Transitwege durch die Alpen
Transitwege durch die Alpen
Es ist noch gar nicht so lange her, da war eine Reise über die Alpen eine langwierige und beschwerliche Angelegenheit. Nur an den Stellen, wo die Natur vorgesorgt hatte, ging es einigermaßen zügig voran. Zu diesen natürlichen Alpenübergängen zählen z. B. der Brenner- und der Reschenpass. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts lief der Verkehr hauptsächlich auf Saumpfaden, einfachen Straßen und auf dem Wasser. Als gegen Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn Einzug in die Alpen hielt, verödeten zahlreiche Passübergänge. Im Jahre 1854 wurde in Österreich die erste alpine Eisenbahnlinie eröffnet. Sie führte über den 984 Meter hohen Semmeringpass und stellte eine Verbindung her zwischen Wien und Klagenfurt sowie dem damals österreichischen Triest. 1867 überquerte die Eisenbahn den Brennerpass und 1882 den Arlberg- und St.-Gotthard-Pass. Weitere Transiteisenbahnlinien durch die Alpen folgten. Oftmals war es notwendig, gänzlich neue Trassen anzulegen, die nicht selten mit einer Reihe von Brücken und Tunneln versehen werden mussten.
Nach der Erfindung von Pkw und Lkw machte die zunehmende Motorisierung auch in den Alpen den Bau von immer mehr Straßen notwendig. Oft wurden die Trassen früherer Militärwege verwendet und man baute sie so aus, dass sie den Anforderungen des modernen Verkehrs mehr oder weniger gewachsen waren. Als Beispiel hierfür sei nur das Stilfser Joch in Italien genannt, dessen zahllose Serpentinen im 19. Jahrhundert von österreichischen Pionieren in den Fels gesprengt wurden. Nach 1945 erforderte das sprunghafte Anwachsen des Kraftfahrzeugverkehrs den weiteren Ausbau der Passstraßen und den Neubau von Straßentunneln.
Mit der Zeit und dank einer immer besseren Straßenbautechnik wurden ganze Gebirgsmassive durchbohrt und tiefe Schluchten überbrückt. Autobahnen ersetzen heute vielfach die Haarnadelkurven.
Neue verkehrspolitische Ausrichtungen
Das zunehmende Verkehrsaufkommen auf den Transitstraßen stellt jedoch durch Lärm und Abgase eine starke Belastung für das labile Ökosystem der Alpen und die Anlieger der Hauptverkehrsachsen dar. Auch die Einführung von Nachtfahrverboten, hohen Mautgebühren und Tonnagebeschränkungen für den Schwerlastverkehr haben das weitere Anschwellen der Verkehrsströme nicht ausreichend eingeschränkt.
Ziel der Alpenländer ist es daher, möglichst viel Verkehr auf die umweltverträglichere Schiene zu bringen. Durch den Bau von Eisenbahn-Basistunneln verspricht man sich eine spürbare Entlastung der Transitstraßen, da sie den Verkehrsteilnehmern eine zeitsparende und umweltschonende Durchquerung des Alpenraums ermöglichen.
Mautsysteme
Die Anlage von Alpenstraßen kostet viel Geld und die Benutzer müssen daher auf bestimmten Strecken Mautgebühren bezahlen. So gilt z. B. für das gesamte österreichische Autobahnnetz seit dem 1. Januar 1997 Gebührenpflicht. Dabei haben die Autofahrer die Wahl zwischen dem Kauf einer Jahres-Vignette, einer Zwei-Monats-Vignette und einer 10-Tages-Vignette. Die Vignette muss im Auto gut sichtbar auf der Innenseite der vorderen Windschutzscheibe angebracht werden. Auf einigen Strecken müssen die Autofahrer eine zweite oder sogar dritte Maut bezahlen. Die zusätzlichen Gebühren für die beiden wichtigsten Transitstrecken durch Österreich - die Brenner-Route von Innsbruck nach Bozen und die Tauern-Strecke von Salzburg nach Villach - sind mit der Einführung der Vignette geringfügig gesenkt worden.
Auch für die Benutzung des schweizerischen Autobahnnetzes muss man Gebühren zahlen und eine Vignette erwerben. Sie berechtigt darüber hinaus auch zum Befahren der beiden Straßen über den St.-Gotthard-Pass und den San-Bernardino-Pass. Für die im Westen gelegenen Routen durch den Großen-St.-Bernhard-Tunnel und den Mont-Blanc-Tunnel sind zusätzliche Mautgebühren zu entrichten.
Die Route durch die Alpen in südliche Gefilde sollte sorgfältig gewählt werden. Wer beispielsweise mit dem Wohnwagen unterwegs ist, fährt über die Schnellverbindungen am besten, zumal viele der kleineren Pässe für Anhänger ungeeignet oder gesperrt sind. Pkws ohne Wohnwagen oder Autofahrer, die es nicht eilig haben, können dagegen oftmals auf die mautfreien Strecken ausweichen und dadurch zahlreiche landschaftliche Schönheiten wieder entdecken. Wer die Alpen nämlich auf Autobahnen oder durch Tunnel durchquert, hat kaum die Muße für einen Seitenblick.
- Transitwege durch die Alpen
- Die wichtigsten Alpenübergänge und Alpentunnel
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