Teil-Recycling und Eindickung
Die Aufgaben des Dickdarms
Die Schleimhautoberfläche des Dickdarms (Colons) unterscheidet sich völlig von der des Dünndarms, da man hier keinerlei Zotten mehr findet. Auch besitzt er einen größeren Durchmesser als der Dünndarm, den er in der Bauchhöhle wie ein Rahmen umgibt. Man unterteilt den Dickdarm deshalb zunächst in einen aufsteigenden (Colon ascendens), einen querverlaufenden (Colon transversum) und einen absteigenden Ast (Colon descendens). Die sich anschließende s-förmige Sigmaschleife (Colon sigmoideum) bildet den Übergang zum Mast- oder Enddarm (Rectum), dessen unterster Abschnitt der Analkanal ist. Dieser wird an seinem Ausgang, dem After, durch zwei kräftige Ringmuskeln verschlossen.
Rückgewinnung von Wasser und Natrium
Die Verdauungsvorgänge sind beim Menschen bereits im Dünndarm abgeschlossen. Der Dickdarm selbst produziert deshalb auch keine Verdauungssäfte mehr. Vielmehr sondert er große Schleimmengen ab, die als Gleitmittel dienen. Mit jeder "Transport-Welle" des Dünndarms öffnet sich die Ileocaecalklappe, ein Ventil oberhalb des Blinddarms am Dickdarmeingang. Dadurch gelangen täglich rund 500 ml des Verdauungsbreies (Chymus) in den Dickdarm. Ähnlich wie in den anderen Abschnitten sorgt hier der Darm mit seinen rhythmischen, wellenförmigen Bewegungen für eine intensive Durchmischung des Verdauungsbreies und für dessen Weitertransport. Die Rückgewinnungskapazität des Dickdarms (Resorption) ist beträchtlich: Von dem täglich aufgenommenen Flüssigkeitsvolumen (rd. 1-2 Liter) scheidet er nur 100 ml mit dem Kot wieder aus. Zwar werden überwiegend Wasser und Natrium resorbiert, aber auch andere Mineralstoffe, auch einige Aminosäuren, werden aufgenommen. Darüber hinaus trägt die reiche Bakterienflora dieses Darmabschnitts zur Vitaminversorgung bei. Einige B-Vitamine und das Vitamin K werden hier auf mikrobiellem Wege synthetisiert und über die Darmwand dem Körper zugeführt.
Kotbildung
Durch Wasserentzug wird der Chymus auf etwa 150 g eingedickt. Neben unverdaulichen Bestandteilen der Nahrung besteht er jetzt aus einer Reihe von körpereigenen und -fremden Substanzen, derer sich der Organismus auf diese Art entledigt. Hierzu zählen Millionen abgeschilferter Darmepithelzellen, Reste von Verdauungssäften und der Galle, Schwermetalle und Entgiftungsprodukte der Leber. Rund ein Drittel des Kotes besteht aus Bakterienresten; seine charakteristische Farbe beruht auf Gallenbestandteilen. Gärungs- und Fäulnisprozesse im Dickdarm sind wesentliche Vorgänge bei der Kotbildung. Sie verursachen die Entstehung von Gasen und teilweise übelriechenden, zudem auch giftigen biogenen Aminen, welche dem bakteriellen Endabbau schwefelhaltiger Aminosäuren entstammen. Die Befürchtung, dass Verstopfungen oder seltener Stuhlgang zu einer Eigenvergiftung mit Stuhlbestandteilen führen könnten, ist allerdings unbegründet, da diese bei intakter Leberfunktion entgiftet und ausgeschieden werden. Menge und Konsistenz des Stuhls hängen im Normalfall wesentlich von der Verdaulichkeit der Nahrung ab. So erhöht eine ballaststoffreiche Kost Volumen und Wasserbindung und regt dadurch die Darmtätigkeit an. Letztendlich sammelt sich der Stuhl im Mastdarm und wird ausgeschieden.
Der Dickdarm

