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THEMEN

Turandot, Dramma giocoso (Lyrisches Drama) in drei Akten von Giacomo Puccini

Handlung

  • Libretto: Giuseppe Adami und Renato Simoni nach Carlo Gozzis gleichnamigem Märchenspiel
  • Uraufführung: 25. und 26. April 1926 Teatro alla Scala, Mailand
  • Deutsche Erstaufführung: 4. Juli 1926 Dresden
  • Spieldauer: ca. drei Stunden
  • Ort und Zeit: Peking (Beijing) und China in legendärer Vorzeit
  • Personen: Turandot (chinesische Prinzessin), Sopran; Altoum (Kaiser von China), Tenor; Timur (entthronter König der Tartaren), Bass; Unbekannter Prinz (Kalaf, Soh Timurs), Tenor; Liu (eine junge tartarische Sklavin), Sopran; Drei kaiserliche Minister (treten auch als "Drei Masken" auf): Ping (Kanzler), Bariton / Pang (Marschall), Tenor / Pong (Küchenmeister), Tenor; Mandarin, Bariton; Prinz von Persien und Henker, stumme Rollen
  • Chöre: Chinesisches Volk, Wachen, Henkersknechte, Knaben, Priester, Kammerfrauen, Stimmen der Ermordeten, die Weisen, Stimmen der Herolde, Frauenstimmen

1. Akt

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Szene aus dem ersten Akt der Uraufführung von "Turandot": Das Volk beobachtet die Hinrichtung des jungen Prinzen von Persien.

In der Kaiserstadt Peking (Beijing). Ohne einleitende Ouvertüre, lediglich mit ein paar charakteristischen Takten wird der Zuhörer auf die Szenerie und das folgende Geschehen eingestimmt. Das Bühnenbild tut ein übriges, um diese Wirkung zu verstärken: Vor dem Hintergrund der Mauern, die die große "Verbotene Stadt" umschließen, befindet sich ein Laubengang mit typisch chinesischen Skulpturen, die die mythologische Welt im Reich der Mitte symbolisieren. Die friedliche Fernost-Idylle wird jedoch auf den zweiten Blick empfindlich gestört, denn die Zinnen der massiven Mauer sind mit Köpfen von hingerichteten Männern gespickt.

Nun tritt der Mandarin, der kaiserliche Bote, auf und verkündet dem Volk mit monotoner Stimme den Hintergrund dieses grausigen Anblicks: Prinzessin Turandot wird den Mann königlichen Geblüts heiraten, der die drei von ihr aufgegebenen Rätsel lösen kann; versagt er dabei, so hat er sein Leben verwirkt. Der jüngste Bewerber war der Prinz von Persien, der jedoch keinen Erfolg hatte und nun bei Mondesaufgang sterben soll. Wider Erwarten grölt das Volk - im italienischen Libretto charakteristischerweise "La Fòlla" genannt (= Menge, aber "fòlle" = närrisch, toll; hier werden auch Assoziationen zum englischen "fool" = Narr geweckt) - Zustimmung zu diesem barbarischen Erlass und will bereits den Palast stürmen, um den Verurteilten notfalls mit Gewalt zum Schafott zu führen. Doch die Wachen drängen die Menge zurück, es entsteht ein tumultartiges Gedränge, in dem u. a. auch Timur, der abgesetzte Kaiser der Tartaren, zu Boden stürzt. Bei dem Versuch, ihren Herrn zu beschützen, erhält die junge Sklavin Liu von unerwartete Schützenhilfe von einem Fremden, der sich als der verschwundene Sohn ihres Gebieters zu erkennen gibt. Zwar fallen sich Vater und Sohn nach so langer Zeit glücklich in die Arme, doch müssen sie auf der Hut vor des Kaisers Häschern sein und müssen daher jedes Aufsehen vermeiden.

Derweil beginnt das grausige Schauspiel vor dem Schlossplatz. Die Menge schreit blutrünstig nach der Vollstreckung des Urteils, die Henkersknechte wetzen bereits in wildem Fanatismus ihre Messer - ein höllisches Szenario. Ungeduldig wartet das Volk auf das Erscheinen des Mondes, damit das Urteil vollstreckt werden kann. Im matten Schimmer des Mondlichtes schreitet schließlich der Prinz von Persien, geleitet von den Wachen und einem Zug von Knaben, zum Schafott. Beim Anblick des jungen, schönen und unschuldigen Prinzen, wandelt sich der Menge tierische Grausamkeit augenblicklich in menschliches Mitgefühl. Puccini lässt hier nach den massiven, von Bläsern dominierten Akkorden einen schlichten, sakralartigen Chor erklingen, der den Kontrast zu der vorherigen Szene nicht drastischer darstellen könnte.

