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THEMEN

Walpurgisnacht

Einleitung

Die Walpurgisnacht wird alljährlich in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai gefeiert. Sie ist ein europäisches Phänomen. Man kennt sie in Schweden und England genauso wie in Frankreich, Italien und Deutschland.
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Zwei Hexen fliegen zum Blocksberg. Radierung von Goya

Nach altem Volksglauben treffen sich in dieser Nacht die Hexen auf kahlen Bergen zu einem großen Fest, um sich zu amüsieren und Mensch und Tier durch ihre Zauberkünste zu schädigen. Der Volksmund nennt den Hexentanzberg Blocksberg, wobei damit wohl mehrere Berge gemeint sind.

Der berühmteste deutsche Berg für die Hexenzusammenkünfte ist der Brocken, mit 1142 m die höchste Erhebung im Harz. Aber auch auf dem Butzberg im Samland, dem Petersstein im Altvatergebirge, dem Kiesberg bei Elberfeld oder dem fränkischen Staffelberg wird die Nacht der Hexen zelebriert.

Hintergrund: Woher kommt der Name "Walpurgisnacht"?

Der Name Walpurgis (Walpurga oder Walburga) setzt sich zusammen aus dem althochdeutschen waltan (= herrschen) und burg (= Schutz, Zuflucht). Das Datum für die Walpurgisnacht geht zurück auf die heilige Walburga, die im achten Jahrhundert von England in das bayerische Eichstätt kam. Aus Wessex, wo sie als angelsächsische Benediktinerin wirkte, hatte sie der heilige Bonifatius, ein Verwandter von ihr, nach Deutschland gerufen. 761 wurde sie Äbtissin im Doppelkloster Heidenheim, wo sie 779 starb. Als ihre Gebeine gut hundert Jahre später am 1. Mai 871 als Reliquien nach Eichstätt überstellt wurden, machte man diesen Tag zu ihrem Namenstag.

Besonders im katholischen Bayern war der Name im Mittelalter durch die Verehrung der Heiligen weit verbreitet. Sie zählt zu einer der beliebtesten Volksheiligen und gilt unter anderem als Beschützerin der Wöchnerinnen vor Hexen. Bis heute ist ungeklärt, warum die Nacht der Hexen ausgerechnet nach ihr benannt wurde.

Daten und Fakten: Die Walpurgisnacht wird zum Hexensabbat

Ursprünglich feierten die alten Germanen in der Walpurgisnacht nach heidnischen Bräuchen den Einzug des Frühlings. Sie zündeten Feuer an und brachten den alten Göttern zum Dank für die wärmere Jahreszeit Opfer dar. Bei Liedern, Tanz, Speis und Trank feierten sie ein ausgelassenes Fest. Während dieser Zeremonie waren auch immer alte und weise Frauen zugegen, die von der Bevölkerung um Rat gefragt wurden. Man nannte sie hagszissen - die im hag bzw. Hain Sitzende. Aus diesem Wort entstand später der Begriff der Hexe.

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Hexe verzaubert Stallknecht. Kupferstich von Grien

Als Karl der Große die Herrschaft über das Heilige Römische Reich erlangte, begann er umgehend mit der Christianisierung des Abendlandes. Diese Zwangsmissionierung brachte das Verbot aller heidnischen Bräuche, Riten und Zeremonien mit sich. Doch die Priester kamen mit der Bekehrung zum Christentum kaum nach, und Feste wie die Walpurgisnacht waren nicht zu unterbinden. Denn fortan traf sich die germanische Bevölkerung heimlich, und diese geheimen Treffen drohten der Macht der katholischen Kirche zu entgleiten. Deshalb begann man sukzessive mit der Dämonisierung und Mystifizierung dieser Zusammenkünfte. Die alten Götter mutierten zu Teufeln und die, die sie anbeteten, infolgedessen zu Hexern und Hexen. 1398 machte die Theologische Universität der Pariser Universität "Teufelsbündnisse" der Hexen zu einer erklärten Tatsache.

Dies war nur der Auftakt zu einem der dunkelsten Kapitel der Kirchengeschichte, das bis weit ins 17. Jahrhundert währte. Die frühe Neuzeit war geprägt von Hexenjagd, -verfolgung und -prozessen. Historiker bezeichnen diese Hetzjagd als "die größte nicht kriegsbedingte Massentötung von Menschen durch Menschen nach den Judenverfolgungen". Man geht allein für den deutschen Raum von 100000 bis 500000 verurteilten Hexen aus, die den Feuertod sterben mussten. Die geschätzte Dunkelziffer liegt jedoch in Millionenhöhe.