Der Dickdarm mit seinem aufsteigenden (1), querverlaufenden (2) und absteigenden Ast (3) sowie die sich anschließende Sigma-Schleife (4), die zum Mast- oder Enddarm (5) überleitet, bilden den letzten Abschnitt des Verdauungstraktes. Im Gegensatz zum Dünndarm (6) wird der Dickdarm nicht mehr vollständig von einem Längsmuskel umschlossen. Dieser verläuft jetzt vielmehr in drei strangförmigen Muskelbändern, den Tänien (7). Erst am Mastdarm (Rectum) umgibt der Muskel das Darmrohr wieder ganz (8).
Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm
Zwischen den Muskelbändern befinden sich zahlreiche Ausstülpungen, die Haustren (9). Durch Kontraktionen der Ringmuskulatur des Darmrohres bilden sich an der Darminnenwand halbmondförmige Falten. Die Ileocaecalklappe (10), auch Bauhinsche Klappe genannt, öffnet den Dickdarmeingang nur kurzzeitig mit einer vom Dünndarm kommenden peristaltischen Welle. Wie ein Rückschlagventil verhindert der Klappenverschluss einen Rückfluss des Darminhalts, der sich nun im ersten und weitesten Abschnitt des Dickdarms, dem Blinddarm (11), befindet. Am unteren Ende des Blinddarms hängt der Wurmfortsatz (Appendix vermiformes, 12), dessen Entzündung (Appendicitis) meist fälschlicherweise als "Blinddarmentzündung" bezeichnet wird. Die im Wurmfortsatz eingelagerten Lymphknötchen dienen der Infektabwehr. Zwischen den Muskelbändern sind fettgefüllte Ausstülpungen der Dickdarmwand (13) zu erkennen, die bei "Bierbauchträgern" besonders ausgeprägt sind.
Rückgewinnung und Durchfall
Der hauptsächlich im Dickdarm stattfindende Wasserentzug aus dem Speisebrei ist eng mit der Natriumrückgewinnung (Na+-Resorption) verknüpft. Die Na+-Resorption erfolgt teils passiv, teils aktiv mittels einer so genannten Natriumpumpe. Die passive Wasserresorption folgt osmotischen Druckunterschieden im Gefolge von Natrium und anderen gelösten Mineralsalzen. Können Salze (oder andere osmotisch wirksame Substanzen wie einige Vitamine und in geringem Umfang auch Aminosäuren) nicht ausreichend resorbiert werden, kann auch Wasser in das Darminnere strömen und zu Durchfällen führen.
Der Mastdarm

Der letzte Abschnitt des Verdauungskanals ist der 15-20 cm lange Mastdarm (Rectum). Die Kohlrauschsche Falte (1) gliedert den Mastdarm in den eigentlichen Kotbehälter oder die obere Ampulle (2) und den unteren Analkanal (3), der im After (Anus, 4) mündet. Die Dickdarmschleimhaut reicht noch in das obere Drittel des Analkanals. Sie geht in eine dünne, sehr empfindliche Haut über, an die sich die äußere Haut anschließt. Zwei kräftige Muskeln schließen den Darm zur Körperoberfläche hin ab: der innere (Musculus sphincter internus, 5) und der äußere (Musculus sphincter externus, 6) Schließmuskel. In der Hämorrhoidalzone (7) liegt unter der Schleimhaut ein Venengeflecht, das mit der oberen Mastdarmschlagader verbunden ist. Neben der Ringmuskulatur (8) ist in diesem Abschnitt die Längsmuskulatur (9) wieder voll ausgebildet.
Zwar dient der letzte Dickdarmabschnitt primär der Ausscheidung, doch ist auch hier noch eine Resorption möglich. Unter Umgehung des Verdauungsweges nutzen wir dieses Vermögen, um bestimmte Medikamente, etwa Zäpfchen, direkt in den Intermediärstoffwechsel einzuschleusen.
Die großen peristaltischen Rollbewegungen beginnen in der rechten Dickdarmkrümmung und schieben den Darminhalt in den Analkanal. Die damit verbundene Dehnung in diesem Bereich löst über einen Reflex zunächst eine unwillkürliche Dehnung des inneren Schließmuskels mit Stuhldrang aus. Gleichzeitig setzt eine Kontraktion der Darmmuskulatur ein, überlagert durch eine permanente Kontraktion des äußeren Schließmuskels, der den Analkanal am After verschließt und erst durch willensgesteuerte Erschlaffung die Entleerung einleitet. Die Dehnung der Magenwand kann die gleiche Reaktion hervorrufen und ebenfalls zu Stuhldrang führen. In den ersten Lebensjahren ist dieser Vorgang sehr ausgeprägt, was erklärt, weshalb beim Säugling und beim Kleinkind die Nahrungsaufnahme häufig mit einer Darmentleerung einhergeht.
Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind knotenartige Erweiterungen der Gefäße der Hämorrhoidal-Zone. Besonders bei der Stuhlentleerung können diese Gefäße einreißen. Dies zeigt sich durch die typischen hellroten Blutauflagerungen auf dem Stuhl. Die Hämorrhoiden I. Grades (1) sind in der Regel nicht schmerzhaft. Bei Hämorrhoiden II. Grades (2) ist ein Vorfall beim Pressen festzustellen. Nässen und Brennen der Analregion sowie schmerzhafte Stuhlentleerung stellen sich ein. Ist der Vorfall ausgedehnter und nicht mehr rückbildungsfähig, spricht man von Hämorrhoiden III. Grades (3). In diesem Stadium ist eine Verödung oder chirurgische Entfernung angezeigt.









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