großchemie
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