Udo Jürgens
Kindheit in Klagenfurt
Udo Jürgens (eigentlich Udo Jürgen Bockelmann) wurde am 30. September 1934 in Klagenfurt geboren. Seine Mutter stammt aus Schleswig-Holstein, der Vater wurde in Moskau geboren, war Landwirt. Udo ist im elterlichen Schloss Ottmanach auf dem Magdalensberg in Kärnten zusammen mit den Brüdern John (*1931) und Manfred (*1943) aufgewachsen.
Musikalisch hoch begabt lernte er bereits mit fünf Jahren Mundharmonika spielen, mit sieben Jahren Akkordeon, später Klavier. Noch als Schüler des Klagenfurter Realgymnasiums (das er im Alter von 17 Jahren verließ) studierte er ab 1948 Klavier, Harmonielehre, Komposition und Gesang am Klagenfurter Konservatorium. Das Lied "Je t'aime" des 16-jährigen Udo gewann beim Komponisten-Wettbewerb des Österreichischen Rundfunks unter 300 Einsendungen den 1. Preis.
'Es waren weiße Chrysanthemen'
1951 gründete er die "Udo-Bolan-Band". Die Combo spielte amerikanischen Swing, neu gefasste Tanzmusik sowie Eigenkompositionen. Am Klagenfurter Rundfunkstudio betätigte sich Udo als Komponist, Dirigent, Klavier-, Akkordeon- und Vibrafonspieler, als Arrangeur und als Sänger. Nebenbei gestaltete er wöchentlich eine Radioshow für den britischen Militärsender "BFN" ("British Forces Networks"). Er erhielt außerdem eine Einladung nach Berlin, um mit dem Rias-Tanzorchester unter der Leitung von Werner Müller zu spielen.
1951 schloss Udo seinen ersten Schallplattenvertrag mit der Firma "Helidor/Polydor" unter dem neuen Künstlernamen "Udo Jürgens". Der erste Plattentitel - "Es waren weiße Chrysanthemen" - wurde ein kapitaler Flop. Mit verschiedenen eigenen Gruppen folgten in den nächsten Jahren Auftritte in Kärnten, Wien, Salzburg und München. Im Jahr 1957 ging er für vier Wochen mit dem "Orchester Max Greger" auf Russland-Tournee. Die Erfolge in Deutschland blieben zunächst bescheiden, einen kleinen Achtungserfolg erreichte er mit "Hejo, hejo, Gin und Rum". Allerdings bedeutete der Titel "Reach for the stars" (gesungen von Shirley Bassey) für ihn als Komponist einen ersten Welterfolg.
'Merci Chérie'
Im Jahr 1961 begann Udo Jürgens' sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Show-Manager Hans R. Beierlein. Als "Polydor" 1963 beschloss, den Schallplattenvertrag nicht zu erneuern, verpflichtete ihn Beierlein für seine Firma "Montana". Innerhalb weniger Jahre wurde Udo Jürgens nun einer der größten Stars im deutschen Musikshowgeschäft. Er schrieb für viele deutsche Filme Lieder und Texte (u.a. für Gus Backus, Gerhard Wendland und Rex Gildo), aber auch für sich selbst, so z.B. das Duett "I want to dance" in dem Film "Und du mein Schatz bleibst hier" und einen Song in dem Streifen "Tanze mit mir in den Morgen".
Seine zunehmend erfolgreichen Auftritte beim "Grand Prix Eurovision de la Chanson" verhalfen ihm auch in Deutschland zum Durchbruch. Bei seiner ersten Teilnahme 1964 in Kopenhagen erreichte er mit "Warum nur, warum?" den beachtlichen 5. Platz. Matt Monroe verkaufte mit der englischen Version "Walk away" auf Anhieb 1,5 Millionen Schallplatten und belegte damit Spitzenpositionen in den Hitparaden rund um die Welt (so in England Platz 1, in den USA Platz 2). Die deutschsprachige Originalversion von Udo Jürgens wurde ein Nummer-1-Hit in Frankreich. Bei seiner zweiten Teilnahme 1965 in Neapel sang er "Sag' ihr, ich lass sie grüßen" und landete auf Platz 4. 1966 siegte er beim Grand Prix in Luxemburg mit dem Song "Merci Chérie", der ein Welthit mit Hitparaden-Spitzenpositionen in über 20 Ländern wurde.
