Wallfahrtsort Lourdes
Lourdes, Ort am Fuß der Pyrenäen
Lourdes ist eine kleine Stadt im Südwesten von Frankreich, an der Grenze zu Spanien. Der katholische Wallfahrtsort liegt in einer Höhe von 410 Meter über dem Meeresspiegel am Nordrand der Pyrenäen (im Departement Hautes-Pyrénées), am Fluss Gave de Pau. In Lourdes leben rund 16000 Menschen.
Einst war die Stadt mit ihrer Festung Schauplatz vieler Auseinandersetzungen. Heute ist Lourdes ein bekanntes Ziel für Pilger aus aller Welt. Jährlich kommen etwa sechs Millionen Pilger zu der Grotte, in der Bernadette Soubirous Marienerscheinungen hatte. Das Wasser der darin entsprungenen Quelle wird als heilkräftig verehrt.
Die so genannte Cité religieuse liegt abgesondert von der eigentlichen Stadt Lourdes. Ein ganzer Komplex oberirdischer und unterirdischer Kirchen wurde dort mittlerweile errichtet. So befindet sich über der Grotte eine neugotische Basilika (1876), unterhalb die Rosenkranzbasilika (1901). In der Nähe steht die unterirdische Pius-X.-Basilika (1958 geweiht), in der rund 20000 Pilger Platz finden können. Von den zahlreichen Marienstatuen wurde eine in der Grotte selbst aufgestellt; der Bildhauer Joseph Fabisch hat sie im Jahr 1864 aus Carraramarmor gefertigt.
Die Quelle fließt, seit Bernadette Soubirous sie während einer der Marienerscheinungen freilegte. Das kostbare Nass wird inzwischen in einem Becken aufgefangen. Nach der rechten Seite hin fließt es zu den Marmorwannen ("Pescines"), nach links zu einem guten Dutzend Wasserhähnen, aus denen sich die Pilger frei bedienen können. Laboruntersuchungen haben übrigens ergeben, dass es sich um ganz gewöhnliches Gebirgswasser handelt, das - wie es in einem Untersuchungsbericht heißt - "keine therapeutischen Eigenschaften" besitzt.
Ein Museum im Pavillon Notre Dame zeigt Dokumente und Erinnerungen an Bernadette Soubirous. Ebenso wurden ein Reihe von Häusern der Umgebung, die mit dem Ereignis in Verbindung stehen, als Erinnerungsstätten eingerichtet. Dazu gehört beispielsweise die Mühle Moulin de Boly, in der Bernadette 1844 zur Welt kam.
Wie Franz Werfel ("Lied von Bernadette") schrieb auch Émile Zola ein Buch über das Geschehen an der Grotte und dessen Folgen. Wer Zolas Roman von 1894 liest, bewegt sich auch durch das heutige Lourdes. Pierre, der Held des Buches, erschrickt über die Betriebsamkeit und die skrupellose Art, mit der die Lourder Geschäftswelt aus der Geschichte Kapital zu schlagen versteht. "Der Handel, der schamlose Handel", so heißt es im Roman, "drängte sich an die Pilger bis zu den Zugängen zur Grotte. Nicht genug, dass er sich sieghaft in allen Krambuden einrichtete, von denen sich eine an die andere zwängte, so dass sie jede Straße in einen Basar verwandelten; er schwärmte auch auf dem Pflaster herum, versperrte den Weg und fuhr auf Handkarren seine Rosenkränze, Medaillen, Statuetten und Heiligenbilder von Ecke zu Ecke. Überall wurde gekauft, um von dieser heiligen Kirmes ein Andenken mitzubringen ... ".
Inzwischen hat sich der "schamlose Handel" zumindest aus dem "heiligen Bezirk" zurückgezogen. Nur für den Kauf von Kerzen gibt es noch Gelegenheit gleich neben der Grotte. Denn: "Ihre Kerze", so belehrt ein Hinweis, "ist ein Zeichen ihres Gebetes, eine Gabe für die Wallfahrtsstätte, eine Hilfe für die Kirche in der ganzen Welt ... ". Die Grotte selbst wurde mittlerweile hunderttausendfach in katholischen Dörfern und Städten nachempfunden.
- Lourdes, Ort am Fuß der Pyrenäen
- Bernadette Soubirous und ihre Marienerscheinungen
- Wallfahrten
Bibliografie:
- Irmgard Jehle: Bernadette und das Wunder von Lourdes, Freiburg 2008
- Egon Mielenbrink: Wallfahrtsorte, Stätten des Gebets. Entstehung, Entwicklung, Bedeutung, Kevelaer 2006
- Werner Radspieler: Pilgerwege Lourdes, Bamberg 2006









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