1484 legte Papst Innozenz VIII. mit der Bulle 'Summis desiderantis affectibus' den Grundstein der Hexenverfolgung. Drei Jahre später erschien das Malleus Maleficarum, zu deutsch der Hexenhammer, das zwei Jahrhunderte lang zum christlichen Standardwerk wurde. Es befasste sich in drei Teilen ausschließlich mit dem Wesen bzw. Unwesen der Hexen. Der erste Teil definierte die Macht der Hexen, Böses zu tun. Im zweiten Teil folgten Anekdoten über Untaten der Hexen. Der dritte Teil schließlich enthielt genaue Anweisungen für Richter und Hexenverfolger, wie sie Hexen schnellstmöglich auf den Scheiterhaufen befördern konnten. Er diente außerdem als Leitfaden in den Hexenprozessen selbst. Das Werk erlebte 30 Auflagen und erschien zuletzt 1669.

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Streitschrift gegen Zauberei und Hexenwahn

Das endgültige Aus für die Hexenverbrennungen brachte erst das Zeitalter der Französischen Revolution. Im deutschen Sprachraum fanden im Jahre 1782 die letzten Hexenverbrennungen statt.

Mythos Walpurgisnacht

Das einst fröhliche und unbeschwerte Fest, das man in der Walpurgisnacht gefeiert hatte, war in den Köpfen der frühen Neuzeit zum verruchten Hexensabbat verkommen. Man glaubte fest, dass die Hexen auf Besen, Ofengabeln, verzauberten Männern oder auch dem Teufel in Bocksgestalt beispielsweise auf den Blocksberg ritten. Die Besen waren angeblich vorher mit einer Hexensalbe bestrichen worden: einer Mixtur aus Tollkirschen, Bilsenkraut, Nachtschatten und Schierling, aber angeblich auch aus verbrannten Kleinkindern. Ein Hexenspruch aus dem Allgäu machte den Besen reisefertig: "Schmier ich wohl, fahr ich wohl und fahre nirgends hin." Dort trafen sie den Teufel und ersannen gemeinsam mit diesem Schadenbringendes für Mensch und Tier. Nicht genug ergingen sie sich auch in ihren sexuellen Gelüsten, die den Hexen in besonderem Maße attestiert wurden und suchten Befriedigung in der geschlechtlichen Vereinigung mit dem Teufel.

Den kreisförmigen Pilzbewuchs auf Bergplateaus bezeichnet man noch heute als Hexenringe, weil man in ihnen Tanzplätze der Hexen vermutet. Tatsächlich rührt der Kreis daher, dass sich das Myzel des Pilzes kreisförmig ausbreitet und in der Mitte abstirbt.

Kinderliteratur

Auch auf Kinder üben Hexen seit jeher eine Faszination aus. Das Märchen von "Hänsel und Gretel" ist nicht mehr wegzudenken aus dem Erzählfundus für Kinder. "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler gehört seit Jahrzehnten zu den Klassikern der Kinderliteratur. Hier hat das Ereignis der Walpurgisnacht eher den Charakter einer Reifeprüfung. Denn nur Hexen, die ein gewisses Alter erreicht haben, dürfen daran teilnehmen. Doch auch hier finden alle althergebrachten Klischees ihren Niederschlag. Die Walpurgisnacht ist und bleibt die Nacht der Hexen.

Der Volksbrauch

Hand in Hand mit der Verteufelung unschuldiger Menschen ging auch der Drang der einfachen Gläubigen nach Schutzmaßnahmen vor den überirdischen Kräften dieser Wesen. Am Vorabend der Walpurgisnacht traf man die verschiedensten Vorkehrungen, um den Hexenzauber zu bannen. Man befestigte Kräuterbüschel aus Johanniskraut, Baldrian und Misteln an Haus- und Stalltüren, trieb ein Messer über den Türrahmen und hängte ein Hufeisen darüber. Üblich war es auch, einen Besen in die Tür zu stellen und drei schwarze Kreuze an diese zu malen. In der Nacht zündete man allerorten Walpurgisfeuer an und läutete die Kirchglocken, um die Hexen zu vertreiben.

Viele regionale Anekdoten ranken sich um den Mythos Walpurgisnacht, die nicht ausschließlich Schlechtes bringen konnte. So besagt eine Bauernregel aus der Oberpfalz folgendes: Am Morgen des 1. Mai konnte eine Bäuerin, die auf einem Melkschemel saß, der aus neun verschiedenen Holzsorten gemacht war, eine vorübergehende Hexe als solche identifizieren und ergo an den Hexenrichter denunzieren. Und eine andere lautet: Regen auf Walpurgisnacht hat stets ein gutes Jahr gebracht.