Seine erste Goldene Schallplatte erhielt Udo Jürgens 1965 für "Walk away", 1966 folgte bereits die Vierte für "Warum nur, warum?". Für "Siebzehn Jahr, blondes Haar" erhielt er einen Goldenen Löwen von Radio Luxemburg.
'Griechischer Wein'
1967 startete Udo Jürgens eine triumphale Tournee durch die Bundesrepublik, der bald eine Vielzahl von Tourneen, Fernseh- und Konzertauftritten in europäischen und außereuropäischen Ländern folgten. Europäische Rekorde brach seine Mammut-Tournee "Udo 70" (September 1969 bis Juli 1970) durch Deutschland, Österreich, Schweiz, Holland, Belgien, Luxemburg, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien, wo ihm in 222 Konzerten eine halbe Million Menschen zuhörten. Nach einer Umfrage des Wickert-Instituts galt Udo Jürgens 1969 als das dritte Idol der deutschen Jugend hinter J.F. Kennedy und Bruder Robert.
"Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde.
Komm', schenk dir ein und wenn ich dann traurig werde, liegt es daran,
dass ich immer träume von daheim; du musst verzeih'n.
Griechischer Wein, und die altvertrauten Lieder.
Schenk' nochmal ein! Denn ich fühl' die Sehnsucht wieder;
in dieser Stadt werd' ich immer nur ein Fremder sein, und allein."
"Griechischer Wein"
Der gesellschaftskritische Song "Lieb Vaterland" (1971) entfachte eine öffentliche Diskussion in Deutschland. 1971 sang Udo Jürgens erstmals japanisch. Das Lied "Wakare no asa" wurde Nummer 1 in den japanischen Hitparaden. "Griechischer Wein" wurde 1975 der Hit des Jahres. Der griechische Ministerpräsident empfing Udo Jürgens und Textdichter Michael Kunze in Athen. Ehrung "Bestes Lied des Jahres" (1975) für den Titel "Ein ehrenwertes Haus".
"Weil wir als Paar zusammen leben und noch immer ohne Trauschein sind.
Hat man sich gestern hier getroffen und dann hat man abgestimmt.
Und die Gemeinschaft aller Mieter schreibt uns nun: "Zieh'n Sie hier aus!"
Denn eine wilde Ehe, das passt nicht IN DIESES EHRENWERTE HAUS."
"Ein ehrenwertes Haus"
'Aber bitte mit Sahne'
Im Juli 1977 brach Udo Jürgens mit seinem langjährigen Manager Beierlein. Vorausgegangen waren Spekulationen über Steueraffären von Jürgens. Unter der Obhut seines neuen Managers Fredy Burger setzte Udo Jürgens seinen Erfolgskurs fort und blieb auch weiterhin ein "glaubwürdiger Grenzgänger zwischen Schlager und Chanson" (FAZ) mit Ambitionen für das Klassische: 1979 komponierte er für die Berliner Symfoniker das Acht-Minuten-Stück "Wort", 1986 dirigierte er bei der Eröffnung der Wiener Festwochen die Wiener Symfoniker.
"Sie schwatzen und schmatzen, dann holen sie sich, ohoho, (oh yeah!)
noch Buttercremetorte und Bienenstich, ohoho, (oh yeah!)
Sie pusten und prusten, fast geht nichts mehr rein, nur ein Mohrenkopf höchstens, denn Ordnung muss sein
bei Mathilde, Ottilie, Marie und Liliane, ABER BITTE MIT SAHNE!"
"Aber bitte mit Sahne"
Nach vielen weiteren Hits ("Aber bitte mit Sahne", 1976, "Buenos dias, Argentina", 1978, "Ist das nichts?", 1980, "Die Sonne und Du", 1983 u.a.) kam es 1988 zu heftigen Kontroversen um Udo Jürgens' Titel "Gehet hin und vermehret Euch" (LP "Das blaue Album"). Das Lied wurde als Attacke gegen die Haltung der katholischen Kirche zu Empfängnisverhütung und Überbevölkerung gewertet. Nachdem es von einigen Radiostationen auf den Index der "geächteten Titel" gesetzt wurde, fanden vor den Sendern Gegendemonstrationen mit Spruchbändern statt.
"Und da hat einer gütige Hände,
und ein gutes, kluges Gesicht,
aber denkt er das Diesseits zu Ende,
wenn er vom Jenseits spricht?"
