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THEMEN

Verdi - Höhepunkt der italienischen Oper

Einführung

Unter den Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts nimmt Giuseppe Verdi (1813-1901) eine Sonderstellung ein. In seinem Leben spiegelt sich das ganze Jahrhundert, und sein Schaffen beeinflusst die italienische Oper weit über seinen Tod hinaus. Verdi durchlebte eine Entwicklung vom einfachen Bauernsohn über den Provinzmusiker, der nach familiären und künstlerischen Schicksalsschlägen zum italienischen Nationalhelden und Symbol der Freiheitsbewegung wurde, zum Musiker von Weltruhm.

Seine Lebensspanne reichte vom Niedergang der napoleonischen Macht, der durch die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 eingeleitet wurde, bis zum beginnenden Zerfall der Donaumonarchie, die jahrzehntelang vom italienischen Risorgimento bekämpft worden war. Musikalisch machte Verdi in diesem Zeitraum eine staunenswerte Entwicklung durch. Er begann im Stil der Meister des Belcanto, wobei er sich vorerst an die kantilenenreichen Werke Vincenzo Bellinis, aber auch an die frühe Dramatik Gaetano Donizettis anlehnte. Allmählich fand er zu einem persönlichen Stil, der sich zunächst durch prägnantere melodische Einfälle von seinen Vorläufern abhob, mit "Macbeth" einen fast prophetischen Vorgriff auf das spätere Musikdrama wagte und sich in der Synthese von Charakterisierungskunst, souveräner Orchesterbehandlung und mitreißender Melodik zum Ideal "klassischer" Ausgewogenheit der romantischen Oper in Italien wandelte.

Trotz zunehmender orchestraler Ausarbeitung seiner Werke steht bei Verdi stets die menschliche Stimme im Vordergrund. Im Gegensatz zu Wagner, der das Orchester zur Grundlage seiner Bühnenwerke machte (um es letztlich in Bayreuth zu dämpfen), ist selbst bei "Othello", Verdis reifster Oper, der Gesang Ausgangspunkt aller musikalischen Strukturen. Nur bei seinem letzten, durchaus ein wenig atypischen Werk "Falstaff" wird dem Orchester eine geradezu sprechende, charakterisierende Rolle zuteil, während das melodische Element zurücktritt und in viele kleine Passagen zerlegt wird. Boitos Dichtung ist hier von höchstem literarischem Rang. Die italienische Sprache wird parlierend, lautmalerisch und ironisierend eingesetzt und dermaßen mit der "Sprache" des Orchesters verwoben, dass auch hier ein "Gesamtkunstwerk" anderer Art entstanden ist, das auf seine Weise durchaus Wagners theoretischen Anforderungen gerecht wird. Verdi und Wagner zeichneten beide, jeder auf seine Art, der Oper den Weg zum 20. Jahrhundert vor. Ohne Wagner wäre kein Richard Strauss, kein Arnold Schönberg und kein Alban Berg, ohne Verdi kein Giacomo Puccini, kein Gian Carlo Nemotti und kein Luciano Berio denkbar, ohne sie beide wäre der Verismo nicht möglich gewesen. Giuseppe Verdi ist der "Klassiker der Romantik", dessen Bühnengestalten trotz mancher realistischer Züge stets von edlem menschlichen Format sind und dessen selbst negativste Figuren, wie etwa Fähnrich Jago in "Othello", nicht einer gewissen "Größe" entbehren.

  1. Einführung
  2. Bescheidene Anfänge
  3. Schicksalsschläge
  4. Durchbruch zum Ruhm
  5. Späte Meisterwerke
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