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Rosa Raisa als Prinzessin Turandot in der Uraufführung der Oper an der Mailänder Scala im April 1926.

Doch alle Hoffnung auf Aufhebung des Urteils wird zunichte gemacht: Prinzessin Turandot erscheint in der kaiserlichen Laube und bestätigt das Todesurteil. Der unbekannte Prinz, der die herzlose Prinzessin bis dahin noch verurteilt hatte, verliebt sich bei deren Anblick unsterblich in ihre Schönheit. Timur registriert mit Schrecken die Veränderung, die in seinem Sohn vorgegangen ist und versucht ihn mit Lius Hilfe von diesem Platz fortzubringen, doch der Prinz ist keinem vernünftigen Argument mehr zugänglich: Er befindet sich in einer Art Trance, besessen von dem einzigen Wunsch, diese göttliche Prinzessin zu erobern und stürmt auf den großen Gong zu, der jedes Mal dann geschlagen wird, wenn sich ein neuer Bewerber eingestellt hat, um der Prinzessin Rätsel und damit ihr Herz zu gewinnen. Doch drei Masken, die kaiserlichen Minister Ping, Pong und Pang, verstellen dem Verwegenen den Weg und warnen ihn eindringlich von den Konsequenzen. Überhaupt sei die Prinzessin auch nur ein Weib wie jedes andere, einmal ihrer königlichen Würden beraubt. Als die drei Masken mit ihren Bemühungen fast am Ziel sind, erscheinen auf der Mauer die Geister aller bisher für Turandot gestorbenen Bewerber und reden dem Prinzen zu, beharrlich an seinem Plan festzuhalten, denn sie selbst seien auch nach ihrem Tode noch immer vom Liebreiz der Prinzessin verzaubert.

Noch einmal bieten die drei Masken alle Überredungskünste auf, um den Prinzen von seinem wahnwitzigen Plan abzubringen: weder Menschen noch Götter verliehen dem Leben einen Sinn, einzig das Tao sei erstrebenswert. Auch sein blinder, hilfloser alter Vater Timur, der den endlich wiedergefundenen Sohn nicht schon wieder verlieren will, und die Sklavin Liu, die den Prinzen seit Jahren heimlich liebt und : in einer bewegend schlichten Arie Signore ascolta (Hör mich an, o Herr) ihre Gefühle offenbart, reden beschwörend auf ihn ein, doch es ist alles vergeblich: der liebestrunkene und im Fieberwahn besinnungslose Prinz ist ein willenloses Opfer der schönen Turandot.

Als der Prinz Liu antwortet, glaubt man für einen Moment, dass er sich besonnen habe, doch bereits die nächsten Worte machen klar, dass er die Möglichkeit seines Todes bewusst einkalkuliert. Ein letztes Mal reden Timur, Liu und die drei Masken von allen Seiten auf den Prinzen ein, doch das Schicksal des von Liebe Besessenen ist in dem Moment besiegelt, als er den magischen Gong dreimal schlägt.

2. Akt

1. Bild: Ein großer Zeltpavillon, verziert mit symbolischen und fantastischen chinesischen Figuren. Die drei Minister können nun nichts mehr tun, als das weitere Schicksal des Prinzen abzuwarten. In der Zwischenzeit gedenken sie sehnsuchtsvoll der glücklichen alten Zeiten, als das Leben in China noch nach Jahrtausende alten Regeln ruhig seinen Lauf nahm. Nun hat Prinzessin Turandot alles auf den Kopf gestellt und die Bevölkerung wird alljährlich Zeuge desselben grausamen Schauspiels, das bereits 27 jungen Männern das Leben gekostet hat. Wehmütig denken alle drei an ihre Heimat - idyllische und friedliche Landschaften, deren Kontrast zum brutalen Alltag in der Hauptstadt nicht größer sein könnte -, die sie zum Studium der heiligen Schriften verlassen haben. Und sie gedenken der königlichen Bewerber aus aller Herren Länder, die für die herzlose Prinzessin ihr Leben ließen. Käme doch endlich einer, der diesen ewigen Fluch durchbräche!

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Der Tenor Michele Fleta in der Rolle des unbekannten Prinzen in der Uraufführung der Oper an der Mailänder Scala im April 1926.