Aktuell: Walpurgisnacht heutzutage

Heute, da man die Hexenverfolgung vergangener Jahrhunderte als gezielte Aktion der Kirche zur Unterdrückung der Frauen begreift, hat die Walpurgisnacht ihre Bedeutung nicht verloren, sie hat sich nur verschoben.

Frauenbewegung

Zum einen stellt sie seit den späten 70er-Jahren ein Event der Frauenbewegung dar. "Zittert, zittert, die Hexen sind zurückgekehrt" - mit diesem Motto gingen im November 1977 in Italien Frauen auf die Straße und demonstrierten gegen die Gewalt an Frauen. Vorangegangen war eine Serie von Vergewaltigungen. Die Demonstrantinnen hatten sich als Hexen verkleidet und wollten damit weniger auf ihre Diskriminierung aufmerksam machen, als vielmehr auf ihre neuen Kräfte hinweisen. Für Feministinnen ist der Begriff Hexe zum Ehrentitel geworden. 1998 hat man den Hexen erstmals auch offiziell die Ehre erwiesen. In Gelnhausen, wo besonders viele Hexen verbrannt wurden, enthüllte Staatssekretärin Marita Haibach, Bevollmächtigte der Hessischen Landesregierung für Frauenfragen, ein Hexendenkmal.

Volksfest

In Bayern bezeichnet man die Nacht zum 1. Mai auch als Freinacht. Dann werden Fahrräder auf Straßenlaternen gehoben, Klingeln mit Kaugummi oder Zahnpasta beschmiert, Toilettenpapier liebevoll über Autos drapiert. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Im Harz wird die Walpurgisnacht am 30. April als ganztägiges Volksfest gefeiert. Dann ziehen verkleidete Hexen und Teufel durch die Straßen der Dörfer, es gibt Hexenbraten und höllische Getränke, Tanz und Spiel. Um Mitternacht wird dann - gemäß der alten Tradition - ein modernes Walpurgisfeuer entzündet: ein Feuerwerk. Informationen zur Walpurgisnacht gibt der

Harzer Verkehrsverband,
Marktstr. 45, 38640 Goslar,
95321/340 40

Dokument

Ein eindrucksvolles und bleibendes Bild einer Walpurgisnacht nach damaligen Vorstellungen entwarf Goethe im Faust. Seine Walpurgisnachtszene gehört zu den bekanntesten in der Literatur:

Es singt der Hexenchor:
Die Hexen zu dem Brocken ziehn
Die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün.
Dort sammelt sich der große Hauf,
Herr Urian sitzt obenauf.
So geht es über Stein und Stock,
Es farzt die Hexe, es stinkt der Bock. [...]
Der Weg ist breit, der Weg ist lang,
Was ist das für ein toller Drang!
Die Gabel sticht, der Besen kratzt,
Das Kind erstickt, die Mutter platzt.
Wir schleichen wie die Schneck im Haus,
Die Weiber alle sind voraus.
Dann geht es zu des Bösen Haus,
Das Weib hat tausend Schritt voraus. [...]
Es trägt der Besen, trägt der Stock,
Die Gabel trägt, es trägt der Bock;
Wer heute sich nicht heben kann,
Ist ewig ein verlorner Mann! [...]
Die Salbe gibt den Hexen Mut,
Ein Lumpen ist zum Segel gut,
Ein gutes Schiff ist jeder Trog:
Der flieget nie, der heut nicht flog!
Und wenn wir um den Gipfel ziehn,
So streichet an dem Boden hin
Und deckt die Heide weit und breit
Mit eurem Schwarm der Hexenheit!

Bibliografie:

  • Rüdiger Bernhardt: Walpurgisnacht und Rosstrappe. Sagen vom Harz. Bühl 1997
  • Johannes Dillinger: Hexen und Magie. Eine historische Einführung. Campus, Frankfurt M 2007
  • Thomas Hauschild: Die alten und die neuen Hexen. München 1987
  • Matthias Mala, Uwe Gardein: Walpurgisnacht und Zungenreden. Ursprung und Belebung unserer Feste und Bräuche. München 1994
  • Gustav Meyrink: Walpurgisnacht. Furth im Wald 2003
  • Hilde Schmölzer: Phänomen Hexe. Wahn und Wirklichkeit im Lauf der Jahrhunderte. München 1986
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