"Gehet hin und vermehret Euch"
Weitere große Tourneen ("Ohne Maske"-Tournee, 1989; der vier Monate-Konzert-Marathon unter dem Motto "Geradeaus") unterstrichen Udo Jürgens' ungebrochene Popularität bei einer treuen und großen Fangemeinde. 1993 unterzeichnete er einen lebenslangen Schallplattenvertrag mit "Ariola" (erster Vertrag mit "Ariola" 1967). Die "Größenwahn-Tour" im Jahr 1995 ist mit etwa 500 000 Besuchern bei 140 Konzerten die erfolgreichste Tournee der Konzertsaison in Europa.
'Gestern, Heute, Morgen'
Im Januar 1997 begann Udo Jürgens seine 14. Konzert-Tournee unter dem Titel "Gestern, Heute, Morgen". In diesem Jahr erschien auch die CD "Der Erste Sahne Mix", eine Zusammenstellung seiner bekanntesten Hits im Disco-Beat. Dieses Album kam gleich nach dem Erscheinen unter die "Top 50" und bewies wieder einmal, dass Udo Jürgens als einer der wenigen Künstler im Bereich des deutschen Schlagers gleichzeitig mehrere Generationen von Hörern anspricht. Er ist ein Künstler, der sich weder in gesellschaftliche noch altersmäßige Schubladen pressen lässt. Mal kommt er als schöngeistiger Poet und Schöpfer orchestraler Klangorgien daher, mal als schalkhaft jugendlicher Entertainer oder als bissiger Satiriker. Vielleicht ist es gerade das, was Jung und Alt so an ihm fasziniert.
Ihr werdet euch noch wundern, wenn ich erst Rentner bin!
Sobald der Stress vorbei ist, dann lang ich nämlich hin, o-ho, o-ho, o-ho.
Dann fön' ich äußerst lässig das Haar, das mir noch blieb.
Ich ziehe meinen Bauch ein und mach' auf 'heißer Typ', o-ho, o-ho, o-ho.
Und sehen mich die Leute entrüstet an und streng;
dann sag' ich: "Meine Lieben, Ihr seht das viel zu eng!"
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!
Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.
Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss!
Mit 66 ist noch lange nicht Schluss!
"Mit sechundsechzig Jahren"
'Mit 66 Jahren'
Mehr als 430 000 Besucher aller Altersgruppen haben Udo Jürgens im Rahmen seiner Tour "Mit 66 Jahren" gesehen. Die Erfolgstournee führte ihn in einem Zeitraum von Oktober 2000 bis April 2001 (107 Konzerte) durch Deutschland, Schweiz, Österreich, Niederlande und Italien. Das dazugehörige Album "Mit 66 Jahren - was wichtig ist" erreichte in Österreich und Deutschland Goldstatus. Im September 2001 kam das Live-Album "Mit 66 Jahren - live 2001" auf den Markt. Als besonderes Highlight gab es erstmals auch ein Konzert (Köln) auf DVD.
Doch für Udo Jürgens war auch mit 66 Jahren definitiv noch lange nicht Schluss! Auf seiner Tournee 2003 sang er u.a. die Lieder seiner CD "Es lebe das Laster" (im Oktober 2002 veröffentlicht, 2nd Edition März 2003). Kurz vor seinem 70. Geburtstag präsentierte er sein neues Buch "Der Mann mit dem Fagott", in dem er die Geschichte seiner Familie beschreibt. Im Oktober 2005 stellte er sein fünfzigstes Studioalbum vor: "jetzt oder nie!". Anfang 2006 startete er seine 20. Tournee. "Man will mich hören", weiß Jürgens. Doch ihm ist auch bewusst: "Durch die Sanduhr des Lebens rinnt jetzt Gold, später Platin, jede Stunde wird kostbar!" Auch 2007 standen wieder einige Projekte an. So war Anfang Dezember 2007 beispielsweise die Weltpremiere des Musicals "Ich war noch niemals in New York" mit den größten Hits des österreichischen Komponisten und Sängers. Drei Jahre nach seinem letzten, mit Gold ausgezeichneten Studioalbum "Einfach ich" (2008) meldete sich Udo Jürgens im März 2011 mit der CD "Der ganz normale Wahnsinn" zurück. Der ganz normale Wahnsinn scheint es auch, dass der Sänger noch immer mit neuen Songs auf der Bühne steht - und er ist es weiterhin nicht leid! So konnte er Anfang Februar 2012 in Köln einen umjubelten Tourauftakt feiern. Mit seiner neuen Tournee "Der ganz normale Wahnsinn" zieht der Erfolgssänger wieder durch ganz Deutschland.