2. Bild: Schlossplatz vor dem kaiserlichen Palast. Alles wird für die feierliche Zeremonie des Rätselratens vorbereitet. Als der betagte Kaiser Altoum auf seinem Elfenbeinthron erscheint, fällt die Menge in demutsvoller Verehrung vor ihm auf den Boden. Der Monarch, der einst selbst den verhängnisvollen Schwur getan, ist inzwischen des ewigen Blutvergießens müde und will den neuen Bewerber fortschicken. Doch der Prinz ist wild entschlossen und besteht auf seiner Probe. In einer leidenschaftlichen Ansprache enthüllt die Prinzessin dem Fremden nun zunächst mit zitternd bewegter Stimme, warum sie diese Zeremonie abhält: als Rache für die ihrer Ahnin Louling angetane Schmach, die einst von einem Fremden entführt, vergewaltigt und ermordet worden ist und aus Angst vor einem ähnlichen Schicksal.

Trompetenstöße signalisieren den Beginn der Zeremonie, die nun von der Menge gespannt verfolgt wird. Mit ungläubigem Staunen erleben sie, wie der Prinz ein Rätsel nach dem anderen löst. Als er auch die dritte Frage beantworten kann, stimmt das begeisterte Volk einen freudigen Triumphchor an Turandot jedoch schäumt vor Wut. Sie will nun nicht mehr zu ihrem Wort stehen und fleht ihren Vater um Hilfe an. Doch dem Kaiser ist ein einmal gegebener Eid heilig. Der Prinz ist edel genug, die widerstrebende Prinzessin nicht mit Gewalt zu nehmen und gibt ihr nun seinerseits ein Rätsel auf: Wenn sie bis zum Morgengrauen seinen Namen in Erfahrung bringen kann, so wolle er sterben und sie damit von ihrem Schwur befreien.

3. Akt

1. Bild: Im Schlossgarten mit vielen chinesischen Götterskulpturen und einem Pavillon. Prinzessin Turandot will alles daran setzen, um den Namen des Fremden herauszubekommen und lässt daher durch ihre Herolde in der ganzen Stadt verkünden, dass es in dieser Nacht unter Androhung der Todesstrafe verboten sei, zu schlafen - der Prinz nimmt diese Anordnung der Herolde mit ihrem drohenden Nessun dorma (Keiner schlafe!) der kaiserlichen Herold auf und transformiert es in einer der berühmtesten Opernarien zu einer Hymne auf den Sieg der Liebe - und so entfaltet sich in dieser Nacht eine unglaubliche Aktivität. Auch die drei Minister Ping, Pong und Pang versuchen, des Fremden Inkognito zu lüften und bieten ihm Frauen, Reichtum und Ruhm an, wenn er nur sein Geheimnis preisgibt. Doch der Prinz bleibt standhaft. Die Nacht schreitet dabei unerbittlich fort und das Bemühen der Bürger das Geheimnis zu lüften wird immer verzweifelter, denn schließlich steht ihrer aller Leben auf dem Spiel. Und so versuchen die Minister in einem zweiten Anlauf, das Mitleid des Prinzen zu erregen, indem sie ihm in den glühendsten Farben die Konsequenzen für das chinesische Volk ausmalen, fals es nicht gelingt, den Namen des Fremden zu ermitteln. Aber auch diese Bitten können das Herz des Prinzen nicht erweichen.

Als sie ihn bereits mit Dolchen bedrohen, erscheinen die kaiserlichen Häscher mit Timur und Liu im Park. Einige Zeugen hatten am Vortag das Gespräch zwischen dem Prinz und diesen beiden beobachtet und sind sich nun sicher, dass einer von ihnen unter der Folter den Namen verraten wird. Um das Leben des alten Timur zu retten, erklärt Liu schließlich, dass nur sie allein den Namen des Fremden kenne. Alle atmen auf, der Prinz hingegen gerät angesichts dieser Äußerung in Panik; in diesem Moment erklärt die Sklavin, dass sie seinen Namen nie preisgeben werde. Unter Folterungen versuchen die Prinzessin und ihre Minister nun, ihr das Geheimnis zu entreißen, während der Fremde, in Fesseln zur Untätigkeit verdammt, dem Schauspiel hilflos zuschauen muss. Beeindruckt angesichts solchen "Heldenmut(es)" fragt Prinzessin Turandot Liu nach der Quelle solcher Kraft. Mit zärtlicher Stimme erklärt Liu, es sei die Liebe, die stärker als alle Mächte der Welt ist und die sie der Prinzessin durch ihren Tod in Gestalt des Fremden zum Geschenk mache. Als die Minister den gefürchteten Henker Pu-Tin-Pao holen lassen, ergreift Liu den Dolch eines Soldaten und beendet - in dem Bewusstsein, dem einzig und ewig geliebten Mann zur positiven Wendung seines Schicksals verholfen zu haben - mit eigenen Händen ihr Leben.

Timur kniet fassungslos und verzweifelt vor der toten Liu und das Volk versinkt erstmals in dieser Oper in andächtige Stille, der ein schwermütigen Trauergesang folgt. Selbst die hartgesottenen Minister sind von dem tragischen Wandel der Ereignisse sichtlich ergriffen. Einzig Turandot, die "Prinzessin von Eis", bleibt auch angesichts dieser Ereignisse unberührt. Und auch jetzt noch verweigert sie sich in angstvoll-panischer Erinnerung an ihrer Ahnin Schicksal dem fremden Prinzen als ihrem zukünftigen Gemahl. Doch dieser akzeptiert nun keine Ausflüchte mehr und küsst die Prinzessin leidenschaftlich. In dieser glühenden Umarmung schmilzt der Eispanzer Turandots und sie erwacht zu einer Frau aus Fleisch und Blut und die bis dahin herrische Stimme erhält erstmals einen warmen, weichen Klang. Mit den aufgehenden Strahlen der Morgensonne hat die Liebe gesiegt. Puccini gelingt hier eine der ergreifendsten Szenen der Operngeschichte und seine Musik strahlt von Licht und Liebe, in der sich die Reinheit und der Zauber einer ersten jungen Liebe mit der Reinheit und dem Zauber eines erwachenden Morgens vereint.

Der fremde Prinz lüftet nun aus Dankbarkeit für diese Wandlung sein Inkognito: Er sei Kalaf, der Sohn König Timurs. Bei dieser Nachricht erwacht spontan Turandots altes Ich wieder zum Leben und sie sieht den so lange Gesuchten an sie ausgeliefert. Die Prinzessin ist nun wieder ganz stolze Herrscherin und will bei Tagesanbruch Kalaf vor dem Palast dem Volk präsentieren und seinen Namen preisgeben.

2. Bild: Vor dem Kaiserpalast, dessen Marmor in das rosige Licht der Morgensonne getaucht ist. Kaiser Altoum thront inmitten seiner Würdenträger, der Weisen und Soldaten und ist von einer großen Volksmenge umgeben. Gespannt warten alle auf die Bekanntmachung der Prinzessin. Da verkündet Turandot mit reiner, klarer Stimme feierlich: "Il suo nome è Amor!" (Sein Name ist Liebe; in der deutschen Übersetzung - wahrscheinlich aufgrund des geänderten Akzents - leider nur mit "Gemahl" wiedergegeben). Das Volk stimmt daraufhin auf das Schlussthema der Nessun-dorma-Arie ("keiner schläft")einen Jubelchor an. Und doch - dieses Happy End ist für den Preis von Lius Tod erkauft!

  1. Handlung
  2. Entstehung der Oper
  3. Libretto
  4. Musik

Bibliografie:

  • Clemens Höslinger: Giacomo Puccini, (Rowohlt Biographie) 2003
  • Giacomo Puccini: Turandot (Textbuch in deutscher Sprache), Reclam Verlag, Stuttgart 1997
  • Giacomo Puccini: Turandot. Einführung und Kommentar von Kurt Pahlen mit Libretto in italienisch und deutsch, Schott Verlag, Mainz 1998
  • Dieter Schickling: Puccini, Stuttgart 2007
Gesamtaufnahme mit Borkh, Tebaldi, Monaco, Giordano, Carlin; Orchestra dell'Accademia di Santa Cecilia Roma, Ltg.: Erede; Decca 1955 (Bestell-Nr.: 6727066)
Gesamtaufnahme mit Nilsson, Tebaldi, Björling, Tozzi; Orchester der Oper Rom, Ltg.: Leinsdorf; RCA 1959 (Bestell-Nr.: 5151521)
Gesamtaufnahme mit Sutherland, Pavarotti, Ghiaurov, Caballé, Krause, Pears; London Philharmonic Orchestra, Ltg.: Mehta; Decca 1973 (Bestell-Nr.: 5151576)
Live-Aufnahme aus der "Verbotenen Stadt" in Peking, dem Originalschauplatz mit Casolla, Frittoli, Larin, Colombara, Fardilha; Maggio Musicale Fiorentino Chor & Orchester, Ltg.: Mehta; RCA 1998 (Bestell-Nr.: 8696671)
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