Familie
Udo Jürgens bekannte sich in Interviews freimütig zu seinen zahlreichen Amouren: "Gut, ich habe natürlich Stoff geboten; uneheliche Kinder, zwei. Was ich überhaupt nicht ertragen kann, ist, dass ich ausschließlich auf meine Frauengeschichten reduziert werde" (FOCUS; 44/1997). Von 1964 bis 1989 war er mit dem ehemaligen Fotomodell Erika ("Panja"), geb. Meier, verheiratet. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Jonny (*1964) und Jenny (*1967). Anfang September 2003 wurde bekannt, dass der Künstler schon seit Jahren wieder verheiratet ist. Er hatte sich am 4. Juli 1999 in New York von einem Friedensrichter mit Corinna Reinhold trauen lassen. Im Oktober 2005 hat Corinna Jürgens allerdings Spekulationen über eine Trennung von Udo Jürgens bestätigt. Das Paar lebe seit einem Jahr getrennt und wolle "alles weitere nun so regeln, wie es sich für zivilisierte Menschen gehört". Seit September 2006 ist Udo Jürgens offiziell von seiner zweiten Ehefrau geschieden.
Das Vermögen von Udo Jürgens wird auf rund 130 Millionen Euro geschätzt. Doch: "Ich habe mein Leben nie darauf ausgerichtet, viel Geld zu verdienen". Udo Jürgens unterstützt Not leidende Kinder und Waisen durch eine Stiftung. Und auch Nachwuchsmusiker können auf ihn setzen.
Werke
In der über vier Jahrzehnte umspannenden Karriere des Udo Jürgens kamen rund 700 Kompositionen und um die 100 Millionen Platten zusammen. Erwähnt seien Titel wie "Siebzehn Jahr, blondes Haar" (1965), "Merci Chérie" (1966), "Immer wieder geht die Sonne auf" (1967), "Zeig mir den Platz an der Sonne" (1971), "Der Teufel hat den Schnaps gemacht" (1973), "Griechischer Wein" (1974), "Ein ehrenwertes Haus" (1975), "Aber bitte mit Sahne" (1976), "Mit sechsundsechzig Jahren" (1977), "Buenos dias, Argentina" (1978), "Ich weiß, was ich will" (1979), "Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff" (1980), "Paris - einfach so nur zum Spaß" (1981), "Gaby wartet im Park" (1981), "Die Sonne und Du" (1983), "Gehet hin und vermehret Euch" (1988), "Geradeaus" (1991), "Gestern, Heute, Morgen" (1997), "Bring ein Licht ins Dunkel" (1999), "Ich werde da sein" (1999), "Es lebe das Laster" (2002), "Jetzt oder nie" (2005), "Völlig vernetzt" (2008), "Der ganz normale Wahnsinn" (2011) sowie Kompositionen wie "Helden" (1972, Musical nach G.B. Shaw) und "Wort" (1979). Mitte Februar 2007 erschienen 19 "Lieder voller Poesie", ausgewählt und im 36-seitigen Booklet kommentiert vom Autor Bastian Sick.
Filme
Im Lauf der Zeit hat Udo Jürgens als Darsteller in diversen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Einige dieser Filme lauten:
- "Und du mein Schatz bleibst hier" (1961)
- "Tanze mit mir in den Morgen" (1962)
- "Unsere tollen Tanten in der Südsee" (1963)
- "Das Spukschloss im Salzkammergut" (1965)
- "Siebzehn Jahr, blondes Haar" (1966)
- "Das Traumschiff - Disney World" (1991)
- "Ein Schloss am Wörthersee" (1993)
Bibliografie:
- Lisbeth Bischoff: Udo Jürgens. Biografie, Wien 2009
- Udo Jürgens, Michaela Moritz: Der Mann mit dem Fagott, München 2006
Institution(en):
- Udo Jürgens OfficeCarmenstr.12, 8030 Zürich, Schweiz
- Fanklub - Zentrale Udo Jürgens FamilyPostfach 22 22 22, 86183 Augsburg,









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